Saisonvorbereitung von Schwabhausen in Lignano: Sabine Winter hat die Schulbücher mit im Gepäck (Foto: privat)
Die zweifache Doppel-Europameisterin muss eine Schulterverletzung auskurieren und holt das Fachabi nach

Zurück zur Schule: Sabine Winter wird dual

SH 02.09.2019

Düsseldorf. Seit drei Jahren schon quält Sabine Winter eine hartnäckige Schulterverletzung. Immer wieder hat dies die 26-jährige zweifache Doppel-Europameisterin zu mehrwöchigen Pausen gezwungen. Die wiederkehrenden Schmerzen und vielfachen Arztbesuche aber sind geblieben.

Zehn Jahre nach der mittleren Reife wird Winter wieder die Schulbank drücken. Im Interview erzählt die Team-WM-Bronzemedaillengewinnerin von 2010 von ihren Plänen. 

Frage: Du legst ein Jahr lang eine Tischtennispause ein. Warum?
Sabine Winter:
Ich mache gar keine Pause, aber ich verringere mein Trainingspensum. Dazu habe ich mich entschlossen, weil ich schon länger Schulterprobleme habe und sie nicht in den Griff bekomme. Ich habe zwischendurch immer mal wieder eine Pause gemacht, habe dann wieder angefangen. Und wenn die Schmerzen zurückkamen, habe ich wieder eine Pause gemacht. Aber weil es nach einer Pause ganz ohne Tischtennis im Anschluss immer schlechter war, aber besser, wenn ich zwischendurch zumindest ein bisschen trainiert habe, probiere ich es jetzt mit einer längeren Phase von durchgehenden, aber reduzierten Trainingsumfängen. Dadurch habe ich auf einmal Zeit, nebenbei etwas anderes zu machen. Ich mache mein Fachabitur.

Du hast damals nach der mittleren Reife auf die Karte Tischtennisprofi gesetzt. Wie lange musst du jetzt zur Schule gehen?
Winter:
In Bayern gibt es Berufsoberschulen. Hier kann ich den Abschluss innerhalb von einem knappen Jahr machen. Das ist nur in vier Bundesländern möglich. In Düsseldorf hätte ich zwei Jahre gebraucht. Es wird in dem Jahr natürlich mehr Schule sein, aber ich denke, ich kann mich da für ein paar Monate richtig reinhängen. Daher gehe ich wieder zurück nach Bayern in meine Heimat. 

Warst du früher eine gute Schülerin?
Winter:
Ich war keine überragende, aber auch keine schlechte Schülerin. Ich habe wegen Tischtennis sehr viel gefehlt, war aber trotzdem über dem Durchschnitt. Schule war nie das, was mir am meisten Spaß gemacht hat. Weil ich viel gefehlt habe, war es aber auch Stress. Als es damals hieß, dass ich mich ganz auf Tischtennis konzentrieren und nach Düsseldorf ziehen müsse, um Profi zu werden, habe ich das gemacht und wollte es zunächst mal ein Jahr lang probieren. Aus dem einen Jahr sind zehn geworden.

Fast ein Jahr Schule und weniger Tischtennis – was bedeutet das für deine Profikarriere?
Winter:
Ich bin nach wie vor Profisportlerin. Ein Jahr Tischtennis plus Schule ist definitiv nicht der Anfang vom Ende meiner Profikarriere. Wenn du drei Jahre etwas anderes machst, ist es schwierig. Ein Jahr ist kein großes Problem, schon weil ich immer noch einmal am Tag trainieren werde. Ich spiele für Schwabhausen in der Bundesliga, spiele die German Open in Bremen und in den Schulferien ein paar andere internationale Turniere, falls ich mit allem klarkomme. 

Wie viel Zeit verbringst du in der Schule, jeden Tag sechs Stunden plus Lernen?
Winter:
Den Stundenplan habe ich noch nicht, aber ich werde von acht bis 16:15 Uhr in der Schule sein, und danach stehen Hausaufgaben und Lernen an. Weil es so intensiv ist, geht das in einem Jahr statt in zweien. Ich habe mich für den Zweig Gesundheit entschieden und habe dann als Fächer in der Abschlussprüfung Mathe, Deutsch, Englisch und Gesundheit. Außerdem noch Bio, Religion, Geschichte und Chemie.

