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Senioren-WM in Bremen: Hochklassiger Final-Tag einer Top-Veranstaltung

20.05.2006

Bremen. Es war ein spannender Schluss-Tag beeindruckender Senioren-Weltmeisterschaften in Bremen. Die fünf Turnier-Tage im AWD-Dome bei der 13. WM-Auflage für Aktive über 40 Jahre brachten neue und alte Champions. Die erfolgreichsten Nationen in der Gesamtwertung waren Deutschland und Japan. Die Gastgeber gewannen insgesamt zwölf Titel in den jeweils acht Altersklassen mit Einzel- und Doppel-Konkurrenzen bei den Damen und Herren sowie 44 Mal Edelmetall insgesamt.

Eine der größten Überraschungen aus deutscher Sicht war der Titelgewinn des ehemaligen Deutschen Mannschafts-Meisters Jürgen Reuland, der in einem spannenden Fünf-Satz-Finale Altmeister Dragutin Surbek (Kroatien) besiegte und unter anderem zuvor bereits Japans Weltmeister von 1969, Shigeo Ito, schlagen konnte. ?Ich bin zwar in guter Form hierhin gefahren, aber nacheinander die guten Leute zu schlagen und Weltmeister zu werden, daran hätte ich vorher nicht gedacht. Deshalb freue ich mich auch so sehr?, sagte der ehemalige Düsseldorfer Bundesliga-Akteur.

Erstes Gold für Ex-Nationalspielerin Krüger-Trupkovic

Ihre erste Goldmedaille bei der ersten Teilnahme an einer internationalen Senioren-Veranstaltung holte Kirsten Krüger-Trupkovic. Die 51-jährige 93-fache ehemalige Nationalspielerin setzte sich im Finale der 50er-Klasse gegen die Japanerin Keiko Takakiwa klar in drei Sätzen durch. ?Ich bin sehr zufrieden, weil ich vorher schon gesehen haben, wie gut das Teilnehmerfeld ist?, erklärte die in Harrislee wohnende Trupkovic. ?Ich habe gar nicht ans Finale gedacht. Das Endspiel war am Ende einfacher, als ich erwartet hatte.? Sehr groß war ihre Freude schon nach dem gewonnenen Halbfinale gegen die ehemalige Europameisterin Elmira Antonian aus Armenien. ?Das habe ich zuvor noch nie geschafft. Schon in der Jugend hatte ich immer gegen sie verloren.?

In der Königsklassen, den mit zwischen 40 und 49 Jahren jüngsten Senioren, standen bekannte Größen ganz oben auf dem Treppchen: die vielfache kroatische und jugoslawische Meisterin Branka Batinic und der mehrfache Commonwealth-Sieger Alan Cooke (England). Die 48-jährige, seit langer Zeit in Deutschland lebende Batinic besiegte im Finale ihre russische Doppelpartnerin und Ü40-Weltmeisterin von 1998, Larisa Farina, noch nach 1:2-Satzrückstand und vier Matchbällen in Folge für die Gegnerin in Durchgang vier bei 6:10 aus der Sicht Batinics. Cooke, der im Halbfinale für den top gesetzten Titelverteidiger Mikael Appelgren aus Schweden das Turnier beendete, rang im Endspiel Zoran-Kalinic-Bezwinger Peter Aranyosi (Ungarn) in fünf sehenswerten Sätzen nieder und sicherte sich sein erstes Senioren-Gold. ?Es war ein ganz schweres Endspiel?, erklärte der sympathische Brite. ?Ich bin plötzlich sehr nervös gewesen. Das ist einfach so gekommen.? Entspannt sei er mit seiner Frau nach Bremen gereist und habe nicht ans Gewinnen gedacht. ?Aber wenn du im Finale stehst, willst du gewinnen. Ich bin froh, dass ich das noch nach Hause bringen konnte.?

Medien-Star de Low

Gleich drei Mal konnte bei dieser Veranstaltung das Prädikat erfolgreichste Spielerin vergeben werden, denn drei Damen gewannen in beiden Konkurrenzen Gold: Branka Batinic, Masako Fukushima (Ü60, Japan) und Chizuko Nagase (Ü70, Japan).

Zum Medien-Star wurde eine Dame, die im Doppel Platz drei an der Seite ihrer Partnerin Inge-Brigitte Herrmann aus Deutschland erreichte: Dorothy de Low war mit 95 Jahren die älteste Teilnehmerin im Feld und hatte aus Australien eine der weitesten Anreisen nach Bremen. Inzwischen buhlen sogar die beiden US-Late-Night-Talker Jay Leno und David Letterman um die Queen Mum des Tischtennis als Gast in ihren Shows.

