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In toller Form seit Wochen: Dang Qiu (Alle Fotos: Schiefer)
Bei der Olympia-Generalprobe verzichtet Topfavorit Ovtcharov sicherheitshalber auf das Endspiel

Dang Qiu gewinnt die Tokio Challenge

SH 10.07.2021

Düsseldorf. Dang Qiu hat sich den Sieg beim Einzelturnier der Tokio Challenge gesichert, des inoffiziellen Olympia-Testturniers von Deutschlands Herren im Castello Düsseldorf. Im Endspiel besiegte der Neuzugang von Borussia Düsseldorf seinen EM-Doppelpartner Benedikt Duda (Bergneustadt) in einer auf drei Gewinnsätze verkürzten Partie mit 8:11, 12:10, 11:7 und 11:7. Der 24-jährige gebürtige Nürtinger zeigt sich seit Wochen in bestechender Form, hatte am Vortag im Mannschaftswettbewerb auf Seiten der Herausforderer zusammen mit Duda und Ruwen Filus dem Tokio-Stammtrio mit Dimitrij Ovtcharov, Timo Boll und Patrick Franziska das Leben im Doppel und Einzel schwer gemacht.

„Die beiden im Finale haben insgesamt ein Topturnier gespielt. Auch das Endspiel war auf einem hohen Niveau“, lobte Bundestrainer Jörg Roßkopf Qiu und Duda. Der Doppel-Weltmeister von 1989 richtete auch gleich den Blick in die Zukunft. „Das zeigt, dass wir eine junge, hungrige Generation hintendran haben, die bereit wäre.“

Vorsichtsmaßnahme: Ovtcharov verzichtet aufs Endspiel

„Ich bin schon seit Wochen im Training gut drauf. Es freut mich, dass ich das auch hier im Wettkampf zeigen konnte“, sagte Dang Qiu. Dass für ihn jetzt erst einmal keine Turniere auf dem Programm stehen, macht dem ersten und einzigen Penholderspieler in Deutschlands Herren-Nationalmannschaft nichts aus. „Für einen jungen Spieler wie mich ist generell jeder Fortschritt wichtig. Ich hoffe, dass ich mich bei der nun anstehenden Saisonvorbereitung mit dem DTTB-Kader weiter verbessern kann.“ Diese findet parallel zu den Olympischen Spielen in Japans Hauptstadt statt. Auch der im Endspiel unterlegene Benedikt Duda, Ergänzungsspieler von Team Deutschland, der zum Einsatz kommt, falls im Mannschaftswettbewerb jemand ausfällt, war zufrieden mit seiner Leistung. „Dang hat sehr gut gespielt und verdient gewonnen. So wie wir uns hier alle präsentiert haben, zeigt das, dass wir auf einem guten Weg sind". Und er erklärte mit einem Lächeln: „Ich hätte das Finale ja schlecht gewinnen können. Schließlich hätte ich hier gar nicht stehen dürfen."

Eigentlich wäre nicht Duda, sondern Dimitrij Ovtcharov Qius Endspielgegner gewesen. Denn in der Vorschlussrunde hatte sich der Weltranglistenachte gegen den vierfachen Deutschen Doppel-Meister durchgesetzt. Ovtcharovs Verzicht auf das Finale war eine reine Vorsichtsmaßnahme. "Gestern gegen Dang hat es im Knie gezwickt, jetzt ist der linke Fuß ein bisschen geschwollen. Ich bin noch gesund, aber nach der EM hatte ich das Trainingspensum noch weiter hochgefahren und bin jetzt am Limit", erklärte der World-Cup-Sieger von 2017.

