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Lorena Morsch konnte in Weil auf ganzer Linie überzeugen (Bild: Dr. Stephan Roscher).
"Nesthäkchen" Lorena Morsch rettet Gästesieg: ESV Weil - TSV Langstadt 4:6

Weiße Weste bewahrt: Langstadt gewinnt auch in Weil

Dr. Stephan Roscher 09.11.2025

Weil am Rhein. Der TSV Langstadt hat in seinem vierten Bundesligaspiel der Saison den vierten Sieg eingefahren und bleibt somit Spitzenreiter der deutschen Tischtennis-Elite-Liga. Eine leichte Übung war es indes nicht für die Hessinnen, am Sonntagnachmittag in Weil am Rhein die beiden Punkte einzusacken. Dreieinviertel Stunden heftiger Kampf war vonnöten, um die weiße Weste zu bewahren. Herausragend präsentierte sich mit der 17-jährigen Lorena Morsch die jüngste TSV-Spielerin.

Die Jugendnationalspielerin konnte ihre beiden Einzel gegen keineswegs schwache Gegnerinnen relativ deutlich gewinnen und sicherte den Gästen damit die beiden Punkte. "Lorena hat heute den Unterschied gemacht und gezeigt, welch großartiges Talent sie ist", freute sich Langstadts Sportlicher Leiter Manfred Kämmerer, der aber auch sein Team im Ganzen lobte: "Eine starke Mannschaftsleistung, ein ausgeglichenes Spiel mit dem besseren Ende für uns."

Und das bei einer Mannschaft, die – bei zwei Niederlagen und einem Unentschieden in den letzten drei Begegnungen – fast so etwas wie ein Angstgegner für den TSV Langstadt war. Für Weil war es insofern ärgerlich, als man zum zweiten Mal binnen acht Tagen zu Hause mit 4:6 gegen ein Spitzenteam verlor und nach wie vor auf die ersten Punkte der Saison warten muss.

Wichtig war aus Langstädter Sicht natürlich auch, dass bei der bis dahin sieglosen Chantal Mantz der Knoten platzte, die gegen Ievgeniia Sozoniuk, gegen die sie zuletzt bei den Play-offs zweimal verloren hatte, ihr erstes Match in dieser Saison gewinnen konnte. Ausnahmespielerin Orwawan Paranang spielte zwar gut, musste jedoch das erste Mal in dieser Spielzeit einer Gegnerin gratulieren. Die Waliserin Anna Hursey, die Paranang bereits im Play-off-Rückspiel der Vorsaison bezwungen hatte, setzte sich erneut gegen die Linkshänderin aus Thailand durch. Paranangs derzeitige Bilanz im Spitzenpaarkreuz (7:1) kann sich dennoch sehen lassen.

Doch beginnen wir ganz am Anfang: TSV-Trainerin Anna Rauch hatte diesmal - neben Paranang, Mantz und Morsch - auf Sophia Klee gesetzt und auf Franziska Schreiner sowie Izabela Lupulesku verzichtet. Gewiss nicht ohne Risiko, denn gerade eine "Franzi" Schreiner ist hinten immer für zwei Punkte gut und eine passable Doppelspielerin obendrein. Weil war mit "voller Kapelle" am Start und hatte fünf Spielerinnen aufgeboten, von denen die Litauerin Kornelija Riliskyte nur im Doppel eingesetzt wurde.

1:1 stand es nach den Doppeln. Mantz/Morsch blieben letztlich chancenlos gegen Sozoniuk/Riliskyte, doch Paranang/Klee zeigten gegen Hursey/Toftaker gutes Tischtennis und hatten im Entscheidungssatz (11:2) alles im Griff.

Im Spitzenpaarkreuz zunächst das erwartete Bild: Chantal Mantz konnte gegen Anna Hursey, die mit ihren 19 Jahren zu den besten Spielerinnen Europas zählt, nichts ausrichten (0:3), während Orawan Paranang gegen Kurznoppenspielerin Ievgeniia Sozoniuk nichts anbrennen ließ und ebenfalls in drei Sätzen gewann. Hinten gelangen den Gästen anschließend zwei wichtige Siege zur 4:2-Führung: Lorena Morsch besiegte nach einem tadellosen Auftritt Weils Abwehrstrategin Lea Lachenmayer mit 3:1 und Sophia Klee hatte mit 3:2 Sätzen den längeren Atem gegen die Norwegerin Martine Toftaker, letzte Saison noch beim Zweitligisten Langen unter Vertrag.

