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Aus jeder Lage den Ball zurückgebracht: Yuan Wan und Sabine Winter (Fotos: MS)
Patrick Franziska, Benedikt Duda, Ying Han und Sabine Winter im Einzel weiter / Dang Qiu und Ricardo Walther ausgeschieden

WM: Duda/Qiu und Kaufmann/Shan folgen China-Schreck Wan/Winter ins Achtelfinale

SH/MS 19.05.2025

Doha. Ein spektakuläres Ausrufezeichen setzten Yuan Wan und Sabine Winter am dritten Tag der Weltmeisterschaften in Doha (17. bis 25. Mai). Das Doppel sorgte mit dem Sieg über die chinesischen Titelaspirantinnen Chen Xingtong und Qian Tianyi für eine bemerkenswerte Turnierüberraschung. Insgesamt wird der Deutsche Tischtennis-Bund nach einem starken Doppel-Tag sogar mit drei Duos in den Achtelfinalspielen vertreten sein. Im Einzel hingegen erfüllten sich nicht alle Erwartungen. Zwar erreichten vier DTTB-Asse die dritte Runde, doch zwei heutige Niederlagen trüben die Bilanz – darunter das vollkommen unerwartete Aus für Ex-Europameister Dang Qiu. Annett Kaufmann und Yuan Wan haben am Dienstag ebenfalls noch die Chance auf den Einzug in Runde drei. Die Hürden jedoch sind enorm hoch: Mit Chen Xingtong (China) und Miwa Harimoto (Japan) warten zwei Spielerinnen aus den Top Ten der Welt.

Sensation durch Wan/Winter: Triumph über Chinas Topstars

Es war der erste große Paukenschlag aus deutscher Sicht: Yuan Wan und Sabine Winter bezwangen in der zweiten Runde des Doppel-Wettbewerbs sensationell das chinesische Spitzenduo Chen Xingtong und Qian Tianyi mit 3:2. Die Asiatinnen, bei der WM in Doha an Position drei gesetzt, galten als heiße Titelkandidatinnen.

Dabei schien der Spielverlauf zunächst gegen die DTTB-Spielerinnen zu sprechen. Nach einem Satzrückstand und erneutem 1:2 gerieten Wan/Winter mehrfach unter Druck. Doch sie blieben nervenstark, steigerten sich kontinuierlich und behielten im Entscheidungssatz die Oberhand. „Wir hatten schon vor drei Wochen eine ähnliche Situation gegen die Weltranglistenersten Satsuki Odo und Sakura Yokoi“, erklärte Winter nach dem Coup. „Im Nachhinein war dieses Match sehr, sehr, sehr wichtig für uns, weil wir da schon gesehen haben, dass wir auch gegen die Allerbesten etwas ausrichten können.“

Damals in Tunis war das Duo trotz Matchball im Achtelfinale gescheitert – eine Erfahrung, die nun zur Motivation wurde. „In Tunesien habe ich zu Yuan gesagt: Völlig egal jetzt, bei der WM werden wir es schaffen! Daran habe ich heute bei 9:9 und 10:9 tatsächlich gedacht“, so die 32-Jährige, die bereits zweimal WM-Bronze im Team gewann.

Harmonisches Duo mit viel Potenzial

Dass Wan und Winter auf internationalem Parkett gefährlich sein können, zeigte sich nicht erst in Tunis, sondern schon bei der EM 2024. Trotz vergleichsweise geringer gemeinsamer Spielpraxis harmonieren beide auffallend gut. Winter, siebenfache Deutsche Meisterin und zweifache Europameisterin im Doppel, bringt große Routine ein. Wan, ebenfalls dreifache Deutsche Meisterin, überzeugte zuletzt an der Seite von Xiaona Shan auch bei Olympia in Paris. „Wir harmonieren gut, aber haben leider noch zu wenig gespielt“, so Wan. „Von Spiel zu Spiel stelle ich mich besser auf Sabines Anti ein und weiß, was für den Ball zurückkommt. Und Sabine weiß besser, wie ich den Rückschlag spiele oder wie sie nach meinem Aufschlag weiterspielen kann.“

Im Achtelfinale treffen Wan/Winter auf das Duo Huang Yi-Hua/Tsai Yun-En aus Taiwan. Ein erneuter Erfolg würde sie ins Viertelfinale bringen, wo eines der besten europäischen Paare wartet: Entweder die amtierenden Europameisterinnen Barbora Balazova/Hana Matelova oder die EM-Zweiten Sofia Polcanova/Bernadette Szöcs.

Auch Kaufmann/Shan und Duda/Qiu im Achtelfinale

Den gelungenen Doppeltag komplettierten zwei weitere deutsche Paarungen. Annett Kaufmann und Xiaona Shan ließen den starken Inderinnen Ayhika und Sutirtha Mukherjee  beim 11:1, 13:11 und 11:7 keine wirkliche Chance. „Wir haben super gespielt. Ich hatte sehr guten Fokus auf das Spiel, trotz meiner Niederlage im Einzel. Wir waren taktisch stark und haben die Bälle gut platziert“, so Shan nach dem Match. Annett Kaufmann lobte ihre erfahrene Partnerin: „Nana hat heute sensationell gespielt. Im ersten Satz habe ich gar nicht verstanden, was los war – sie hat so gut platziert, egal ob beim Rückschlag oder beim Topspin.“ In der nächsten Runde wartet mit Shin Yubin und Ryu Hanna ein hochklassiges südkoreanisches Doppel. Shin erreichte bereits 2023 in Durban das WM-Finale im Doppel.

