Gold-Mädels mit Olympiatickets (Foto: Schillings)
Im Endspiel der European Games gegen Europameister gab es ein 3:0, Rumänien war aber nicht komplett chancenlos

Gold gewonnen, Olympia gebucht: Deutschlands Damen in Minsk am Ziel

SH / MS 29.06.2019

Minsk. Jubelnd lagen sich die vier Spielerinnen in den Armen im Tennis Olympic Center von Minsk. Die aufgrund ihrer Oberarmverletzung aus dem Viertelfinale seit zwei Tagen zum Zuschauen verdammte Petrissa Solja eilte von der Tribüne in den Innenraum herunter, um ihrer Mannschaft zu gratulieren. In eindrucksvoller Manier haben Deutschlands Damen bei den European Games zum zweiten Mal nach der Premiere der Spiele in Baku vor vier Jahren den Mannschaftstitel gewonnen. Im Endspiel von Minsk gegen den amtierenden Europameister Rumänien gab es ein unerwartet deutliches 3:0, in dem die Gegnerinnen jedoch nicht komplett chancenlos waren.

Damen sichern sich maximale Anzahl an Olympia-Tickets

Im Halbfinale gegen Polen am Vortag hatten die Deutschen noch gewackelt, standen noch unter dem Eindruck des kurzfristigen, verletzungsbedingten Ausfalls ihrer Nummer eins, Solja. Am Samstagnachmittag dann spielten sie ihre ganze Klasse aus. Das Team von Bundestrainerin Jie Schöpp sichert sich damit nicht nur die Goldmedaille bei den Europaspielen, sondern auch die Direkt-Qualifikation der Mannschaft bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio im kommenden Jahr. Weitere kräfte- und nervenzehrende Qualifikationsturniere bleiben den Damen damit erspart. Zuvor hatten schon Peti Solja an der Seite von Patrick Franziska als Goldmedaillengewinnerin im Mixed und Han Ying im Einzel mit dem Gewinn der Silbermedaille die internationalen Kriterien für einen Start bei den Sommerspielen in Japans Hauptstadt 2020 erfüllt. Durch die Goldmedaille in der Mannschaft kommt ein weiteres Ticket im Einzel hinzu. Die Damen sichern sich damit für Tokio die Maximalzahl an Startplätzen.

Auftakt nach Maß durch Mittelham/Shan 

Gegen die Rumäninnen sorgten Nina Mittelham und Shan Xiaona für den Auftakt nach Maß. Nach ihrer „Findungsphase“ im Halbfinale am Vortag präsentierten sich die Berlinerinnen heute in der Qualität, die sie zum drittbesten Duo in der ablaufenden Bundesliga-Saison gemacht hatten. Ihre spielerisch und taktisch ausgezeichnete Leistung war auch notwendig, um die zweifachen Doppel-Europameisterinnen Daniela Dodean-Monteiro und Elizabeta Samara in fünf Sätzen zu besiegen. Shan Xiaona: "Wir haben gestern nach dem Doppel noch einmal diskutiert, was wir besser machen können und müssen. Wir wissen ja aus dem Verein, dass wir gut zusammen spielen können. Heute haben wir das sehr gut gemacht." Und Nina Mittelham ergänzt: "Heute hat es gepasst. Ich bin einfach nur glücklich, dass wir unser Match und den Titel gewonnen haben. Das fühlt sich sehr gut an."

Han Ying brachte im Anschluss Europas Nummer eins zur Verzweiflung. Zwar sicherte sich Bernadette Szocs Durchgang eins, danach war sie jedoch Hans perfekter Mischung aus sicheren Abwehr- und gefährlichen Angriffsbällen nicht gewachsen und kam in den folgenden drei Sätzen nur noch auf zehn Punkte insgesamt. Han Ying, die während der European Games nur einziges Spiel, das Finale des Einzelwettbewerbs, verlor, sagte: "Wir freuen uns so sehr, dass wir unser Ziel erreicht haben und den Titel und die Olympiatickets gewonnen haben. Das war eine unglaubliche Leistung aller vier Spielerinnen.""

