Einfach Gold wert: Nina Mittelham (Foto: MS)
Nerven- und spielstarke Nina Mittelham, Han Ying war einmal mehr Mrs. Zuverlässig / Am Samstag gegen Rumänien

Starke Mittelham setzt Schlusspunkt gegen Polen

SH / MS 28.06.2019

Minsk. Deutschlands Damen haben in neuer Besetzung ihre erste Bewährungsprobe bei den European Games bestanden. Ohne Petrissa Solja besiegte das Team von Bundestrainerin Jie Schöpp im Halbfinale von Minsk Polen mit 3:2. Dabei mussten Han Ying, Nina Mittelham und die kurzfristig ins Team gekommene Shan Xiaona in einem Dreieinhalb-Stunden-Krimi ständig Rückstände ausgleichen.

Jie Schöpp: "Das war eine grandiose Leistung meines Teams"

Damen-Bundestrainerin Jie Schöpp, in der Einschätzung nach Matches normalerweise eher analytisch als emotional, zeigte sich zu Recht stolz auf die Leistung ihrer Mannschaft: "Was mein Team heute geleistet hat, war einfach nur grandios! Das war eine fantastische Teamleistung von Ying, Nina und Nana. Den vollkommen unerwarteten Ausfall von Peti praktisch über Nacht so wegzustecken, das war eine ganz herausragenden Leistung, kämpferisch und auch mental."

Han Ying ist Mrs. Zuverlässig

Han Ying war einmal mehr die Mrs. Zuverlässig in der deutschen Mannschaft. Sie gewann nach dem Abwehrduell mit Li Qian, ihrer Vereinskollegin beim polnischen Champions-League-Sieger Tarnobrzeg, auch die Partie gegen die 22-jährige amtierende polnische Meisterin, Natalia Bajor. Han Ying hatte auf ihren Erfolg gehofft, sicher gewesen sei sich aber nicht: "Ich bin in ganz guter Form. Aber die Spiele sind immer schwer gegen Li. Dass ich so glatt gewinne, hätte ich auf keinen Fall gedacht." 

Shan Xiaona: "Das war für den Kopf nicht so einfach"

Das Auftaktdoppel von Mittelham/Shan gegen Natalia Bajor/Natalia Partyka war jedoch verloren gegangen. Und Shan Xiaona hatte im Einzel nach 0:2-Satzrückstand gegen Paralympics-Champion Partyka die Wende auf dem Schläger, gewann Durchgang drei deutlich und war in Satz vier gut ins Spiel gekommen, als sie eine Fehlentscheidung der Schiedsrichter beim Stand von 3:2 zu ihren Ungunsten völlig aus dem Konzept brachte. Auch die von Coach Schöpp genommene Auszeit konnte sie nicht zurück in die Partie bringen. Shan Xiaona nach dem Match: "Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass der Punkt für mich war." Über Nacht in das Team gerückt, war es der Einstand im Halbfinale unglaublich schwer für die Berlinerin: "Das war vor allem für den Kopf nicht so einfach. Ich war darauf eingestellt, dass ich hier als Nummer vier die Trainingspartnerin bin, mehr nicht. Ich kannte die Haupthalle noch nicht und habe nur ganz schwer in meinen Rhythmus gefunden. Morgen wird es sicherlich schon besser sein: Nun habe ich einmal hier gespielt und der Kopf ist besser auf die Situation eingestellt."

Mittelham mit starker Leistung im Einzel

Den Siegpunkt erzielte dann die 22 Jahre alte Deutsche Meisterin Nina Mittelham in bravuröser Manier gegen die zehn Jahre ältere amtierende Einzel-Europameisterin Li, gegen die sie zuvor noch nie gespielt hatte. Geduld, Variation und Präzision in der Platzierung waren ihre Mittel gegen Li Qian. Nach schnell verlorenem ersten Durchgang bereitete Mittelham länger vor, arbeitete mehr mit variablem Spin, statt direkt mit harten Bällen die Entscheidung zu suchen.

