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WM-Finale im Herren-Doppel mit Kerstin Duchatz als leitender Schiedsrichterin (Foto: MS)
Die Bochumer Blue-Badge-Schiedsrichterin ist eine gefragte Spielleiterin bei den Topturnieren der Welt

Kerstin Duchatz: Vom WM-Finale in Houston ohne Umweg nach Singapur

MS 06.12.2021

Singapur. Seit Jahrzehnten ist Deutschland im Tischtennissport eine der erfolgreichsten Nationen der Welt. An den Finaltagen sind jedoch oftmals nicht nur die Athleten des DTTB im Einsatz, sondern immer wieder auch dessen beste internationale Unparteiische. So war es bei den vergangenen Montag zu Ende gegangenen Weltmeisterschaften in Houston ebenso wie bei den derzeit laufenden WTT Cup Finals in Singapur. Bei der WM vertraten die Blue-Badge-Schiedsrichter Kerstin Duchatz und Nico Zorn den Deutschen Tischtennis-Bund. Duchatz, die aus Houston direkt zu den WTT Cup Finals weiter jettete, leitete dabei am Schlusstag sogar das Endspiel im Herren-Doppel. Schon bei der WM in Budapest vor zwei Jahren hatte sich Duchatz über Einsätze bei den Finals im Mixed und im Doppel freuen dürfen.

„WM-Finale zu leiten ist ein besonderes Erlebnis“

Die 33 Jahre Veranstaltungsmanagerin freute sich darüber, auch in Houston wieder zu den nur acht Unparteiischen gezählt zu haben, die am Finaltag das Vertrauen genossen, bei der Vergabe der Weltmeistertitel für einen regelkonformen Spielverlauf zu sorgen: „Grundsätzlich ist die Tatsache ein WM-Finale zu leiten bereits ein besonderes Erlebnis. Schon die Nominierung für die Finaltage hat ein schönes Gefühl in mir ausgelöst.“ Die bei der WM gewählte Art der Präsentation mit einem neuen Show-Center-Court fand Duchatz interessant: „Der neue Center Court der WM zeigte deutlich, in welche Richtung man im Profitischtennis gehen möchte. Mehr mediale Präsenz, mehr TV-Übertragungen durch attraktive Präsentation. Das ‚Fernsehstudio‘, wie ich den Aufbau einmal nennen möchte, war beeindruckend, aber eine tolle Center-Court-Atmosphäre kann auf verschiedene Weisen hergestellt werden. Die von Houston war sicher eine davon.“

„Das Finale war angenehm zu leiten“

Angespannt oder nervös war Kerstin Duchatz vor ihrem Final-Einsatz in Houston nicht, der mit dem Titelgewinn für die Schweden Mattias Falck/Kristian Karlsson endete: „Ich würde es weniger Anspannung nennen, sondern mehr hohe Konzentration. Auch wir Schiedsrichter müssen unsere beste Leistung abrufen, es geht schließlich um einen Weltmeistertitel. Das Finale war angenehm zu leiten. Faire Spieler, unkritische Entscheidungen und eine gewisse Routine helfen dabei natürlich.“

Die ersten Weltmeisterschaften auf amerikanischem Boden hatten zwar wie in allen anderen Bereichen vor allem in den ersten Turniertagen auch bei den Schiedsrichtern ihre Holprigkeiten, insgesamt jedoch zog Kerstin Duchatz ein positives WM-Fazit: „Zu Beginn war deutlich zu spüren, dass ein Tischtennis-Event in diesem Ausmaß selbst für die showerfahrenen Amerikaner neu war. Es hakte anfangs hier und da, und die üblichen Schiedsrichter-Vorbereitungen haben gefehlt. Letztendlich haben alle Mitwirkenden die Veranstaltung jedoch auf ein professionelles Level gehoben, gute Rahmenbedingungen geschaffen und nach außen ein Top-Event präsentiert.“ Oftmals half auch die Kunst der Improvisation: „Wir Schiedsrichter sind flexibel und können uns auch auf ungewohnte Situationen einstellen, um das Beste daraus zu machen. Fällt das elektronische Zählgerät einmal aus, stellen wir uns schnell das manuelle Zählgerät auf und machen weiter, ohne den Spielablauf zu stören. Teilt man uns keinen Raum fürs Briefing zu, so erhebt die Oberschiedsrichterin eben ihre Stimme beim Treffen vor der Zuschauertribüne. Steht keine Schiedsrichter-Aufenthaltsmöglichkeit zur Verfügung, verbergen wir geschickt unsere Taschen unter den Tischen in der Call-Area. Frei nach dem Motto ‚Improvisation füllt die Lücken der Organisation‘.“

Von Houston direkt weiter nach Singapur

Eine Verschnaufpause gab es für Kerstin Duchatz nach der WM übrigens nicht. Die Bochumerin jettete aus Texas direkt weiter zu ihrem nächsten Einsatz bei den WTT Cup Finals in Singapur, wo sie seit Samstag bis einschließlich Dienstag beim 600.000-Dollar-Showdown bei den 16 besten Damen und Herren der Weltrangliste über die Einhaltung der Regeln wacht und nach dem Ausscheiden von Petrissa Solja und Patrick Franziska nun als einzige DTTB-Vertreterin noch im Einsatz ist. Wieder deutschen Boden unter den Füßen hat Kerstin Duchatz erstmals am 8. Dezember, nach dann insgesamt 18-tägiger Reise und zahlreichen Spielleitungen bei zwei der wichtigsten Turniere der Welt. Am Gesamtfazit ihrer Reise gibt es schon jetzt keinerlei Zweifel: „Es ist großartig, wieder Kollegen und Kolleginnen aus aller Welt persönlich zu treffen, gemeinsam zu schiedsen, zu lachen und eine gute Zeit zu haben.“

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