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Erfolgreiches Duo beim World Cup in Düsseldorf: Publikumsliebling Aruna herzt Adomeit (Foto: ms)

Abenteuer Nigeria: Martin Adomeits Eindrücke, Teil 2

Aufgezeichnet von ms 10.09.2015

Lagos. Die Zahl der aktiven Tischtennisspieler in Nigeria ist mit ein paar Tausend verschwindend gering gegenüber zum Beispiel Deutschland mit rund 600.000 Aktiven in 10.000 Vereinen. Dafür liegt der Anteil der Frauen bei beachtlichen 30 Prozent (in Deutschland: 20). Trotz fehlender Breite hat Nigeria eine erstaunliche Spitze entwickelt.

Honorartrainer Martin Adomeit berichtet, wie sich junge Talente schon früh an den aktuellen Stars orientieren können und dass die Spieler vor Trainingsbeginn erst einmal die Halle fegen müssen.

Der Austausch: Elite reicht Erfahrungsschatz an Talente weiter

Die ständig beachtlichen sportlichen Leistungen der Nigerianer sind alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Nach Auskunft der Generalsekretärin Chinedu Ezeala-Ogundar gibt es lediglich rund 4.000 Spieler, gemessen an deutschen Verhältnissen eine verschwindend kleine Zahl. 30 Prozent davon seien übrigens weiblich, so die Zahl des Verbands. Trainiert wird in Nigeria hauptsächlich in kleineren Regionalzentren, die von der Regierung finanziell unterstützt werden. Die Motivation der Jüngsten, sich trotz eingeschränkter Infrastruktur zu entwickeln und über den Sport den Sprung nach Europa zu schaffen, ist riesengroß. Wichtig dabei: Die Athleten, die den Sprung in das Ausland schaffen, kommen zwischenzeitlich zurück - meist im Sommer. Dadurch bleibt der Kontakt zur Spitze für alle Ebenen greifbar.

So ist beispielsweise der in Nigeria hoch angesehene Segun Toriola mit einem mit B-Schüler Animasahun zur ITTF Hopes Challenge in China als Coach gereist, ein anderer Nationalspieler mit zwei Schülern nach Ägypten in ein Trainingslager der ITTF. Talente sollen nach oben schauen und werden deshalb früh in das Training mit den Nationalspielern integriert: So trainieren der beste B-Schüler Abayomi Animasahun, immerhin Zweiter des ITTF-Talentevents in China, sowie drei Jugendliche bereits mit der Spitze, wie nun bei unseren Lehrgängen. Beim normalen Zentrumsbetrieb, so wurde mir erzählt, sei die Halle ständig brechend voll mit motivierten Kindern. Das Training mit den jüngeren Spielern findet übrigens die meiste Zeit in den Provinzen statt, mehr als drei bis vier Einheiten sind allerdings wegen der Wege und der schulischen Verpflichtungen nicht möglich, zudem gibt es hier keine Kooperationen. In den Ferien ist es dann wie bei uns in Deutschland: Dann werden die Besten zu Lehrgängen beim Verband zusammengezogen. 

Das Trainingscenter: Spieler kehren morgens den Sand aus der Halle

Die Bedingungen hier sind recht gut, wir haben zum Training eine Halle mit zehn guten Tischen und rotem Boden. Aber auch gute Verhältnisse sind in Afrika eben anders als anderswo: Allein schon die Luftfeuchtigkeit und die Temperaturen sind so mörderisch hoch, dass Trikots und Hosen triefen und man selbst als Coach zwei Hemden pro Einheit braucht. In Deutschland ebenfalls unbekannt: Boden und Tische müssen vor jeder Einheit von den Spielern gewischt und gefegt werden, denn neben der Luftfeuchtigkeit dringt über eine frei Fläche vor der Halle auch regelmäßig Sand in das Trainingscenter. Ab und zu fliegen auch mal Vögel durch die Halle, oder sie machen es sich über Nacht gemütlich und sitzen auf dem Tisch, wenn wir morgens kommen. Auch die Lichtverhältnisse ändern sich teilweise drastisch, denn häufiger fällt ein Teil des Stroms aus. Das gehört hier jedoch zum Alltag, und die Spieler gehen damit um, als sei nichts passiert, Standardkommentar: "Man sieht ja noch was".

Die Bedingungen: Ein-Ball statt Many-Balls, Zelluloid statt Plastik

Auch die Ressourcen des Materials haben eine andere Dimension: Trainiert wird nur mit einem Ball, und trotz der internationalen Wettkämpfe mit Zelluloid statt Plastik. Aber auch dies ist für die Spitzenleute keine Diskussion und dass auch das funktioniert, zeigen immer wieder Leistungen auf hohem Niveau, so wie die von Quadri Aruna beim World Cup oder beim Sieg über Patrick Baum bei den Czech Open. Wenn ein Ball kaputt geht, dann ist es meistens ein Riesenaufwand, einen neuen zu besorgen. Balleimer und Aufschlagtraining gibt es natürlich auch, eingeschränkt auf rund 60 mittlerweile ziemlich verdreckte Trainingsbälle, die hierfür zur Verfügung stehen. Für alle anderen Trainingsinhalte außer Tischtennis ist die Halle nur eingeschränkt verfügbar, Matten beispielsweise gibt es gar nicht, und für Krafttraining steht uns nur ein vollkommen überfülltes Studio in einer alten Schule zur Verfügung. Dafür stehen bei jedem Training eine Ärztin und ein Physiotherapeut bereit.

Die Infrastruktur: Sportzentrum der kurzen Wege

Untergebracht ist das Trainingscenter auf dem Gelände des Fußballstadions. Ein riesiger Komplex, den tausende Bürger täglich zum Sporttreiben nutzen, meist draußen auf Beton oder auf Lehmboden, der in der Regenzeit, in der wir uns gerade befinden, vollkommen durchgeweicht ist. Die Unterkünfte im Training teilen sich die Tischtennisspieler mit den Boxern, beim Essen gesellen sich die Volleyballer hinzu.  

Auf dem Geländekomplex ist auch das Institut für Sport mit der gesamten Trainerausbildung beheimatet, ebenso wie die Büros der anderen Sportverbände. Das bedeutet extrem kurze Wege auf allen Ebenen mit ständigem Austausch zwischen Sportlern, Trainern und Funktionären, die immer wieder auch beim Training vorbeischauen. Beim Tischtennis hat die Generalsekretärin Ezeala-Ogundar ihr Büro direkt in der Halle. Gibt es mal einen längeren Weg zu erledigen, kann dafür der verbandseigene Bus mit Fahrer genutzt werden.

 

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