Silber für Timo Boll, Gold und Bronze für China (Foto: Schillings)
Vierter Platz für verbesserten Dimitrij Ovtcharov / Bundestrainer Roßkopf zufrieden / Sportschau-Beitrag

World Cup: Glänzende Silbermedaille für Timo Boll

MS 21.10.2018

Paris. Mit Silber für Timo Boll und einem starken vierten Rang für Dimitrij Ovtcharov endete am Nachmittag der mit 250.000 Dollar dotierte Men's World Cup in Paris, Gold und Bronze gingen an China. Europameister Boll, der sich im Halbfinale gegen Titelverteidiger Ovtcharov in einer Neuauflage des deutschen Vorjahresendspieles mit 4:2 durchgesetzt hatte, unterlag im Finale 2018 dem Weltranglistenersten Fan Zhendong in fünf Sätzen, der damit nach Saarbrücken 2016 zum zweiten Mal beim Weltpokal triumphierte. Im Spiel um Platz drei behauptete sich der Weltranglistenfünfte Lin Gaoyuan ebenfalls mit 4:1 gegen Ovtcharov.

Timo Boll wartet weiter auf ersten Sieg über Fan Zhendong

Zwar hatten Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov in den beiden Duellen mit den Superstars aus dem Reich der Mitte die mit 4.000 Besuchern ausverkaufte Disney Event Arena auf ihrer Seite, die Erfolge der Spieler aus dem Reich der Mitte vermochte jedoch auch die lautstarke Unterstützung der französischen Zuschauer nicht verhindern. Timo Boll, Gewinner des Weltpokals 2002 in Jinan und und 2005 in Lüttich, unterlag in seinem insgesamt sechsten Weltpokalfinale vor den Augen von Thomas Tuchel, des deutschen Trainers von Paris Saint-Germain, dem WM-Zweiten Fan Zhendong mit 9:11, 5:11, 6:11, 11:9 und 8:11. Der Rekordeuropameister, der damit weiterhin auf seinen ersten Erfolg über Fan Zhendong warten muss, kann sich mit einem 40.000-Dollar-Scheck über seine Finalniederlage hinweg trösten, während der Sieger 20.000 Dollar mehr kassierte.

Timo Boll zog sportlich zurecht eine überaus positive Turnierbilanz, nachdem er vor seinem heutigen Halbfinalerfolg über Dimitrij Ovtcharov gestern souverän gegen Frankreichs Lokalmatador Emmanuel Lebesson und anschließend auch gegen Japans Weltranglisten-Achten Tomokazu Harimoto mit jeweils 4:1 behauptet hatte: "Mit 37 Jahren kann man nicht unbedingt erwarten, in ein World-Cup-Finale einzuziehen. Ich habe in Paris gut gespielt." Die klare Niederlage kann Boll einordnen: "Fan Zhendong ist der überragende Spieler der Welt derzeit. Ich musste mich erst einmal im Finale an die Geschwindigkeit seiner Bälle gewöhnen und war auch bei einigen meiner Bälle überrascht, dass die noch zurückkamen. Deshalb ist es sehr wichtig, immer wieder gegen die Chinesen zu spielen, weil sie doch eine ganz andere Qualität haben, die man nicht im Training üben kann." Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf ergänzte. "Timo hat etwas Zeit gebraucht, ist dann aber besser ins Spiel gekommen. Schade aber, dass er nicht auch den fünften Satz gewonnen hatte, dann hätte ich das Match gerne gesehen. Fan Zhendong fing an, ein wenig nervös zu werden."

Dimitrij Ovtcharov: "Ich weiß, woran ich zu arbeiten habe"

Zuvor hatte der Weltranglistenvierte Dimitrj Ovtcharov das kleine Finale um Platz drei gegen seinen Weltranglistennachbarn Lin Gaoyuan mit 7:11, 9:11, 11:9, 4:11 und 3:11 verloren. Der im Frühjahr und Sommer mehrere Monate verletzungsbedingt pausierende Vorjahressieger hatte gestern im Achtel- und Viertelfinale jedoch Weltklassevorstellungen bei seinen Siebensatzerfolgen über den Schweden Mattias Falck und Südkoreas Weltranglistensiebten Lee Sangsu geboten und auch Timo Boll im Halbfinale beim 2:4 heftige Gegenwehr geleistet. Ovtcharov war mit seiner World-Cup-Vorstellung insgesamt zufrieden: "Die Tendenz zeigt weiter nach oben. Ich habe hier teilweise sehr gut gespielt und war im Halbfinale dicht dran, sogar in das Endspiel einzuziehen. Es war hier in Paris viel besser als bei den letzten Turnieren. Es gibt jetzt noch ein, zwei Dinge, die mir hier aufgefallen sind, an denen ich gezielt arbeiteten werde. Das ist der Unterschied zur Situation von vor einigen Wochen. Da gab es nach Turnieren noch so viele Baustellen, dass ich gar nicht wusste, wo ich ansetzen sollte. Das Match um den vierten Platz ist mir sehr schwer gefallen, nachdem ich zuvor so knapp im Halbfinale verloren habe."

