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Ausgeschieden? Dann mal für die nächste Runde bereithalten! (Foto: ITTF)
Die Regeln über den Umgang mit positiven Corona-Tests am Turnierende können zu mehreren Kuriositäten führen

Vom Olympiasieger, der im Halbfinale ausgeschieden war

SH 22.07.2021

Tokio. In der Pandemie ist offenbar fast alles möglich. Noch ist es nur ein Gedankenspiel, aber die Olympia-Organisatoren haben schon mal für den Fall vorgesorgt, dass gegen Turnierende Spielerinnen und Spieler wegen positiver Covid-19-Tests ausfallen, die eigentlich Bronze, Silber und Gold unter sich hätten ausmachen sollen.

Worum es genau geht, steht in den „COVID-19 Sport specific regulations Table Tennis“ auf Seite drei. Beim Jury-Meeting am Mittwoch wies der Oberschiedsrichter der Tischtenniswettbewerbe, Werner Thury aus Österreich, die Vertreter der Nationalverbände als einen von mehreren für das Turnier relevanten Punkten auf eine ganz besondere Neuerung hin. Dass nämlich ein wegen Corona ausgefallener Akteur seine erreichte Platzierung behalte und der ihm in der Runde zuvor Unterlegene nachrücke. Die kuriose Auswirkung: Passiert dies in der Endphase des Turniers, könnte es zum Beispiel in einem Wettbewerb bis zu drei Silbermedaillengewinner geben. Und einen Olympiasieger oder eine -siegerin, der oder die eigentlich im Halbfinale verloren hatte.

Für das bessere Verständnis ein Beispiel:

Spieler A und Spieler B ziehen ins Finale ein. A hat im Halbfinale gegen C gewonnen, B gegen D. Spieler A wird vor dem Finale positiv auf Covid-19 getestet. Dann wird nicht Spieler B kampflos Olympiasieger. Stattdessen rückt der dem Corona-Positiven unterlegene Halbfinalist ins Finale nach, Spieler C in unserem Fall. Der Verlierer des Finals erhält die Silbermedaille, der Corona-Positive aber auch, denn er konnte wegen der Quarantäne nicht antreten. Gewinnt Spieler C das Endspiel, könnte er trotz einer Niederlage Olympiasieger werden. Spieler D bekommt ohne zusätzliches Spiel die dann einzige Bronzemedaille. Dies gilt für Einzelstarter, gemischte Doppel und für Mannschaften.

Und noch mehr: In dem Fall, dass beide Finalisten – ob im Einzel, Mixed oder im Teamwettbewerb – wegen Corona nicht antreten können, erhalten beide die Silbermedaille. Die ihnen unterlegenen Halbfinalisten tragen das Endspiel aus. Der Verlierer bekäme dann eine dritte Silbermedaille. Für das Match um Bronze rücken die Viertelfinalisten nach, die den Halbfinalisten unterlegen waren, die nun um Gold spielen.

Dieses Pandemie-Vorgehen ist im Tischtennissport bislang nicht bekannt und soll zumindest dem Vernehmen nach auch für andere Sportarten gelten. Der DOSB bestätigt auf Anfrage von tischtennis.de: "Grundsätzlich soll die erbrachte Leistung anerkannt werden. Es ist vom IOC gewünscht, dass die internationalen Verbände entsprechend eine Regelung festlegen. Dies handhaben die Verbände unterschiedlich."

Der englische Wortlaut, „COVID-19 Sport specific regulations Table Tennis“, Seite 3

An athlete, pairing or team not able to play due to a positive COVID-19 case or being identified as a close contact, will be withdrawn from competition and appear as DNS (Did Not Start) and their opponent/s eliminated in the previous round will replace them, allowing the event(s) to progress.

For athletes, pairs, or teams that have been withdrawn from competition, due to a positive COVID-19 case or identified as a close contact, their minimum results achieved will be protected, considering the phase of the competition in which they could no longer compete.

In the event both athletes, pairs, teams cannot play the gold medal match, due to a COVID-19 related withdrawal, both will be awarded silver medals and the losing semi-finalists, will be promoted to play for the gold and silver medals. The bronze medal match will then consist of the athletes, pairs, teams that were eliminated at the quarter final stage, by losing semi-finalists that have been promoted to the gold medal match.

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Das deutsche Aufgebot bei den Tischtenniswettbewerbe in Tokio

Herren-Team: Dimitrij Ovtcharov (Fakel Gazprom Orenburg, Russland), Timo Boll (Borussia Düsseldorf), Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken TT), Ergänzungsspieler: Benedikt Duda (TTC Schwalbe Bergneustadt)
Damen-Team: Petrissa Solja (TSV Langstadt), Han Ying (KTS Enea Siarka Tarnobrzeg, Polen), Shan Xiaona (ttc berlin eastside), Ergänzungsspielerin: Nina Mittelham (ttc berlin eastside)
Herren-Einzel: Dimitrij Ovtcharov, Timo Boll
Damen-Einzel: Petrissa Solja, Han Ying
Gemischtes Doppel: Patrick Franziska/Petrissa Solja
Teilmannschaftsleiter: Richard Prause (Sportdirektor)
Trainer-Team: Jörg Roßkopf (Bundestrainer Herren), Jie Schöpp (Bundestrainerin Damen), Lars Hielscher (Assistenztrainer)
Physiotherapeut: Peter Heckert (OSP Hessen)
Arzt: Dr. Antonius Kass (Düsseldorf)
Schiedsrichterin: Anja Gersdorf (Düsseldorf)
Öffentlichkeitsarbeit: Benedikt Probst (Frankfurt/Main)

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