Die Langstädterinnen wollten nun im Spitzenpaarkreuz unbedingt einen weiteren Punkt folgen lassen, um auf Siegeskurs zu bleiben. Doch Paranang gelang dies erstmals in dieser Saison nicht. Mit 11:7, 10:12, 7:11, 8:11 zog sie gegen Hursey den Kürzeren, die sich gut auf das schnitt- und variantenreiche Spiel ihrer Gegnerin eingestellt hatte und in den Sätzen drei und vier immer häufiger mit ihrem fulminanten Angriff durchkam. Folglich musste nun etwas von Mantz kommen, wenn das Spiel nicht noch kippen sollte. Und tatsächlich gewann die 29-Jährige zum ersten Mal in der Spielzeit 2025/26 durch ein hart erkämpftes 3:1 über Sozoniuk (13:11, 9:11, 12:10, 11:6).

Der Abstand war gewahrt, doch noch fehlte den Gästen aus dem südlichen Hessen ein Punkt, der im zweiten Durchgang des hinteren Paarkreuzes geholt werden musste, wollten sie mit einem Auswärtssieg die Halle verlassen. Sophia Klee gelang jener nicht, die trotz gewonnenem ersten Satz mit 1:3 gegen Lea Lachenmayer das Nachsehen hatte, wie schon in den Play-off-Viertelfinals der letzten Saison. Das Match von Lorena Morsch war aber zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Minuten beendet, die junge Langstädterin hatte auch Toftaker auf Distanz gehalten und das Match nach einem 9:11 im Eröffnungssatz nachfolgend immer besser in den Griff bekommen (11:7, 11:8, 11:3). Der knappe Auswärtssieg des Spitzenreiters im südbadischen Dreiländereck war in trockenen Tüchern.

Ein Tischtennis-Sonntag ganz nach dem Geschmack von Lorena Morsch: "Ein tolles Gefühl heute mit zwei Punkten nach Hause zu fahren. Wir wussten, dass es ein knappes Spiel werden und Kleinigkeiten über Sieg oder Niederlage entscheiden würden. Ich bin sehr froh, dass ich mit zwei Einzelsiegen der Mannschaft helfen konnte.“

Doris Spiess war nicht einmal unzufrieden mit dem Auftritt ihres Quintetts, das ja alles andere als schlecht ausgesehen hatte, dem Gegner beinahe ebenbürtig war und mit Anna Hursey die Spielerin des Tages aufgeboten hatte. Lediglich das Ergebnis konnte die Weiler Abteilungsleiterin nicht mit Freude erfüllen. "Es war spannend, es war knapp, leider hat es wieder nicht ganz gereicht“, sagte Spiess nach der kurzweiligen Partie. „Anna war super. Obwohl sie am Vorabend noch in Portugal gespielt hat und schon um 4 Uhr morgens zum Flughafen musste, merkte man ihr die Strapazen nicht an. Leider konnten unsere Mädels gut herausgespielte Führungen nicht nach Hause bringen. Langstadt hat sich das zunutze gemacht und verdient gewonnen.“

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Fast fünf Wochen hat der TSV Langstadt nun Pause, dann geht es richtig zur Sache. Am Freitag, den 12. Dezember, steigt nämlich bei den Hessen das absolute Topspiel der 1. Bundesliga Damen, wenn Rekordmeister ttc berlin eastside, ebenfalls noch ohne Punktverlust, seine Visitenkarte in der Eckehard-Colmar-Halle abgibt.

So lange muss sich der ESV Weil nicht gedulden, der endlich die heiß ersehnten ersten Punkte verbuchen möchte und dazu im November gleich drei Gelegenheiten hat: Zunächst steht die traditionell schwierige Bayern-Tour an mit den Spielen in Kolbermoor (14.11.) und Dachau (16.11.), danach beendet man mit dem Heimspiel gegen Bingen am 30.11. die Vorrunde.

 

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