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Friedrich-Karl Brauns (Foto: privat)
Im Alter von 83 Jahren ist der ARD-Hörfunk- und TV-Reporter Friedrich-Karl Brauns verstorben

Vielseitiger Wortakrobat und großer Tischtennis-Fan

Jochen Sprentzel 26.04.2021

Berlin. Ob German Open oder Deutsche Meisterschaften: Noch lange nach dem Beginn seiner Rente als TV- und Hörfunk-Reporter von ARD, Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) und zuvor SFB (Sender Freies Berlin) blieb Friedrich-Karl Brauns dem Tischtennissport verbunden und war mit seiner Ehefrau Anita - einer ehemaligen Nationalspielerin - bei den großen Turnieren in Deutschland vor Ort, wann immer es die Gesundheit dieses Tischtennis-Ehepaars zuließ.

Brauns hatte viele Großen in Tischtennis-Deutschland begleitet: Hans Wilhelm Gäb als Gegner etwa bei Deutschen Hochschulmeisterschaften als Aktiver in jungen Jahren sowie als Journalist die Karrieren der Doppel-Weltmeister Steffen Fetzner und Jörg Roßkopf sowie die Anfänge von Timo Boll. Im Alter von 83 Jahren ist der große Tischtennis-Fan nun in Berlin verstorben. Ein Nachruf von Jochen Sprentzel, ehemaliger Sportchef bei rbb und SFB und langjähriger Kollege von "Charly" Brauns:

Eine der bedeutendsten Stimmen Berlins, auch in der ARD gefragt

Der junge Reporter Friedrich-Karl Brauns, den alle nur "Charly" nannten, war der erste, der sich während meines Praktikums beim Sender Freies Berlin (SFB) 1967 um mich kümmerte. Als wir über unsere sportlichen Hobbys sprachen und Tischtennis als Gemeinsamkeit entdeckten, habe ich mich leichtsinnigerweise auf ein Spielchen mit "Charly" eingelassen, das sehr schnell beendet war, denn er empfahl mir nach wenigen Schlägen überaus freundlich, doch erst einmal den Grundschlag zu lernen. Ich wusste ja nicht, dass "Charly" Brauns ein Berliner Spitzenspieler war.

Bald bewunderte ich nicht nur sein sportliches Können, sondern vor allem seine Fähigkeiten als  unglaublich vielseitiger Hörfunkreporter. Ein Wortakrobat. Neben Tischtennis auch bei vielen anderen Sportarten wie Tennis, Leichtathletik, Fechten, moderner Fünfkampf  und Handball. Er war ein Meister der plastischen Schilderung. So wurde "Charly" nicht nur zu einer der bedeutendsten Stimmen Berlins, sondern auch in der ARD ein gefragter Mann.

1976: Olympia-Live-Reportage aus dem Knast

Er war auf allen Kontinenten bei Welt- und Europameisterschaften sowie mit besonderer Leidenschaft bei zahlreichen Olympischen Spielen unterwegs. In Montreal 1976 hielt es ihn vor Begeisterung nicht mehr auf seinem Kommentatorenplatz, als Thomas Bach die Goldmedaille im Fechten gewann. "Charly" sprang über die Barriere auf die Planche, um den Olympiasieger so schnell wie möglich zu interviewen. Das fanden die Ordner gar nicht witzig und verhafteten den übereifrigen Reporter. Aus dem Gefängnis heraus machte "Charly" Brauns per Telefon eine legendäre Reportage. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht, ein Live-Reporter mit Leib und Seele.

Als gegen Ende seiner Karriere kurze Zusammenfassungen immer mehr verlangt wurden, hatte er große Probleme, die oft geforderten 90 Sekunden auch nur ansatzweise einzuhalten. "Charly" konnte seine Fähigkeiten voll entfalten, wenn er unlimitiert kommentieren durfte. Wie bei den German Open der Tennis-Damen, wo er den kometenhaften Aufstieg der jungen Steffi Graf in zahlreichen Sondersendungen wort- und stimmgewaltig begleitete. Er war meinungsstark bis zur Sturheit, aber nie verbissen. Im Gegenteil: Er meisterte selbst schwierige Situationen mit viel Humor. Der DDR-Flüchtling  konnte sich beispielsweise über groteske Banalitäten in seiner Stasi-Akte köstlich amüsieren.

In den letzten Jahren hatte "Charly" zunehmend gesundheitliche Probleme. Das Laufen fiel ihm schwer. Trotzdem wollte er auch in diesem Sommer wieder mit seiner Frau Anita auf Reisen gehen. Die beiden haben sich als junge Tischtennisspieler kennengelernt  und viele Jahrzehnte harmonisch zusammengelebt. "Charlys" letzte Reise geht jetzt in eine andere Richtung als geplant. Wir werden ihn sehr vermissen.

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