Kolbermoor. Nachdem wir vergangenen Sonntag ein tolles Event im Berliner Sportforum erlebt haben, das mit 1.600 Zuschauern und kreativen Mitmachangeboten einen unvergleichlichen Rahmen bot, allerdings in sportlicher Hinsicht sehr einseitig verlief, ist am kommenden Wochenende wieder mit spannenden, umkämpften Partien zu rechnen. Etwa wenn der Tabellenzweite Dachau den schweren Gang nach Kolbermoor und Weinheim antritt oder sich das Team aus Bingen mit den Weilerinnen duelliert. Die TTG steht unter Siegzwang, will sie nicht Boden im Kampf und die Play-off-Plätze verlieren, der ESV hingegen möchte endlich die ersten Punkte einfahren.
Samstag, 14 Uhr: SV DJK Kolbermoor – TSV Dachau 65
Der Spieltag beginnt mit etwas keineswegs Ungewohntem, nämlich dem Bayernderby, wie wir es zuletzt am 19. Dezember, also vor gerade einmal fünf Wochen hatten, nur damals in Dachau. Diesmal trifft man sich in Kolbermoor, das zwischenzeitlich ein tolles Pokalturnier ausgerichtet und ein packendes Halbfinale gegen Berlin geboten hat, das zu den besten Damen-Spielen der letzten Jahre gezählt werden muss.
Das Hinspiel hatte es in sich: 5:5 hieß es nach knapp 200 packenden Minuten, Dachau konnte eine 5:3-Führung nicht in einen Sieg ummünzen. Es war schon ein wenig kurios: Vorne 4:0 für Dachau, Sabine Winter und Seoyoung Byun unwiderstehlich, selbst die im Pokal gegen Berlin so starke Huang Yu-Chiao hatte zweimal das Nachsehen. Hinten jedoch alle Matches an Kolbermoor, Lisa Wang und Tijana Jokic in Topform. Ob man sich diesmal, vor gewiss wieder guter Kulisse, erneut derbygerecht mit einem Remis trennt?
„Dachau ist im vorderen Paarkreuz für uns, sowie für alle anderen, sehr unangenehm zu spielen, wenn Sabine und Seoyoung wieder fit sein sollten“, erklärt Dr. Michael Fuchs. „Ich hoffe, dass Annett und Yu-Chiao diesmal vielleicht eine der beiden knacken können. Zuletzt haben wir gegen Dachau im hinteren Paarkreuz die Punkte gemacht. Mal sehen, ob wir das dieses Mal wieder schaffen. Durch das Turnier, das gerade in Doha läuft, sind wir gezwungen, anders als im Hinspiel aufzustellen.“ Kolbermoors Cheftrainer, für dessen Team es eine ganz wichtige Partie im Hinblick auf den Kampf um die Play-off-Plätze ist, fügt hinzu: „Ich hoffe auf ein ausgeglichenes Spiel und etwas “Heimvorteil” durch die tolle Unterstützung unserer Fans - das war beim Pokal schon super, was da für eine Stimmung war. Wenn wir mit einem Sieg in den Doppeln starten können, haben wir eine Chance auf einen Punkt.“
Dachaus Trainer Alexander Yahmed geht von einem happigen Wochenende aus: „Wir spielen gegen Kolbermoor und Weinheim, also zwei Teams, die sehr wohl Deutscher Meister werden wollen und können, zudem auswärts: Ja, das werden zwei Brocken!“. Zudem muss man einmal mehr auf die junge Koharu Itagaki verzichten, die in diesen Tagen bei den beiden WTT Jugend-Turnieren in Doha gefordert ist. „Unsere Nummer drei fehlt, die schon sehr wichtig ist für unser Team“, so Yahmed. „Ich denke, wir haben Außenseiter-Chancen, aber man muss realistisch bleiben. Es geht in die heiße Phase, da wird jeder seine Trümpfe ziehen, deswegen sind wir Außenseiter und jeder Punkt ist Bonus.“
Alles ist angerichtet für ein abermals packendes Bayern-Derby, nach dem sich der Dachauer Tross gleich wieder in Bewegung setzen muss, um sich tags darauf einigermaßen erholt und zumindest halbwegs ausgeruht in Weinheim präsentieren zu können.
