Im Finale gegen Boll unbesiegbar: Ma Long (Foto: Schillings)
Deutsches Team bei 0:3 mit kaum einer Chance

Deutschland unterliegt China im WM-Finale

BP / SH 06.05.2018

Halmstad. Titelverteidiger China war einmal mehr zu stark für Deutschlands Herren. Im WM-Finale von Halmstad gab es durch ein 3:0 über Timo Boll, Ruwen Filus und Patrick Franziska den neunten Titel in Folge und insgesamt 21 für die Männer aus dem Reich der Mitte.

Deutschland trat im Endspiel am Sonntag ohne den von einer hartnäckigen Verletzung (Oberschenkelhals) und mehrwöchigem Trainingsrückstand gezeichneten World-Cup-Sieger Dimitrij Ovtcharov an, dafür mit im Turnierverlauf geschwächten Boll (Ischiasbeschwerden) und Franziska (Oberschenkelverhärtung) sowie einem tapfer kämpfenden Ruwen Filus, der in zwei Partien zuvor zum Matchwinner für Deutschland avanciert, aber gegen den Weltranglisten-Ersten Fan Zhendong chancenlos war. Bastian Steger feuerte die Manschaft wie Ovtcharov und Bundestrainer Jörg Roßkopf lautstark von der Bank an.

Ma Long sorgt für Auftakt-Punkt gegen Boll

Das Eröffnungseinzel dominierte Olympiasieger Ma Long gegen den Weltranglisten-Zweiten, Boll, mit 11:4, 11:8 und 11:3. Mit der Führung im Rücken machte Fan kurzen Prozess mit Filus (-4,-5,-4). Den einzigen Satzgewinn verbuchte Franziska in einer Neuauflage des diesjährigen German-Open-Halbfinals gegen die Nummer vier der Welt, Xu Xin (9,-10,-7,-5).

"Unser Plan war, dass Timo vielleicht gegen Ma Long gewinnt, und Fan Zhendong dann mit etwas mehr Druck in die Box geht“, erklärte Abwehr-Ass Ruwen Filus die Taktik. „Ich habe zwar gegen ihn die Sätze ganz gut angefangen, dann hat er mich jedoch sehr gut angespielt und keine Fehler mehr gemacht.“

Boll: „Können mit Silber zufrieden sein“

Die an Position eins gesetzte DTTB-Auswahl war am Ende nicht traurig über Platz zwei. „Wir können sehr zufrieden mit der Silbermedaille sein“, so Timo Boll. „Um China zu gefährden, muss man auch physisch in bester Verfassung sein. Das waren wir hier leider nicht. China hat das Finale heute verdient gewonnen.“ Sein Einzel kommentierte er mit den Worten: „Schade, dass ich mein Niveau nicht so abrufen konnte, wie ich mir das erhofft hatte. Aber Ma Long hat auch sehr gut gespielt."

Patrick Franziska hatte nach gewonnenem ersten Durchgang im zweiten eine 8:4-Führung auf dem Schläger. „Ich hatte das Gefühl, Xu Xin fehlten die Lösungen – und das ist selten bei ihm“, sagte er. Gefeiert werde am letzten WM-Abend in Schweden auf jeden Fall, kündigte er an. „Ich denke, wir werden uns heute Abend noch das eine oder andere Wässerchen genehmigen.“ 

Wertvollster Spieler des Turniers: Fan Zhendong

Nach dem Sieg seiner Mannschaft fand Einzel-Weltmeister Ma Long lobende Worte für die Gegner. „Wir haben heute alle stark gespielt. Wir sind sehr froh, gegen ein so starkes Team wie Deutschland, angeführt von Timo Boll, Weltmeister geworden zu sein.“ Sein nächstes großes Ziel: „Ich werde mich jetzt auf die Olympia-Qualifikation für Tokio 2020 konzentrieren, denn dort will ich beide Titel verteidigen.“

Zum wertvollsten Spieler des WM-Turniers gekürt wurde nicht Ma, sondern sein Teamkollege Fan Zhendong. Bronze bei der WM gewannen das am Samstag in einem fast vierstündigen Krimi Deutschland unterlegene Südkorea sowie Gastgeber Schweden, das im Halbfinale gegen China chancenlos blieb. Den Damen-Titel sicherte sich, auch zum 21. Mal, ebenfalls China. Ding Ning und Co. gewannen mit 3:1 gegen ihre Dauerrivalinnen aus Japan.

Das Finale

Deutschland - China 0:3
Timo Boll - Ma Long 0:3 (-4,-8,-3)
Ruwen Filus - Fan Zhendong 0:3 (-4,-5,-4,)
Patrick Franziska - Xu Xin 1:3 (9,-10,-7,-5)

Zitate

Jörg Roßkopf: "Dieses Silber glänzt für uns wie Gold. Wäre die WM im Herbst gewesen, hätten wir uns zugetraut, China ernsthaft herauszufordern. Unter den Umständen bei dieser WM mit einem Boll mit Ischiasproblemen, einem angeschlagenen Ovtcharov und einem zwischenzweitlich mit einer Zerrung ausgefallenen Franziska ist diese Silbermedaille ein Riesenerfolg der gesamten Mannschaft, in der jeder für jeden kämpft und es wegsteckt, wenn kurzfristig Mannschaftsaufstellungen geändert werden müssen. Wir haben nun 2010, 2012, 2014 und 2018 das Finale erreicht und nur 2016 durch den Ausfall von Timo und Dima nicht. Das zeigt die Stärke dieses Teams."

