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Tischtennis und Samba: Senioren-WM in Brasilien

24.06.2008

Rio de Janeiro. Voller Erwartung, nicht nur an die sportlichen Wettkämpfe sondern auch die Ausrichtung der ersten Weltmeisterschaft in Lateinamerika, begaben sich 255 aktive deutsche Senioren und Seniorinnen auf eine lange Reise: zu den 14. Weltmeisterschaften der Senioren in Rio de Janeiro Ende Mai. Dass es nicht mehr deutsche Teilnehmer gab, lag nicht nur an der langen Flugzeit und den Kosten, die die Starter selbst tragen müssen, sondern auch an der Verunsicherung durch Meldungen hinsichtlich möglicher Fiebererkrankungen und zu erwartender Sicherheitsrisiken.

Insgesamt gingen 1378 Aktive aus 52 Nationen an den Start. Deutschland stellte mit seinem Teilnehmerfeld die zahlenmäßig stärkste Nation, gefolgt von den Japanern mit 155 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die mit 97 Jahren älteste Spielerin, Dorothy de Low, kam aus Australien. Der Teilnehmerrekord - aufgestellt 2006 in Bremen mit rund 3650 Teilnehmern aus 60 Nationen - hat somit weiterhin Bestand.

Samba zur Eröffnung

Die Eröffnungsfeier gestalteten die Organisatoren mit einer Kindertanzgruppe, die unter anderem alle 52 Nationen mit ihren Landesfahnen präsentierten und einem kurzen, aber klangvollen Samba-Umzug. Im Anschluss hatten alle Teilnehmer die Möglichkeit, ihre ersten Sambaschritte mit Unterstützung der Sambatänzerinnen zu probieren.

Schauplatz der fünf Turniertage war das "Rio Centro", das größte Sport- und Messezentrum von Rio de Janeiro. Alle Spiele wurden in einer Halle mit 72 Wettkampftischen ausgetragen. In der gleichen Halle konnten zur Vorbereitung auf den Wettkampf 20 Trainingstische genutzt werden. Erstmalig war es möglich, dass ein offizieller Vertreter des DTTB (Gunter Klugmann als Ressortleiter Seniorensport) als Ansprechpartner für sportliche Probleme die deutschen Teilnehmer begleiten konnte. Dieser Anlaufpunkt wurde rege in Anspruch genommen.

Hochkarätiges Teilnehmerfeld

Das Teilnehmerfeld war auch in Rio de Janeiro mit Weltmeistern und Platzierten von 2006 sowie vielen bekannten Sportlerinnen und Sportlern besetzt, so waren etwa bei den Damen Hummelova (CZE), Butcher (ENG), Bihl, Blasberg, Krüger-Trupkovic (GER), Batinic (Foto, HRV), Asami, Takahashi, Fukushima (JPN) sowie bei den Herren Cecava (CZE), Bilic, Kunz, Lippelt, Schmidt, Steinkämper (GER), Ramberg (DEN), Kalinic (SER), Dr. Neubauer (SUI), Forsberg (SWE), Cvecko (SVK) am Start.

Die deutschen Athleten präsentierten sich in guter Verfassung: Sie erkämpften insgesamt 29 Podiumsplätze. Auf dem Siegerpodest konnten die Deutschen elfmal das oberste Treppchen erklimmen und den Weltmeistertitel in Empfang nehmen.  In den einzelnen Seniorenklassen konnten unter anderem folgende Ergebnisse erzielt werden:

Seniorinnen 40: Claudia Piccu, Einzel, 3. Platz, Claudia Piccu/Dr. Margit Geiger, Doppel, 3. Platz. In die Hauptrunde schafften es außerdem S. Döbler, Dr. M. Geiger ausgeschieden in der 2. Runde und I. Gruß, G. Roth, die bereits nach der 1. Runde dem Gegner gratulieren mussten. Im Doppelwettbewerb schied Reunert/Roth im Achtelfinale gegen die späteren 2. Platzierten aus.

Senioren 40: Fejer-Konnert (GER)/Ciociu (SIU), Doppel, 1. Platz, Andreas Stark/Peter Beranek, Doppel, 2. Platz. Die Hauptrunde erreichten weiter R. Neusse, S. Schleicher, M. Wedig, S. Kretschmer, J. Eisch, B. Krüger, P. Köhler ausgeschieden in der 1. Runde;
H. Hauffe, M. Reese, F. Lukaschek, M. Windus, A. Fejer-Konnert, P. Beranek, K. Fass ausgeschieden in der 2. Runde; R. Kessel ausgeschieden in der 3. Runde (32-Feld);
bis unter die letzten 16. schaffte es C. Jung, A. Schorradt, A. Stark. Im Doppelwettbewerb schieden Jung/Lukaschek erst im Spiel um den Einzug ins Semifinale aus.

