Cluj-Napoca. Mia Griesel und Anna Hursey haben es geschafft: Im Doppel-Finale der Jugend-WM drehen sie einen 0:2-Rückstand gegen die Chinesinnen Zong Geman und Qin Yuxuan und setzen sich die Krone von Cluj-Napoca auf. Koharu Itagaki hat im Einzel unterdessen Bronze sicher, während sich Josi Neumann im Viertelfinale aus dem Turnier verabschieden musste.
36 Jahre nach dem letzten Doppel-Weltmeistertitel für Deutschland ist es so weit: Mia Griesel und die Waliserin Anna Hursey sind die neuen Doppel-Weltmeisterinnen der Altersklasse Mädchen 19. Dabei geht die Partie gegen Zong Geman und Qin Yuxuan wahrlich in die Geschichtsbücher ein, denn Griesel und Hursey bewiesen Nervenstärke sondergleichen. Die beiden Weltmeisterinnen kennen sich gut, sind befreundet, eingespielt und haben in dieser Paarung 2025 bereits den U21-Europameisteritel eingeheimst. Im Finale von Cluj-Napoca mussten sie die ersten beiden Sätze mit 4:11 und 5:11 zuerst relativ klar abgeben. In den dritten Satz fanden beide deutlich besser, gingen in Führung – zwischenzeitlich stand es 8:2. Zwar gelang den Chinesinnen eine Aufholjagd, der Satz ging dennoch mit 11:7 an die deutsch-walisische Kombination. Im vierten Satz gelang dann der Ausgleich mit 11:8. Der Entscheidungssatz war dann endgültig der letzte Grund, aus dem man das Match in die Kategorie Nervenkrimi einordnen konnte. Nach einem 2:0-Vorsprung nahmen die zurückliegenden Chinesinnen eine Auszeit, nutzten sie gut und drehten zwischenzeitlich auf 3:2. Auch im weiteren Verlauf des Satzes behielt die Konkurrenz immer wieder die Oberhand, die Chinesinnen hatten schließlich mit 10:8 zwei Matchbälle, die Griesel und Hursey abwehrten. In der Satzverlängerung ging es hin und her. Ein deutsch-walisischer Matchball konnte nicht genutzt werden – der folgende chinesische allerdings auch nicht. Beim Stand von 13:12 dann die Erlösung: Der von Qin gespielte Ball touchierte das Netz und ging ins Aus.
Broich konstatiert „unfassbare Aufholjagd"
Ein Jahr nachdem Annett Kaufmann den Weltmeistertitel im Einzel bei der Jugend-WM einheimste, kommt damit eine weitere Weltmeisterin aus den Reihen des deutschen Mädchen-19-Teams um Bundestrainerin Lara Broich. Sie wiederum ist begeistert von der Leistung ihres Schützlings: „Das Spiel hatte einen ganz eigenen Verlauf. In den ersten zwei Sätzen haben Anna und Mia überhaupt nicht in ihren Rhythmus gefunden und auch wenige Bälle auf den Tisch gespielt. Dann haben sie alle Kräfte mobilisiert, sowohl in den Satzpausen als auch am Tisch. Ab dann haben sie selbst agiert statt zu reagieren. Das war eine unfassbare Aufholjagd. Drei Matchbälle abzuwehren, besonders gegen China, ist wirklich richtig stark - in diesem Fall sogar weltmeisterlich."
