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Foto mit Tennis-Star Nadal: Sabine Winter (Foto: privat)

Winter: "Wenn mich die Mannschaft braucht, bin ich da"

FL 16.08.2016

Rio de Janeiro. Sie gehören zum Team, aber irgendwie doch nicht: Sabine Winter und Patrick Franziska sind in Rio als Backup und sogenannte P-Akkreditierte für die Mannschaft dabei, Winter bereits zum zweiten Mal nach London 2012. Die Nationalspieler verbringen in Rio Stunden in der Trainingshalle, spielen die Teamkollegen warm, feuern von der Tribüne aus an. An der Box dürfen sie nicht sitzen und im Erfolgsfall kriegen sie auch keine Medaille. Zwischendurch gibt es die Möglichkeit, ein bisschen olympisches Flair zu schnuppern. Sabine und „Franz“ erzählen, wie sie Rio erleben.


Sie stellen sich in den Dienst der Mannschaft, sind Einspiel- und Trainingspartner, Anfeuerer und gute Seele. „Die ersten Tage waren ein bisschen hektisch. An drei Tagen in Folge stand ich jeweils zwölf Stunden in der Halle, habe Dima und Timo jeweils eingespielt und noch selbst mit Basti trainiert“, erzählt Patrick Franziska, der „Einspieler“ vom Dienst für die deutschen Herren. Die Einzel-Neiderlagen von Boll und Ovtcharov hat der Neu-Saarbrücker auf der Tribüne verfolgt. „Du stirbst während den Spielen, kannst einfach nichts tun, das ist so hart“, sagt der 24-jährige WM-Viertelfinalist von 2015, der manchmal auch als Aufbauhelfer fungieren muss: „Nach den Einzel-Niederlagen von Timo und Dima haben wir die beiden versucht aufzubauen für das Team. Da fällt dann auch schon mal der eine oder andere Spruch, die Stimmung bei uns ist wirklich 1a“, betont Franziska.


„Priorität hat die Mannschaft“


„ Zuschauen ist am Ende immer schlimmer als selbst spielen. Man kann es nicht beeinflussen“, sagt Sabine Winter, die den Halbfinal-Krimi gegen Japan so erlebte: „Ich habe vor dem fünften Satz von Ying auf der Tribüne gesagt, ich will jetzt bitte keine Verlängerung sehen. Bei 9:9 hat es sich dann aber wie Verlängerung angefühlt. Es war verdammt spannend, verdammt aufregend. Wenn man nach einem hartem Kampf gewinnt, ist es umso schöner.“


Die Spitzenspielerin beim Bundesligisten Kolbermoor, dreifache Team-Europameisterin und EM-Siegerin im Doppel 2013, stellt sich am Zuckerhut wie Franziska in den Dienst der Mannschaft: „Wenn mich die Mannschaft braucht, bin ich da. Wenn nicht, dann habe ich versucht, ein bisschen von dem olympischen Flair mit zu bekommen. Priorität hatte aber die Mannschaft“, betont Winter, die ihren Anteil nicht so hoch hängen will. „Die Mädels hätten das auch ohne mich gemacht“, sagt die 23-Jährige, die der Mannschaft in Rio hilft, aber auch schon viele Monate vorher in der Vorbereitung. „Da sind dann aber auch alle zu nennen, Irene (Irene Ivancan), Kristin (Kristin Silbereisen), Chanti (Chantal Mantz), Nina (Nina Mittelham), Yaping (Ding Yaping),..."


„Sabine und Patrick machen einen Top-Job hier. Ihr Wert für das Team ist ungemein hoch. Die beiden sind voll eingebunden und helfen der Mannschaft unglaublich in der Vorbereitung, im Training und sind immer Gewehr bei Fuß, um einzuspringen“, sagt DTTB-Sportdirektor Richard Prause.

 

Beim Golf mit Kaymer, beim Handball mit Deutschland


Patrick Frazinska beim Golf in Rio, im Hintergrund Martin Kaymer (Foto: privat)Wenn es die Zeit erlaubt, können die beiden Nationalspieler auch etwas von den Spielen mitkriegen, außer Tischtennis-Halle und olympisches Dorf. Franziska schaute bei Golf-Star Martin Kaymer vorbei und war mit Winter gemeinsam beim Tennis. Die 23-Jährige sah das Handballspiel Deutschland-Brasilien. „Wenn es passt, möchte ich noch an die Copacabana zum Beachvolleyball und auf den Zuckerhut“, sagt die Weltranglisten-50, die schon 2012 in London dabei war: „Vom Drumherum fand ich London schöner, da war mehr eine olympische Atmosphäre. Die Helfer waren zuvorkommender, hier können nicht viele Englisch. Ich hatte das Gefühl, es war mehr Trubel und es war einfach mehr dieses olympische Gefühl vorhanden, als wir hier haben. Aber hier hat dafür das Ergebnis gepasst, das werde ich auch nicht so schnell vergessen.“


