Auch wenn Lily Zhang tatsächlich in Langstadt spielen sollte, worauf einiges hindeutet, wird Chantal Mantz für Bingen/Münster-Sarmsheim im vorderen Paarkreuz aufschlagen (Bild: Dr. Stephan Roscher).
Spitzenspiel in Bad Driburg

Viermal Bundesliga am Wochenende

Dr. Stephan Roscher 25.01.2019

Ein überaus unterhaltsames Programm verspricht die 1. Bundesliga Damen am Wochenende. Vier Partien stehen an, darunter das Spitzenspiel zwischen dem TuS Bad Driburg und dem ttc berlin eastside. Der Tabellenzweite würde dem Ligaprimus gerne erneut ein Bein stellen, weiß aber, dass das ganz schwer wird. Doppelt gefordert ist der TTK Anröchte, der bei seinem Rückrundeneinstieg in Busenbach und Böblingen die Play-off-Teilnahme fast schon perfekt machen kann. Spannung und viele Fans verspricht das Hessen-Rheinhessen-Derby in Langstadt.

 

TV Busenbach – TTK Anröchte (Sa, 18.30 Uhr)          

Am Samstag kommt endlich auch der TTK Anröchte zu seinem ersten Rückrundeneinsatz – tags darauf folgt sogleich der zweite. Man will in die Play-offs und hat beste Karten, das zu schaffen. Mit 7:7 Punkten steht man auf dem sechsten Tabellenplatz, Verfolger TV Busenbach hat nur drei Pluspunkte auf dem Konto und eine Partie mehr absolviert.

Punkten die Ostwestfälinnen in Baden, sind sie fast schon am Ziel, auch wenn sie rechnerisch dann natürlich noch nicht durch sind. Gewinnt Anröchte, müsste der TVB in fünf verbleibenden Spielen einen Sechs-Punkte-Rückstand wettmachen – das ist nach menschlichem Ermessen nicht zu schaffen. Folglich steht man unter absolutem Siegzwang, während der Gast die Angelegenheit entspannter angehen lassen kann, der zudem am Sonntag noch die Chance hat, durch einen Erfolg in Böblingen seine Position zu festigen.

„Es zählt nur ein Sieg, alles andere wäre in Richtung Play-offs nicht mehr zu regulieren“, lässt Busenbachs Mannschaftsführerin Jessica Göbel keinen Zweifel aufkommen. „Wir werden Anröchte keinen Ballwechsel schenken und wollen so früh wie möglich in der Partie den Sack zumachen.“ TTK-Vorsitzender Manfred Vogel ist überzeugt, dass „Busenbach als auch Böblingen sicherlich hoch motiviert in die Spiele gehen“ werden. Personell schöpft man aus dem Vollen. „Wir werden mit unseren fünf Spielerinnen anreisen und hoffen, dass wir in beiden Spielen gegenhalten können.“

Das Hinspiel gewann der TTK am 4. November mit 6:4, beim TVB pausierte die angeschlagene Tanja Krämer in den Einzeln. Yang Henrich siegte im letzten Match des Tages mit 3:2 gegen die 16-jährige Franziska Schreiner. Ähnlich spannend könnte es auch am Samstag wieder zugehen.

 

SV Böblingen – TTK Anröchte (So, 10.30 Uhr)

Weiter geht es am Sonntagvormittag in Böblingen. Punktet Anröchte dort, ist das Play-off Ticket ebenfalls schon beinahe gebucht, besonders wenn es zwei Zähler werden sollten.

Allerdings muss man wissen, dass die SVB zwar nach wie vor einen mickrigen Punkt auf der Habenseite hat, doch so gut wie nie deutlich verliert. Dies ist allein schon der Klasse von Qianhong Gotsch (Einzelbilanz: 16:0) geschuldet. Und diese Ausnahmespielerin auch mit ihren 50 Jahren gehört fest dazu und ist aus Böblingen nicht mehr wegzudenken. Gerade hat SVB-Manager Frank Tartsch stolz die neuerliche Vertragsverlängerung mit der Defensiv-Ikone um ein Jahr vermeldet – und man kann an allen fünf Fingern abzählen, dass es nicht die letzte war. 598 Siege bei nur 120 Niederlagen – so lautet „Hongis“ fantastische Bilanz, seit sie den Dress der SVB trägt.