Shan Xiaona: "Bin einfach nur happy"

Ihre leichten Unsicherheiten von Freitag hatte die ursprünglich nur als Ersatzfrau und Trainingspartnerin angereiste Shan Xiaona gegen Rumänien abgelegt. Nach einer tadellosen Leistung im Doppel meisterte die Penholderspielerin im Einzel gegen Daniela Dodean-Monteiro gleich mehrere brenzlige Situationen, wendete ein 7:9 im zweiten Satz in einen 11:9-Sieg und hätte beinahe auch den dritten Durchgang noch gewonnen, nachdem sie sich nach Rückständen von 0:5 und 4:9 noch auf 10:10 heran kämpfte. In Satz vier erspielte sie sich gewohnt druckvoll mit ihren kurzen Noppen jeweils Führungen und machte mit einem 11:7 alles klar. Nach dem Match sagte Shan Xiaona in das Mikrofon des Hallensprechers: "Mir fehlen die Worte. Ich bin einfach nur happy." So happy, dass sich die junge Mutter aus Berlin, die knapp ein Jahr nach der Geburt ihrer Tochter Mia schon wieder bei den European Games eine Goldmedaille gewinnt, bei der Siegerehrung beim Erklingen der Nationalhymne einige Tränchen verdrücken musste. 

Petrissa Solja: "Ich bin stolz auf meine Mädels"

Wie übrigens auch Petrissa Solja, die nach ihrer Verletzung nicht nur zwei Tage auf der Tribüne mitfieberte, sondern dem Team auch bei den Mannschaftsbesprechungen zur Seite stand. "Ich hatte mir ja eigens ein Spray mitgenommen, dass die Augen etwas trockener macht, aber es hat alles nichts geholfen", lachte Deutschlands Nummer eins, die im Einzelwettbewerb hauchdünn mit nur zwei Punkten Unterschied gegen die spätere Siegerin Yu Fu (Portugal) verlor und sich im Match gegen Holland eine Zerrung der hinteren Oberarmmuskulatur zuzog. Und ergänzt: "Ich bin einfach nur stolz auf meine Mädels, wie sie diese sehr schwierige Situation gemeistert haben. Die Umstellung durch meinen unerwarteten Ausfall war ja nicht einfach. Und eines habe ich gemerkt: Auf der Tribüne zu sitzen ist viel schlimmer, als selbst am Tisch zu stehen."

Bundestrainerin Jie Schöpp: "Nie mit einem 3:0 gerechnet"

Damen-Bundestrainerin Jie Schöpp gestand nach dem Finale ein: "Ich dachte, mein Team kann mich nicht mehr überraschen. Aber mit einem 3:0 habe ich nie gerechnet. Wir haben eine Chance auf den Sieg gesehen und noch in der Mannschaftsbesprechung gesagt, wir versuchen einfach unser Maximum - mit dem Ergebnis, das dabei herauskommt, sind wir dann zufrieden. Dass das Finale dann nach drei Spielen zu unseren Gunsten beendet ist, hätte ich gegen diese starken Rumäninnen nicht für möglich gehalten." Den entscheidenden Faktor für den Triumph kennt die ehemalige Mannschafts-Europameisterin auch: "Es war ein Sieg der gesamten Mannschaft. Wie sich die vier Spielerinnen vor und nach der Verletzung von Peti hier ergänzt haben und füreinander dagewesen sind, war die Basis für unseren Erfolg." Schöpp freut sich: "Diese European Games haben gezeigt, dass ich nächstes Jahr bei den Olympischen Spielen über vier absolute Topspielerinnen verfüge. Das ist für mich als Trainerin ein sehr komfortables Gefühl. Mal sehen, wie sich die Spielerinnen bis dahin weiter entwickeln, so dass wir bestens vorbereitet nach Tokio fahren uns unsere Chancen suchen können."

Herren um 19 Uhr im Finale gegen Schweden / Polen holt bei den Damen Bronze

Die Bronzemedaille bei den Damen ging an die Polinnen, die Ungarn nach dreieinhalb Stunden mit 3:2 besiegen konnten. Am Abend wollen Deutschlands Herren es ihren Damen gleichtun.

