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Das Damen-Team mit Sportdirektor Prause und Mannschafts-Arzt Kass (Foto: ITTF)

Silbermedaille der DTTB-Damen strahlt wie Gold / Feier im deutschen Haus / Soljas Versprechen

FL 16.08.2016

Rio de Janeiro. Keine Sensation im Finale, stattdessen wieder ein Triumph des Seriensiegers bei WM und Olympia: Die DTTB-Damen haben das Olympia-Finale von Rio erwartungsgemäß mit 0:3 gegen China verloren – was aber durch den sensationellen Gewinn der Silbermedaille überstrahlt wird. Es ist die erste deutsche Medaille bei den Frauen in der Olympia-Historie. Petrissa Solja muss nun ein Versprechen einlösen. Nach der Siegerehrung und Mixed Zone ging es für die Mannschaft von Bundestrainerin Jie Schöpp zum Feiern ins deutsche Haus.


Nach dem dramatischen Halbfinalkrimi gegen Japan blieb das deutsche Frauen-Team am Dienstagabend im Riocentro 3 gegen den haushohen Favoriten China im Finale wie erwartet ohne Chance. Leichte Hoffnung keimte zu Beginn auf, als Han Ying im ersten Satz gegen die Olympiasiegerin von 2012, Li Xiaoxia, mit 8:5 führte, dann jedoch 9:11 unterlag. Petrissa Solja verlor im Anschluss gegen die vierfache World-Cup-Siegerin, Liu Shiwen mit 0:3. Die aktuelle Nummer eins der Weltrangliste war gar nicht für den Einzel-Wettbewerb in Rio nominiert – ein Zeichen für die chinesische Übermacht. Dem Doppel Shan Xiaona/Petrissa Solja gelang gegen Olympiasiegerin Ding Ning und Liu Shiwen immerhin einen Satzgewinn, der von den Zuschauern lautstark gefeiert wurde. Auch im vierten Durchgang hatte das deutsche Duo Tuchfühlung, zwang Chinas Coach Kong Linghui bei 6:7 sogar zu einer Auszeit. Die Folge: Ding/Liu gaben nur noch einen Punkt ab. Zur Verdeutlichung der Dominanz Chinas: Bis zum Finale hatte das Reich der Mitte nur einen Satz abgegeben, im Halbfinale gegen Singapur.


Herausragendes Turnier der deutschen Damen / Solja muss Versprechen einlösen


Gewannen immerhin einen Satz: Shan Xiaona/Petrissa Solja (Foto: ITTF)Trotz der Final-Niederlage war es für die deutschen Damen ein herausragendes Turnier mit Siegen über die USA im Achtelfinale, Hongkong im Viertelfinale und im Halbfinal-Thriller gegen Japan. Die Silbermedaille für den dreifachen Team-Europameister in Serie strahlt so hell wie Gold. Zumal alle drei Protagonistinnen in Rio ihre Olympia-Premiere gefeiert hatten.


„Die Medaille fühlt sich richtig gut an“, sagte Petrissa Solja zu den Journalisten in der Mixed Zone. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, Silber bei meinen ersten Olympischen Spielen. Ich denke, das wird noch ein paar Tage dauern, bis man das begriffen hat. Das war wirklich historisch“, erklärte die 22-Jährige, die mit dem gewonnenen Silber eigentlich ein Versprechen einlösen muss. „Vor Rio habe ich im Spaß gesagt, wenn ich eine Medaille gewinne, lasse ich mir ein Tattoo stechen mit den Olympischen Ringen. Ob ich es mache, weiß ich noch nicht. Vielleicht die Ringe ganz klein und fein auf das Schlüsselbein. Die Medaille habe ich das ganze Leben lang, warum soll ich das auch nicht jeden Tag mit mir tragen?“ Versprochen habe die 22-Jährige im Falle des Medaillengewinns auch eine Shopping-Tour mit ihrer großen Schwester – auf Kosten der Profispielerin. „Ich hoffe, sie erinnert sich nicht dran“, sagte Solja lächelnd.