Der Ehrgeiz in Böblingen ist groß, nach dem Katastrophenjahr 2018 ohne einen einzigen Sieg nun endlich wieder etwas zu reißen. Zuletzt war man wieder ganz nahe dran, zumindest an einer Punkteteilung, und zog doch beim Tabellenzweiten Bad Driburg mit 4:6 den Kürzeren. Die Schwäbinnen habe nichts zu verlieren und sind gerade deshalb brandgefährlich. Ein Sieg und schon wäre die Negativspirale durchbrochen. Und „Hongis“ Teamkolleginnen können auch spielen, wenngleich sie bisweilen etwas glücklos agieren. Gerade bei Theresa Kraft war zuletzt eine Aufwärtstendenz unverkennbar.

Das wird kein Sonntagsspaziergang für Anröchte, das sich auf einige Stunde harte Arbeit im „Ländle“ einrichten muss. Mit 6:3 besiegte man Böblingen am 9. Dezember vor eigenem Publikum – das war schon eine der klarsten Niederlage des Schlusslichts überhaupt. Dass es am Sonntag schwierig werden dürfte, weiß auch TTK-Chef Manfred Vogel, der mit voller Kapelle, also allen fünf Spielerinnen, anreisen will, um kurzfristig die erfolgversprechendste Aufstellung zu wählen. „Ich denke, für uns sind Busenbach und Böblingen die beiden wichtigsten Spiele der Rückrunde“, sagt Vogel. „Wenn wir beide Spiele ungeschlagen überstehen, dann sind unsere Chancen, die Play-Offs zu erreichen, sehr gut.“

Doch Böblingen will den Spielverderber geben. Dazu hat man sich auch etwas am Rande der Bande einfallen lassen. „Volker Ziegler feiert sein Saison-Debüt als Coach“, informiert Pressewart Manfred Schneider. „Vielleicht bringt der erfolgreiche Bundestrainer des Deutschen Behinderten-Sportverbandes das nötige Quäntchen Glück mit, damit seine Spielerinnen die knappen Partien für sich entscheiden und sich endlich einmal belohnen.“ Zur Aufstellung: Xu Yanhua wird wegen ihrer Meniskus-Probleme weiterhin fehlen, folglich wird das Team mit „Hongi“ Gotsch, Rosalia Stähr, Theresa Kraft und Julia Kaim auflaufen.

 

TuS Bad Driburg – ttc berlin eastside (So., 14.00 Uhr)

Am 16. September standen sich beide Teams in der Hauptstadt gegenüber und die Partie des 1. Spieltags endete sensationell mit einem 5:5. Der Topfavorit war nicht in Bestbesetzung und der Außenseiter nutzte die Chance eiskalt. Britt Eerland überragte bei den Ostwestfälinnen mit Siegen über Georgina Pota und Nina Mittelham. Im Doppel punktete die Niederländerin ebenfalls. Am 6. Januar beim Pokal Final Four im Sportforum Berlin fehlte die aktuelle Nummer 40 der Welt und eastside gewann das Halbfinalmatch locker.

Wenn es nach den Verantwortlichen des Ligaprimus, der nach dem Auftaktmatch nur noch einen weiteren Punkt eingebüßt hat, geht, war der 06.01. der Normalfall und der 16.09. ein bedauerlicher Ausrutscher. Entsprechend selbstbewusst reist man zum Spitzenspiel, in dem man seine Ausnahmestellung in der Liga untermauern will. Da man direkt vom Champions-League-Viertelfinalspiel aus Tschechien kommt, wird man vermutlich in Topbesetzung auflaufen – neben Pota und Mittelham stehen die wieder erstarkte Shan Xiaona sowie Matilda Ekholm bereit. Da müsste schon alles absolut perfekt für den TuS laufen, wenn nochmals ein Sensationspunkt herausspringen soll. eastside ist eindeutiger Favorit.

Bad Driburg liegt mit 13:5 drei Punkte hinter dem dreimaligen Triple-Sieger und kann recht entspannt aufspielen, da man die Play-off-Teilnahme so gut wie sicher hat. Allerdings ist die direkte Halbfinal-Qualifikation möglich – Kolbermoor könnte da zum Hauptrivalen werden –, was den Druck wiederum etwas erhöht.

Auf jeden Fall will man die Konstellation genießen, das Spitzenspiel in Europas stärkster Liga zu bestreiten und den heimischen Fans Toptischtennis und spannende Spiele bieten. Zuletzt hatte man beim Remis in Langstadt sowie beim knappen Sieg über Böblingen mächtig zu kämpfen. Und reichlich Kampfgeist wird man auch am Sonntag benötigen, um so lange wie möglich dagegenzuhalten.

