Zadar. Die deutschen Damen sind zum zehnten Mal insgesamt Europameister und zum dritten Mal in Folge seit 2021. Bei der Team-EM im kroatischen Zadar bezwangen Sabine Winter, Annett Kaufmann und Nina Mittelham ihren Dauerrivalen Rumänien mit 3:0 und konnten damit den Titel von vor zwei Jahren verteidigen - erneut ohne auch nur ein Einzel im gesamten Turnier zu verlieren.
Im Auftaktmatch legte die 19-jährige Annett Kaufmann los wie die Feuerwehr und verbuchte direkt den ersten Satzgewinn mit 11:4 gegen Rumäniens Nummer eins Bernadette Szocs. Das war schon etwas überraschend, denn Kaufmann hatte in den bis dato einzigen zwei internationalen Begegnungen noch keinen Satz gegen Szocs gewinnen können - zuletzt unterlag sie 0:4 bei der EM in Linz im letzten Jahr. "Ich bin nicht selbstbewusst in die Box gegangen, was das Spielverhältnis zwischen ihr und mir betrifft. Aber ich habe mir gedacht: Ich habe nichts zu verlieren. Und auf einmal stand es im ersten Satz 9:3. Da habe ich die Confidence gespürt und mir gedacht, ich nehme mir das Spiel mit", so Kaufmann im Anschluss.
Doch die Nummer 16 der Welt fand im zweiten Satz besser ins Spiel, spielte sich einen 10:6-Vorsprung heraus, den Kaufmann zwar noch egalisieren konnte, um dann aber doch noch 12:10 zu gewinnen. In Durchgang drei startete wiederum die Deutsche stark, erspielte sich ein 3:0 und 8:1 und schließlich mit einem 11:8 die Satzführung. Doch auch diese glich Szocs aus, verschlief dann aber im Entscheidungssatz den Start komplett und wechselte mit 0:5-Punkten die Seiten. Den Vorsprung brachte Kaufmann spiel- und nervenstark ins Ziel zur vielumjubelten Führung für das deutsche Team.
Winter mit spektakulärer Aufholjagd zum Sieg / Mittelham vergoldet wie in Malmö gegen Dragoman
Im Anschluss zeigte Sabine Winter ein mal mehr ihre neue Stärke und ihr Selbstbewusstsein. Gegen die Europameisterin aus dem Jahr 2015 Elizabeta Samara gewann sie die ersten beiden Sätze, dann aber schien das Spiel zu kippen. Samara holte den dritten Durchgang und führte im vierten bereits mit 7:4-Punkten. Doch dann zündete die Bayerin den Turbo und gewann sieben Ballwechsel in Folge zum 3:1-Sieg.
Im dritten Match dürften einige Fans ein Deja Vu aus dem Jahr 2023 erlebt haben. Denn wie schon in Malmö standen sich Nina Mittelham und Andreea Dragoman gegenüber. In Schweden konnte sich Mittelham nach Abwehr von Matchbällen hauchdünn in der Verlängerung des Entscheidungssatz durchsetzen, und auch dieses Mal entwickelte sich sofort ein enges Match. Den ersten Satz entschied Mittelham, die erst in der K.O.-Runde nach einer Erkältung für Yuan Wan ins Team rutschte, mit 14:12 für sich - genauso wie den zweiten mit 11:8. Die Nummer 86 der Welt Dragomaan schaffte zwar noch den Anschluss zum 1:2 - aber Mittelham vergoldete im vierten Satz eine herausragende Teamleistung der Deutschen zum erneuten Europameistertitel. Nach dem Matchball fiel Mittelham ein Stein vom Herzen: "Am Ende hat sich gezeigt: Wenn es wirklich wichtig ist und die Gegner besser sind, fange auch ich an, besser zu spielen. Darüber bin ich sehr froh. Ich bin auch froh darüber, dass mir die beiden einen 2:0-Vorsprung mitgegeben haben. Das hat die Sache ein bisschen einfacher gemacht." Viel Lob hatte die Vize-Europameisterin aus dem Jahr 2022 auch für ihre Mannschaftskolleginnen parat: "Annett hat unfassbar gut gespielt, hatte vorher noch nie gegen Szöcs gewonnen. Gegen Bernie in einem großen Finale zu spielen, ist nie einfach. Sie fuchst sich da immer irgendwie rein. Sabine hat so solide gegen Samara gespielt, wie ich mir das vorgestellt hatte."
