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Claudia Herweg beim Bundestag 2021, als sie zur Präsidentin gewählt wurde (Foto: BP)
Wichtig zu wissen für viele Vereine: die Entscheidung über den Reservespieler-Status | Livestream ab 11 Uhr bei Sportdeutschland.TV

DTTB-Bundestag: Rund 70 Anträge, Haushalt und Diskussion über DTTB-Organisationsstruktur

SH 18.11.2022

Frankfurt/Main. Ein straffes Programm erwartet die knapp 60 Delegierten des 17. Bundestages des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) am Samstag in Frankfurt am Main. Sie werden über rund 70 Anträge entscheiden. Außerdem stehen der Jahresabschluss 2021 sowie der Haushaltsplan für 2023 auf ihrem Programm. Zudem soll eine Arbeitsgruppe eingesetzt werden, die bis zum Bundestag 2023 eine neue Satzung erarbeitet, in der unter anderem die Einrichtung eines hauptamtlichen Vorstands sowie eines ehrenamtlichen Aufsichtsrats festgeschrieben werden soll. Wahlen finden nach dem ersten Jahr der Amtszeit von Präsidentin Claudia Herweg nicht statt.

Die kleinen und großen Anträge betreffen wie üblich alle Bereiche des DTTB – Satzung, Wettspielordnung, diverse Durchführungsbestimmungen, die Beitrags- und Gebührenordnung ebenso wie die Bundesspiel- und Schiedsrichterordnung.

Reservespieler-Status: Erneute Ausnahmegenehmigung beantragt

Von vielen Vereinen mit Spannung erwartet wird die Entscheidung über Antrag 43. Weil rund zwei Drittel der DTTB-Mitgliedsverbände in der vergangenen Saison einmal mehr pandemiebedingt die Spielzeit abgebrochen bzw. lediglich eine Einfachrunde absolviert haben, beantragt der Ausschuss für Leistungssport des DTTB eine erneute Ausnahmegenehmigung beim Reservespieler-Status.

Sollte der Bundestag den Antrag beschließen, werden auch in diesem Dezember die ersten beiden Absätze der WO H 1.3.1 nicht zur Anwendung kommen. Dies bedeutet, dass im Dezember 2022 niemandem ein Reservespieler-Status erteilt würde, der zuvor noch keinen hatte. Eine Aussetzung der Vorschrift würde viele Spielerinnen und Spieler vor Reserve-Vermerken bewahren, die bei normalem Ablauf der Rückrunde 2021/22 erteilt worden wären. Der DTTB-Ausschuss nimmt dabei ausdrücklich in Kauf, dass davon auch einige Spielerinnen und Spieler mit fehlender Einsatzbereitschaft profitieren würden. Dem Antrag werden mehr als gute Chancen für eine Annahme zugerechnet: Die beiden gleichen Abstimmungen in der Vergangenheit – für Dezember 2021 und Juni 2022 – waren jeweils einstimmig dafür ausgefallen.

Turnierlizenz: Erst ab 2024 und vergeben vom DTTB?

Die vom Bundestag im vergangenen Jahr verabschiedete Einführung der Turnierlizenz für den Individualspielbetrieb bei Erwachsenen, Jugend und Senioren könnte aus technischen wie organisatorischen Gründen um ein Jahr auf den 1. Juli 2024 verschoben werden. Das jedenfalls beantragt das DTTB-Präsidium. Die neue Lizenz soll Probleme bei Versicherung, Haftung und Aufsichtspflicht für Spielerinnen und Spieler lösen, die nicht durch ihre Vereine zu Individualveranstaltungen gemeldet werden. „Die Lebenswirklichkeit hat die in der Wettspielordnung ausgedrückte Vorstellung schon länger überholt, dass ausschließlich die Vereine für die Meldung von Spielern zuständig sind“, hatte der Bayerische Tischtennis-Verband seinen 2021 mehrheitlich angenommenen Antrag begründet. Der DTTB schlägt zudem vor, dass die Turnierlizenz von ihm selbst vergeben wird. „Für alle Fragen wäre nur der Dachverband zuständig, nicht jeder Mitgliedsverband einzeln“, sagt DTTB-Chefin Herweg und benennt Vorteile dieser Lösung auf. „Durch eine zentral gesteuerte Erteilung der Turnierlizenz könnten außerdem die bundeseinheitliche Abwicklung sichergestellt und nötige Weiterentwicklungen zentral vorangetrieben werden.“

TTBL-Finale: 2023 für ein Wochenende länger im alten Verein

Auf Wunsch der Tischtennis Bundesliga (TTBL) sollen die Spielberechtigungen für die teilnehmenden Teams der 1. Herren-Bundesliga am so genannten Event „Die Finals“ im kommenden Jahr, eine Multi-DM, die breit von den öffentlich-rechtlichen Sendern übertragen wird, noch aus der vorangegangenen Spielzeit gelten. Hintergrund ist, dass „Die Finals“ 2023 vom 7. bis 9. Juli stattfinden werden, wenn im Tischtennissport bereits die neue Saison begonnen hat, und das TTBL-Finale Teil der Veranstaltung sein wird. Würde die alte Spielberechtigung für dieses eine Event gültig bleiben, könnten die betroffenen Vereine mit denselben Spielern antreten, die es für ihren Klub auch bis ins TTBL-Finale geschafft haben.