?Bedingungen wie für Profis?

Die erste Senioren-WM in Deutschland brachte einen neuen Teilnehmer-Rekord: Rund 3650 Seniorinnen und Senioren aus 60 Nationen ? von Armenien über Neuseeland bis Wales - gingen an den Start. Den vorherigen Rekord hatte Luzern 2002 aufgestellt. Dort waren es fast 2700 Athletinnen und Athleten. Auch die übrigen Zahlen konnte beeindrucken: Unter den 154 Wettkampf-Tischen waren 9906 Quadratmeter roter Gerflor-Boden in den Hallen 1, 4 und 5 verlegt worden. 30 weitere Tische standen fürs Training bereit. 2500 Umrandungen haben die Boxen voneinander abgetrennt, über 10.000 Partien wurden absolviert. Nächster Austragungsort der alle zwei Jahre stattfindenden WM ist Rio de Janeiro in Brasilien.

?Die Veranstaltung war an sich schon eine riesen Herausforderung, aber zusätzlich noch durch die Kombination mit den Mannschafts-Weltmeisterschaften?, sagte Matthias Vatheuer, Generalsekretär des Deutschen Tischtennis-Bundes. Am 1. Mai erst hatte die LIEBHERR Mannschafts-WM 2006 geendet, die ebenfalls im AWD-Dome Bremen ausgetragen worden war. ?Es war eine hohe Belastung für alle Mitarbeiter, ehrenamtliche, hauptamtliche sowie die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer. Mit dem Verlauf der Senioren-WM sind wir absolut zufrieden und haben auch von den Teilnehmern so viel Lob bekommen wie noch nie?, bilanzierte Vatheuer. ?Es waren Bedingungen wie für die Profis vor knapp drei Wochen, die wir hier zusammen mit unseren Bremer Partnern bieten konnten.?

Weltmeisterinnen, Weltmeister und Platzierte aus Deutschland

(zum Teil mit Doppelpartnern aus dem Ausland)

Gold

Damen-Einzel: Kirsten Krüger-Trupkovic (50), Gisela Langen (75)
Herren-Einzel: Jürgen Reuland (60), Dimitrij Bilic (65), Dr. Peter Stolzenburg (70), Rolf Groß (75)
Damen-Doppel: Jutta Trapp/Elmira Antonian ARM (40), Ursula Bihl/Edna Fletcher ENG (80)
Herren-Doppel: Horst Langer/Dieter Lippelt (65), Klaus Krüger/Richard Luber (65), Toni Breumair/Otto Rau (75), Johannes Berthold/Vitus Scheuer (85)

Silber

Damen-Einzel: Karin Rauscher (60), Inge Bauer (75)
Herren-Einzel: Karl Rauch (65), Otto Rau (75), Johannes Berthold (85)
Damen-Doppel: Monika Kneip/Kirsten Krüger-Trupkovic (50), Änne Butzke/Sonia Fynn CAN (80)
Herren-Doppel: Jaroslav Kunz/Dr. Herbert Neubauer SUI (60), Walter Fleiner/Rolf Groß (75)

Bronze

Damen-Einzel: Ursula Bihl (85)
Herren-Einzel: Bernhard Thiel, Manfred Nieswand (50), Jaroslav Kunz (60), Ernst Bison, Friedrich Ossenkopp (beide 65), Rolf Baumgart, Vitus Scheuer (beide 85)
Damen-Doppel: Angela Walter/Heidrun Woltjen (40), Marianne Kerwat/Gabriele Neumann (50), Gudrun Engel/Jutta Schultz (60), Waltraud Gelbhaar/Motoe Kawahara JPN, Martha Willke/Edith Santifaller-Huber ITA (alle 70), Gisela Langen/Irene Hecq BEL (75), Inge-Brigitte Herrmann/Dorothy de Low AUS (85)
Herren-Doppel: Martin Frey/Berthold Schulz (50), Horst-Dieter Coorssen/Peter Eilers, Wilfried Lieck/Jürgen Reuland (alle 60), Hermann Derler/Wolfgang Schmidt (65), Richard Gerasch/Kurt Schmid, Johann Engelmaier/Roger Donnay BEL (alle 80), Johannes Berthold/Vitus Scheuer, Dr. Gustav Rey/Paul Henriksson SWE (alle 85)

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