Historischer Titel für DTTB-Damen / "Wir werden uns in den Armen liegen"
Es war das zehnte Gold und damit haben Sabine Winter, Annett Kaufmann, Nina Mittelham, Yuan Wan, Mia Griesel und das Trainer-Duo Tamara Boros und Zoltan Bartofi etwas Historisches geschafft: Sie stehen nun allein an der Spitze auf der ewigen Bestenliste, gefolgt von Ungarn, das zwischen 1960 und 2007 neun Mal ganz oben auf dem Treppchen stand. Für Deutschland war es der zehnte Sieg im 16. Endspiel. Die Rumäninnen waren mit Ausnahme von 2015 seit 2010 in jedem EM-Endspiel vertreten, gewannen insgesamt fünf Mal und müssen sich nun wie 2023 und 2021 hinter den Deutschen mit Silber begnügen.
Zum Erfolg mit Gold bei den Damen und Bronze bei den Herren in Zadar trug auch das medizinische Team entscheidend bei: Mannschaftsarzt Dr. Antonius Kass sowie das Physiotherapeutinnen-Duo Annette Zischka und Birgit Schmidt vom Olympiastützpunkt Hessen sorgten mit unermüdlichem Einsatz, Fachwissen und Teamgeist dafür, dass die Spielerinnen und Spieler in Topform an den Tisch gehen konnten.
Sabine Winter hingegen spielte ihre Rolle als Führungsspielerin etwas herunter: "Insgesamt musste ich die Mannschaft nicht viel führen, wir haben ja kein Match verloren. Ab und man mal etwas gut zugeredet, aber es gab hier auch keine klare Führungsspielerin. Wir waren einfach ein Team.“ Ein Team das viel Spaß hatte und sicher heute auch eine gute Zeit haben wird: "Wir werden heute auch noch ordentlich Spaß haben, etwas feiern, das Turnier Revue passieren lassen und uns in den Armen liegen“, so Winter.
Damen-Finale
Deutschland - Rumänien 3:0
Annett Kaufmann - Bernadette Szocs 3:2 (4,-10,8,-6,5)
Sabine Winter - Elizabeta Samara 3:1 (5,8,-8,7)
Nina Mittelham - Andreea Dragoman 3:0 (12,8,-8,5)
Stimmen zum Spiel:
Sabine Winter: „Das war ein sehr guter Sieg von Annett gegen Bernie - denn wir hatten die Aufstellung nicht perfekt getroffen. Aber uns war auch klar, dass wir drei Spiele gewinnen müssen, egal wann. Und wenn wir ein Break schaffen, gibt es uns vielleicht ein bißchen Aufwind. So war es dann auch. Samara ist für mich in Europa einer der Spielerinnen, gegen die es für mich am schwierigsten ist. Sie hat die Möglichkeiten auch sehr gut gegen Material zu spielen - gewinnt auch zum Beispiel gegen Batra immer. Gegen sie hatte ich auch mit Anti noch nicht gespielt und meine Taktik, mit der ich zuletzt vor der Umstellung sehr erfolgreich war, funktioniert natürlich nicht mehr. Aber spätestens nach dem 2:0 habe ich auch dran geglaubt, dass wir dieses Finale gewinnen können und Nina hat souverän den Sack zugemacht.“
Zu ihrer Rolle als Mannschaftsführerin: „So erfahren bin ich jetzt auch noch nicht. Ich bin zwar schon lange dabei, aber selbst gespielt in wichtigen Spielen habe ich für Deutschland selten. Vor vier Jahren in Cluj habe ich im Finale gespielt, das hat mir auch heute geholfen. Insgesamt musste ich die Mannschaft nicht viel führen, wir haben ja kein Match verloren. Ab und man mal etwas gut zugeredet, aber es gab hier auch keine klare Führungsspielerin. Wir waren einfach ein Team.“
Zum Teamgeist: „Wir hatten viel Spaß, als Europameister kann man aber eigentlich auch fast nur Spaß haben. Wir werden heute auch noch ordentlich Spaß haben, etwas feiern, das Turnier Revue passieren lassen und uns in den Armen liegen.“
Nina Mittelham: "Mir ist ein sehr, sehr großer Stein vom Herzen gefallen. Ich hatte vorher mit mir gehadert, weil ich nicht so gut gespielt habe wie erhofft. Am Ende hat sich gezeigt: Wenn es wirklich wichtig ist und die Gegner besser sind, fange auch ich an, besser zu spielen. Darüber bin ich sehr froh. Ich bin auch froh darüber, dass mir die beiden einen 2:0-Vorsprung mitgegeben haben. Das hat die Sache ein bisschen einfacher gemacht. Nachdem ich die ersten zwei, drei Bälle gespielt hatte, habe ich gemerkt, dass ich ganz ordentlich drauf war. Am Ende habe ich solide gespielt. Nach meiner langen Verletzungspause habe ich noch nicht viele Spiele gemacht. Daher ist jedes Spiel für mich wichtig, um Rhythmus zu bekommen. Ich habe vor dem Turnier spaßeshalber gesagt, wir müssen unsere 3:0-Serie aufrecht erhalten. Dass wir das wirklich bis zum Titel schaffen, finde ich überragend. Annett hat unfassbar gut gespielt, hatte vorher noch nie gegen Szöcs gewonnen. Gegen Bernie in einem großen Finale zu spielen, ist nie einfach. Sie fuchst sich da immer irgendwie rein. Sabine hat so solide gegen Samara gespielt, wie ich mir das vorgestellt hatte."
