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Bei Weinheim überragte bei einer starken Teamleistung die Brasilianerin Bruna Takahashi, die gegen Mittelham und Shan sowie ihr Doppel gewinnen konnte (Bild: Armin Schimkat).
TTC 1946 Weinheim – ttc berlin eastside 6:4

Weinheim gewinnt unglaubliches Vier-Stunden-Spiel

Dr. Stephan Roscher 28.01.2023

Weinheim. Das war nichts für schwache Nerven! In einem an Spannung nicht zu überbietenden Bundesliga-Topspiel, das keiner der Beteiligten so schnell vergessen wird, triumphierte nach mehr als vier Stunden voller Dramatik und spielerischer Klasse der TTC 46 Weinheim mit 6:4 gegen den amtierenden Deutschen Meister und Pokalsieger ttc berlin eastside.

Bruna Takahashi war mit Siegen über Nina Mittelham und Shan Xiaona einmal mehr die herausragende Spielerin der Nordbadener, die aber als Mannschaft überzeugend auftraten – jede der drei übrigen Spielerinnen konnte je einen Einzelsieg beisteuern.

Den Berlinerinnen, die eine zwischenzeitliche 4:2-Führung nicht ins Ziel bringen konnten, blieb bei vielen knappen Entscheidungen das Pech auch am Tag nach Metz treu. Sie mussten nun zweimal hintereinander schmerzhaft erfahren, wie gnadenlos Tischtennis sein kann. 22:22 Sätze in der Endabrechnung, 412:401 Bälle zugunsten der Hauptstädterinnen sowie zwei vergebene Matchbälle von Sabina Surjan im letzten Einzel gegen Sophia Klee deuten an, dass die Partie auch einen anderen Ausgang hätte nehmen können.

In Weinheim jedoch freut man sich einfach nur über ein Wahnsinnsspiel zweier gleichwertiger Teams mit Happyend für die Gastgeberinnen.

Mehr ging nicht

“Mehr geht nicht!”, hatte sich Weinheims Manager Christian Säger vor der Partie voller Vorfreude geäußert. Er sollte Recht behalten, mehr ging tatsächlich nicht. Keiner der gut 175 Fans in der Halle dürfte sein Kommen bereut haben – im Gegenteil, bereut haben dürften es nur die, die eigentlich kommen wollten und sich dann doch für irgendetwas anderes entschieden hatten. Mehr zu verpassen geht nicht!

Doppel und erster Durchgang vorne ausgeglichen

Es begann mit zwei Doppeln, die irgendwie andeuteten, dass es ein langer Abend werden würde. Dabei legten die Gäste furios los. Die Kombination Mittelham/Shan harmonierte perfekt, das glatte 3:0 über Wan/Klee war ein Signal, dass man kein zweites Mal binnen zwei Tagen ein Spiel verlieren wollte. Am Nebentisch hatte der ttc eastside – allerdings nur für das Doppel – Josephina “Josi” Neumann aufgeboten, die zusammen mit Sabina Surjan ein starkes Angriffs-Duo bildete. Bereits der neunte Pflichtspieleinsatz des 13-jährigen Megatalents in der laufenden Saison. Man legte 2:0 Sätze vor und war bis zum Ende dabei – ein Sieg lag im Bereich des Möglichen, es wäre der zweite in dieser Saison gewesen, glückte aber nicht. Bis zum 8:8 verlief der Entscheidungssatz vollkommen ausgeglichen, dann punkteten Takahashi/Jeger dreimal in Folge zum Zwischenstand von 1:1.

In den Einzeln ging es spannend weiter. Im ersten Durchgang trennte man sich auch oben unentschieden. Bruna Takahashi setzte sich in einem hart umkämpften Match gegen Nina Mittelham, die wie in Metz zwar phasenweise gut aber glücklos spielte, mit 3:1 durch. Shan Xiaona behielt gegen Yuan Wan in vier Durchgängen die Oberhand.

