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Schnupperten am Freitag schon mal Centercourt-Luft: Anca und Coach Chaudhuri (Foto: SH)
Drittliga-Akteur Anca gehörte in der Schülerzeit zu den Besten Europas: „Ich habe nicht zehn Jahre gewartet, um einen Satz zu gewinnen“

Underdog Vladimir Anca fordert in Nürnberg DM-Topfavorit Dang Qiu heraus

SH 24.03.2023

Nürnberg. „Es gibt keine Superhelden in dieser Sportart“, stellt Vladimir Anca klar. Der 24-jährige Drittliga-Akteur der SU Neckarsulm ist mit einem guten Selbstvertrauen nach Nürnberg gereist. Die 91. Nationalen Deutschen Meisterschaften in der Kia Metropol Arena sind seine DM-Premiere. Sein Gegner in der ersten Runde ist ausgerechnet der Topgesetzte, der amtierende Einzel-Europameister und Titelverteidiger Dang Qiu.

„Genau für solche Spiele sind wir hier“, sagt Ancas Trainer Bula Chaudhuri. „Gegen andere Gegner kann er jederzeit antreten, aber gegen Größen wie Dang Qiu, Patrick Franziska oder Benedikt Duda zu spielen, ist etwas ganz Besonderes.“ Ein schöner Zufall neben dem Losglück: Noch am Donnerstag hat Vladimir Anca ausgerechnet mit Dang Qius Bruder Liang eine Trainingseinheit absolviert, mit dem er im Doppel antritt. Bei den Baden-Württembergischen Meisterschaften im Januar hatten sich die beiden kennengelernt. Liang Qiu gewann den Titel, Vladimir Anca wurde Dritter. Sobald Anca als Nachrücker für die DM feststand, organisierte Coach Chaudhuri ein Training mit Liang Qiu im berüchtigten Schafstall, der Stammhalle der Qius in Frickenhausen. Nach dem Training waren Anca und Chaudhuri noch zum Essen bei Familie Qiu eingeladen, wenn auch ohne Dang, der in Düsseldorf trainiert und lebt.

„Habe nicht zehn Jahre gewartet, um einen Satz zu gewinnen“

Vladimir Anca geht am Samstag mit der richtigen Einstellung eines ambitionierten Sportlers in die Partie: „Mein Wunsch ist natürlich, das Spiel zu gewinnen. Ich bin nicht hierher gekommen und habe nicht zehn Jahre gewartet, um einen Satz zu gewinnen. Mir ist egal, gegen wen ich spiele. Es klingt vielleicht arrogant, aber ich bin ein Mensch und habe zwei Arme, also sind die Chancen gleich.“

Der gebürtige Rumäne, damals noch in seiner Heimat, gehörte zu den besten Europäern im U13-Bereich und duellierte sich dort unter anderem mit dem heutigen Europe-Top-16-Gewinner Darko Jorgic. Dann bekam der Teenager die Chance, nach Deutschland umzusiedeln und in einer höheren hiesigen Liga zu spielen. Der rumänische Verband sperrte ihn daraufhin, und so endete jäh die junge und hoffnungsvolle internationale Karriere. Vor rund vier Jahren erhielt Anca die deutsche Staatsbürgerschaft. „Es war eine große Freude für mich, dass ich endlich national spielen darf“, so Anca, dem dabei die Begeisterung ins Gesicht geschrieben steht. „Nach zehn Jahren des Wartens darf ich endlich an einem so tollen Turnier teilnehmen. Ich habe mich so darauf gefreut, sehr hart dafür gearbeitet und werde mein Bestes geben.“ So eine Gelegenheit bekomme man nicht jeden Tag, sagt er. „Wenn man nur einmal im Jahr das Qualifikationsturnier für die DM spielen darf, ist das natürlich sehr viel Druck.“