Bei den Herren schafften Benedikt Duda und Dang Qiu den Achtelfinaleinzug. Gegen das indische Spitzendoppel Manav Thakkar/Manush Shah setzten sich die Deutschen mit 3:1 durch. Trotz seines Einzel-Ausscheidens wenige Stunden zuvor gelang es Dang Qiu, den Fokus schnell wieder auf das Doppel zu legen. „Die Jungs haben ein gutes, souveränes Doppel gespielt“, lobte Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf. „Nach dem Ausscheiden von Dang war das natürlich nicht so einfach, aber das hat er sehr gut und konzentriert gemacht.“ Im Achtelfinale kommt es zum Klassiker gegen die Ex-Weltmeister Mattias Falck/Kristian Karlsson – eine Neuauflage des EM-Viertelfinals von Linz, das an die Schweden ging.

Duda, Franziska, Winter und Han dominieren ihre Einzel

Vier deutsche Einzelspieler zogen souverän in die Runde der besten 32 ein. Benedikt Duda setzte sich gegen den starken Aufschläger und Rückhandspezialisten Noshad Alamiyan (Iran) mit 4:0 durch – Ergebnis einer akribischen Vorbereitung. „Ich wusste genau, was ich zu tun habe und habe seine Aufschläge gut gelesen", erklärte Duda. „Taktisch war das eine sehr gute Leistung, so kann es weitergehen.“ In Runde drei trifft der Bergneustädter auf den nigerianischen Power-Spieler Quadri Aruna – gegen den er die letzten Begegnungen jeweils für sich entschied.

Patrick Franziska ließ dem Polen Samuel Kulczycki beim 4:0 nicht den Hauch einer Chance. Der Saarbrücker zeigte sich nach dem Spiel selbstbewusst: „Gestern hatte ich ja eher ein schwieriges Einzel, dazu das Ausscheiden im Doppel und Mixed. Das waren keine perfekten Voraussetzungen. Aber ich habe mich heute in der Trainingshalle schon sehr gut gefühlt – und dann eines meiner besseren Spiele in diesem Jahr gezeigt.“ Im Achtelfinale trifft der Saudi-Smash-Finalist auf Falck oder den Südkoreaner Cho Daesong, den er bisher noch nicht bezwingen konnte: „In der Runde der besten 32 warten nur noch Granaten. Schauen wir mal, wer mein Gegner wird.“

Auch Ying Han überzeugte mit einem glatten 4:0 gegen Hana Arapovic aus Kroatien. Die Defensivstrategin, die nach zwei Achillessehnenrissen und einjähriger Wettkampfpause erst im Februar ihr Comeback gab, zeigte sich zufrieden: „Ich bin zufrieden mit meiner Leistung, vor allem mental. Ich bekomme langsam das Gefühl zurück, wie es vor meinen Verletzungen war.“ In der dritten Runde steht Han allerdings vor einer Mammutaufgabe: Gegnerin ist voraussichtlich Chinas Weltmeisterin von 2021, Wang Manyu. Han sieht es gelassen: „Ich habe nichts zu verlieren gegen Wang Manyu. Ich muss gut spielen, ich habe noch nie gewonnen, aber es war knapp, als wir das letzte Mal vor drei Jahren gespielt haben."

Enttäuschung bei Dang Qiu und Ricardo Walther im Einzel

Für zwei deutsche Athleten endete der Einzel-Wettbewerb am Freitag bereits in Runde zwei. Dang Qiu unterlag nach großem Kampf dem Engländer Tom Jarvis in sieben Sätzen. Dabei konnte der Europameister von 2022 einen 0:3-Rückstand noch ausgleichen, unterlag aber im Entscheidungssatz. „Am Ende war ich zu nervös und bin gar nicht in mein Spiel gekommen“, analysierte der enttäuschte Düsseldorfer.

Auch Ricardo Walther musste die Segel streichen. Gegen den Belgier Adrien Rassenfosse unterlag der 33-Jährige hauchdünn – im siebten Satz fehlten bei 9:10 nur Millimeter. „Es ist sehr ärgerlich“, sagte Walther. „Mein Ziel war, die dritte Runde zu erreichen. Das habe ich verfehlt. Grundsätzlich habe ich ganz gut gespielt. Nur was ich gestern in den knappen Situationen gut gemacht habe, da war ich heute unterlegen."

