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Siegertyp: Dimitrij Ovtcharov (Foto: WTT)
Viertelfinale: Ovtcharov wehrt sechs Matchbälle gegen Källberg ab, Filus lässt Lin Yun-Ju keine Chance

WTT Star Contender: Deutsches Finale Ovtcharov gegen Filus zum Greifen nah

MS 11.03.2021

Doha. Dimitrij Ovtcharov und Ruwen Filus sind beim mit 400.000 Dollar dotierten WTT Star Contender in Doha nur noch einen Sieg von einem deutschen Finale entfernt. Während Ovtcharov bei seinem 3:2-Krimi gegen den starken Schweden Anton Källberg allerdings sechs Matchbälle abwenden musste, setzte Abwehrass Filus gegen Taiwans Weltranglistensechsten Lin Yun-Ju ohne Satzverlust die Reihe seiner Favoritenstürze fort. Im Halbfinale kommt es für Contender-Gewinner Ovtcharov wie in der Vorwoche zum Duell mit dem topgesetzten Japaner Tomokazu Harimoto, Filus trifft auf den Slowenen Darko Jorgic. Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf: "Ein deutsches Finale wäre natürlich ein Traum, aber soweit ist es noch lange nicht."

Mental starker Ovtcharov wehrt sechs Matchbälle ab

Erst ein Jubelschrei, dann hochgerissene Arme, zum Schluss befreites Lachen. Mit dem besten Ballwechsel des Spiels sicherte sich Dimitrij Ovtcharov in einem regelrechten Viertelfinalkrimi nach fast permanentem Rückstand und nach Abwehr von insgesamt sechs Matchbällen gegen den für Borussia Düsseldorf spielenden Anton Källberg in einem nervenstarken Endspurt mit 8:11, 10:12, 15:13, 12:10 und 11:9 den Einzug in das Halbfinale des mit 400.000 Dollar dotierten WTT Star Contender in Doha. Dort kommt es nun am Freitag um 13.20 Uhr wie beim Contender-Turnier zum Duell mit dem Weltranglistenfünften Tomokazu Harimoto. Ovtcharov tauchte in dem Fünfsatzdrama gegen Källberg nicht nur sich selbst, sondern auch Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf in ein Wechselbad der Gefühle: "Was für ein Spiel von Dima. Einfach Wahnsinn wie er es geschafft hat, da noch zurückzukommen. Wir hatten zwar mit einem sehr starken Anton Källberg gerechnet, denn er ist in einer sehr guten Form und wir kennen ihn ja seit Jahren aus der Trainingsgruppe in Düsseldorf. Dass es so eng wird, hätten wir allerdings nicht gedacht. Das Spiel noch herumgebogen zu haben gibt Dima sicherlich noch einmal zusätzliches Selbstvertrauen."

Allerdings: So nah wie diesmal stand der Weltranglistenzehnte bei keinem seiner bisherigen acht Siege in Folge am Rande einer Niederlage. Källberg bewies fünf Sätze lang seine bestechende Form, agierte über weite Strecken noch druckvoller als sein Gegner und schien auf dem besten Weg, nach Erfolgen über die südkoreanischen WM-Dritten Lee Sangsu (2017) und An Jaehyun (2019) seine beeindruckende Siegesserie fortzusetzen. 2:0 nach Sätzen führte der Schwede und erspielte sich im dritten Durchgang vier Matchbälle in Folge, einen Satz später zwei weitere. Doch beide Male wendete Ovtcharov mit unbändigem Siegeswillen und mentaler Stärke die drohende Niederlage jeweils mit seinem ersten Satzball ab. In Durchgang fünf schien ein vor Selbstvertrauen strotzender Källberg endgültig nicht mehr zu halten und hatte bei einer 7:2- und 8:4-Führung ein drittes Mal den Sieg dicht vor Augen. Doch wie schnell ein Vorsprung gegen Dimitrij Ovtcharov dahinschmelzen kann, hatte im Halbfinale der Vorwoche schon Harimoto bei einer 2:0-Satzführung schmerzlich erfahren, heute war Källberg an der Reihe: Bei 9:9 hatte der Europameister von 2013 und 2015 den Skandinavier eingeholt, bei 10:9 verwandelte er kurz darauf den besten Schlagabtausch des gesamten Spiels zum umjubelten Einzug in das Halbfinale.