Broich hob außerdem die Team-Leistung hervor: „Ich möchte Christiane Praedel, Tamara Boroš und Zoltán Bátorfi danken. Ein besonderer Dank geht auch an Pascal Schüpper vom Olympiastützpunkt NRW/Rhein-Ruhr, der uns in der Vorbereitung mit dem Kamera-System unterstützt hat. Das war ein entscheidender Faktor. Auch danke an Annas Trainer John Murphy, es war wieder eine Freude. Ein besonderer Dank an Birgit Schmidt und Maria Först, die Mia so großartig behandelt haben.“
Griesel sprachlos und glücklich
Die Weltmeisterin selbst konnte den Erfolg am Samstagabend noch gar nicht richtig glauben: „Ich bin sehr glücklich und kann es noch gar nicht fassen. Das Spiel war sehr knapp am Ende. In den ersten beiden Sätzen hatten wir nicht viele Chancen und sind nicht gut in die Ballwechsel rein gekommen", meinte sie zum Spielverlauf. Griesel und Hursey hätten viel miteinander gesprochen, sich auch gut zugeredet. „Wir haben zugesehen, dass wir Punkt für Punkt spielen und sind dann sehr gut in den dritten Satz gestartet. Vielleicht sind die anderen dadurch etwas nervöser geworden und haben etwas unpräziser gespielt, was wir dann direkt ausnutzen konnten", wusste Griesel nach ihrem historischen Erfolg.
Koharu Itagaki im morgigen Halbfinale
Neben Griesels weltmeisterlichem Triumph sicherte sich außerdem Koharu Itagaki am Morgen die nächste deutsche Medaille mit einem 4:2-Sieg über die neue Mixed-Weltmeisterin Kulapassr Vijitviriyagul. Die deutsche Nachwuchshoffnung, die in der Damen-Bundesliga für den TSV Dachau aufschlägt, gewann in sechs Sätzen 4:2. Die Grundlage dafür lieferte der erste Satz, der direkt in die Verlängerung ging. Auch den nächsten Durchgang sicherte sich die 15-Jährige, bevor ihre indische Kontrahentin ausglich. Für Itagaki war das allenfalls ein Ansporn, sie ließ sich den Sieg in den nächsten beiden Sätzen nicht nehmen. Mit dem Einzug ins Halbfinale – das morgen um 9 Uhr gegen Cocona Muramatsu stattfindet – hat Itagaki Bronze sicher, sehr zur Freude von Bundestrainerin Jie Schöpp und dem DTTB-Team. „Koharu hat heute einen sehr klaren Kopf behalten und taktisch clever gespielt“, resümierte die Trainerin im Anschluss an das erfolgreiche Viertelfinale. Das sei Voraussetzung gewesen.
Für Josephina Neumann ist das Turnier in Cluj-Napoca hingegen beendet. Sie fand nur wenige Mittel gegen die Chinesin Zhu Qihui. Die Kontrahentin zog in den ersten drei Sätzen direkt davon. Zwar kam Neumann im vierten Satz zurück, konnte das Spiel aber nicht mehr drehen und unterlag 1:4. „Josi hat aggressiv angefangen und Fehler gemacht“, so Schöpp. Ab dem dritten Satz hätte sie kontrollierter gespielt und sei dafür auch belohnt worden. Am Ende sei das Spiel laut Schöpp aber von einer Schiedsrichterentscheidung überschattet gewesen. „Die Schiedsrichter haben einen Punkt falsch gezählt. Bei 8:9 ist das erst aufgefallen und sie wollten den Fehler nicht korrigieren“, erklärte die Bundestrainerin. Der relevante Punkt sei beim Stand von 1:1 falsch gezählt worden. „Dadurch war es natürlich sehr bitter, den fünften Satz zu verlieren“, hieß es von der Trainerbank. Jetzt geht der Blick aber nach vorne – auf die Halbfinalpartie von Itagaki: „Wir versuchen, noch weiter zu kommen“, versicherte Schöpp.