P-Akkreditierte sollen perspektivisch aufgebaut werden / Beispiel Bastian Steger


Winter und Franziska sind in Rio als sogenannte P-Akkreditierte dabei, stünden für den Team-Wettbewerb parat, falls es einen verletzungsbedingten Ausfall gibt. Zwar dürfen die P-Akkreditierten seit London 2012 im olympischen Dorf mit wohnen, auf der Bank dürfen sie aber nicht sitzen, und auf eine mögliche Medaille müssten sie ebenfalls verzichten. „Der P-Akkreditierte ist häufig jemand, den man perspektivisch aufbauen will, und das ist bei uns mit Sabine und Patrick in jedem Fall gegeben. Das ist nicht nur bei uns so, sondern auch bei anderen Nationen. Sie sollen irgendwann selbst bei Olympischen Spielen in die Box steigen. Das ist das Ziel, und von daher ist die Erfahrung hier ungemein wichtig“, sagt Richard Prause und nennt das Beispiel von Bastian Steger, der 2008 P-Akkreditierter war und 2012 und 2016 dann gespielt hat, in London mit Team Deutschland Bronze gewann.


Ovtcharov: „Patrick macht hier einen unglaublichen Job“


Der DTTB-Sportdirektor und auch Dimitrij Ovtcharov würden es begrüßen, einen vierten Spieler bei Olympia fest im Team und an der Box als Option zu haben. „Ich hätte mir so sehr für ihn gewünscht, dass er hier auch dabei gewesen wäre. Zumindest dass wir vier Leute in der Mannschaft stellen können. Ich finde das nicht gut, dass wir keinen Auswechselspieler haben. Er hätte es auf jeden Fall verdient gehabt. Er macht hier einen unglaublichen Job, er ist absolut Teil des Teams, und sollten wir eine Medaille gewinnen, hätte er die in meinen Augen genauso verdient wie wir auch", sagt Ovtcharov.


Keine Medaille für den vierten Mann, die vierte Frau und auch nicht für die Trainer


Richard Prause spricht von Bestrebungen, dass es einen vierten Spieler, einen vierte Spielerin in Zukunft geben könnte. „Letztlich ist das aber IOC-Entscheidung. Im Moment kann ich nicht beurteilen, ob das bis 2020 der Fall sein wird. Bastian war 2008 noch außerhalb des Dorfes untergebracht. Mittlerweile sind sowohl Sabine als auch Patrick im Apartment im Dorf. Das ist schon mal ein Schritt. Wir hoffen, dass irgendwann auch der vierte Spieler, die vierte Spielerin zugelassen werden. Das ist das, was wir uns wünschen würden“, sagt Prause und erinnert an die European Games 2015, als Deutschland zwischenzeitlich im Team nur mit Dimitrij Ovtcharov und Patrick Baum spielte. „Wir haben gesehen, was in Baku geschehen ist, nachdem Timo erkrankt war. Die Mannschaften sollten die Möglichkeiten bekommen, eine Option zu haben und das eine oder andere taktisch verändern zu können. Der vierter Spieler sollte, wenn das Team in die Medaillenränge kommt, auch die Medaille erhalten", betont Prause. Wie im übrigen auch die Trainer, findet der frühere Herren-Bundestrainer: „Das finde sich sehr schade. Bei WM und EM bekommt der Trainer eine Medaille, bei Olympia nicht.“


Ziel von Franziska und Winter: Tokio 2020


Sabine Winter ist in Rio zum zweiten Mal nach London 2012 als P-Akkreditierte dabei. Als ehrgeizige Spitzensportlerin ist dies auf Dauer natürlich nicht befriedigend. „Klar, würde man lieber selbst spielen“, sagt Winter ohne Verdruss. „In London hatte ich einen Altersbonus, da war ich von der Weltrangliste schon ein Stück hinter den anderen. Nach dem Ying und Nana dabei sind, war klar, dass es für Rio ein schwieriges Unterfangen wird. Mein Ziel war dann, als P-Akkreditierte mitzufahren, was ich auch geschafft habe als deutsche Nummer vier in der Weltrangliste. Das war auch ein kleiner Erfolg. Mal sehen, ob das in Tokio anders wird“, lächelt sie.

Und Patrick Franziska betont: „In Rio helfe ich als junger Spieler den älteren. In vier Jahren in Tokio hoffe ich dann, dass mir geholfen wird.“

 

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