Ma Long gut gelaunt bei der WM-Auslosung (Foto: ITTF)
Setzung: Störfaktor China greift für Deutschlands Topstars Boll, Ovtcharov und Franziska erst spät

WM: Gute Auslosung für Timo Boll

20.04.2019

Budapest. Die 55. Weltmeisterschaften in Budapest haben für die Asse des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) bereits einen Tag vor Beginn der Wettkämpfe gut begonnen. Zumindest erbrachte die Auslosung für die drei Top-20-Spieler Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und Patrick Franziska keine frühen Duelle mit Gegnern aus China. Der Weltranglistenfünfte Timo Boll träfe sogar frühestens im Halbfinale auf einen Kontrahenten aus dem Reich der Mitte. 

Die Athleten und die Trainer denken aufgrund der vielen Unwägbarkeiten im Turnierverlauf lieber von Match zu Match, dennoch: Die Auslosung, vor allem für die drei deutschen Topstars, ist angemessen anderer möglicher Konstellationen eine gute. Denn angesichts der Auslosung gepaart mit ihrer individuellen Klasse hat es das Trio durchaus selbst in der Hand, in Budapest in den Bereich vorzustoßen, in dem um die Medaillen gekämpft wird. DTTB-Sportdirektor Richard Prause will solche Konstellationen jedoch nicht überwertet wissen: "Es kann einfach zu viel passieren. In die Auslosung schauen wir natürlich rein, aber sie hat erst Aussagekraft, wenn auch die Qualifkanten feststehen. Und selbst dann gilt sie nur von Runde zu Runde. Insbesondere bei einer WM sind immer Ergebnisse möglich, die eine Setzung schnell auf den Kopf stellen. Das gilt für unsere Gegner ebenso wie für uns. Wir schauen deshalb nur von Match zu Match und von Runde zu Runde." 

Ding Ning und Ma Long wollen dritten Titel in Folge

Gespielt wird in Budapest am Sonntag und Montag in der Qualifikation, in die ebenfalls drei deutsche Spieler und zwei Doppel müssen. Die Hauptfelder in den beiden Doppelwettbewerben und im Mixed bestreiten die erste Hauptrunde mit 64 Duos schon am Montag, am Dienstag beginnt dann auch in den 128 Spieler starken Hauptfeldern der Damen und Herren der Kampf um den Titel, bei dem zwei Chinesen Geschichte schreiben können. Sowohl Ding Ning als auch Ma Long könnten nach Suzhou 2015 und Düsseldorf 2017 ihren dritten Einzeltitel in Serie gewinnen.

Während Ding als Weltranglistenerste topgesetzt ist und frühestens im Halbfinale einer Chinesin (Liu Shiwen) gegenüber stehen könnte, geht Ma Long als Nummer elf des Rankings in das Titelrennen. Auf dem Weg zu Goldmedaille Nummer drei könnte er zweimal auf Nationalmannschaftskollegen treffen: Im Viertelfinale auf den Weltranglistendritten Lin Gaoyun, im einem möglichen Halbfinale dann eventuell gegen den topgesetzten Weltranglistenersten Fan Zhendong oder Liang Jingkun. Im Einzel kommen mit einer Ausnahme aus Topfavoriten aus dem Reich der Mitte. Der Japaner Tomokazu Harimoto ist der einzige Nichtchinese, der unter den jeweils vier Topgesetzten auftaucht.

EINZEL-WETTBEWERBE: GUTE AUSLOSUNG FÜR DIE DTTB-STARS

Timo Boll: Hohe Hürden, aber beste Auslosung seit Bronze 2011
Wenngleich die zuzulosenden Qualifikanten noch nicht feststehen, die Auslosung für die WM 2019 ist keine, über die Timo Boll unglücklich sein darf. Im Gegensatz zu 2013, 2015 und 2017 kreuzt bis zum Halbfinale weder Ma Long, noch Fan Zhendong und auch kein anderer Chinese den Weg des Bronzemedaillengewinners von 2011. Tomokazu Harimoto, Japans 15 Jahre alte Hoffnung für die Olympischen Spiele in Tokio 2020, wäre diesmal laut Setzung die höchste Hürde auf dem Weg zum zweiten Edelmetall im Einzel. 