Ovtcharov: "Habe mich nie besser auf ein Turnier vorbereitet"

Mit seiner Form ist er zufrieden. "Ich habe sehr gute Spiele gestern gegen Dang und heute gegen ‚Benne‘ gemacht. Ich habe keinen Blödsinn gespielt", fasste es Ovtcharov zusammen. "Bis auf den zweiten Satz gegen Dang hatte ich das Gefühl, dass sich meine Gegner jeden Punkt gegen mich erarbeiten müssen. Das setzt den Gegner enorm unter Druck. Ich habe zurzeit keine großen Schwächen und bin stabil in meinem Spiel. Mir fehlt nur noch etwas die Frische."

Jetzt macht Deutschlands Nummer eins erst einmal drei Tage Pause. "Kein Tischtennis, kein sonstiger Sport, gar nichts, damit aus den kleinen Wehwehchen keine großen werden. Insgesamt kann ich sagen: Ich habe mich niemals besser auf ein Turnier vorbereitet als auf diese Olympischen Spiele." Am Mittwoch plant Ovtcharov, das Training wieder aufzunehmen. Am 18. Juli fliegt er gemeinsam mit dem Großteil der DTTB-Aufgebots nach Tokio.

Sehenswertes Duell im Halfinale gegen Duda

Im Halbfinale bei der zweitägigen Tokio Challenge im Castello Düsseldorf lieferten sich Dimitrij Ovtcharov und Benedikt Duda ein heißes Hochgeschwindigkeitsduell. Die Zuschauer am Livestream bei Sportdeutschland.TV verfolgten fünf Sätze lang sehenswerte Topspin-Duelle der beiden Tokio-Fahrer. Am Ende sicherer, druckvoller und mit den gefährlicheren Aufschlägen agierend, sicherte sich der EM-Finalist von Warschau den Sieg mit 4:1.

Der spätere Turniersieger hatte sich in der Vorschlussrunde glatter als erwartet gegen Patrick Franziska durchgesetzt, der in Tokio für den Mannschafts- und Mixed-Wettbewerb vorgesehen ist. Beim 4:0 spielte der Neu-Düsseldorfer Qiu nahezu fehlerlos gegen den nach der langen Olympia-Vorbereitung sichtlich nicht mehr ganz frischen Wahl-Saarbrücker Franziska. "'Franz' ist wahrscheinlich gerade nicht in der besten Verfassung", so Qiu. "Außerdem war ich schon im Rhythmus, weil ich heute anders als er im Viertelfinale ein Spiel gemacht hatte. Wenn man müde ist und dann noch einem Rückstand hinterherlaufen muss, ist das doppelt hart." Franziska nahm es sportlich: "Es ist auf jeden Fall gut, vor Tokio so ein Spiel gehabt zu haben, um den Ernstfall zu proben", sagte er und fügte optimistisch hinzu: "Im Training läuft es bei mir eigentlich, und bei Olympia wird es auch laufen."

Starker Oehme setzt Duda zu Turnierbeginn unter Druck

Erst am Vorabend als Ersatzmann für den verletzten Timo Boll ins Einzelturnier gerutscht, präsentierte sich im Viertelfinale am Samstagmorgen der erst 21-jährige Benno Oehme so, wie ihm auch im Frühjahr gleich mehrfach der Einzug ins Halbfinale bei der Düsseldorf-Masters-Serie gelungen war. Er lieferte Benedikt Duda ein enges Match, bei dem er die Sätze vier und fünf für sich entscheiden konnte. „Benno mich auch heute gut beschäftigt“, kommentierte Duda. „Er hat sehr gut gespielt, spielt generell gut gegen mich, auch weil er gegen Linkshänder ein gutes System hat. Im Aufschlag-Rückschlag-Bereich war ich heute gut und habe dann aggressiv nachgesetzt, um ihn unter Druck zu setzen.“

Der Neu-Bad-Homburger Oehme hatte seine anfängliche Nervosität beim Olympia-Test im großen Castello Düsseldorf unter den Augen des Bundestrainer-Teams ablegen können. Und hatte außerdem die Gewissheit: „‘Bennes‘ Bälle und sein Spielrhythmus liegen mir. Ich komme generell mit Linkshändern gut zurecht. Mit meiner Leistung bin ich zufrieden, und nachdem ich den vier Satz gewonnen hatte, war ich noch einmal lockerer.“