In Bad Driburg verliert man bei allen Erfolgen nicht die Bodenhaftung. „Es ist natürlich schön, mal so ein Spitzenspiel den Zuschauern bieten zu können. Es hängt realistisch gesehen aber von der Aufstellung unserer Gäste ab, wie weit wir zumindest die Chance auf einzelne Punktgewinne haben“, stellt Manager Franz-Josef Lingens nüchtern fest. „Wir werden alles geben, die Berlinerinnen so gut es geht zu fordern und dem hoffentlich zahlreichen Publikum ein tolles Match und tollen Sport zu bieten. Wie heißt es doch immer so schön: Es muss alles erst gespielt werden.“ Die vier Partien aber, die nach Berlin kommen, sind laut Lingens für den Verein wichtiger: „Unser Hauptaugenmerk wird auf die restlichen Spiele gerichtet sein, wo wir dann in der Tabelle einen vorderen Platz anpeilen.“

 

TSV Langstadt – TTG Bingen/Münster-Sarmsheim (So, 14.00 Uhr)

Nach einem passablen Start in die Rückrunde mit dem Unentschieden gegen den Tabellenzweiten Bad Driburg vor 320 Fans steht die nächste harte Bewährungsprobe für die Langstädter Damen an. Mit dem Tabellenvierten TTG Bingen/Münster-Sarmsheim erwartet man den stark verjüngten Deutschen Vizemeister.

„Bingen hat fünf Nationalspielerinnen in seinen Reihen“, zeigt Coach Thomas Hauke Respekt vor den Gästen aus Rheinhessen. Dem Vernehmen nach wird Bingen zum zweiten Mal in dieser Saison mit seiner Nummer eins Lily Zhang antreten. Die spielstarke US-Amerikanerin steht der Truppe nur sporadisch zur Verfügung. Wenn Zhang spielt, rückt Yuan Wan ins hintere Paarkreuz und dürfte dort nur schwer zu bezwingen sein. Zudem bildet Wan mit Chantal Mantz ein sehr starkes Doppel, das beim Remis in der Vorrunde der Langstädter Topformation Petrissa Solja/Cheng Hsien-Tzu die bisher einzige Niederlage beibrachte. Bingens Vorsitzender Joachim Lautebach bestätigt, dass man personell aus dem Vollen schöpfen kann: „Alle fünf Spielerinnen stehen uns zur Verfügung. Wer aber spielen wird, entscheidet sich erst kurzfristig.“

Prognosen sind schwierig. „Es könnte wieder ein heißes Spiel werden, wie in der Vorrunde“, meint Lautebach. „Es kommt natürlich auch auf die Aufstellung an. Wenn bei Langstadt Solja und Cheng spielen, dürfte es wieder sehr eng werden.“ Ziel sei es, „mal wieder zu punkten“, um den angestrebten sicheren Play-off-Platz nicht im letzten Augenblick noch zu gefährden. Die Rheinhessen freuen sich auf das Derby im 100 Kilometer entfernten Langstadt. „Vor vielen Zuschauern zu spielen, ist immer interessanter als vor wenigen. Mal sehen, ob auch von uns einige mitkommen. Es wird bestimmt ein interessantes Spiel“, sagt Lautebach.

“Wir freuen uns auf das Heimspiel gegen einen langjährigen Bundesligisten“, so Langstadts Sportlicher Leiter Manfred Kämmerer. „Zudem ist es ja im Prinzip ein Derby. Bingen liegt nicht weit entfernt. Da sie auch viele Fans haben, gehe ich davon aus, dass einige mit nach Langstadt kommen werden.“ Im Hinspiel kamen Petrissa Solja und Cheng Hsien-Tzu beim TSV zum Einsatz, die sämtliche Einzel gewannen, während ihre Kolleginnen im hinteren Paarkreuz leer ausgingen und sich an Marie Migot und Giorgia Piccolin die Zähne ausbissen. Solja und Cheng präsentierten sich letzte Woche bei den Hungarian Open in Budapest in vorzüglicher Form. Dass sie aber am Sonntag dabei sind, kann noch nicht bestätigt werden. Die Langstädter Verantwortlichen halten sich nämlich in Sachen Aufstellung wie immer bedeckt. „Egal wer bei uns spielt. Alle Mädels freuen sich auf die Heimspiele, bei denen unsere Fans uns sicher wieder nach vorne peitschen werden“, gibt Thomas Hauke zu Protokoll.

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