Wie weit der Weg bis dorthin ist, weiß allerdings keiner besser als der erfahrene deutsche Weltranglistenfünfte. Der 38-jährige Odenwälder sah sich vor der WM noch nicht in bester Verfassung: "Es läuft zurzeit nicht alles optimal. Aber es gab schon viele Turniere, wo das Gefühl schlecht war, und die dann gut liefen.". Gute Form wird der Rekordeuropameister, der sich bei großen Turnieren von Spiel zu Spiel zu steigern weiß, in Budapest in jedem Fall brauchen, denn auch die von der der zweiten Runde bis zum Achtelfinale möglichen Kontrahenten Lubomir Pistej (Slowakei), Chen Chien-An (Taiwan) und der Weltranglisten-Zehnte Jang Woojin (Südkorea) oder Jonathan Groth (Dänemark) sind alles andere als einfach zu bezwingen.

Dimitrij Ovtcharov: WM-Achtelfinalrevanche gegen Koki Niwa möglich
Zumindest theoretisch ist sie möglich, die Neuauflage des Achtelfinal-Duells der WM 2017 zwischen Dimitrij Ovtcharov und dem Japaner Koki Niwa, der sich damals hauchdünn den Sieg sicherte. Kommt es diesmal soweit, liefe der Gewinner auf den topgesetzten Weltranglistenersten Fan Zhendong zu. Der Weg bis dorthin ist aber für alle Beteiligten steinig. Ovtcharovs Hürden sind neben einem Qualifikanten voraussichtlich der Iraner Noshad Alamyan in Runde zwei sowie im dritten Durchgang der Inder Sharat Kamal Achanta oder der Kroate Tomislav Pucar. Ovtcharov: "Mal schauen: Es kann in beide Richtungen viel passieren."

Patrick Franziska: Erst gegen den EM-Zweiten, dann gegen den WM-Dritten?
Der monatelang unter den Top 16 geführte Saarbrücker steht vor einem wahrscheinlichen Zweitrundenduell mit Rumäniens EM-Zweiten Ovidiu Ionescu. Die Nummer 17 der Setzungsliste wurde an Position 104 gelost. Damit trifft Franziska im Durchgang der besten 32 "nur" auf einen der an Position 9-16 gesetzten Spieler, der aber kein Geringerer als Lee Sang Su ist. Der Südkoreaner stand bei der WM 2017 in Düsseldorf im Halbfinale. Franziska nimmt es ohnehin von "Runde zu Runde, egal wer da steht". 2015 in Suzhou stand Franziska bereits einmal Viertelfinale. Kommt es auch 2019 dazu, könnte der Gegner Xu Xin (China) heißen.

Petrissa Solja: Duell mit Ding Ning im Achtelfinale?
Die Europe-Top-16-Siegerin, an den Positonen 17-32 gesetzt, steht an Nummer 9 des 128-Feldes. Damit könnte im Achtelfinale die Ding Ning, Chinas Olympiasiegerin und Titelverteidigerin, die morgen an Position eins gesetzt werden wird, im Achtelfinale die Gegnerin Soljas werden. Zuvor warten jedoch u.a. als mögliche Gegnerinnen die Taiwanesin Cheng Hsien-Tzu und Südkoreas Abwehrass Suh Hyowon auf die Langstädterin.

Nina Mittelham: Mögliches Zweitrunden-Duell mit Cheng I-Ching
Die Deutsche Meisterin wurde an Position 36 gelost und könnte, einen Sieg über eine Qualifikantin in Runde eins vorausgesetzt, damit schon im zweiten Einzel auf die an den Position 5-8 gesetzte Weltranglisten-Achte Cheng I-Ching (Taiwan) treffen. Der Gewinnerin muss sich anschließend mit der Japanerin Myu Kato beschäftigen, um in das Achtelfinale einzuziehen.

Sabine Winter: Höchstmögliche Hürde aus China
Position fünf wurde für Sabine Winter ermittelt. Die zweimalige Doppel-Europameisterin läuft auf ein Zweitrunden-Duell mit Adriana Diaz (Puerto Rico) zu. Auf die Siegerin wartet voraussichtlich im Durchgang der besten 32 ein Vergleich mit der Nummer eins der Setzungsliste, Ding Ning, die höchstmögliche Hürde auf dem Weg zu einem theoretisch möglichen deutschen Achtelfinale zwischen Winter und Solja.