Keine Entwarnung bei Boll

Im Halbfinale des Düsseldorf Masters Anfang Mai hatte sich Dang Qiu Herausforderer Cedric Meissner noch mit 1:3 beugen müssen, bei der Tokio Challenge jedoch hatte der Mixed-Europameister die Partie trotz zweier Satzverluste weitgehend im Griff. Meissner zeigte vor allem in den Durchgängen zwei und drei seine Klasse mit der schnellen Hand und der schlagkräftigen Vorhand, dann ging dem Youth-Olymic-Games-Teilnehmer von 2018 die Kondition aus. Zwei Tage habe er nach seiner Corona-Impfung mit Fieber im Bett gelegen. „Ich will mich nicht herausreden. Dang ist der deutlich bessere Spieler. Ich habe im zweiten und dritten Satz gut gekämpft“, so Meissner.

Der am Vorabend in seinem Einzel beim Mannschaftsvergleich verletzt ausgefallene Timo Boll war am Samstagmittag als Zivilist vor Ort im Castello Düsseldorf zur Behandlung durch den Tokio-Physiotherapeuten des DTTB, Peter Heckert vom Olympiastützpunkt Hessen. Entwarnung bei seiner Verletzung im Bereich der rechten Hüfte gab es aber nicht. „Es gab über Nacht keine Wunderheilung, auch wenn man manchmal hofft, dass es morgens einfach weg ist“, so der Rekord-Europameister. „Wir müssen einfach abwarten.“

Roßkopf: "Haben im Training richtig gearbeitet"

„Es waren zwei harte Tagen, an denen wir gesehen haben, dass wir im Training richtig gearbeitet haben“, bilanzierte Bundestrainer Roßkopf nach dem vom Deutschen Tischtennis-Bund, Tischtennis Marketing Gesellschaft und Sportstadt Düsseldorf organisierten Tokio-Test. „Wir müssen nun die nächste Woche abwarten und hoffen, dass wir mit vier gesunden Spielern nach Tokio fahren können“, ergänzte Deutschlands Rekord-Nationalspieler mit Blick auf vor allem Timo Boll, aber auch Dima Ovtcharov.

Trainiert wird noch bis einschließlich Sonntag, 18. Juli, wenn auch unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse seines Tokio-Quartetts. Der Olympia-Lehrgang der DTTB-Herren im Deutschen Tischtennis-Zentrum in Düsseldorf dauert noch bis Donnerstag. Im Anschluss trainieren Timo Boll und Patrick Franziska in Höchst im Odenwald unter Anleitung von Roßkopf. Ovtcharov und Duda bleiben mit Bundestrainer-Assistent Lars Hielscher im DTTZ.

 

Samstag, 10. Juli

Einzelturnier mit 6 Spielern*
Viertelfinale
Dimitrij Ovtcharov - Freilos
Benedikt Duda – Benno Oehme 4:2 (10,8,10,-9,-7,4)
Dang Qiu – Cedric Meissner 4:2 (5,-10,-8,6,4,6)
Patrick Franziska - Freilos

Halbfinale
Dimitrij Ovtcharov – Benedikt Duda 4:1 (-10,9,5,10,7)
Patrick Franziska – Dang Qiu 0:4 (-6,-8,-7,-8)

Finale
16.00 Uhr: Benedikt Duda – Dang Qiu 1:3 (8,-10,-7,-7)
-> nur noch auf drei Gewinnsätze

*Spielsystem: Best of 7
*Livestream-Kommentator: Kilian Ort

Das Schiedsrichter-Team

  • Anja Gersdorf, Düsseldorf
  • Willi Klaßen, Oberhausen (nur Samstag)
  • Klaus Seipold, Rees

Links

Tokio Challenge, Tag 2: Kostenloser Livestream bei Sportdeutschland.TV

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