Annett Kaufmann: "Ich bin nicht selbstbewusst in die Box gegangen, was das Spielverhältnis zwischen ihr und mir betrifft. Aber ich habe mir gedacht: Ich habe nichts zu verlieren. Ich gehe bei 0:0 in die Box, und sie hat mehr zu verlieren als ich. Ich spiele mein Spiel, fokussiere mich auf jeden Ball und schaue einfach, was geht. Und auf einmal stand es im ersten Satz 9:3. Da habe ich die Confidence gespürt und mir gedacht, ich nehme mir das Spiel mit. Das ist jetzt meins! Ich habe zu den Mädels gestern gesagt, ich habe mir manifestiert und visualisiert, dass wir gewinnen. Klar wusste ich, dass es ein schwieriges Spiel wird. Aber nachdem ich mein Spiel gewonnen hatte, war ich zwar erleichtert, aber immer noch nervös. Ich konnte nicht ruhig auf der Bank sitzen. Nachdem wir 2:0 geführt hatten, war ich entspannter. Ich weiß, dass Nina in kritischen Momenten echt gut spielt. Auf sie ist immer Verlass. Im letzten Team-Finale gegen Andreea hat sie es auch geschafft. Daher war ich sehr zuversichtlich."
Über den Teamgeist und die Historie: "Der Teamgeist war sehr gut. Ohne jede einzelne von uns in der Mannschaft hätten wir das nicht geschafft. Man hat den Teamspirit bei uns gesehen. Wir waren alle heiß und haben uns gegenseitig unterstützt und das gemacht, was für die andere gerade am besten ist. Es gab keinen Egoismus. Jeder hat fürs Team gekämpft und alles für den Titel gegeben. Wir haben es als Team sehr gut gemeistert."
"Es ist schön zu hören, dass wir eine so gute Statistik haben. Wir haben mit drei Titeln hintereinander den Hattrick geschafft und wir haben unsere Serie mit unseren 3:0-Siegen ausgebaut. Es bedeutet mir auch viel, dass wir Frauen jetzt mit zehn Titeln vorne sind. Diese Statistik kannte ich vorher nicht, aber jetzt ich bin happy darüber."
Bundestrainerin Tamara Boros: „Der Europameistertitel war unser Ziel, aber ein 3:0 im Finale habe ich nicht erwartet. Dabei war jedes Spiel wirklich knapp. Annetts Sieg gegen Szöcs hat uns zusätzliches Selbstvertrauen gegeben – das war das Joker-Match, das Break. Was Sabine im letzten Jahr mit der Umstellung auf den Anti gemacht hat, ist unglaublich. Meinen Respekt, wie sie das mit diesem neuen Spielsystem umsetzt. Das freut mich sehr für sie. Dass Nina es nach ihrer Verletzung so gut gemeistert hat und der Mannschaft auf diese Weise helfen konnte, freut mich ebenfalls sehr. Sie ist auf einem guten Weg. Ich hoffe sehr, dass sie fit bleibt. Sie hat hier schon gezeigt, wie gut sie wieder spielen kann – mit ein bisschen mehr Zeit geht es noch besser. Auch mental war sie heute sehr stark.
Außerdem hat auch Yuan wichtige Spiele gewonnen und der Mannschaft geholfen. Mia hat sich toll ins Team eingefügt. Wichtig sind nicht nur die ersten drei Spielerinnen, sondern alle fünf. Wir sind alle zusammen eine sehr gute Mannschaft.