Sonntag, 14 Uhr: TTG Bingen/Münster-Sarmsheim – ESV Weil
Bingen spielt bisher eine Saison mit Höhen und Tiefen, ist unter dem Strich aber durchaus gefährlich und aussichtsreich im Geschäft in Hinblick auf den Kampf um die Play-offs, der in der Rückrunde sehr spannend, vielleicht sogar dramatisch zu werden verspricht. Mit 5:7 Punkten ist man aktuell Tabellenfünfter, punktgleich mit Kolbermoor, das nach heutigem Stand in den Play-offs wäre. Von unten drängt aber auch noch Titelverteidiger Weinheim nach, der nach einer durchwachsenen Vorrunde mit vielen Ausfällen zwar nur drei Punkte auf dem Konto hat, aber endlich wieder ein gutes Quartett zum Einsatz bringen kann und unbedingt noch in die Halbfinals will.
Um da nicht an Boden zu verlieren, muss das Team aus Rheinhessen am Sonntag gewinnen, zumal man das zuletzt personell arg dezimierte Schlusslicht aus Weil am Rhein zu Gast hat. 0:14 Punkte stehen bei den Südbadenerinnen zu Buche – das klingt nach einem chancenlosen Außenseiter, doch wir alle wissen, dass die Tabelle bisweilen eben doch lügt und Weil, sofern mit Spitzenspielerin Anna Hursey am Start, für jeden Gegner gefährlich sein kann. Wir wissen nicht, ob es mit ihrem Einsatz am Sonntag klappt, sie hat eben viele internationale Turniere auf der Agenda. Doch wenn sie an die Tische geht, wird es für die Pfälzerinnen eine echte Herausforderung, die das Hinspiel mit 6:3 gewonnen hatten - allerdings fehlte Hursey eben auch am 30. November in Weil.
Man darf auch gespannt sein, wen Bingen auf der „Ausländerposition“ einsetzt. Die Wahl könnte einmal mehr auf Defensiv-Ass Yelin Choi aus Südkorea fallen, doch möglich wäre auch der erste Einsatz der zur Rückrunde verpflichteten Chinesin Huang Yingqi – schaut man sich Videos auf YouTube an, kommt man sehr schnell zu der Erkenntnis, dass Huang richtig gut sein müsste.
Bingens Sportvorstand Joachim Lautebach rechnet keineswegs mit einem Selbstläufer: „Nach der knappen 2:3-Niederlage vor 14 Tagen bei den Deutschen Pokalmeisterschaften gegen den TSV Langstadt, werden unsere Spielerinnen wieder alles versuchen, sich durch mannschaftliche Geschlossenheit und entsprechenden Einsatz in dieser Begegnung vor den eigenen Anhängern gut zu präsentieren. Obwohl das Team aus Weil zurzeit Tabellenletzter ist, darf diese Mannschaft nicht unterschätzt werden. Es ist mit einer umkämpften Begegnung sowie spannenden und hochklassigen Partien zu rechnen. Wir hoffen darauf, dass uns wieder viele Fans unterstützen werden.“
Keine einfache Saison für den ESV Weil. Immer wieder muss man in Bezug auf die Aufstellung improvisieren, zu oft fallen Leistungsträgerinnen aus, ob nun wegen des internationalen Turnierkalendes oder aufgrund von Verletzungen. Zuletzt hatte man die einmalige Chance, sich vor 1.600 Tischtennisfans in der Hauptstadt zu präsentieren, doch ausgerechnet da sah es personell besonders mau aus: Anna Hursey im WTT-Einsatz, Lea Lachenmayer bei den TTBW-Meisterschaften gefordert und Martine Toftakter aufgrund ihrer Handgelenksverletzung nicht spielfähig. Abteilungsleiterin Doris Spiess konnte anfangs der Woche noch nicht sagen, wie es am Sonntag aussehen wird: „Die Situation bleibt weiterhin unsicher. Ob Anna Hursey mit dabei ist, entscheidet sich erst kurzfristig, je nachdem wie weit sie in Muscat kommt. Wieder mit dabei ist auf jeden Fall die neue Baden-Württembergische Meisterin Lea Lachenmayer. Auch Ievgeniia Sozoniuk und Kornelija Riliskyte sind mit dabei. Wenn wir komplett antreten können, erhoffen wir uns natürlich unser erstes Erfolgserlebnis. Aber auch in Bestbesetzung wird es schwierig. Bingen hat mehr als einmal gezeigt, wozu sie fähig sind. Wir bleiben aber optimistisch.“
Sonntag, 14 Uhr: TTC 1946 Weinheim – TSV Dachau 65
Last not least die weichenstellende Partie in Weinheim, bei der jedes Ergebnis möglich zu sein scheint. Vielleicht sogar so etwas wie die Krönung des Tischtennis-Wochenendes, zumindest aus Sicht der nationalen Damen-Topliga.