Eine schöne Randnotiz: Vladimirs Bruder Octavian spielt an diesem Wochenende die rumänischen Meisterschaften. Ihr Vater drückt natürlich beiden die Daumen, ist aber bei Vladimir in Nürnberg. „Octavian ist schließlich der ältere von uns“, erklärt Vladimir Anca mit einem Lachen. Neben Tischtennis konzentriert sich der hochgewachsene Rechtshänder mit dem beidseitigen Topspinspiel (Sein Experiment mit dem Anti gab er nach nur einer Woche auf) zurzeit auf sein Abitur, das er an der Abendschule nachholt. Am Montag steht die schriftliche Prüfung in Mathematik auf dem Programm, am Donnerstagmorgen hat er eine Geschichtsklausur absolviert. Am Samstag um 12.30 Uhr auf dem riesigen Centercourt Nummer eins, im Livestream von Sportdeutschland.TV übertragen von vier Kameras plus Live-Kommentar wird Anca versuchen, noch mal Geschichte zu schreiben; diesmal seine eigene. Oder zumindest den großen Moment vor dann voraussichtlich ausverkauftem Haus mit 2.600 Zuschauern zu genießen.

Youngster-Duell bei den Damen: Kaufmann vs. Itagaki

Annett Kaufmann (Böblingen) und Koharu Itagaki (Bad Königshofen) trennen nur drei Jahre oder eine Altersklasse in der Jugend-Nationalmannschaft, aber die Rollenverteilung in der ersten Runde des Damen-Einzelwettbewerbs in Nürnberg ist mit einem Blick in die Setzliste klar: Die 16-jährige Kaufmann steht nach dem kurzfristigen Ausfall der topgesetzten Xiaona Shan (Hüftverletzung) auf Position eins, Nachrückerin Itagaki auf 19.

Ein direktes Duell der Youngsters hat es bislang nicht gegeben, doch wie Kaufmann bringt auch Itagaki von ihren Tischtennis-Dienstreisen regelmäßig Medaillen mit. Beim diesjährigen WTT Youth Contender in Linz war es die Goldene im U15-Einzel, das DTTB-Top-12-Endranglistenturnier hat sie ebenfalls gewonnen, und bei den Jugend-Euros im vergangenen Jahr gab es Silber im Doppel und Bronze mit der Mannschaft. Nicht erst als Gewinnerin des Bundesfinals der mini-Meisterschaften 2018 rückte Itagakis Talent, einer japanischen Tischtennisfamilie entstammend, in den Mittelpunkt.

„Ich kenne Koharu nicht nur von den Turnieren, sondern auch weil wir mit dem Jugend-Nationalteam international viel miteinander reisen“, erzählt die vielfache Jugend-Europameisterin Annett Kaufmann, die zum WM-Team der Damen gehörte, das im vergangenen Jahr die Bronzemedaille in Chengdu gewann. „Ich habe auf jeden Fall Respekt vor ihr und unterschätze hier bei der DM niemanden, auch wenn ich topgesetzt bin.“

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Resttickets am Besten online kaufen, kurzfristig 70 neue Tickets für eigentlich ausverkauften Sonntag / Kostenpflichtiger Livestream aller acht Tische bei SDTV

Für den Turniersamstag, bei dem im Einzel und Doppel bis einschließlich Viertelfinale und im Mixed bis zum Halbfinale gespielt wird, gibt es nur noch einige Restkarten für 15, 20 und 25 Euro. Zwar ist die Tageskasse an der Kia Metropol Arena geöffnet, wer jedoch sichergehen will, dass es noch Eintrittskarten gibt, der sollte sich lieber online unter tt-dm.de sein Ticket zulegen. Am eigentlich ausverkauften Sonntag wird noch ein kleiner Block auf der Stirnseite mit rund 70 Karten geöffnet, die ab sofort im Online-Ticketshop erhältlich sind.

Der Livestream von Sportdeutschland.TV (SDTV) als kostenpflichtiges Angebot deckt zum ersten Mal alle acht Tische ab. Die beiden Centercourt-Tische werden mit vier Kameras produziert und zusätzlich kommentiert. Das Geschehen an den übrigen sechs Turniertischen wird jeweils von einer Streamingkamera pro Court abgedeckt. Den „Turnierpass“ von SDTV für beide Tage gibt es für zwölf Euro. Tagespässe für Samstag und Sonntag kosten jeweils 7,50 Euro.

Das Turnier in der Kia Metropol Arena ist erstmals mit einem Preisgeld dotiert. Von den insgesamt 10.000 Euro gehen 3.000 Euro an Siegerin bzw. Sieger der Einzelwettbewerbe, je 1.000 an die Zweitplatzierten und jeweils 500 Euro an die Bronzemedaillengewinner im Einzel.

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