Ovtcharov schüttelte nach dem Match ungläubig den Kopf: "Das war eines der verrücktesten Spiele, das ich je gemacht habe. Anton war sehr stark und hätte den Sieg mehr als verdient gehabt. Er war dreimal drauf und dran, das Match zuzumachen. Doch genau in diesen Phasen habe ich jeweils mein bestes Tischtennis gespielt. Ich bin immer drangeblieben und habe das Spiel irgendwie gedreht. Ich bin selbst noch ganz perplex und super happy. Jetzt habe ich etwas Zeit, für das Halbfinale zu relaxen, nachdem ich an den Abenden zuvor immer noch im Doppel an den Tisch musste."

Ruwen Filus: "Im Halbfinale geht es mit Vollgas nach vorn"

Die Liste der prominenten Opfer von Ruwen Filus wird länger und länger. Der vor Doha von einer Niederlagenserie gebeutelte Weltranglisten-42. fügte seinem Befreiungsschlag am Dienstag gegen den Weltranglistenzwölften Jang Woojin (Südkorea) und dem anschließenden 3:0 über Japans Olympiadritten Jun Mizutani heute einen weiteren deutlichen Triumph hinzu, diesmal über keinen geringeren als Taiwans 19 Jahre alten Superstar Lin Yun-Ju, der am Sonntag noch das Finale des Contender-Turniers gegen Dimitrij Ovtcharov bestritten hatte. In seinem ersten Duell mit dem erneut mit seiner gefährlichen Mischung aus Defensive und Offensive überzeugenden Filus steigerte sich der Weltranglistensechste zwar nach klar mit 3:11 verlorenem ersten Durchgang, fand gegen den in brillanter Form spielenden Fuldaer aber auch in den beiden Folgesätzen (11:13, 9:11) trotz zwischenzweitlicher Führungen nie ein dauerhaft wirksames Mittel.

Filus war anschließend selbst überrascht, vor allem über die Höhe seines Erfolgs: "Wir hatten noch nie gegeneinander gespielt und ich hatte mir auch deshalb eine Chance ausgerechnet. Aber so deutlich zu gewinnen hätte ich nie gedacht. Dabei war ich zu Beginn durchaus etwas nervös, denn auf dem Centre Court zu stehen ist doch noch einmal etwas anderes. Ich bin sehr froh, das Halbfinale erreicht zu haben." Am Freitag um 14 Uhr spielt der dreifache Mannschafts-Europameister nun gegen den in Diensten des 1. FC Saarbrücken stehenden Slowenen Darko Jorgic, der sich heute in fünf Sätzen gegen den Schweden Kristian Karlsson behauptete. Ruwen Filus geht voller Selbstvertrauen in das Duell, weiß aber: "Gegen Europäer, die mein Spielsystem gut kennen, ist es für mich etwas schwieriger. Das letzte Mal habe ich gegen Jorgic zwar verloren, aber in meiner jetzigen Form brauche ich mich nicht zu verstecken. Morgen geht es wieder mit Vollgas nach vorne."

Schwere Zeiten für Favoriten in Doha

Schaut man auf das Turniertableau, so findet man bei Damen und Herren jeweils nur die beiden Topgesetzten - Mima Ito und Tomokazu Harimoto (beide Japan) - im Halbfinale wieder. Liegt es an der langen Turnierpause? Am unbarmherzigen, Schwächephasen nicht verzeihenden System  'best of five'? An den individuell auf Olympia abgestimmten Vorbereitungen der Topathleten? Oder ist es einfach reiner Zufall? Was auch immer die Erklärung ist, eines steht fest: Beim WTT Star Contender in Doha verabschiedeten sich auffällig früh prominente Namen. Mal mehr, mal weniger überraschend, immer aber jedoch deutlich den Setzungspositionen widersprechend. Als Einzelfälle kaum der Rede wert, in der Häufung jedoch ein interessanter Aspekt. Im Folgenden einige Beispiele, ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit.