Jörg Roßkopf: "Ein sehr starkes Ergebnis"

Bundestrainer Jörg Roßkopf, der zusammen mit Sportdirektor Richard Prause und Physiotherapeut Peter Heckert das DTTB-Aufgebot in Paris komplettierte, zog angesichts des glänzenden Abschneidens seiner Schützlinge eine sehr positive Bilanz: "Ich möchte Timo und Dima für ihre guten Leistungen bei diesem Turnier gratulieren. Beide haben ein starkes Turnier gezeigt. Der World Cup hat ein hohes Prestige bei den Spielern und ist nach Olympia und WM das bedeutendste Turnier im Tischtennis. Deshalb ist es ein sehr starkes Ergebnis, hier mit zwei Spielern im Halbfinale vertreten gewesen zu sein. Der World Cup hat zudem das Ergebnis der Team-WM 2018 bestätigt und gezeigt, dass aktuell China und Deutschland die besten Nationen im Tischtennis sind."

Roßkopf freute sich vor allem auch darüber, dass in Paris bei Dimitrij Ovtcharov nach längerer Durststrecke endlich der Knoten geplatzt zu sein scheint: "Timo ist ein außergewöhnlicher Spieler. Er hat wieder einmal bestätigt, dass er sich bei Turnieren von Spiel zu Spiel steigern kann. Bei Dima war nur eine Frage der Zeit, wann der Knoten endlich platzt. Wäre es nicht jetzt gewesen, dann vielleicht bei den Austria Open oder den Swedish Open. Seine Kurve geht nach oben und ich bin mir sicher, er ist bald wieder ganz der Alte." Auch Sportdirektor Richard Prause sah positive Ansätze bei Dimitrij Ovtcharov. "Dima hat hier besser gespielt. Für mich war sehr erfreulich, dass er wieder mehr Präsenz gezeigt hat am Tisch. Das ist vor allem im Match gegen Lee Sangsu in den wichtigen Phasen sehr deutlich geworden." Prause sah einen sehenwerten World Cup: "Die Kombination, in einer Weltmetrople wie Paris Sport in den Disneypark als Event zu integrieren, war ein voller Erfolg. Die Zuschauer haben hier zudem für eine fantastische Atmosphäre gesorgt. Das Niveau bei diesem Prestigeturnier war sehr gut. Ich würde mir aber wünschen, dass in der Zukunt für die Qualifikation wieder ein gesteigerter Wert auf die Weltranglistenpositionen und weniger auf die kontinentalen Qualifikationsturniere gelegt wird."

World-Cup-Medaille Nummer 14 für Deutschland

Mit Silber für Boll verbuchte Deutschland seinen insgesamt 14. Medaillengewinn beim dem seit 1980 ausgetragenen Men's World Cup. Achtmal Edelmetall sammelte Timo Boll mit zweimal Gold (2005 und 2002), viermal Silber (2018, 2017, 2012, 2008) und zweimal Bronze (2010, 2014). Dreimal stand Dimitrij Ovtcharov, dem 2018 nur der undankbare vierte Rang blieb, auf dem Siegerpodest (Gold 2017, Bronze 2015 und 2013). Der heutige Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf gewann 1998 in Shantou als erster Deutscher den Titel und holte zudem je einmal Silber (1995) und Bronze (2001). In der ewigen Bestenliste der World-Cup-Sieger bekleidet Boll mit zwei Siegen zusammen mit seinem heutigen Finalgegner Fan Zhendong und dem ebenfalls zweimal erfolgreichen Weltmeister Ma Long Rang drei hinter dem viermaligen Gewinner Ma Lin (China) sowie Wang Hao (China) und Vladimir Samsonov (Weißrussland), die je dreimal erfolgreich waren.


DIE ERGEBNISSE DES FINALTAGES
Finale
Timo Boll GER - Fan Zhendong CHN 1:4 (-9,-5,-6,9,-8)
Spiel um Platz 3
Dimitrij Ovtcharov GER - Lin Gaoyuan CHN 1:4 (-7,-9,9,-4,-3)
Halbfinale
Timo Boll GER - Dimitrij Ovtcharov GER 4:2 (-12,7,13,-9,11,5)
Fan Zhendong CHN - Lin Gaoyuan CHN 4:1 (-10,10,13,7,6)

Video: Zum Beitrag über das Finale in der ARD-Sportschau am Sonntag

Alle Ergebnisse

DIE ERGEBNISSE DES SAMSTAGS
VIERTELFINALE
Fan Zhendong CHN - Vladimir Samsonov BLR 4:0 (3,6,10,6)
Lin Gaoyuan CHN - Koki Niwa JPN 4:1 (10,-5,12,9,5)
Dimitrij Ovtcharov GER - Lee Sangsu KOR 4:3 (7,5,-11,-9,-5,5,5)
Timo Boll - Tomokazu Harimoto JPN 4:1 (-9,3,11,5,9)