Nicht erst im fünften Satz war es eine Partie auf ganz hohem Niveau: Mittelham mit gegen viele andere Akteurinnen wohl punktbringenden Topspins, die Li aber vielfach zurückbrachte und immer wieder Offensivaktionen einstreute, um ihre Kontrahentin aus dem Rhythmus zu bringen. So ging es von einer 4:1-Führung der Deutschen in einen 6:9-Rückstand. Doch die Berliner Bundesliga-Akteurin und Doppel-Europameisterin behielt die Nerven und den Glauben an die eigenen Fähigkeiten. Fünf Punkte in Folge brachten ihr und ihrem Team den Sieg. "Heute habe ich an mich geglaubt, auch in der Schlussphase noch. Sonst hätte ich dieses Spiel nie gewonnen", diktierte Mittelham den Medienvertretern ins Smartphone und in den Notizblock, und fügte spitzbübisch grinsend hinzu: "Normalerweise bin ich eher kritisch mit mir, aber heute bin ich hundertprozentig mit meinem Einzel zufrieden." Mit dem Auftaktdoppel an der Seite von Shan Xiaona, mit der sie auch für den ttc eastside als gemeinsames Duo antritt, allerdings nicht: "Im Doppel haben wir nicht gut gespielt, vor allem ich nicht. Danach musste die Mannschaft mich wieder aufbauen, damit ich im Einzel an mich glaube."

Deutschland im Finale gegen Rumänien

Es ist der zweite Einzug ins Finale für Deutschlands Damen nach der Premiere der Europaspiele in Baku vor vier Jahren, wo die DTTB-Auswahl mit Han, Shan und Solja Gold gewann. Der Gegner am Samstag im Spiel um Gold und um das einzige Team-Olympia-Ticket von Minsk wird einmal mehr Europameister Rumänien sein. Die Mannschaft von Europas Nummer eins, Bernadette Szocs, tat sich schwer gegen Ungarn, konnte sich erst im letzten Einzel zwischen Daniela Dodean Monteiro und Georgina Pota in der Verlängerung des Entscheidungssatzes mit 3:2 durchsetzen. Um Bronze spielen Polen und Ungarn.

Für die verletzte Solja bleiben die Europaspiele beendet

Für Petrissa Solja bleibt das Turnier in Weißrusslands Hauptstadt beendet. Nach ihrer Verletzung im Mannschafts-Viertelfinale am Donnerstagnachmittag und der offiziellen "Einwechslung" von Shan Xiaona zum Halbfinale am Freitag gibt es kein Zurück mehr ins Team bei diesen Europaspielen. "Man darf nur ein einziges Mal tauschen - und das auch nur aus Verletzungsgründen", erklärt DTTB-Leistungssportreferent Rainer Kruschel. "Sonst könnte man ja taktieren und je nach Bilanz gegen den Gegner die eine oder andere spielen lassen."

Die gute Nachricht zur schlechten: "'Peti' hat eine Zerrung der hinteren Oberarmmuskulatur, zum Glück keinen Riss", erklärt Deutschlands Mannschaftsarzt Dr. Toni Kass aus Düsseldorf. Die Absage hält der ehemalige Volleyball-Nationalspieler auch mit dem jetzigen Wissen um die endgültige Diagnose weiterhin für richtig. Petrissa Solja kommentiert: "Natürlich ist die Verletzung bitter, aber wenigstens ist es kein Riss." Ihren geplanten Start bei den Korea Open hat der Mixed-Champion von Minsk erst einmal abgesagt. Zurück in Deutschland steht die Reha auf dem Programm.