Der Weltranglisten-42. Ruwen Filus mischte das Feld mit seinen Erfolgen über den Weltranglistensechsen Lin Yun Ju (Taiwan), den Weltranglistenzwölften Jang Woojin (Südkorea) und Japans Olympiadritten Jun Mizutani auf. Der Inder Sharat Kamal Achanto betrübte die deutschen Fans mit einem Sieg über den Weltranglisten-16. Patrick Franziska. Im Achtelfinale erwische es den WM-Dritten An Jaehyun (Südkorea), der ebenso wie eine Runde zuvor sein Landsmann Lee Sangsu gegen Anton Källberg (Schweden) unterlag. An wiederum hatte schon in der Runde der besten 32 für das Aus des an Position vier gesetzten Weltranglisten Mattias Falck gesorgt. Der vor dem Schweden gesetzte Brasilianer Hugo Calderano unterlag Sloweniens brandgefährlichem Darko Jorgic, der nun im Halbfinale steht. Der Brasilianer Gustavo Tsuboi düpierte Japans Weltranglisten-17. Koki Niwa ebenfalls in Runde zwei. Schwedens Linkshänder Kristian Karlsson nutzte seine Chancen gegen Liam Pitchford (England) und den Franzosen Simon Gauzy.

Auch bei den Damen setzten sich nicht immer die Favoriten durch. Ex-Europameisterin Elizabeta Samara (Rumänien) zog mit einem Erfolg über die an Position zwei gesetzte Weltranglistenneunte Kasumi Ishikawa in die Runde der besten Acht und anschließnd auch ins Halbfinale ein. Deutschlands Weltranglisten-22. Han Ying muss der Russin Yana Noskova gratulieren. Die 16-jährige Japanerin Satsuki Odo ließ in den Runden eins und zwei die Berlinerin Shan Xiaona und Lily Zhang (USA) alt aussehen. Die Rumänin Bernadette Szocs musste der aufstrebenden Brasilianerin Bruna Takahashi den Vortritt in das Achtelfinale lassen. Die an den Positionen zwei und vier gesetzten Spielerinnen Cheng I-Ching und Miu Hirano unterlagen den allerdings von vornherein als chancenreich eingestuften Konkurrentinnen Hina Hayata (Japan) und Shin Yubin (Südkorea).

Kostenpflichtiger Livestream auf XYZ Sports

Wer in Deutschland, Österreich oder der Schweiz den Livestream vom WTT Star Contender (bis 13.3.) verfolgen möchte, der kann dies nur kostenpflichtig über den Online-Sender XYZ Sports tun. Das Monatsabo für alle dort angebotenen Sportarten kostet 10 Euro. Die Tische 2 bis 4 werden derzeit kostenfrei von WTT via YouTube übertragen, auch diese Rechte liegen allerdings bei XYZ-Sports.


Die Ergebnisse am Donnerstag

Herren-Einzel, Viertelfinale

Tomokazu Harimoto JPN - Jeoung Youngsik KOR 3:0 (7,8,9)
Dimitrij Ovtcharov - Anton Källberg SWE 3:2 (-8,-10,13,10,9)
Ruwen Filus - Lin Yun-Ju TPE 3:0 (3,11,9)
Darko Jorgic SLO - Kristian Karlsson SWE 3:2 (-7,4,-5,8,15)

Die Spiele am Freitag

Herren-Einzel, Viertelfinale
13.20 Uhr: Dimitrij Ovtcharov - Tomokazu Harimoto JPN
14.00 Uhr: Ruwen Filus - Darko Jorgic SLO


WTT Star Contender: Livestreaming, Ergebnisse, Fakten



Das DTTB-Aufgebot
in Doha

WTT Contender, 28.-6.3. /
WTT Star Contender, 6.-13.3.
Hauptfeld
Herren: Dimitrij Ovtcharov (Orenburg, Russland/WR 12), Patrick Franziska (Saarbrücken/WR 16 - nur Star Contender), Benedikt Duda (Bergneustadt/WR 38), Ruwen Filus (Fulda-Maberzell/WR 42)
Damen: Han Ying (Tarnobrzeg, Polen/WR 22 - nur Star Contender), Nina Mittelham (Berlin/WR 39), Shan Xiaona (Berlin/WR 43)
Qualifikation
Herren: Dang Qiu (Grünwettersbach/WR 53), Ricardo Walther (Düsseldorf/WR 89)
Damen: Sabine Winter (Schwabhausen/WR 126), Yuan Wan (Kolbermoor/WR 163), Chantal Mantz (Bingen/WR 197)
Trainer
Jörg Roßkopf (Herren-Bundestrainer), Lars Hielscher (Herren Assistenztrainer), Jie Schöpp (Damen-Bundestrainerin)
Physiotherapeut
Peter Heckert (Olympiastützpunkt Hessen)

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