Berliner Jubel (Bild: ttc berlin eastside).
Kolbermoor musste im Rückspiel ohne Topspielerin Liu Jia auskommen

ttc berlin eastside zum fünften Mal Deutscher Meister

Dr. Stephan Roscher 19.05.2019

Berlin. Der ttc berlin eastside wurde am Sonntagnachmittag zum fünften Mal Deutscher Meister – insgesamt war es der 17. Titel für den erfolgreichsten Verein der letzten Jahre. Mit 6:3 wurde der SV DJK Kolbermoor im Final-Rückspiel in heimischer Halle besiegt. Im Hinspiel zwei Tage zuvor hatte man sich 5:5 getrennt. Nina Mittelham blieb auf Seiten der Gastgeberinnen im Einzel und Doppel ungeschlagen. Sabine Winter brillierte für Kolbermoor, das im Rückspiel ohne Topspielerin Liu Jia auskommen musste.

Sabine Winter mit tollem letztem Auftritt für Kolbermoor

Ohne die unabkömmliche Liu Jia, die einen privaten Termin in Österreich wahrnehmen musste, dessen Verschiebung von beiden Seiten bis zuletzt vergeblich versucht worden war, hatte der Titelverteidiger in Berlin einen schweren Stand. Dennoch wehrte sich das Team aus Oberbayern, das mit „Susi“ im Hinspiel am Freitag noch ein 5:5 ertrotzt hatte, und kämpfte bis zum letzten Ball. 

Obwohl das vordere Paarkreuz der Gäste in Galaform spielte und eine überragende Sabine Winter, lange nicht mehr so stark wie heute, in ihrem letzten Spiel für Kolbermoor durch Siege über Shan Xiaona und Georgina Pota glänzte, setzte sich nach dreieinviertel Stunden die insgesamt ausgeglichener besetzte Mannschaft durch.

Starke Nina Mittelham holt drei Punkte für eastside

Berlin blieb im hinteren Paarkreuz ungeschlagen. Gerade Nina Mittelham feierte ein starkes „Comeback" nach ihrer Verletzung im Hinspiel und gewann alle ihre Matches, auch gegen die am Freitag so starke Svetlana Ganina. Zudem brachte der Gastgeber beide Doppel nach Hause, was natürlich von großer Bedeutung war, da Kolbermoor dadurch von Anfang an einem Rückstand hinterherlaufen musste, der zwischenzeitlich immer größer wurde und auf 1:5 anwuchs. Auch wenn die Bayern dann nochmals Gas gaben, ohne das Match noch drehen zu können.  

Shan Xiaona, die in den Einzeln diesmal nicht so überzeugen konnte wie im Hinspiel, gewann mit der „blitzgeheilten" Nina Mittelham das Doppel gegen Kristin Lang/Sabine Winter recht ungefährdet in vier Sätzen. ttc-Manager Andreas Hain lobte den Vereinsarzt: „Dr. Frenzel hat das spitze gemacht, Ninas Knie in knapp zwei Tagen so hinzubekommen, dass sie drei Punkte machen konnte." Georgina Pota und Matilda Ekholm, ein eingespieltes Duo mit reichlich internationaler Erfahrung, konnten durch ein glattes 3:0 gegen Svetlana Ganina und Katharina Michajlova nachlegen.  

Shan Xiaona musste anschließend der bissig und entschlossen agierenden Sabine Winter trotz 2:1-Satzführung gratulieren, doch Georgina Pota stellte gegen Kristin Lang ohne Satzverlust den alten Abstand wieder her. Es folgten der erste bemerkenswerte Auftritt von Nina Mittelham gegen eine gewiss nicht schwache Katharina Michajlova (3:1) sowie die geglückte Revanche von Matilda Ekholm gegen Svetlana Ganina für die Niederlage vom Freitag. 5:1 für eastside – es sah nach einem Kantersieg aus.   

Kolbermoors Zwischenspurt bei 1:5-Rückstand 

Das Gästeteam gab sich indes längst noch nicht auf und mobilisierte letzte Reserven. Kristin Lang zeigte sich gegen Shan Xiaona wieder von ihrer besten Seite und überließ ihrer Nationalmannschaftskollegin keinen Satz. Und Sabine Winter spielte auch gegen Gina Pota auf ganz hohem Niveau und gönnte der Weltklasse-Ungarin nur den Gewinn des dritten Durchgangs. Kolbermoor war auf 3:5 herangekommen und hätte sich noch in das Entscheidungsspiel retten können, das vorsorglich für den 24. Mai angesetzt war.   

Meisterschaft im hinteren Paarkreuz entschieden 

Doch im Gegensatz zum Hinspiel wollte diesmal im hinteren Paarkreuz nicht allzu viel gelingen. Und beide Seiten waren sich über die Bedeutung der Positionen drei und vier schon im Vorfeld einig gewesen. „Wie von mir angekündigt, wurde die Meisterschaft letztlich hinten entschieden", so Kolbermoors Trainer und Abteilungsleiter Michael Fuchs. Berlins Manager Andreas Hain pflichtete bei: „Die Meisterschaft wird hinten gewonnen, das war klar. Vorne ist alles möglich, da ist es 50:50, aber hinten mussten wir eigentlich im Vorteil sein. Wer hat schon die Nummer 28 der Welt an Position vier." Gemeint war Linkshänderin Matilda Ekholm, die ihr zweites Einzel gegen Katharina Michajlova bereits mit 3:0 „im Sack" hatte, als Nina Mittelham noch gegen Svetlana Ganina kämpfte. Es war zu diesem Zeitpunkt nur noch die Frage, ob 6:3 oder 6:4. Mittelham entschied sich für das 6:3. Sie hatte ihre Gegnerin diesmal recht gut im Griff und tütete durch ein 13:11, 11:8, 4:11, 11:9 den Berliner Sieg und somit die Deutsche Meisterschaft ein. Anschließend durfte ausgelassen gefeiert werden.