Ich danke auch Zolli (Damen-Bundestrainer-Assistent Zoltan Batorfi, Anm. d. Red.). Er hilft mir und den Mädels sehr viel und ist ein wichtiger Teil dieser Mannschaft.“
DTTB-Vorstand Sport, Richard Prause: "Sechs Mal 3:0 - es ist ein echtes Ausrufezeichen, das die Damen hier gesetzt haben. Das war vorher nicht so zu erwarten. Nina Mittelham etwa ist aus einer langen Verletzungspause gekommen.
Es war schön zu sehen, dass die Damen als Team eine echte Dynamik entwickelt haben. Gegen Slowenien zum Auftakt war es noch etwas schwer, danach ist es von Match zu Match auch spielerisch besser geworden. Das Team ist positiv zusammengerückt und hatte dabei verschiedene Rollen. Annett, die als Nummer eins vorangegangen ist. Sabine, die nicht minder top gespielt hat. Nina, die auf dem Weg zurück ist. Yuan, die vor allem am Anfang in den Gruppenspielen dem Team den Rücken freigehalten hat. Mia, die hier Erfahrung gesammelt hat. Für jede war etwas Neues dabei. Daher bin ich sehr stolz darauf, dass es die Damen so gut hinbekommen haben."
Dr. Wolfgang Dörner, DTTB-Vorstandsvorsitzender: „Unsere Teams haben gezeigt, was möglich ist. Die Damen haben ihr Potenzial voll ausgeschöpft, die Herren mit Bronze und einem starken Spiel gegen Frankreich bewiesen, dass sie wieder vorne mitspielen können. Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Beide Mannschaften haben außerdem einen tollen Teamgeist gezeigt, der Lust auf mehr macht. Auf die gesamte Truppe bin ich sehr stolz.“
Team Deutschland: Sabine Winter (TSV Dachau, WR: 28), Yuan Wan (TTC Weinheim, WR: 62), Annett Kaufmann (SV DJK Kolbermoor, WR: 65), Nina Mittelham (ttc berlin eastside, WR: 69), Mia Griesel (ttc berlin eastside, WR: 210), Bundestrainer-Team: Tamara Boros und Zoltan Batorfi
Team Rumänien: Bernadette Szöcs (16), Elizabeta Samara (32), Adina Diaconu (75), Andreea Dragoman (86), Elena Zaharia (197), Coach: Andrei Filimon, Assistent: Ionut Seni
17 Uhr: Herren-Finale
Frankreich - Rumänien
Team Frankreich: Félix Lebrun (5), Alexis Lebrun (12), Simon Gauzy (18), Thibault Poret (33), Flavien Coton (43), Coach: Nathanaël Molin
Team Rumänien: Eduard Ionescu (50), Iulian Chirita (70), Ovidiu Ionescu (117), Darius Movileanu (206), Andrei Istrate (226), Coach: Andrei Filimon, Assistent: Ionut Seni
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Mehr Infos zum Turnier und die Teilnehmerliste auf tischtennis.de
Herren
Benedikt Duda (TTC Schwalbe Bergneustadt, Weltrangliste: 8)
Dang Qiu (Borussia Düsseldorf, WR: 14)
Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken TT, WR: 15)
Ricardo Walther (ASC Grünwettersbach, WR: 37)
Andre Bertelsmeier (TTC Bad Königshofen, WR: 81)
Damen
Sabine Winter (TSV Dachau, WR: 28)
Yuan Wan (TTC Weinheim, WR: 62)
Annett Kaufmann (SV DJK Kolbermoor, WR: 65)
Nina Mittelham (ttc berlin eastside, WR: 69)
Mia Griesel (ttc berlin eastside, WR: 210)
Sportliche Leitung
Richard Prause (Vorstand Sport)
Trainerteam
Tamara Boros (Bundestrainerin Damen), Jörg Roßkopf (Bundestrainer Herren), Zoltan Batorfi (Assistenztrainer Damen), Lars Hielscher (Cheftrainer Düsseldorf)
Medizinisches Team
Dr. Antonius Kass (Teamarzt), Annette Zischka, Birgit Schmidt (Physiotherapeutinnen, OSP Hessen in Frankfurt/Main)
Organisationsleiter und Videograf
Kolja Rottmann (Referat Leistungssport)
Weitere DTTB-Vertreter
Dr. Wolfgang Dörner (Vorstandsvorsitzender), Matthias Vatheuer (Vorstand Organisation), Heike Ahlert (Vizepräsidentin, stellvertretende ETTU-Präsidentin)
Presse
Manfred Schillings
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