Frankfurt/Main. Verbandsarbeit ist theoretisch, weit weg vom Sport und langweilig? Von wegen! Die Mitglieder des Juniorteams beweisen seit 21 Jahren, wie facettenreich die Arbeit im Sport sein kann. Die jungen Ehrenamtlichen reifen nicht nur im Sport, sondern auch ganz persönlich. Ein Rückblick anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des DTTB.
Wer die Geschichte des Juniorteams verstehen möchte, der muss die Zeit durchaus einige Jahre zurückdrehen. Die Anfänge dessen, was später eine wichtige Stütze der Deutschen Tischtennis-Bundes und der Landesverbände werden würde, gehen auf das Jahr 2004 zurück. „Über die Zusammenarbeit mit der Deutschen Sportjugend bin ich überhaupt erst auf die Möglichkeit eines Juniorteams aufmerksam geworden“, erinnert sich DTTB-Jugendsekretärin Melanie Buder, selbst seit 1998 in den Verbandsreihen aktiv, seit 2001 in der Jugendbildung. Die Idee hinter dem Konzept begeisterte sie schnell: Die Möglichkeit, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 26 Jahren ohne Wahl oder festes Amt in die Gestaltung des deutschen Tischtennis einzubinden, dazu noch ganz individuell nach den jeweiligen Kapazitäten, darin lag eine gewisse Faszination. Auch Sportentwicklungs-Vizepräsident Arne Klindt hat die Idee eines eigenen Juniorteams sehr unterstützt. Also war der Entschluss gefasst: Das DTTB-Team bot Workshops an, um überhaupt erst einmal Kontakt zu jungen Engagierten zu erhalten. Das ist gelungen, denn die erste Generation an Juniorteamerinnen und -teamern packte direkt kräftig mit an.
„Sprachbarrieren“ stellen keine Hürde dar
Eine der Urgesteine ist Ramona Fürst, die von der Gründung 2004 bis zum Jahr 2014 Teil des Juniorteams war. Sie war eine derjenigen, die auf den Workshopaufruf des DTTB reagierte. „Unsere Abteilungsleiterin hat uns auf den Workshop in Worpswede aufmerksam gemacht und wir sind dann mit dem Zug dorthin gefahren“, erinnert sie sich. Für die damals 16-Jährige durchaus eine große Reise – samt „Sprachbarriere“, wie Fürst sich lachend erinnert. Glücklicherweise konnte man sich auch mit einem breiten schwäbischen Zungenschlag in Niedersachsen verständigen.
Das Juniorteam zeichnet seit jeher aus, dass die inhaltliche Ausgestaltung zu großen Teilen bei den Teammitgliedern liegt. „Natürlich versuchen wir immer, sie einzubinden“, erklärt Melanie Buder. Das können Tischtennis-Großveranstaltungen wie die TT-Finals, das WTT Champions in Frankfurt oder die hiesigen Welt- und Europameisterschaften sein, aber auch mal kleinere Seminare und Lehrgänge. Für Ramona Fürst, die eine ganze Dekade lang die Geschicke des Juniorteams maßgeblich gestaltete, ist die Reihe an Projekten lang: „Eines unserer ersten Projekte war die „Nacht der Bälle“, die wir in Ostenfelde und Hüttlingen durchgeführt haben.“ Und dann gab es Highlights wie die WM 2006 in Bremen, die EM 2009 in Stuttgart, jährlich die German Open, die Sportwoche im Europa-Park, die Jugend-Messe You in Berlin, die dsj-Jugendevents und die Turnfeste 2009 in Frankfurt und 2013 in Mannheim/Heidelberg.
Sogar die große Liebe gefunden
Dass es sich beim Juniorteam um ein „Team“ im besten Sinne handelt, ist kaum abzustreiten. Wer einmal mitmacht, wird schnell mit dem Juniorteam-Fieber infiziert. Durch die vielen Veranstaltungen wächst das Team zusammen, man schließt viele Freundschaften – oder findet, wie im Fall von Ramona Fürst, sogar die große Liebe: Beim Turnfest im Jahr 2009 lernte sie ihren heutigen Mann kennen, hat inzwischen zwei Kinder. „Dem Tischtennis bin ich immer treu geblieben und spiele in der 1. Damenmannschaft des TSV Hüttlingen“, sagt Fürst.