Die Mannschaft von Bundestrainer Jörg Roßkopf trifft im Endspiel ab 19 Uhr auf Schweden. Zuvor geht es ab 16 Uhr zwischen Dänemark und Portugal um Platz drei bei den Europaspielen.

Live-Übertragung auf Sport1

Sport1 zeigt beide Finals live, nur ab und zu mit Schalten zu den Entscheidungen in anderen Sportarten unterbrochen.

Die Spiele am Samstag

Damen-Mannschaft, Endspiel
Deutschland - Rumänien 3:0

Nina Mittelham/Shan Xiaona - Daniela Dodean-Monteiro/Elizabeta Samara 3:2 (-9,4,6,-9,6)
Han Ying - Bernadette Szocs 3:1 (-9,5,3,2)
Shan - Dodean-Monteiro 3:1 (9,9,-10,7)

Spiel um Bronze
Polen - Ungarn 3:2
Natalia Bajor/Natalia Partyka - Dora Madarasz/Szandra Pergel 2:3 (-8,5,-3,5,-9)
Li Qian - Georgina Pota 3:1 (5,-3,8,11)
Partyka - Madarasz 3:2 (11,-4,8,-1,8)
Bajor - Pota 1:3 (-8,9,-8,-5)
Li - Pergel 3:1 (3,-10,1,9)

Herren-Mannschaft, Spiel um Bronze, 16 Uhr
Portugal - Dänemark

Finale, 19 Uhr
Deutschland - Schweden

Links

Das deutsche Aufgebot

Herren
Timo Boll (Weltrangliste: 6, Borussia Düsseldorf)
Dimitrij Ovtcharov (Nr. 12, Fakel Gazprom Orenburg/Russland)
Patrick Franziska (Nr. 16, 1. FC Saarbrücken TT)
Ersatz für den Team-Wettbewerb: Ricardo Walther (Nr. 38, ASV Grünwettersbach)

Damen
Petrissa Solja (Weltrangliste: 26, TSV 1909 Langstadt)
Han Ying (Nr. 45, KTS Zamek Tarnobrzeg/Polen)
Nina Mittelham (Nr. 50, ttc berlin eastside)
Ersatz für den Team-Wettbewerb: Shan Xiaona (Nr. 165, ttc berlin eastside)

Trainer
Jörg Roßkopf (Herren-Bundestrainer)
Jie Schöpp (Damen-Bundestrainerin)
Lars Hielscher (Assistenztrainer)

Delegationsleiter
Richard Prause (Sportdirektor)

Medizinische Abteilung
Peter Heckert (Physiotherapeut, OSP Hessen)
Dr. Antonius Kass (Mannschaftsarzt)

Schiedsrichter
Christoph Geiger

 

Der Zeitplan

Donnerstag, 27. Juni
Damen- / Herren-Mannschaft, Achtelfinale
9 / 12 Uhr (ohne deutsche Beteiligung)
Damen-Mannschaft, Viertelfinale
15 Uhr (mit Deutschland)
Herren-Mannschaft, Viertelfinale
18 Uhr (mit Deutschland)

Freitag, 28. Juni
Damen-Mannschaft, Halbfinale
9 / 12 Uhr
Herren-Mannschaft, Halbfinale
15 / 18 Uhr

Samstag, 29. Juni
Damen-Mannschaft, Spiel um Bronze
9 Uhr
Damen-Mannschaft, Finale
12 Uhr
Siegerehrung
anschließend, ca. 15 Uhr
Herren-Mannschaft, Spiel um Bronze
16 Uhr
Herren-Mannschaft, Finale
19 Uhr
Siegerehrung
anschließend, ca. 22 Uhr

 

Die Setzlisten

Damen-Mannschaft
1 Deutschland, 2 Rumänien, 3 Ungarn, 4 Österreich, 5 Holland, 6 Ukraine, 7 Polen, 8 Spanien, 8 Luxemburg, 8 Russland, 11 Schweden, 12 Weißrussland

Herren-Mannschaft
1 Deutschland, 2 Schweden. 3 Österreich, 4 Großbritannien, 5 Frankreich, 6 Slowenien, 7 Kroatien, 8 Weißrussland, 9 Portugal, 10 Belgien, 11 Rumänien, 12 Dänemark

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