Die Stimmen zum Doppel-Finale:
Lara Broich (Bundestrainerin Mädchen 19): „Das Spiel hatte einen ganz eigenen Verlauf. In den ersten zwei Sätzen haben Anna und Mia überhaupt nicht in ihren Rhythmus gefunden und auch wenige Bälle auf den Tisch gespielt. Dann haben sie alle Kräfte mobilisiert, sowohl in den Satzpausen als auch am Tisch. Ab dann haben sie selbst agiert statt zu reagieren. Das war eine unfassbare Aufholjagd. Drei Matchbälle abzuwehren – besonders gegen China – ist wirklich richtig stark - in diesem Fall sogar weltmeisterlich. Natürlich geht das nur als Team und da möchte ich nochmal Christiane Praedel, Tamara Boroš und Zoltán Bátorfi danken. Ein besonderer Dank geht auch an Pascal Schüpper vom Olympiastützpunkt NRW/Rhein-Ruhr, der uns in der Vorbereitung mit dem Kamera-System unterstützt hat. Das war ein entscheidender Faktor. Auch danke an Annas Trainer John Murphy, es war wieder eine Freude. Ein besonderer Dank an Birgit Schmidt und Maria Först, die Mia so großartig behandelt haben.“
Mia Griesel: „Ich bin sehr glücklich und kann es noch gar nicht fassen. Das Spiel war sehr knapp am Ende. In den ersten beiden Sätzen hatten wir nicht viele Chancen und sind nicht gut in die Ballwechsel rein gekommen. Ich kann gar nicht genau sagen, was sich verändert hat. Wir haben zugesehen, dass wir Punkt für Punkt spielen und sind dann sehr gut in den dritten Satz gestartet. Vielleicht sind die anderen dadurch etwas nervöser geworden und haben etwas unpräziser gespielt, was wir dann direkt ausnutzen konnten. Wir haben viel miteinander geredet und uns gut zugesprochen. Wir haben uns allgemein gut verstanden.“
Die Spiele der Deutschen am Samstag
U19, Mädchen-Doppel, Finale
18 Uhr: Mia Griesel/Anna Hursey GER/WAL - Zong Geman/Qin Yuxuan CHN 3:2 (-4,-5,7,8,12)
U15, Mädchen-Einzel, Viertelfinale
Koharu Itagaki - Kulapassr Vijitviriyagul THA 4:2 (10,4,-9,-3,8,5)
Josephina Neumann - Zhu Qihui CHN 1:4 (-5,-4,-6,9,-9)
Halbfinale am Sonntag
9 Uhr: Koharu Itagaki - Cocona Muramatsu JPN
9:45: Zhu Qihui CHN - Divyanshi Bhowmick IND
U15, Mädchen
Team: Koharu Itagaki (TSV Bad Königshofen/TSV Dachau), Josephina Neumann (TV Okarben/ttc berlin eastside), Amelie Jia, Anna Walter
Einzel: Koharu Itagaki, Josephina Neumann
Doppel: Koharu Itagaki/Josephina Neumann
Mixed: Josephina Neumann/Jonas Rinderer, Koharu Itagaki/Görkam Öcal TUR
U15, Jungen
Team: Jonas Rinderer (TV Ruhmannsfelden/TV Hilpoltstein), Lukas Wang (1. FC Saarbrücken-TT/TTF Illtal), Tien Nghia Phong (TTC immoxone Bietigheim-Bissingen), Samuel Kuhl (TSV Neuried)
Einzel: Jonas Rinderer
Doppel: Jonas Rinderer/Jan Mrugala POL
U19, Mädchen
Team: Mia Griesel (ttc berlin eastside), Lorena Morsch (TSV Langstadt), Elisa Nguyen (TTV Ettlingen/TTC Weinheim), Lisa Wang (1. FC Saarbrücken-TT/TTK Anröchte)
Einzel: Mia Griesel
Doppel: Mia Griesel/Anna Hursey WAL
Mixed: Mia Griesel/Wassim Essid TUN
Betreuer
Lara Broich (Bundestrainerin Nachwuchskader 1, U19), Jie Schöpp (Bundestrainerin Nachwuchskader 2, U15), Frank Schönemeier (Bundestrainer Nachwuchskader 2, U15)
Physiotherapeutinnen
Birgit Schmidt (OSP Hessen), Maria Först (Neuss)
Schiedsrichter
Michael Zwipp (Oberschiedsrichter)
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