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Herzliche Gratulation durch Mittelham/Winter an Shan/Solja (Foto: MS)
Fünf-Satz-Sieg gegen Mittelham/Winter / Titelgewinner im Doppel sind gleich Gegnerinnen im Einzel-Endspiel

Shan/Solja gewinnen das deutsche Duell auf Augenhöhe

SH 27.06.2021

Warschau. Früher hieß es mal „Cappuccino-Finale“, wenn es deutsche Duelle bei internationalen Großveranstaltungen gab und die Trainerinnen und Trainer dem Geschehen auf dem Centercourt traditionell von der Tribüne aus zusahen und nicht coachten. Dann stellte Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf vor Jahren klar, dass er gar keinen Kaffee trinke. Und sein Damen-Pendant Jie Schöpp sagte auf die Frage, wie sie die Endspiele im Damen-Doppel und -Einzel von der Tribüne aus verfolge, schlicht: „Ich entspanne mich dabei.“ Dazu hatten sie und ihre Bundestrainerkollegin Tamara Boros nach den hektischen Tagen und langen Turnierabenden in Warschau allen Grund.

Im Doppel-Finale sahen sie eine Partie auf Augenhöhe zwischen Shan Xiaona/Petrissa Solja, den EM-Finalistinnen von 2016, und Nina Mittelham/Sabine Winter, die noch nie miteinander, aber jeweils an der Seite von Kristin Lang sowie Winter darüber hinaus zusammen mit Solja 2013 diesen Titel bereits gewonnen hatten. Nach dem Gewinn von Satz eins sicherten sich die zunächst etwas aktiver und aggressiver agierenden Mittelham/Winter nach abgewehrtem Satzball in Durchgang drei auch diesen Satz. Im vierten Satz konnten Shan/Solja ihre kleine Führung zu Beginn zunächst nicht ausbauen, mit der Konzentration auf die Rückhandseite ihrer Kontrahentinnen, setzten sie sich zum 8:5- und 9:6-Zwischenstand dann jedoch ab und glichen mit 11:8 nach Sätzen aus. Im Entscheidungsdurchgang erhöhten Mittelham/Winter wieder den Druck. Als ihre 6:3-Führung in der etwas schlechteren Konstellation dahingeschmolzen war, nahmen sie ihre Auszeit. Ausgeglichen ging es weiter, bis am Ende mehrere ihrer Topspins misslangen. Beim Stand von 10:8 verwandelten Shan Xiaona und Petrissa Solja direkt ihren ersten Matchball. Es ist der erste gemeinsame EM-Titel für das Olympia-Teamdoppel von Rio und Tokio.

Nina Mittelham: "Das war leider nicht unser bestes Spiel bei dieser EM"

Während sich die Siegerinnen noch ein wenige Ruhe vor dem bald folgenden Einzel-Finale suchten, standen die enttäuschen Silbermedaillengewinnerinnen den versammelten Medienvertretern in der Mixed-Zone tapfer Rede und Antwort: "Wir haben leider im Finale nicht unseres bestes Spiel bei dieser EM gemacht, es sind uns relativ viele einfache Fehler unterlaufen. Wir haben zwar 6:3 geführt, standen aber am Ende etwas schlechter von der Konstellation. Es ist schon sehr ärgerlich, wenn man Chancen hat und diese dann nicht nutzt", kommentierte Nina Mittelham die knappe Niederlage. Sabine Winter ergänzte: "Gerade überwiegt natürlich die Enttäuschung. In ein paar Tagen freuen wir uns aber auch irgendwann über Silber. Glückwunsch an Nana und Peti!" Als ungewohnt empfand Nina Mittelham die stille Atmosphäre während des Endspiels: "Wegen Corona dürfen ja eh keine Zuschauer in die Halle, aber da hat uns das Team von der Tribüne aus immer lautstark angefeuert. In einem deutschen Finale ist das nicht natürlich nicht der Fall und dadurch war so gar keine Stimmung, das war irgendwie komisch."

Dritte deutsche Finale im Damen-Doppel der EM-Geschichte

Es war das dritte deutsche Endspiel im Damen-Doppel in der 63-jährigen EM-Geschichte und erst das vierte mit der Beteiligung von Spielerinnen derselben Nation überhaupt. 2013 in Österreich und 2016 in Ungarn standen sich Kristin Lang/Sabine Winter und Zhenqi Barthel/Shan Xiaona bzw. drei Jahre später Kristin Lang/Nina Mittelham und Shan Xiaona/Petrissa Solja gegenüber. 1972 kamen drei von vier Finalteilnehmerinnen aus Ungarn: die späteren Titelträgerinnen Henriette Lotaller/Judit Magos standen Beatrix Kishazi an der Seite der Engländerin Jill Hammersley gegenüber.

Die erste Goldmedaille des EM-Schlusstags von 2021 ist an Shan/Solja vergeben, die sich ab 16.50 Uhr als Gegnerinnen um den nächsten Titel gegenüberstehen. Eine weiterer Turniersieg für Team Deutschland wird wegen eines deutschen Endspiels im Herren-Einzel folgen. Angesichts dieser Titelflut zusammen mit dem Mixed-Gold durch Dang Qiu/Nina Mittelham von Freitag kommentierte der Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes: "Vier Goldmedaillen und drei deutsche Endspiele bei Individual-Meisterschaften - das könnte einer dieser Rekorde für die Ewigkeit sein. Es war die Art von gelungener Generalprobe, die wir uns nach der langen wettkampffreien Zeit und vor den Olympischen Spielen erhofft hatten. Gratulation ans ganze Team, an die Aktiven, ihren Betreuerstab und die Trainingsgruppe zu Hause!" Und Michael Geiger fügte augenzwinkernd hinzu: „Leider konnte ich aufgrund der Corona-Vorgaben der ETTU in Warschau nicht live vor Ort dabei sein. Das scheint jedoch auch sein Gutes gehabt zu haben. Offensichtlich konnte unser Team ohne Druck aufspielen. Deshalb werden wir das bei Olympia genauso handhaben.“

 

Der EM-Sonntag

Damen-Einzel, Halbfinale
Shan Xiaona - Margaryta Pesotska UKR 4:0 (6,9,7,4)
Petrissa Solja - Elizabeta Samara ROU 4:2 (4,12,-9,-7,8,6)

Herren-Einzel, Halbfinale
Timo Boll - Mattias Falck SWE 4:2 (11,10,6,-9,-9,7)
Dimitrij Ovtcharov - Marcos Freitas POR 4:2 (9,-8,-9,12,8,9)

Damen-Doppel, Finale
Shan Xiaona/Petrissa Solja - Nina Mittelham/Sabine Winter 3:2 (-7,7,-10,8,8)

Herren-Doppel, Finale
16.10 Uhr: Jakub Dyjas/Cédric Nuytinck POL/BEL - Lev Katsman/Maksim Grebnev RUS

Damen-Einzel, Finale
16.50 Uhr: Shan Xiaona - Petrissa Solja

Herren-Einzel, Finale
17.40 Uhr: Timo Boll - Dimitrij Ovtcharov

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