Damit gelang dem ttc eastside auch die Revanche für das verlorene Pokalfinale am 6. Januar. Nachdem man zudem knapp und unglücklich im Halbfinale der Champions League an Titelverteidiger Dr. Casl gescheitert war, waren die Meisterschafts-Finals die letzte Chance für den deutschen Renommierklub, in der Saison 2018/19 noch zu einem Titel zu kommen. Und die wurde genutzt, obwohl die Aussichten nach dem Hinspiel, als viele glaubten, dass die verletzte Nina Mittelham in der zweiten Begegnung fehlen würde, nicht so günstig schienen.

Der Hauptstadtklub, der schon die Punktrunde als Sieger beendet hatte, war über die gesamte Saison die beste Mannschaft und nahm durch DTTB-Sportdirektor Richard Prause unter dem Jubel der Fans den Meisterpokal sowie die Medaillen in Empfang. 

Hain: „Wir standen schon unter Druck und freuen uns sehr“

„Wir haben den Meisterpokal wieder dort, wo er hingehört“, stellte ein euphorischer Andreas Hain nach der Siegerehrung fest, während Michael Fuchs widersprach: „Wir haben diesmal den Pokal nur für ein Jahr an Berlin ausgeliehen.“

Beim Sieger war man absolut zufrieden. „Eigentlich müssen wir bei unserer Qualität hinten auch 4:0 spielen, was im Hinspiel ja nicht geklappt hatte, aber dafür heute“, so Manager Hain. „Und dann hatten wir den Vorteil in den Doppeln mit unseren zwei Paarungen, die zu den vier oder fünf besten in Europa gehören.“ Hain streitet nicht ab, dass vor dem Finale eine gewisse Anspannung vorhanden war. „Wir standen schon unter Druck. Wir wollten unbedingt einen Titel gewinnen und das haben wir heute nach 16 Monaten endlich wieder geschafft. Wir freuen uns sehr und werden jetzt gebührend feiern. Der Sekt steht bereit.“

Kolbermoor: Traurig aber nicht deprimiert – Neuer Angriff 2019/20

Beim zweiten Sieger war man natürlich etwas traurig aber verfiel keineswegs in Resignation. „Etwas enttäuscht sind wir schon, keiner verliert gerne ein Finale um die Deutsche Meisterschaft. Aber wir sind Vizemeister geworden, so schlecht ist das ja auch nicht nach einer interessanten Saison in der stärker gewordenen Bundesliga“, so Michael Fuchs. „Es war heute auch ohne Susi etwas drin für uns, allerdings hätte es schon sehr gut laufen müssen, um etwas zu holen. Immerhin haben wir es nach einem 1:5 nochmals richtig spannend gemacht.“ Fuchs blieb Realist: „Man weiß nicht, ob wir mit Susi heute tatsächlich ein besseres Ergebnis erreicht hätten. Berlin hat diesmal den breiteren Kader gehabt und letztlich verdient gewonnen. Ein bisschen bitter für uns war, dass wir beide Doppel abgegeben haben, dabei war es immer eine unserer Stärken gewesen, wenigstens mit 1:1 aus den Doppeln herauszugehen.“

Der Abteilungsleiter des Finalisten blickt optimistisch in die Zukunft: „Nächstes Jahr sind wir mit unseren Neuzugängen Lily Zhang, Ding Yaping und Anastasia Bondareva breiter aufgestellt, zumal ja Liu Jia, Kristin Lang und Svetlana Ganina bleiben. Da es dann keine Play-offs gibt, ist jedes Spiel extrem wichtig und das wird sehr interessant, weil sich kein Team in der Runde eine Blöße gegen schlechter platzierte Mannschaften geben kann, wenn es seine Titelchancen nicht verspielen will.“ 

ttc berlin eastside – SV DJK Kolbermoor 6:3
Shan/Mittelham – Lang/Winter 3:1 (11:8, 11:1, 9:11, 11:7)
Pota/Ekholm – Ganina/Michajlova 3:0 (11:3, 11:9, 11:1)
Shan Xiaona – Sabine Winter 2:3 (9:11, 11:8, 11:5, 9:11, 8:11)
Geogina Pota – Kristin Lang 3:0 (11:9, 11:9, 11:3)
Nina Mittelham – Katharina Michajlova 3:1 (5:11, 12:10, 11:8, 11:6)
Matilda Ekholm – Svetlana Ganina 3:1 (11:5, 5:11, 11:6, 11:6)
Shan Xiaona – Kristin Lang 0:3 (7:11, 10:12, 8:11)
Georgina Pota – Sabine Winter 1:3 (11:13, 6:11, 11:3, 9:11)
Nina Mittelham – Svetlana Ganina 3:1 (13:11, 11:8, 4:11, 11:9) 

Das komplette Geschehen war auch heute wieder im Livestream von Sportdeutschland.TV zu verfolgen.

 

Links 

Spielbericht auf der Webseite der 1. Bundesliga Damen

Play-off-Statistik auf den click-TT-Seiten des DTTB

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