DOPPEL-WETTBEWERBE: ALLES OFFEN

Timo Boll/Patrick Franziska: Achtelfinal-Duell mit den Topgesetzten
Nach dem erfolgreichen Auftritt bei den Qatar Open, wo sie das Finale erreichten, wurde die German-Open-Sieger von 2013 und 2015 von 9-16 gesetzt. Das Los erbrachte im Feld die Position acht für die überhaupt erst einmal in drei Turnieren besiegten Deutschen, für die es im Achtelfinale zum erneuten Duell mit den WM-Zweiten von 2015 und 2017, den topgesetzten Japanern Masataka Morizono/Yuya Oshima, kommen könnte. Den bislang einzigen Vergleich gewannen Boll/Franziska in Katar knapp.

Kristin Lang/Nina Mittelham: Zunächst einmal das Achtelfinale im Visier
Die Europameisterinnen von Alicante wurde ebenfalls von 9-16 gesetzt und wie Boll/Franziska auf die Position acht gelost. Sie bekommen es in der zweiten Runde mit den Taiwanesinnen Chen Tsu-Yu/Cheng I-Ching zu tun. Erreicht Deutschlands Parade-Doppel das folgende Achtelfinale, warten dort wahrscheinlich die an Position eins gesetzten Japanerinnen Hina Hayata/Mima Ito.

Chantal Mantz/Sabine Winter: Von Spiel zu Spiel
Die slowakisch-tschechische Kombination Barbora Balazova/Hana Matelova könnten die Zweitrundengegnerinnen für das an Position 20 geloste DTTB-Duo werden. Der Gewinner dürfte im Achtelfinale wohl dem taiwanesischen Duo Cheng-Hsien Tzu/Liu Hsin-Ying gegenüberstehen.

Patrick Franziska/Petrissa Solja: Hohe Hürde auf dem Weg ins Viertelfinale
Position 40 nehmen Franziska/Solja in dem 64er-Feld ein. Die Setzung macht ein Achtelfinale gegen die Südkoreaner Jang Woojin/Choi Hyojoo möglich, bevor durchaus auch ein Medaillenmatch gegen Japans Weltklassedoppelspieler Masatako Morizono sowie seine im Einzel und Doppel hoch dekorierte Partnerin Mima Ito denkbar wäre. Zunächst einmal wird jedoch von Spiel zu Spiel gedacht, wie Petrissa Solja beim Medientag des DTTB betonte: "Wir träumen erst einmal nicht von einer Medaille."


Zu den Auslosungen/Setzungen


DIE DEUTSCHE DELEGATION IN BUDAPEST

Herren-Einzel: Timo Boll (Borussia Düsseldorf), Dimitrij Ovtcharov (Fakel Orenburg, Russland), Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken TT), Dang Qiu (ASV Grünwettersbach), Bastian Steger (SV Werder Bremen)
Herren-Doppel: Timo Boll/Patrick Franziska, Dang Qiu/Bastian Steger
Damen-Enzel: Petrissa Solja (TSV Langstadt 1909), Nina Mittelham (ttc berlin eastside), Sabine Winter, Kristin Lang (beide SV DJK Kolbermoor)
Damen-Doppel: Kristin Lang/Nina Mittelham, Chantal Mantz (TTG Bingen/Münster-Sarmsheim)/Sabine Winter
Gemischtes Doppel: Patrick Franziska/Petrissa Solja, Dang Qiu/Nina Mittelham

Trainerteam und sportliche Delegation: Richard Prause (Sportdirektor), Jie Schöpp (Bundestrainerin Damen), Wan Guohoui (Co-Trainer Damen), Jörg Roßkopf (Bundestrainer Herren), Lars Hielscher (Co-Trainer Herren), Sascha Nimtz (IAT Leipzig, Wissenschaftskoordinator), Rainer Kruschel (Delegationsleiter)

Medizinisches Team: Dr. Antonius Kass (Teamarzt), Christian Zepp (Team-Psychologe), Peter Heckert und Annette Zischka (Physiotherapeuten, OSP Hessen in Frankfurt am Main)

Schiedsrichterin: Kerstin Duchatz (Bochum)

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