Wie weiter oben schon angerissen, will man bei den Gastgebern nur eines: Zurück in die Erfolgsspur. Was nicht nur letzte Saison vielfach so perfekt funktioniert hat, war in der Vorrunde ungemein schwierig. Man hatte einfach zu viele Ausfälle zu verkraften und steht deshalb mit nicht standesgemäßen 3:9 Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz. Im neuen Jahr soll es den entscheidenden Schritt nach vorne geben, man will mit endlich wieder komplettem Quartett Punkt um Punkt aufholen und noch die Qualifikation für die Play-offs bewerkstelligen.
Einfach wird es nicht, man wird in jeder Partie unter Druck stehen, gutes und vor allem erfolgreiches Tischtennis abzuliefern. Man könnte auch sagen: Patzen verboten! Gegner Dachau wird mit mindestens sechs Punkten mehr auf der Habenseite anreisen. Und wenn Winter und Co. tags zuvor im Derby punkten sollten, wird der Abstand am Sonntag noch größer sein. Doch es geht nur sekundär um Dachau, das man nicht zwingend noch einholen muss, die Orientierungspunkte heißen Kolbermoor und Bingen, die man am Ende hinter sich lassen möchte.
Die Endspielteilnahme im Pokalturnier war schon einmal ein guter Anfang. Man hat gesehen, dass eine Menge Substanz in der Mannschaft steckt. Besonders wenn die spielstarke Taiwanerin Chien Tung-Chuan, die nach ihrer Verletzung endlich wieder spielfähige Yuan Wan, deren immense Bedeutung für das Team besonders deutlich wurde, als sie ausfiel, und Rückrunden-Neuzugang Veronika Matiunina am Tisch stehen. Die Ukrainerin war in der 2. Liga einfach unterfordert und spielt jetzt dort, wo sie leistungsmäßig hingehört. Und es ist ja noch nicht das Ende der Fahnenstange, mit ihren 19 Jahren ist noch reichlich Steigerungspotenzial bei der Neu-Weinheimerin vorhanden.
Dennoch wird es eine ganz schwere Nummer am Sonntag gegen Dachau, das wohl mit Sabine Winter und Byun Seoyoung anreisen wird, im Spitzenpaarkreuz also Bundesliga-Toplevel anzubieten hat. Und wenn hinten Dora Cosic, Naomi Pranjkovic oder Emine Ernst aufschlagen, haut man die auch nicht einfach so weg. Eine Begegnung, die reichlich Spannung verspricht, bei der aber der größere Druck auf den Weinheimerinnen lastet, da man genau jetzt mit dem Punktesammeln beginnen muss, soll aus einer gebrauchten doch noch eine gute Saison werden.
Weinheims Macher und Manager Christian Säger äußert sich im Vorfeld der Begegnung knapp und präzise, man spürt bereits in seinem Statement die Fokussierung auf den Sonntag: „Der Auftakt der Rückrunde ist wichtig für uns, um noch die Play-offs erreichen zu können. Natürlich kommt mit Dachau, wenn Sie komplett spielen, ein herausragendes Team nach Weinheim. Wir wollen uns gut präsentieren und hoffen, dass alle Spielerinnen gesund und fit sind.“
Dachaus Trainer Alexander Yahmed rechnet trotz der Vorrunde noch mit Weinheim als einem der Titelanwärter und geht von einem dicken Brocken aus. Doch die Oberbayern möchten am Sonntag auch ohne die 15-jährige Koharu Itagaki nicht leer ausgehen, schließlich ist ihr Spitzenpaarkreuz vom Feinsten. Dennoch fühlt sich Yahmed in der Außenseiterrolle, die er seinem Team zuspricht, fraglos wohl: „Man muss realistisch bleiben. Es geht in die heiße Phase, da wird jeder seine Trümpfe ziehen und jeder Punkt ist Bonus.“
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