Deutsche Tischtennis-Finals 2024 in Erfurt: Bundestag soll DTTB-Präsidium autorisieren

Die Deutschen Tischtennis-Finals, die Zusammenfassung der nationalen Meisterschaften von Damen und Herren, Jugend 15, Jugend 19, Seniorinnen und Senioren sowie Leistungsklassen zu einem viertägigen Turnier, sollen erstmals 2024 in Erfurt stattfinden, vorausgesetzt das Mega-Ereignis ist finanzierbar. Um auf kurzfristige Entwicklungen reagieren zu können, will das DTTB-Präsidium vom Bundestag autorisiert werden, final darüber zu entscheiden, ob die Veranstaltung stattfinden kann oder nicht. Der Grund: Zwar sind die ersten Gespräche in enger Zusammenarbeit mit dem Thüringer Tischtennis-Verband über finanzielle Unterstützung von verschiedener Seite bislang äußerst positiv verlaufen, die endgültigen öffentliche Zuschüsse und Sponsoreneinnahmen werden jedoch nicht frühzeitig genug feststehen, als dass die DTTB-Vollversammlung risikofrei entscheiden könnte.

Erhöhung: Einsatzgebühren für Schiedsrichter und DTTB-Zuschüsse zu Veranstaltungen

Das Ressort Schiedsrichter bittet um die Erhöhung der Einsatzgebühren von Unparteiischen in den Bundesspielklassen. „Kein Schiedsrichter sollte noch ‚Geld mitbringen‘ müssen, um die Tätigkeit auszuüben – unter Berücksichtigung der Kosten auswärtiger Verpflegung und der Investition in eigene Ausrüstung ist dies aber oftmals der Fall“, so die Begründung des Gremiums um Ressortchef Sven Weiland. Die letzte Anpassung der Einsatzgelder erfolgte vor mehr als zehn Jahren.

Der Thüringer Tischtennis-Verband fordert die deutliche Erhöhung des DTTB-Zuschusses zu Individual-Meisterschaften. Ähnliches beantragt Tischtennis Baden-Württemberg unter Hinweis auf gestiegene Hallengebühren.

Senioren-Setzung nach Q-TTR

Die generelle Ausnahme von der Setzung nach Q-TTR bei Individualturnieren der Seniorinnen und Senioren auf Landes- und Bundesebene soll auf Wunsch des DTTB-Ressorts Seniorensport entfallen. Bei der Bundes-Seniorenwartetagung im Juli wurde einstimmig beschlossen, die Setzung nur nach Q-TTR vorzunehmen, da diese Werte aussagekräftig genug seien und Vorjahresergebnisse darin ausreichend berücksichtigt würden. Nur in begründeten Ausnahmefällen sollen abweichende Setzungen durch das Ressort möglich sein.

Setzung: Aktive derselben Region sollen später aufeinandertreffen

Der Sächsische Tischtennis-Verband beantragt, dass künftig bei der Auslosung zumindest der ersten Turnierstufe darauf zu achten sei, dass nicht nur Spielerinnen und Spieler, Duos bzw. Mannschaften desselben Vereins, Kreises, Bezirkes oder Mitgliedsverbandes so spät wie möglich aufeinandertreffen, sondern auch die derselben Region. Besonders häufig von solchen regionalen Duellen seien die Regionen sechs bis acht betroffen; bei den Nationalen Deutschen Meisterschaften Jugend 18 in Chemnitz etwa waren in der Mädchen-Klasse die beiden Erstplatzierten des regionalen Qualifikationsturniers der Region 8 in dieselbe Gruppe gelost worden. „Um den aktuellen Regionalstrukturen Rechnung zu tragen und den Regionen Gleichbehandlung zukommen zu lassen, soll zukünftig die Zugehörigkeit der Aktiven nach Region Beachtung finden“, so die Begründung des sächsischen Präsidiums mit Thomas Neubert an der Spitze.

Der DTTB-Bundestag, der am Samstag um 11 Uhr beginnt, ist öffentlich.

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