Die Ergebnisse der Deutschen am Montag

Herren-Doppel
Benedikt Duda/Dang Qiu - Manav Thakkar/Manush Shah IND 3:1 (5,9-8,5)

Damen-Doppel
Sabine Winter/Yuan Wan - Chen Xingtong/Qian Tianyi CHN 3:2 (-5,8,-9,6,9)
Annett Kaufmann/Xiaona Shan - Ayhika Mukherjee/Sutirtha Mukherjee IND 3:0 (1,11,7)

Herren-Einzel
Benedikt Duda - Noshad Alamiyan IRN 4:0 (7,6,6,3)
Patrick Franziska - Samuel Kulczycki POL 4:0 (6,10,8,7)
Dang Qiu - Tom Jarvis ENG 3:4 (-9,-9,-8,9,1,6,-8)
Ricardo Walther - Adrien Rassenfosse BEL 3:4 (-4,11,8,-9,-6,10,-9)

Damen-Einzel
Ying Han - Hana Arapovic CRO 4:0 (10,10,8,8)
Sabine Winter Hanitra Raharimanana MDG 4:0 (2,8,2,4)

Die Spiele der Deutschen am Dienstag - in chronologischer Folge
Annett Kaufmann - Chen Xingtong CHN 10:40 Uhr, Tisch 1
Yuan Wan - Miwa Harimoto JPN 12:10 Uhr, Tisch 2
Benedikt Duda - Quadri Aruna NIG 15 Uhr, Tisch 1
Benedikt Duda/Dang Qiu - Mattias Falck/Kristian Karlsson SWE 17:40 Uhr, Tisch 1
Annett Kaufmann/Xiaona Shan - Shin Yubin/Ryu Hanna KOR 18:20 Uhr, Tisch 3

Die Spiele der Deutschen am Mittwoch
Yuan Wan/Sabine Winter - Huang Yi-Hua/Tsai Yun-En TPE
Patrick Franziska - Mattias Falck SWE oder Cho Daeseong KOR
Ying Han - Wang Manyu CHN oder Laura Watanabe BRA
Sabine Winter - Satsuko Odo JPN oder Jieni Shao POR

Nach Konkurrenzen geordnet

Damen-Doppel, Achtelfinale
Annett Kaufmann/Xiaona Shan - Shin Yubin/Ryu Hanna KOR 18:20 Uhr, Tisch 3
Yuan Wan/Sabine Winter - Huang Yi-Hua/Tsai Yun-En TPE Mittwoch

Herren-Doppel, Achtelfinale
Benedikt Duda/Dang Qiu - Mattias Falck/Kristian Karlsson SWE 17:40 Uhr, Tisch 1

Herren-Einzel, 3. Runde (beste 32)
Benedikt Duda - Quadri Aruna NIG 15 Uhr, Tisch 1
Patrick Franziska - Mattias Falck SWE oder Cho Daeseong KOR Mittwoch

Damen-Einzel, 2. Runde (beste 64)
Annett Kaufmann - Chen Xingtong CHN 10:40 Uhr, Tisch 1
Yuan Wan - Miwa Harimoto JPN 12:10 Uhr, Tisch 2
3. Runde (beste 32)
Ying Han - Wang Manyu CHN oder Laura Watanabe BRA Mittwoch
Sabine Winter - Satsuko Odo JPN oder Jieni Shao POR Mittwoch

Das WM-Aufgebot des DTTB

Herren
Dang Qiu (Borussia Düsseldorf, WR: 11), Benedikt Duda (TTC Schwalbe Bergneustadt, WR: 13), Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken TT, WR: 14), Dimitrij Ovtcharov (TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell, WR: 20), Ricardo Walther (ASV Grünwettersbach, WR: 35)
Damen
Sabine Winter (TSV Dachau, WR: 45), Ying Han (KTS Tarnobrzeg/Polen, WR: 47), Xiaona Shan (ttc berlin eastside, WR: 50), Yuan Wan (TTC Weinheim, WR: 62). Annett Kaufmann (SV DJK Kolbermoor, WR: 111)
Herren-Doppel
Benedikt Duda/Dang Qiu, Patrick Franziska/Dimitrij Ovtcharov
Damen-Doppel
Annett Kaufmann/Xiaona Shan, Yuan Wan/Sabine Winter
Gemischtes Doppel
Annett Kaufmann/Patrick Franziska, Yuan Wan/Benedikt Duda
Sportliche Leitung
Richard Prause (DTTB Vorstand Sport)
Trainerteam
Jörg Roßkopf (Bundestrainer Herren), Lars Hielscher (Cheftrainer Düsseldorf), Tamara Boros (Bundestrainerin Damen), Zoltan Batorfi (Assistenz-Bundestrainer Damen), Sascha Nimtz (Experte für Videoanalysen, Wissenschaftskoordinator IAT Leipzig)
Medizinische Abteilung
Dr. Thomas Garn (Teamarzt), Dr. Christian Zepp (Sportpsychologischer Experte), Annette Zischka, Christian Bressau-Krabbe (Physiotherapeuten, OSP Hessen in Frankfurt/Main)
Organisationsleiter
Rainer Kruschel (Leiter Referat Leistungssport)
Schiedsrichter
Melanie Timke (Sielmingen)
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Manfred Schillings (DTTB)

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