Die deutsche Schiedsrichter-Delegation in Polen: Rainer Hoffmann, Uwe Weng, Ana Beja-Pütz, Ralf Simon, Günther Zahel (v.l., Foto: privat)
Reisebericht des "Internationalen Schiedsrichters" Uwe Weng aus Düsseldorf

Wo ist Wladyslawowo?

Uwe Weng / SH 16.07.2018

Wladyslawowo/Lohmar. Deutschlands Schiedsrichter sind regelmäßig im Training bei internationalen Turnieren im Ausland. Uwe Weng aus Düsseldorf, frischgebackener „Internationaler Schiedsrichter“, hat einen launigen Reisebericht zu den Polish Junior & Cadet Open in Wladyslawowo geschrieben, einem Premium-Turnier des ITTF Junior Circuit.

Fünf von uns wollten es genauer wissen

Wo ist Wladyslawowo? Diese Frage stellten wir uns Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, als der Name im Einsatzplan aufgetaucht ist. Fünf von uns wollten es genauer wissen und reisten zu den ITTF Polish Junior & Cadet Open 2018 auf der World Tour. Dabei waren wir bei Organisation und Finanzierung der Anreise auf uns allein gestellt. So kamen auch Bahn, Flugzeug und Auto zum Einsatz.

Der erste Schreck kam jedoch schon vor Beginn der Reise als für drei der fünf Ehrenamtlichen im blauen Jackett und khakifarbenen Hosen der Flug 14 Stunden vor Reisebeginn annulliert wurde. Dank analoger Technik in der digitalen Welt wurde schnell und unbürokratisch ein alternativer Flug von Düsseldorf mit Zwischenstopp in Kopenhagen organisiert. In Kopenhagen angekommen mussten wir feststellen, dass nicht nur die Deutsche Bahn nach Hörensagen immer wieder Schwierigkeiten mit der Klimaanlage hat, sondern auch renommierte Fluggesellschaften. Statt der kleinen Meerjungfrau konnten wir so die Startbahn transpirierend bewundern.

Wildschweingefahr nur auf dem Teller

Trotz des Vorfalls kam erste Vorfreude schon im Flieger auf, weil die belgische Delegation ebenfalls an Bord war. In Danzig gelandet wurden wir freundlich vom polnischen Verband in Empfang genommen. Die ersten polnischen Wörter waren schnell gelernt und ausgetauscht. Es ging dann mit dem Bus weiter. Eine Stunde später konnten wir das Meereswasser der Ostsee riechen. Wladyslawowo ist ein kleiner Ferienort an der Danziger Bucht. Zu dieser Jahreszeit ist es dort noch ziemlich ruhig und beschaulich. Die Hoteliers und Restaurantbesitzer waren noch dabei, ihre Einrichtungen für die Hauptsaison auf Vordermann zu bringen. Auch das örtliche 8D-Kino sah noch ziemlich verschlafen aus. Petrus dagegen war schon hellwach: fünf Tage strahlender Sonnerschein bei angenehmen 20 bis 23 Grad. Genauso traumhaft war der Ostseestrand. Er lud zur Erholung neben den Einsätzen am Tisch ein, zumal das „Olympic Center Cetniewo“ als Veranstaltungsort und Hotel einen eigenen Zugang hatte.

Aber Vorsicht: Schilder warnten vor Wildschweingefahr. Die einzigen Wildschweine, die wir zu Gesicht bekamen, waren zu Aufschnitt verarbeitet worden. Da sind wir auch schon beim Essen. Es war typisch Polnisch. So soll es sein, wenn man schon einen Einsatz im Ausland macht. Schnell waren dann auch die berühmten Salzgurken entdeckt. Nach dem ersten Biss war klar, ob man sie mag oder nicht. Keinen Zweifel gab es an den künstlerisch geschwungenen Softeistürmen. Bei der Unterkunft gab es nichts zu meckern: funktionell und sauber.

Deutsche Unparteiische: Premium-Prädikat

Vielleicht lag es daran, dass diese Veranstaltung in die Kategorie „Premium Event“ fällt. Dem Aufruf sind nämlich 303 Spielerinnen und Spieler aus 37 Nationen gefolgt. Vor allem Asien war stark vertreten. International ging es auch auf Schiedsrichterseite zu. Insgesamt zwanzig Unparteiische aus zehn Ländern sind der Einladung gefolgt. Deutsche Unparteiische genießen im Ausland übrigens das Prädikat „Premium“, so dass wir häufig in den Genuss kamen, einen VIP-Platz bei den Finalspielen zu erhalten. Farbenfroh durchgegriffen werden musste zum Glück nur selten.

Der Einsatzplan gab es leider nicht für jeden Schiedsrichter her, einen Kurztrip mit dem Zug nach Danzig zu machen. Wer die Gelegenheit jedoch hatte, ergriff sie und ließ sich von der pittoresken Altstadt und den zahlreichen Bernsteinläden inspirieren. Nebenbei: Der Unterschied zwischen „Plattform“ und „Gleis“ auf einem Bahnsteig blieb uns bis zum Schluss ein Rätsel, was beim Lesen von Fahrplänen zu Falten auf der Stirn führte.

Rückflug: Natürlich mit Verspätung und ohne Klimaanlage

Die fünf Tage in Polen waren ehrenamtlicher Einsatz für den Tischtennissport bei heißumkämpften Ballwechseln nahe dem Ostseestrand von Wladyslawowo. Am vorletzten Tag hat der polnische Fußballverband unerwartet für die Einstimmung auf das nächste Großereignis gesorgt. Die Nationalmannschaft trug auf dem Sportgelände ein Freundschaftsspiel mit Selfie-Garantie aus.

Unser Aufenthalt wurde fast schon erwartet unerwartet um ein paar Stunden verlängert, weil das Flugzeug aufgrund eines Unwetters über Frankfurt verspätet aus Danzig wegflog. So erlebten wir zu guter Letzt ein Blitzkonzert über Mainhattan, und auch die Rückreise endete wie schon die Anreise mit einer ausgefallenen Klimaanlage, dieses Mal im ICE nach Düsseldorf. Die Schiedsrichter, die direkt mit der Bahn oder mit dem Auto unterwegs waren, waren pünktlich zurück.

Alle Ergebnisse des Turniers auf der ITTF-Website

Qualifizierung: Zu Aus- und Fortbildung von Schiedsrichtern auf der DTTB-Website

 

 

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