Seniorinnen 50: Kirsten Krüger-Trupkovic, Einzel, 3. Platz, Krüger-Trupkovic (GER)/Annie Veje Ramberg (DEN), Doppel, 1. Platz. In die Hauptrunde schafften es außerdem G. Neumann, M. Zippel, I. Arndt, A. Wunderlich ausgeschieden in der 2. Runde sowie I. Ohrmann-Mangels, M. Wilkens die bereits nach der 1. Runde dem Gegner gratulieren mussten und G. Cato die den Einzug in das Achtelfinale nach einem spannenden Kampf knapp mit 2:3 verpasste. Im Doppelwettbewerb überstanden nur Wunderlich/Arndt und Ohrmann-Mangels mit ihrer französischen Partnerin Barillon die 1. Runde. Nach der 2. Runde mussten sie ihren Gegnerinnen zum Sieg gratulieren.

Senioren 50: Die Hauptrunde erreichten W. Müller, G. Hilgert, H.J. Goethe, H-J. Grosse, J. Langer, K. Guckeisen, R. Lebelt, G. Beer, G. Arnold, A. Mnich, W. Stroux ausgeschieden in der 1. Runde und R. Koop ausgeschieden in der 2. Runde. Im Doppelwettbewerb schieden Behnisch/Koop gegen den späteren Weltmeister um den Einzug in das Achtelfinale aus.

Seniorinnen 60: Gudrun Engel/Margit Trupkovic, Doppel, 3. Platz. In die Hauptrunde schafften es außerdem R. Lindner, J. Steidl, U. Bender, M. Trupkovic ausgeschieden in der 2. Runde sowie Ch. Lübbe, Ch. Scharlau, G. Engel, R. Wienke die bereits nach der 1. Runde dem Gegner gratulieren mussten und K. Flemke die den Einzug in das Semifinale trotz starkem Kampf verpasste. Im Doppelwettbewerb schied Flemke/Lübbe erst im Spiel um den Einzug ins Semifinale, wiederum an einem japanischen Doppel, aus. Die starke Dominanz der Japanerinnen konnte auch dieses mal nicht durchbrochen werden.

Senioren 60: Jaroslav Kunz, Einzel, 1. Platz, Jaroslav Kunz (GER)/Sik Link (MAL), Doppel, 2. Platz. Renè Theillout/Gerd Peyer, Doppel, 3. Platz. Die Hauptrunde erreichten J. Metzger ausgeschieden in der 1. Runde; D. Imbrock, K. Tischler, H.-A. Theelen ausgeschieden in der 2. Runde und G. Pleyer, W. Greter ausgeschieden unter den letzten 16. Im Doppelwettbewerb schieden Stephan/Assenmacher erst im Spiel um den Einzug ins Semifinale aus.

Seniorinnen 65: Jutta Baron/Karin Niemeyer, Doppel, 2. Platz. In die Hauptrunde schafften es B. Schneider ausgeschieden in der 2. Runde; I. Pohl ausgeschieden unter den letzten 16. sowie R. Strohmeyer, J. Baron die den Einzug in das Semifinale nach harten aber fairen Kampfe gegen ihre japanischen Gegnerinnen verpassten. Im Doppelwettbewerb überstanden auch Pohl/Kaysser, Renelt/Bielefeld, Wunner/Schneider die 1. Runde, danach mussten sie ihren Gegnerinnen zum Sieg gratulieren. Auch in dieser Seniorenklasse war die Dominanz der Japanerinnen nicht zu durchbrechen.

Senioren 65: Wolfgang Schmidt, Einzel, 1. Platz, Dimitrije Bilic 2. Platz, Wolfgang Schmidt (GER)/Dr. Herbert Neubauer (SUI), Doppel, 1. Platz, Manfred Grumbach/Friedrich Haase 3. Platz. Die Hauptrunde erreichten V. Sievers ausgeschieden in der 1. Runde; D. Georgi, W. Wenk, L. Schwesig, A. Freimuth, G. Weikert, M. Grumbach, M. Reith, D. Fuchs, H. Grünewald, H. Hummel, D. Mestchen, A. Ludwig ausgeschieden in der 2. Runde; H. Kimmpfler, F. Haase, H. Nabbefeld ausgeschieden in der 3. Runde (32-Feld) sowie P. Kelb, K. Wendt, D. Graul, D. Polte ausgeschieden unter den letzten 16. Im Doppelwettbewerb schieden Bilic (GER)/Sandmark (SWE) und Grünewald/Ludwig um den Einzug in das Semifinale aus. Wolfgang Schmidt wurde mit den Siegen im Einzel- und Doppelwettbewerb zweifacher Weltmeister.

