Singapur. Die Nummer zwei der Welt geriet mächtig ins Wanken, aber sie fiel nicht. Im Halbfinale des Singapore Smash blieb Sabine Winter bei der 1:4-Niederlage gegen Wang Manyu (China) zwar am Ende der ganz große Wurf verwehrt. Doch im Duell mit der Weltmeisterin des Jahres 2021 gelang der Dachauerin ein weiterer eindrucksvoller Beleg ihrer Entwicklung. Nach großem Kampf musste sich die Nummer 15 der Welt der aktuellen WM-Zweiten geschlagen geben und verabschiedete sich mit erhobenem Haupt aus dem mit 1,55 Millionen Dollar dotierten ersten Grand-Smash-Turnier des Jahres, von dem Winter 900 wertvolle Weltranglistenpunkte sowie einen Scheck über 22.500 US-Dollar mit nach Hause nimmt.
Ein hochklassiges Halbfinale auf Augenhöhe
Was in der Ergebnisstatistik zunächst eine deutliche Angelegenheit vermuten lässt, hat nicht annähernd etwas mit dem hochklassigen Halbfinale auf Augenhöhe zu tun, in dem Sabine Winter und Wang Manyu sich Ballwechsel für Ballwechsel Vorteile zu erkämpfen versuchten. Statt des 4:1-Endstands hätte nach fünf Sätzen ebenso gut ein 3:2- oder 2:3-Zwischenstand auf der Anzeigetafel stehen können.
Von Beginn an suchte Winter gegen die fehlerlos beginnende Weltranglistenzweite die Initiative. Erst als Satz eins bei einem 2:9-Rückstand bereits entschieden schien, fand die Dachauerin die Sicherheit in ihren gefährlichen Vorhandschlägen, den klugen Tempowechseln und ihrer gefährlichen, zumeist mit Antitopspin eingesetzten Rückhand. Die Deutsche holte gegen eine der komplettesten Spielerinnen der Tour Punkt für Punkt auf und erspielte sich insgesamt sogar noch drei Satzbälle, ehe Durchgang eins mit 13:15 doch noch an die Asiatin ging. Winter verbuchte mit 11:7 den sofortigen Ausgleich, geriet mit 8:11 erneut in Rückstand, bevor in Durchgang vier erneut die Führungen wechselten – doch diesmal reichten der furios startenden Deutschen ein 8:1- und 9:5-Vorsprung gegen den erfahrenen Weltstar nicht zum möglichen Ausgleich, der Satz fünf mit 11:7 gewann.
Beeindruckende Entwicklung in 14 Monaten
Die erspielten Chancen auf einen gänzlich anderen Spielausgang gegen die Nummer zwei der Welt sind allerdings kein Makel. Sie unterstreichen vielmehr eindrucksvoll das ungemeine Potenzial der zweimaligen Deutschen Meisterin. Vor ihrer Systemumstellung im Dezember 2024 rangierte Winter auf Position 60 der Weltrangliste. In nur 14 Monaten seit der Materialumstellung auf ihrer Rückhand etablierte sich die 33-Jährige nicht nur unangefochten als Europas Nummer eins, sondern katapultierte sich in der Weltrangliste, die Winter als aktuelle Nummer 15 in der nächsten Woche noch näher an die Top Ten heranführen wird, um fast 50 Plätze nach vorne.
Halbfinaleinzug als Krönung einer fantastischen Turnierwoche
Das Halbfinale krönte eine Turnierwoche, die Sabine Winter noch deutlicher als bisher in der Weltspitze verankert. Bereits im Achtelfinale hatte sie mit dem Erfolg über die Weltranglistenvierte und ehemalige Weltranglistenerste Zhu Yuling (Macau) für Aufsehen gesorgt, ehe sie im Viertelfinale mit Wang Yidi erstmals auch Chinas Nummer sieben der Welt bezwang und sich für die Finalniederlage beim WTT Champions Montpellier im November 2024 revanchierte. Und zu einem noch größeren Coup fehlten im Halbfinale gegen Wang Manyu nur Nuancen.
Für Sabine Winter geht es von Singapur direkt weiter nach Chongqing, wo vom 10. bis 15. März das nächste WTT Champions ausgetragen wird: "Es tut immer gut zu sehen, dass man nicht völlig chancenlos unter geht. Natürlich ist der verlorene vierte Satz nach einer 8:1 Führung etwas bitter. Ich hätte gerne noch ein bisschen länger gespielt und dagegen gehalten, aber sie hat verdient gewonnen."
Links Singapore Smash
Die Ergebnisse am Sonntag
Damen-Einzel, Halbfinale
Sabine Winter - Wang Manyu CHN 1:4 (-13,7,-8,-9,-7)
Herren-Einzel
Benedikt Duda (TTC Schwalbe Bergneustadt), Dang Qiu (Borussia Düsseldorf), Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken-TT), Dimitrij Ovtcharov (TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell), Ricardo Walther (ASC Grünwettersbach), Andre Bertelsmeier (TSV Bad Königshofen)
Damen-Einzel
Sabine Winter (TSV Dachau), Ying Han (KTS Tarnobrzeg/Polen), Annett Kaufmann (DJK Kolbermoor), Nina Mittelham, Xiaona Shan (beide ttc berlin eastside), Yuan Wan (TTC Weinheim)
Betreuer-Team
Damen: Tamara Boros (Damen-Bundestrainerin), Zoltan Batorfi (Assistenz-Bundestrainer Damen)
Herren: Jörg Roßkopf (Herren-Bundestrainer), Lars Hielscher (DTTB-Cheftrainer Düsseldorf)