ACHTELFINALE
Fan Zhendong CHN - Gustavo Tsuboi BRA 4:0 (7,9,6,8)
Vladimir Samsonov BLR - Wong Chun Ting HKG 4:1 (6,10,9,-7,7)
Koki Niwa JPN - Jonathan Groth DEN 4:1 (8,5,-4,10,5)
Lin Gaoyuan CHN - Kanak Jha USA 4:1 (8,-6,7,6,3)
Dimitrij Ovtcharov GER - Mattias Falck SWE 4:3 (5,-4,-7,11,3,-5,10)
Lee Sang Su KOR - Simon Gauzy FRA 4:3 (6,-4,-6,7,-6,8,8)
Tomokazu Harimoto JPN - Jeong Sangeun KOR 4.0 (6,6,7,7)
Timo Boll GER - Emmanuel Lebesson FRA 4:1 (8,-8,8,5,7)


DIE GRUPPENENDSTÄNDE DER VORRUNDE AM FREITAG

Gruppe A: 1. Vladimir Samsonov BLR 2:0, 2. Emmanuel Lebesson FRA 1:1, 3. Hugo Calderano BRA 0:2
Gruppe B: 1. Simon Gauzy FRA 2:0, 2. Kanak Jha USA, 3. Quadri Aruna NIG 0:2 
Gruppe C: 1. Jeong Sangeun KOR 2:0, 2. Gustavo Tsuboi BRA 1:1, 3. Panagiotis Gionis GRE 0:2
Gruppe D: 1. Jonathan Groth DEN 2:0, 2. Mattias Falck SWE 1:1, 3. Hu Heming AUS 0:2
DIE MEDAILLENGEWINNE DER DEUTSCHEN

Timo Boll

Gold (2002, 2005)
Silber (2008, 2012, 2017, 2018)
Bronze (2010, 2014) 

Jörg Roßkopf 

Gold (1998)
Silber (1995)
Bronze (2001)

Dimitrij Ovtcharov
Gold (2017)
Bronze (2013, 2015)
 

DIE TEILNEHMER / DIE SETZUNGSLISTE

Setzungspositionen 1-4
1 (Weltranglistenposition 1) Fan Zhendong CHN
3 (WR 3) Timo Boll GER
3 (WR 4) Dimitrij Ovtcharov GER 
4 (WR 5) Lin Gaoyuan CHN 
5-8
5 (WR 7) Lee Sangsu KOR
6 (WR 8) Tomokazu Harimoto JPN
7 (WR 9) Won Chung Ting HKG
8 (WR 10) Koki Niwa JPN
9-12
9 (WR 11) Hugo Calderano BRA 
10 (WR 16) Simon Gauzy FRA
11 (WR 17) Jeong Sangeun KOR
12 (WR 18) Jonathan Groth DEN
13-16
13 (WR 19) Matthias Falk SWE
14 (WR 21) Quadri Aruna NGR 
15 (WR 30) Vladimir Samsonov BLR
16 (WR 48) Gustavo Tsuboi BRA
17-20
17 (WR 50) Emmanuel Lebesson FRA
18 (WR 67) Kanak Jha USA
19 (WR 70) Panagiotis Gionis GRE
20 (WR 170) Hu Heming AUS
 

DAS PREISGELD

Gesamt: 250.000 US-Dollar
Gewinner: 60.000,00
2. Platz: 40.000,00
3. Platz: 20.000,00
4. Platz: 14.000,00
5.-8. Platz: 10.000,00
9.-16. Platz: 7.000,00
17.-20.: Platz: 5.000,00

DAS SPIELSYSTEM 
Der World Cup wird in zwei Stufen ausgetragen. Stufe 1 am Freitag, Stufe 2 am Samstag und Sonntag.
- Stufe 1: Vorrunde in Gruppen mit 12 Spielern (die von Position neun bis 20 Gesetzten): Vier Gruppen à drei Spielern. Die Erst- und Zweitplatzierten jeder Gruppe qualifizieren sich für Stufe 2.
- Stufe 2, Hauptrunden im K.-o.-System mit 16 Spielern: Die Hauptrunde beginnt mit dem Achtelfinale. Dabei werden die acht Qualifikanten aus Stufe 1 den acht topgesetzten Spielern zugelost. 
Alle Partien werden auf vier Gewinnsätze gespielt (Modus: „Best of seven“).

DIE TEILNAHMEKRITERIEN

Jeweils 20 Spieler nehmen an den Weltpokalturnieren der Damen und Herren teil.

Teilnahmeberechtigt sind:
- Weltmeister
- Sieger der kontinentalen Qualifikationsturniere (z.B.in Europa: Europe Top 16 Cup)
- Zweit- und Drittplatzierte der kontinentalen Qualifikationsturniere in Asien und Europa
- über ihre Weltranglistenposition in Kombination mit dem Abschneiden beim kontinentalen Qualifikationsturnier Qualifizierte
- 1 wild card der ITTF
- 1 Vertreter der Gastgebernation
(Einschränkung: Es dürfen maximal 2 Spieler einer Nation an den Start gehen)

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