Ihre tischtennisgeprägte Biografie ist ganz typisch für Teammitglieder, das wissen auch die aktuellen Juniorteamerinnen. Seit 2019 ist Sophie Everding dabei, die Spielerin des niedersächsischen MTV Holzminden skizziert die Anforderungen an den typischen Juniorteamer. „Ein Juniorteamer oder eine Juniorteamerin muss engagiert sein, neue kreative Ideen mitbringen und Lust haben, etwas im Tischtennis zu verändern“, erklärt die Teamsprecherin. Everding kam über die Tage des jungen Engagements zum Team, ist mit Leidenschaft im Tischtennis aktiv. Das gilt nicht nur für das Juniorteam, sondern auch für die Arbeit im Verein, wo sie Trainerin ist und außerdem zum Vorstand gehört. Ihre Zeit im Juniorteam möchte sie nicht missen. „Man lernt unfassbar viele Menschen kennen“, sagt die 27-Jährige, die ihr Sprecheramt aktuell „in der Verlängerung“ ausführt. Alle zwei Monate treffen sich alle Mitglieder online, um Aktuelles zu besprechen und zu planen. Dazu kommen ein Jahrestreffen sowie ein internes Treffen in Präsenz. „Die Jahrestreffen sind wirklich immer etwas Besonderes“, sagt Betreuerin Melanie Buder. Junges Engagement zu fördern, das ist für Everding und ihre Mitstreiterinnen wichtig. Sie selbst gehen mit gutem Beispiel voran, waren bei den letztjährigen TT-Finals etwa allesamt als Volunteers mit dabei.
Juniorteam-Erfolg inspirierte auch die Landesverbände
Aufgrund des großen Erfolgs des DTTB-Juniorteams reifte Ende der 2010er-Jahre die Idee, auch in den Landesverbänden eigene Juniorteams zu gründen. In eigenen Verbänden ist das geglückt, aktuell gibt es Juniorteams in Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Bei letzterem übernahm im vergangenen Jahr Silas Pehl die Rolle des Sprechers. Der ehemalige Bundesfreiwillige des TSV Bad Königshofen bildet zusammen mit Anna Köpf das Sprecherduo des achtköpfigen Teams. „Das Juniorteam bietet mir eine großartige Gelegenheit, meinen Lieblingssport positiv zu beeinflussen“, erzählt er im Gespräch. Das Juniorteam des Bayerischen-Tischtennis-Verbandes ist unter anderem mit der Veranstaltungsreihe „Misch MiTT“ betraut, bei dem junge Menschen zwischen 16 und 22 Jahren viele Facetten rund um das Ehrenamt im Tischtennis kennenlernen. Aber auch in der Vergangenheit haben die Bayern bereits verschiedene Veranstaltungen durchgeführt – unter anderem wurde ein Netzwerk aus den Jugendsprecherinnen und -sprechern der einzelnen Bezirke aufgebaut. Gemeinsam half man beim Bundesfinale der mini-Meisterschaften 2024 in Beratzhausen mit.
Der Austausch zwischen Ehrenamtlichen ist nicht nur auf Landesebene wichtig, auch die Juniorteams selbst tauschen sich regelmäßig aus. In den vergangenen Jahren haben mehrere Netzwerktreffen stattgefunden, unter anderem war man in der Frankfurter Sportschule und während der Deutschen Meisterschaften in der Nürnberger Jugendherberge zu Gast. Auch Lars Vogeley, langjähriger Sprecher des hessischen Teams, schätzt den Austausch im eigenen Bundesland und mit den anderen Teams, konnte von seiner Mitgliedschaft sehr profitieren. Das hessische Juniorteam hat eine Vielzahl von Aktivitäten auf die Beine gestellt, unter anderem Online-Seminare veranstaltet. Auch über Teamgrenzen hinaus setzten die Teamerinnen und Teamer gemeinsame Projekte um – wie etwa einen Adventskalender im vergangenen Jahr.
Jetzt mitmachen: Juniorteams auf Nachwuchssuche
Trotz der vielfältigen Aufgaben der Juniorteams und den flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten der Tätigkeit, ist die Nachwuchsgewinnung eine große Herausforderung für die Juniorteams. „Es ist aktuell sehr schwierig, neue Leute zu finden“, erzählt Sophie Everding. Die letzte Neuaufnahme ins DTTB-Juniorteam datiert auf das Jahr 2024 zurück. Die Sprecherin ermuntert, bei Interesse jederzeit gerne auf sie zuzugehen, denn die Entscheidung wird sicherlich nicht bereut werden. „Die Mitgliedschaft im Juniorteam ist stets ein Gewinn“, versichert auch Melanie Buder.
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