Die Spiele am Freitag

Damen-Mannschaft, Halbfinale

Deutschland - Polen 3:2
Nina Mittelham/Shan Xiaona - Natalia Bajor/Natalia Partyka 0:3 (-8,-2,-12)
Han Ying - Li Qian 3:0 (9,7,3)
Shan - Partyka 1:3 (-8,-8,5,-4)
Han - Bajor 3:0 (2,6,8)
Mittelham - Li 3:2 (-4,5,8,-8,9)

Rumänien - Ungarn 3:2
Szandra Pergel/Dora Madarasz - Daniela Dodean-Monteiro/Elizabeta Samara 3:2 (9,-6,6,-9,10)
Georgina Pota - Bernadatte Szocs 0:3 (-9,-7,-9)
Madarasz - Samara 3:2 (-7,6,-9,7,8)
Pergel - Szocs 1:3 (7,-10,-9,-4)
Pota - Dodean-Monteiro 2:3 (-6,7,12,-6,-10)

Heren-Mannschaft, Halbfinale
Deutschland - Portugal, 15 Uhr
Schweden - Dänemark, 18 Uhr

Die Spiele am Samstag

Damen-Mannschaft, Spiel um Bronze, 9 Uhr
Polen - Ungarn

Finale, 12 Uhr
Deutschland - Rumänien

Herren-Mannschaft, Spiel um Bronze, 16 Uhr

Finale, 19 Uhr

Links

Das deutsche Aufgebot

Herren
Timo Boll (Weltrangliste: 6, Borussia Düsseldorf)
Dimitrij Ovtcharov (Nr. 12, Fakel Gazprom Orenburg/Russland)
Patrick Franziska (Nr. 16, 1. FC Saarbrücken TT)
Ersatz für den Team-Wettbewerb: Ricardo Walther (Nr. 38, ASV Grünwettersbach)

Damen
Petrissa Solja (Weltrangliste: 26, TSV 1909 Langstadt)
Han Ying (Nr. 45, KTS Zamek Tarnobrzeg/Polen)
Nina Mittelham (Nr. 50, ttc berlin eastside)
Ersatz für den Team-Wettbewerb: Shan Xiaona (Nr. 165, ttc berlin eastside)

Trainer
Jörg Roßkopf (Herren-Bundestrainer)
Jie Schöpp (Damen-Bundestrainerin)
Lars Hielscher (Assistenztrainer)

Delegationsleiter
Richard Prause (Sportdirektor)

Medizinische Abteilung
Peter Heckert (Physiotherapeut, OSP Hessen)
Dr. Antonius Kass (Mannschaftsarzt)

Schiedsrichter
Christoph Geiger

 

Der Zeitplan

Donnerstag, 27. Juni
Damen- / Herren-Mannschaft, Achtelfinale
9 / 12 Uhr (ohne deutsche Beteiligung)
Damen-Mannschaft, Viertelfinale
15 Uhr (mit Deutschland)
Herren-Mannschaft, Viertelfinale
18 Uhr (mit Deutschland)

Freitag, 28. Juni
Damen-Mannschaft, Halbfinale
9 / 12 Uhr
Herren-Mannschaft, Halbfinale
15 / 18 Uhr

Samstag, 29. Juni
Damen-Mannschaft, Spiel um Bronze
9 Uhr
Damen-Mannschaft, Finale
12 Uhr
Siegerehrung
anschließend, ca. 15 Uhr
Herren-Mannschaft, Spiel um Bronze
16 Uhr
Herren-Mannschaft, Finale
19 Uhr
Siegerehrung
anschließend, ca. 22 Uhr

 

Die Setzlisten

Damen-Mannschaft
1 Deutschland, 2 Rumänien, 3 Ungarn, 4 Österreich, 5 Holland, 6 Ukraine, 7 Polen, 8 Spanien, 8 Luxemburg, 8 Russland, 11 Schweden, 12 Weißrussland

Herren-Mannschaft
1 Deutschland, 2 Schweden. 3 Österreich, 4 Großbritannien, 5 Frankreich, 6 Slowenien, 7 Kroatien, 8 Weißrussland, 9 Portugal, 10 Belgien, 11 Rumänien, 12 Dänemark

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