Schöpp hofft auf Signalwirkung für Damen-Tischtennis


„Silber ist einfach super für uns. Mehr war heute gegen China nicht drin. Wir haben uns vorgenommen, so viele Punkte wie möglich zu gewinnen. Am Ende sind wir froh, dass wir einen Satz gewonnen haben. Das Doppel stand mal kurz auf der Kippe, als China eine Auszeit nahm. Sie haben uns schon ernstgenommen. Etwas Wehmut ist dabei, weil wir teilweise gute Bälle gespielt, aber dann trotzdem nicht den Punkt gemacht haben. Das hat einfach mit der Qualität der Chinesinnen zu tun“, sagte Bundestrainerin Jie Schöpp. Die frühere Nationalspielerin hofft durch die Silbermedaille auf eine Signalwirkung. „Ich wünsche mir, dass durch die Medaille das Damen-Tischtennis mehr Aufmerksamkeit und eine bessere Perspektive in Deutschland erhält. Ich habe viele Spielerinnen im Kader, die jung sind, talentiert sind. Ich hoffe, dass die auch noch mal zusätzlich motiviert werden“, betonte Schöpp.


"Ich bin froh, die Medaille jetzt in der Hand zu haben, sonst würde ich immer noch denken, ich träume", befand Shan Xiaona. Die gebürtigen Chinesinnen Shan und Han Ying waren auch bei den asiatischen Medien gefragte Gesprächspartnerinnen. „Gegen China war es seine große Herausforderung. Das Ziel im Finale war, unser bestes Tischtennis zu spielen. China hat Gold verdient und wir haben Silber verdient“, so die Spitzenspielerin und Teamkollegin von Petrissa Solja beim deutschen Triple-Sieger ttc berlin eastside.


Das Trio Han, Solja und Shan hat sich in den vergangenen drei Jahren gemeinsam mit den anderen DTTB-Kader-Athletinnen kontinuierlich weiterentwickelt. Zuletzt wurde Team-Deutschland dreimal Team-Europameister in Folge. Han Ying ist als Nummer sieben der Welt unter den Top Ten vertreten und die auf dem Papier beste Abwehrspielerin. Die 22-jährige Petrissa Solja machte 2015 einen großen Karriere-Schritt, wurde unter anderem Dritte beim World Cup und hat sich in den Top 20 etabliert – wie auch Shan Xiaona.


Am Abend noch ins deutsche Haus


Nach der Siegerehrung und Presseterminen ging es für die Silber-Mädels ins deutsche Haus, wo sie schon am Vorabend einen kurzen Premieren-Besuch gefeiert hatten. Diesmal wurden sie als Medaillengewinnerinnen empfangen. Zur anstehenden Party sagte Petrissa Solja: „Ich denke mal nicht, dass die Tischtennisspieler so extrem sind wie die Hockeyspieler. Wir wollen nicht negativ auffallen, werden gemütlich zusammensitzen, quatschen, die Spiele noch mal Revue passieren lassen.“ Klingt nicht nach exzessiver Party. Das „Abreißen“ des deutschen Hauses überlässt das Silber-Trio dann doch lieber dem Gold-Turner Fabian Hambüchen.


Nach Halbfinal-Niederlage gegen Deutschland: Japan gewinnt Bronze-Match


Was die deutsche Silbermedaille wert ist, zeigte sich noch mal am Dienstag-Vormittag im Riocentro 3. Im Spiel um Bronze besiegte Japan den Weltmeister von 2010, Singapur, sicher mit 3:1. Die DTTB-Damen wiederum hatten Vize-Weltmeister Japan in einem vierstündigen Halbfinal-Drama mit 3:2 geschlagen. Bei Team Nippon avancierte Mima Ito mit 15 Jahren und 300 Tagen zur jüngsten olympischen Medaillengewinnerin im Tischtennis überhaupt.

Finale

Deutschland - China 0:3

Han Ying - Li Xiaoxia 0:3 (-9,-3,-7)

Petrissa Solja - Liu Shiwen 0:3 (-3,-5,-4)

Shan Xiaona/Petrissa Solja - Ding Ning/Liu Shiwen 1:3 (-6,-5,9,-7)


Spiel um Bronze

Japan - Singapur 3:1

Ai Fukuhara - Yu Mengyu 2:3 (4,-5,-3,4,-5)

Kasumi Ishikawa - Feng Tianwei 3:0 (10,6,7)

Mima Ito/Ai Fukuhara - Zhou Yian/Yu Mengyu 3:1 (-9,9,1,12)

Mima Ito - Feng Tianwei 3:0 (9,4,6)

Strahlende Medaillengewinnerinnen (Foto: ITTF)

 

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