Seniorinnen 70: Marianne Blasberg (GER)/Pamela Butcher (ENG), Doppel, 3. Platz. In die Hauptrunde schafften es S. Matthias und M. Blasberg. Beide mussten in der 2. Runde ihren japanischen Gegnerinnen nach 3:1 Sätzen zum Sieg gratulieren. In dieser Seniorenklasse schafften es die Japanerinnen mit 7 Spielerinnen unter die ?letzten Acht? zu gelangen. Nur die Engländerin, Betty Bird konnte in dieses Feld gelangen. Im Doppelwettbewerb schaffte Matthias/Ernst mit einem Sieg über das japanische Doppel Hayashi/Toda den Einzug in die 2. Runde. Hier mussten sie sich dann dem späteren japanischen Weltmeisterdoppel, Nagase/Harada geschlagen gegeben.

Senioren 70: Dieter Lippelt, Einzel, 1. Platz, Konrad Steinkämper, 3. Platz, Konrad Steinkämper (GER)/Georg Mach (SUI), Doppel, 1. Platz, Erich Arndt/Klaus Krüger, 2. Platz,
Hansjörg Gässler (GER)/V. Langehegemann (LUX), 3. Platz. Die Hauptrunde erreichten V. Troppmann, H. Reese, H-J. Blümel, J. Leckel, S. Goldschmidt, G. Scholz, J. Schiemann ausgeschieden in der 1. Runde; J. Pfahl, H. Kuhn, D. Lauk, H. Randerath, H. Gässler, K. Mahlstedt ausgeschieden in der 2. Runde (32er-Feld) sowie D. Stolzenberg, E. Arnold ausgeschieden unter den letzten 16. und A. Propfe, K. Krüger ausgeschieden um den Einzug in das Semifinale. Im Doppelwettbewerb schafften Propfe/Lippelt den Einzug ins Achtelfinale und trafen dann auf das Doppel Steinkämper/Mach. Trotz einer 2:0 Führung mussten sie dann aber den späteren Weltmeistern zum Sieg gratulieren.

Seniorinnen 75: Martha Willke, Einzel, 1. Platz, Waltraut Zehne, Einzel, 3. Platz, Martha Willke/Waltraut Zehne, Doppel, 1. Platz, Elisabeth Eiling/Hilde Schildknecht, 3. Platz. In die Hauptrunde schaffte es ebenfalls H. Schildknecht. Hier hatte sie gleich eine Spielerin aus Japan als Gegnerin, der sie nach einer starken Leistung trotzdem zum Sieg gratulieren musste. Im Semifinale waren dann 2 Japanerinnen und 2 Deutsche vertreten. W. Zehne konnte ihr Spiel nicht umsetzten, so dass sie der Japanerin Tosa nach zähem Kampf zum Sieg gratulieren musste. M. Willke kam besser in ihr Spiel und konnte mit ihrer sicheren Spielweise die Japanerin Eguchi mit 3:0 bezwingen. Im Endspiel konnte M. Willke wieder auf ihrem sicheren Spiel aufbauen. Mit ihrer nach außen scheinbaren Ruhe konnte sie nach einem 0:1-Rückstand das Endspiel mit 3:1 gewinnen. Im Doppelwettbewerb wurde das Endspiel zu einem echten Krimi. Nach einer 2:0-Satzführung für das Doppel Willke/Zehne kam ein Bruch in das deutsche Spiel. Das japanische Doppel Kujirai/Tangigawa gab nicht auf und kämpfte sich zum 2:2-Zwischenstand heran. Im fünften Satz wechselte die Führung bis zum Seitenwechsel ständig hin und her. Danach konnte sich das deutsche Doppel einen Zwei-Punkte-Vorsprung erkämpfen. Mit ihrem Können und dem größeren Siegeswillen konnten sie den fünften Satz mit 11:9 gewinnen. Damit schaffte es Martha Willke, zweifache Weltmeisterin zu werden.

