Helsingborg/Frankfurt. Es ist Mittag in der Helsingborg Arena, 45 Minuten vor dem ersten Finalmatch. Aus den Hallenboxen wummert Musik, die Volunteers Angelhys und Francia animieren Spielerinnen, Spieler und die bereits eingetroffenen Zuschauer zu einem gemeinschaftlichen Warm-up. Kurz darauf wechselt der Rhythmus: Griechenlands Trainer ruft zum Sirtaki, jenem weltbekannten Tanz von Mikis Theodorakis aus dem Film Alexis Sorbas. Arm in Arm, mit immer schneller werdenden Schritten, vergessen rund 40 Mittanzende für einen Moment die Welt um sich herum.
Was wie ein fröhliches Fitnessprogramm wirkt, ist Teil eines größeren Ganzen: Die zweimal täglich angebotenen Warm-ups gehören zu den festen Elementen des World Table Tennis for Health Festival – einem Format des Weltverbands ITTF, das Sport, aktive Gesundheitsförderung sowie die sozialen und wissenschaftlichen Komponenten eng miteinander verknüpft.
195 Parkinson- und 12 Alzheimer-Betroffene bei der WM am Start
Die Parkinson-Weltmeisterschaft verzeichnete in diesem Jahr 195 Teilnehmende in drei Leistungskategorien, eingeteilt nach Angaben zu bisherigen Tischtenniserfahrungen, Spielstärke und Medikation. Die ITTF Foundation verfolgt das Ziel, möglichst faire und vergleichbare Bedingungen für alle zu gewährleisten – ein Grundsatz, der seit der ersten Auflage 2019 das Turnier prägt.
Ergänzt wird die Veranstaltung seit 2023 durch die Alzheimer-WM, an der diesmal zwölf Betroffene teilnahmen. Für Leandro Olvech, Direktor der ITTF Foundation, steht weniger die Teilnehmerzahl im Vordergrund, sondern die Botschaft: Tischtennis könne präventiv wirken oder Erkrankungsverläufe positiv beeinflussen. Jede öffentliche Aufmerksamkeit helfe, mehr Betroffene zu erreichen und ihnen neue Optionen für Lebensqualität aufzuzeigen.
Ein Festival mit drei Säulen: Sport, Aufklärung, Wissenschaft
Um die Initiativen rund um Tischtennis und Gesundheit sichtbarer zu machen, bündelt das World Table Tennis for Health Festival drei zentrale Bausteine: Die Parkinson-Weltmeisterschaft, die Alzheimer-Weltmeisterschaft sowie den integriereten Table Tennis for Health Congress (WTT4HC).
Der Kongress fand in Helsingborg bereits zum dritten Mal statt und brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Projekten und Verbänden zusammen. Ziel ist der Austausch von Erkenntnissen und die Weiterentwicklung gesundheitsorientierter Tischtennisangebote. Für Tischtennis als Gesundheitssport warb vor Ort auch Table-Tennis-for-Health-Ambassador Zoran Primorac. Der siebenfache Olympia-Teilnehmer, Präsident des kroatischen Verbandes und ETTU-Vizepräsident, setzt sich seit vielen Jahren für Parkinson-Betroffene ein.
WTT4Health Congress: Forschung trifft Praxis
Der Kongress startete mit einem Überblick über den aktuellen wissenschaftlichen Stand zu körperlichen und kognitiven Effekten des Tischtennissports. Am Beispiel schwedischer Initiativen wurde vorgestellt, wie Tischtennis Rehabilitation fördern, soziale Teilhabe stärken und Gemeinschaften verbinden kann.
Der zweite Kongresstag gehörte internationalen Best-Practice-Beispielen. Präsentiert wurde unter anderem die neue DTTB-C-Trainer-Fortbildung „Tischtennis gegen Parkinson“, deren Inhalte Ernährung, Pflege, Mobilität und zielgruppengerechte Trainingsmethodik umfassen.
Große Aufmerksamkeit erhielten die praxisnahen Berichte – etwa die Geschichte der früheren Team-Turn-Europameisterin Stine Langenius, die im Alter von 24 Jahren nach einem Schlaganfall zunächst durch Tischtennis in der Reha und später eigens auf sie abgestimmte Übungen ihre Feinmotorik zurückerlangte.
Ebenso eindrucksvoll waren die Erfahrungsberichte dreier französischer WM-Teilnehmer, deren persönliche Fortschritte in einer dokumentarischen Reportage vorgestellt wurden.
Als deutscher Experte erläuterte Gabriel Eckhardt die Schwerpunkte des DTTB im Gesundheitssport und die Bedeutung einer speziell auf Parkinson-Betroffene zugeschnittenen Trainerausbildung.
PingPongParkinson unterstützt Vereine / Spezielle Trainerausbildung
In Deutschland leben Schätzungen zufolge über 400.000 Menschen mit Parkinson. Der Verein PingPongParkinson unterstützt Sportvereine beim Aufbau neuer gruppenspezifischer Angebote. Der DTTB bietet die neue C-Trainer-Fortbildung „Tischtennis gegen Parkinson“ über die Landesverbände an. Für Landesverbände besteht zudem die Möglichkeit, diese Qualifikation gezielt für Übungsleitende bestehender Parkinson-Gruppen auszuschreiben. Trainerinnen und Trainer können über die DTTB-Website Informationen, Materialien und Hinweise zur neuen Fortbildung abrufen.
19 deutsche Erfolge bei der Parkinson-WM
Auch sportlich gab es Anlass zur Freude: Bei den Weltmeisterschaften der ITTF sammelten deutsche Spielerinnen und Spieler beeindruckende 19 Medaillen im Einzel, Doppel und Mixed – sechs Mal Gold, sechs Mal Silber und sieben Mal Bronze, darunter als Titelträgern in den Einzelkonkurrenzen Beate Höfelmeyer (Einzel, Klasse 3) und Frank Hahn (Einzel, Klasse 2).
Nützliche Links
Gesundheitssport beim DTTB – Kontakt:
Gabriel Eckhardt
eckhardt.dttb@tischtennis.de
069 69501938