Berlin legt 4:2-Führung vor, doch Weinheim findet zurück ins Spiel

Im hinteren Paarkreuz ging der erste Durchgang an Berlin zur scheinbar beruhigenden 4:2-Führung: Mateja Jeger konnte das enge Match gegen Sabina Surjan nicht gewinnen (2:3), Sophia Klee zog nicht unerwartet gegen Ding Yaping den Kürzeren (1:3).

Doch dann war Weinheim wieder voll da. Bruna Takahashi besiegte auch eine starke Shan Xiaona mit 3:2 nach 1:2-Satzrückstand und Yuan Wan lieferte ihrer Nationalmannschaftskollegin Nina Mittelham ein sensationelles Match. Da führte Mittelham mit 2:1 Sätzen, Wan glich aus und im fünften Durchgang gelang der Weltranglisten-14. überhaupt nichts mehr. 4:4 – es knisterte förmlich vor Spannung und die Weinheimer Fans peitschten ihre Lieblinge nach vorne.

Das wirkte sich auch in den letzten beiden Spielen aus: Mateja Jeger brachte das Kunststück fertig, Abwehr-Ass Ding Yaping mit 7:11, 11:9, 11:6 und 11:9 zu besiegen. Nun kam alles auf das Match zwischen Sophia Klee und Sabina Surjan an. Und das war ein richtiger Thriller. Die 19-jährige Deutsche behielt gegen die drei Jahre ältere Linkshänderin aus Serbien kühlen Kopf, auch als Surjan einen 0:2-Satzrückstand wettgemacht hatte und mit 10:8 im Entscheidungssatz vorne lag. Klee blieb hoch konzentriert und punktete viermal in Folge zum umjubelten Weinheimer 6:4-Sieg.

"Der absolute Höhepunkt"

“Das war der absolute Höhepunkt für unseren Club und natürlich auch für mich”, freute sich Christian Säger nach dem Bundsligakrimi. “Die Mannschaft ist unglaublich und viele Zuschauer sind noch lange nach Spielschluss geblieben, um dem Team die Ehre zu erweisen.“ Säger fuhr fort: „Berlin in Topaufstellung und trotzdem haben wir drei Punkte vorne gemacht. Bruna Takahashi überragend, wenn Sie in Deutschland ist und wie im Moment in Ochsenhausen trainiert, ist sie sportlich und menschlich für uns enorm wichtig. Yuan Wan gewinnt auch gegen Mittelham und spielt auch gegen Shan sehr stark trotz Niederlage.“ Nach sechs Matches sah es nicht so gut aus für die Gastgeberinnen: „Bei 2:4 dachte echt niemand an einen Sieg. Aber dieses Team ist sensationell und die Zuschauer peitschten es nach vorne. Mateja Jeger gewinnt gegen Ding und dann waren alle Augen auf Sophia Klee gerichtet. Sophia behielt die Nerven und gewinnt knapp aber verdient mit 3:2  und damit gewinnen wir mit 6:4. Gegen eine top besetzte Berliner Mannschaft.“ Sägers Fazit: „Tischtennis vom feinsten von beiden Teams mit glücklicherem Ausgang für uns.“

Durch den Sieg schoben sich die Weinheimerinnen zumindest vorübergehend auf die Spitzenposition in der Tabelle, bei einer Niederlage am Sonntag gegen Kolbermoor würden aber die Oberbayern, die eine Partie weniger absolviert haben, vorbeiziehen. Bei einem Remis bliebe der TTC 46 ganz vorne. Berlin, das als nächstes am 5. Februar als klarer Favorit zu Hause gegen Bingen an die Tische geht, steht mit 11:7 Punkten auf dem dritten Tabellenplatz. Noch gibt es genügend Gelegenheiten, den direkten Einzug ins Play-off-Halbfinale zu schaffen.

Am Sonntag um 14 Uhr empfängt der TTC 46 Weinheim Spitzenreiter SV DJK Kolbermoor zu einem weiteren Topspiel, während einige Stunden zuvor (10.30 Uhr) der ESV Weil seine Vistenkarte bei der SV Böblingen abgibt.

 

 

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