Senioren 75: Günter Krauss (GER)/Terry Donlon (ENG), Doppel, 3. Platz. In die Hauptrunde schafften es ebenfalls G. Krauss und M. Mitrowan. Hier konnten beide bis in das Achtelfinale vordringen. Um den Einzug in das Semifinale scheiterten Beide jeweils 1:3 an ihren Gegner aus Finnland bzw. Russland. Im Doppelwettbewerb trafen Risch/Mitrowan gleich auf die späteren Finalisten Merimaa(FIN)/ Svensson (SWE), denen sie mit 1:3 unterlegen waren. Besser machte es das Doppel Krauss/Donlon. Sie schafften es bis ins Semifinale. Hier konnten sie aber nicht mehr an ihre vorher gezeigten Leistungen anknüpfen und unterlagen den späteren Weltmeistern mit 1:3.

Seniorinnen 80: Im Einzelwettbewerb war keine deutsche Teilnehmerin am Start.

Senioren 80: Johann Englmaier/Ernst Junker, Doppel, 1. Platz, Adolf Schmid (GER)/Vladislav Motulevich (RUS), 3. Platz. In die Hauptrunde schafften es E. Junker und J. Englmaier. Im Achtelfinale kam dann für Beide das Aus. Beide machten es ihren Gegner sehr schwer. So verlor J. Englmaier erst nach einem Fünf-Satz-Krimi in der Verlängerung mit 10:12, und E. Junker konnte den späteren Weltmeister nur an den Rand einer Niederlage bringen. Er verlor im vierten Satz in der Verlängerung mit 11:13. Im Doppelwettbewerb wollten es dann Junker/Englmaier wissen. Mit einer kämpferischen Glanzleistung bezwangen sie das Doppel Ruzha (CZE)/Forsberg (SWE) mit 3:2.

Seniorinnen 85: Ursula Bihl, Einzel, 1. Platz. Nach ihrem Bronze-Platz 2006 in Bremen konnte Ursula Bihl nun ganz oben auf das Siegerpodest steigen und somit ihre jahrelang beständig gute Leistung mit dem Weltmeistertitel krönen.

Seniorinnen 80 und 85, Doppel: Ursula Bihl (GER)/Angèle Joing (FRA), 3. Platz. Im Doppelwettbewerb wurden aufgrund der Teilnehmeranzahl die Seniorenklassen 80 und 85 zusammengefasst. Einzige deutsche Starterin in der Seniorinnen-85-Klasse war Ursula Bihl, die mit ihrer Partnerin den 3. Platz im Doppelwettbewerb belegte.

Senioren 85: In die Hauptrunde haben es unsere Vertreter H. Schubert und K. Passow nicht geschafft. Aber in der Trostrunde trumpften sie auf. H. Schubert konnte das "kleine Finale" gegen A. Moreau (FRA) mit einem 3:2 Sieg für sich entscheiden. Im Doppelwettbewerb gab es wieder ein "kleines Finale" mit deutscher Beteiligung. Passow/Schubert trafen auf das Duo Moreau (FRA)/Lambert (SUI). Diesmal waren die Deutschen jedoch nicht auf der ?Siegerstraße?. Sie mussten nach einer 1:3-Niederlage ihrem sportlichen Gegner zum Sieg gratulieren.

Fazit

Die sportlichen Bedingungen vor Ort waren gut. Leider konnten nicht alle Finalspiele verfolgt werden, da alle Seniorenklassen der Doppel- bzw. Einzelwettbewerbe jeweils gleichzeitig ausgetragen wurden. Die Zuschauer mussten sich so für ein bzw. zwei parallele Spiele entscheiden. Die 14. Weltmeisterschaften der Senioren wurden mit einer Abschlussveranstaltung im "SamboDrom" von Rio de Janeiro beendet. Die brasilianischen Gastgeber zeigten nochmals ihre Sambatänze, und verabschiedet wurden alle Sportler/innen und Gäste musikalisch mit einem gemeinsamen Sambaumzug inklusive einiger Originalwagen.

Auch wenn nicht jeder Teilnehmer seine gesteckten Ziele erreichte, kann dennoch festgestellt werden, dass die Weltmeisterschaften mit viel Engagement seitens des Gastgeberlandes Brasilien ausgerichtet wurden. Alle Anwesenden haben viele neue Eindrücke und vielleicht auch Freunde gewonnen. Jeder konnte etwas von Land und Leuten kennen lernen und schöne Erinnerungen mit auf die Heimreise nehmen.

29 Podestplätze für deutsche Senioren in Brasilien

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Heidrun Kissmann, Aktivensprecherin im DTTB-Seniorenausschuss und WM-Teilnehmerin
Fotos: Manfred Schillings
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