Ruwen Filus: "Unser Plan war, dass Timo vielleicht gegen Ma Long gewinnt, und Fan Zhendong dann mit etwas mehr Druck in die Box geht. Ich habe zwar gegen ihn die Sätze ganz gut angefangen, dann hat er mich jedoch sehr gut angespielt und keine Fehler mehr gemacht. Auch wenn wir das Finale verloren haben, können wir stolz auf unsere Leistung bei dieser WM und auf die Silbermedaille sein." 

Patrick Franziska: „Ja, bei mir war es etwas schade – 8:4 im zweiten Satz. Ich hatte das Gefühl, Xu Xin fehlten die Lösungen – und das ist selten bei ihm. Ich denke, wir werden uns heute Abend noch das eine oder andere Wässerchen genehmigen.“ 

Dima Ovtcharov: "Ich bin sehr froh, dass ich unserer Mannschaft trotz meiner Verletzung helfen konnte, das Finale zu erreichen. Leider war mehr nicht möglich. Ich werde nun versuchen, meine letzten Champions-League-Spiele für Orenburg in ähnlicher Weise zu bestreiten, wie hier bei der WM. Danach muss ich die Verletzung in Ruhe auskurieren, um dann wieder angreifen und mein altes Niveau erreichen zu können." 

Timo Boll: "Wir können sehr zufrieden mit der Silbermedaille sein. Um China zu gefährden, muss man auch physisch in bester Verfassung sein. Das waren wir hier leider nicht. China hat das Finale heute verdient gewonnen. Schade, dass ich mein Niveau nicht so abrufen konnte, wie ich mir das erhofft hatte. Aber Ma Long hat auch sehr gut gespielt."

Links

Alle Ergebnisse

Interviews und Videos des deutschen Teams (YouTube) 

Die Begegnungen von gestern

Herren-Halbfinale, 18 Uhr: Deutschland - Südkorea 3:2 

Patrick Franziska - Lee Sangsu 1:3 (5,-5,-8,-5)
Timo Boll - Jeoung Younsik 3:1 (10,-10,4,5)
Dimitrij Ovtcharov - Jang Woojin 0:3 (-6,-5,-6)
Timo Boll - Lee Sangsu 3:2 (-9,8,-3,11,10)
Patrick Franziska - Jeoung Younsik 3:1 (6,8,-4,9)

Timo Boll: „Erstmal bin ich ganz schön platt aber auch sehr erleichtert. Die Koreaner haben heute wirklich super gespielt, aber morgen geht es weiter-das haben wir uns hart erarbeitet. Um 15 Uhr war ich noch nicht in der Aufstellung drin, aber beim Einspielen hatte ich dann das Gefühl, dass es besser geht als vermutet. Für Ruwen hat uns das natürlich leidgetan – er hat uns ja auch erst in dieses Halbfinale gebracht. Aber am Ende haben wir alles richtig gemacht.“ 

Patrick Franziska: „Im letzten Match war ich erstaunlicherweise ruhig, gar nicht hektisch. Mein Gegner war anfangs sehr nervös, das legte sich dann aber auch bei ihm. Das war eine große Teamleistung, auch mit Ruwen und Basti auf der Bank. Es springt jeder für jeden ein. Wir sind eine gesamte Einheit und jetzt stehen wir da, wo wir vor dem Turnier stehen wollten. Wir wollen China angreifen, wir sind bereit China anzugreifen. Wir werden versuchen das Selbstvertrauen und den Schwung mitzunehmen und Druck aufzubauen.“ 

Jörg Roßkopf: „Das war eine grandiose Leistung unserer gesamten Mannschaft, auch auf der Bank. Und Timo und Patrick haben unglaublich stark gespielt. Soviel stärker, als das Südkorea heute gegen uns getan, wird auch China nicht spielen können. Bei Timo hat man wieder einmal gesehen, dass er diese besonderen Herausforderungen gegen die Besten der Besten liebt. Alle waren heiß auf dieses Spiel, das hat man heute gespürt.“

„Heute am Morgen habe ich noch nicht geahnt, dass wir in dieser Aufstellung gegen Korea spielen werden. Bei Patrick hatte es sich abgezeichnet, weil es seinem Oberschenkel besser ging. Bei Timo sah es hingegen schlecht aus mit seinem Ischias. Heute Mittag kam er dann zu mir und hat gesagt, es sei etwas besser, er würde es am Nachmittag beim Training einmal versuchen. Das hat er dann getan und um 16.45 Uhr, also 75 Minuten vor dem Match, fiel die Entscheidung, dass er spielt. Ruwen Filus, der ansonsten eingesetzt worden wäre, hat diese kurzfristige Änderung super weggesteckt. Das zeigt auch die Qualität dieser Mannschaft, die unglaublich zusammenhält."

Herren Halbfinale: China - Schweden 3:0

Ma Long - Mattias Karlsson 3:0 (6,5,11)
Fan Zhendong - Kristian Karlsson 3:1 (11,-8,3,2)
Xu Xin - Jon Persson 3:0 (6,11,5)

Spielbericht

Damen-Finale: China - Japan 3:1

Liu Shiwen - Mima Ito 2:3 (-9,8,5,-8,10)
Ding Ning - Miu Hirano 3:0 (6,10,11,)
Zhu Yuling - Kasumi Ishikawa 3:0 (4,7,8,)
Liu Shiwen - Miu Hirano 3:0 (6,6,10)

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