Welche sind die Fächer, vor denen du am meisten Respekt hast?
Winter:
Ich habe mir ein Mathe- und ein Chemiebuch gekauft und mir in beiden schon ein bisschen was angeschaut. Von meinem Gefühl her bin ich gut durch die Bücher durchgekommen. Am meisten Respekt habe ich vor Mathe und Chemie. Ich war früher in beiden Fächern nicht unbegabt, aber nach so langer Zeit habe ich am meisten Respekt davor. Ich war schließlich zehn Jahre nicht mehr in der Schule. Mein Bruder hat Statistik und Risikomanagement studiert. Der meint: „Sabine, das wirst du können!“ Falls es nicht klappt, kann er mir helfen. 

Wo wirst du in der Zeit wohnen?
Winter:
Ich ziehe bei meinen Eltern ein; ein bisschen Hotel Mama also. Das sollte gut klappen, und es ist ja letztlich nur für eine kurze Zeit.

Hast du dir schon einen Trainingsplan gemacht?
Winter:
Ich werde viel in Schwabhausen trainieren. Sie sind ganz glücklich damit, dass ich wieder vor Ort bin und viel mit der Mannschaft trainieren werde. Am Anfang mache ich weniger Training, danach steigere ich den Umfang, falls es mit der Schulter besser wird. Ich werde mich sicherlich auch in einem Fitnessstudio anmelden und viel Laufen und Radfahren gehen. In erster Linie geht es darum, nicht mehr zweimal am Tag zu trainieren.

Tischtennis ist dein Leben. Wie lange hast du mit dir gerungen, diese Pause einzulegen?
Winter:
Als ich wusste, dass ich das Fachabi in einem Jahr machen kann, ist mir die Entscheidung nicht so schwer gefallen. Es bringt nicht viel, wenn ich nur mit 70 Prozent spielen kann – mir nicht, meinem Verein nicht, nicht der Nationalmannschaft, meinen Sponsoren und auch nicht den Fans. Und es macht eben nicht mehr viel Spaß, mit Schmerzen ins Training zu gehen und wegen der Schmerzen nicht gut spielen zu können. Nach einem Jahr weniger Training werde ich nicht alles verlernt haben, auch wenn ich ein paar Wochen brauchen werde. Ich bin optimistisch, dass es alles wieder wird und ich ab Juli 2020 voll angreifen werde.

Dimitrij Ovtcharov hat relativ lange gebraucht, um nach seiner langwierigen Verletzung wieder Fuß zu fassen, bei Timo Boll ging es schneller. Welcher Comeback-Typ bist du?
Winter:
Bevor meine Schulter wirklich zu einem größeren Problem geworden ist, war ich an Weltranglistenposition 36 und leider nicht die Nummer eins. Deshalb kann man das nicht vergleichen. Ich will auf jeden Fall meine Weltranglistenposition wieder verbessern. Sicher werde ich im Juli 2020, wenn ich wieder nach Düsseldorf ziehe, nicht gleich nach einem Monat in Topform sein. Aber ich werde Tischtennis schon schnell wieder auf einem guten Niveau spielen. Ich spiele ja auch bis dahin durchgehend Tischtennis. 

Welche Gefühle überwiegen jetzt kurz vor dem Beginn deines „neuen Lebens“ für zehn Monate?
Winter:
Irgendwo freue ich mich auf die neue Herausforderung, aber ich habe auch ziemlich Respekt davor. Ich habe Respekt vor Schule und vor der Aufgabe, mein Tischtennisniveau mit weniger Training zu halten; ein bisschen mehr aber vor der Schule. Es sind gemischte Gefühle, aber ich glaube, es ist die richtige Entscheidung. Ich freue mich mehr, als ich mich sorge.

Wirst du deine Fans in der Zwischenzeit mit Social-Media-Posts versorgen, ernsthafte und lustige?
Winter:
Ja, der Plan ist nicht, abzutauchen. Ich werde auf der Bildfläche bleiben. Und werde mir das eine oder andere Video überlegen, worauf sich meine Fans freuen können.

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