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Berni Vossebein bei der Heim-WM 2017. Im Rollstuhl saß er nur wegen der großen Distanzen in der Messe Düsseldorf. Zu Hause kommt er ohne aus (Foto: Hübner)
Der älteste, lebende Deutsche Tischtennis-Meister feiert am Samstag seinen 95. Geburtstag – und hat die 100 fest im Blick

Berni Vossebein wird 95

Peter Hübner 13.03.2020

Bochum. Wer Bernhard Vossebein nach seinem Gesundheitszustand fragt, erhält postwendend eine überaus erfreuliche Antwort. "So wie es derzeit aussieht, werde ich wohl die dreistellige Zahl erleben", erklärt der gut gelaunte Bochumer im Telefongespräch. Der älteste, lebende Deutsche Tischtennis-Meister, der in den 1940er- und 50er-Jahren zu den besten Herren des DTTB zählte, feiert am Samstag, den 14. März 2020, seinen 95. Geburtstag – und hat die 100 fest im Blick.

"Ich glaube, dass ich das schaffen kann", meint der Jubilar, der seit vielen Jahrzehnten in ganz Tischtennis-Deutschland  Berni genannt wird. "Gut gebrüllt, Löwe", kann man da in Anlehnung an ein Shakespeare-Zitat nur sagen. Denn der "Löwe von Bochum" – diesen Spitznamen soll ihm einst der Rundfunkreporter Heinz Eil wegen des berühmten Kampfgeistes verpasst haben – hat auch schon andere Zeiten erlebt. Vor zehn Jahren war er nach eigenen Angaben schon fast tot. "Da habe ich zwei Monate im Koma gelegen", berichtete Berni Vossebein.

Aufgeben kam nie in Frage

Doch vorzeitiges Aufgeben kam für den Linkshänder und Angreifer weder im Sport noch im täglichen Leben in Frage. Auch dank seiner positiven Grundeinstellung hat er schwierige Phasen wie Krankheiten oder den Tod seiner Ehefrau Christel gut gemeistert. Dabei half ihm auch seine bis heute anhaltende Liebe und Verbundenheit zum Tischtennis.

Die Zahl der fast gleichaltrigen Weggefährten wird zwar von Jahr zu Jahr geringer. Dennoch kann er sich weiterhin auf viele Freunde und Helfer aus der Szene verlassen. Berni nennt da als Beispiel den fast 90-jährigen, ehemaligen DM-Dritten Horst llberg aus Münster, mit dem er sich auch zu später Stunde über Fußballspiele des BVB austauscht.

"Lieber Berni, du warst nicht nur einer der größten Kämpfer, den der Tischtennissport je gesehen hat. Du warst auch einer, der trotz aller Erfolge ein bescheidener Kerl geblieben bist", würdigt ihn DTTB-Ehrenpräsident Hans Wilhelm Gäb in seiner Geburtstagsrede auf Vossebein, die am Samstag bei Kaffee und Kuchen auf einer kleinen Feier mit Familie und Freunden vorgetragen wird. "Du warst und bist einfach ein feiner Mensch. In unserem Sport giltst du seit Langem als eine historische Persönlichkeit. Du hast ein Teil Tischtennis-Geschichte geschrieben. Und du kannst stolz auf dein langes Leben sein, stolz auf deine Familie, stolz auf das, was du dem Sport gegeben hast und was du durch den Sport geworden bist."

Disziplin, Kampfgeist, Verlässlichkeit, Fairness

"Meine Söhne Bernt und Lutz sowie die Schwiegertochter haben die Feier organisiert. Ich lasse mich überraschen", erzählt der gelernte Friseurmeister. Der Bürgermeister will kommen, und natürlich haben sich auch Altmeister Wilfried Lieck und seine Frau angekündigt. Vossebein hat Lieck fast 50 Jahre betreut. So etwas verbindet. "Du hast Eigenschaften verkörpert, die heute immer mehr aus der Mode zu kommen scheinen: Disziplin, Kampfgeist, Verlässlichkeit, Fairness", beschreibt Lieck seinen Freund.

Zahlreiche Anekdoten dürften bei der Party erzählt werden. Vossebein besitzt ein geradezu phänomenales Gedächtnis. Er kann zu jedem seiner sieben Titelgewinne – vier im Mixed, drei im Doppel – etwas über seine damaligen Partnerinnen und Partner berichten. Im Einzel stand er zweimal im Finale, unterlag aber Dieter Mauritz und Conny Freundorfer. An die Titelkämpfe 1947 in Heppenheim – es waren die ersten Meisterschaften nach dem 2. Weltkrieg – hat er besondere Erinnerungen. "Alle Teilnehmer haben damals in einer Nervenheilanstalt übernachtet. Die Zimmertüre hatten keine Klinken", versichert der 16-malige Nationalspieler.

Der Kontakt mit jungen Menschen hielt und hält ihn jung

Vossebein nahm an vier Weltmeisterschaften teil (1953 in Bukarest, 1956 in Tokio, 1957 in Stockholm und 1959 in Dortmund) und arbeitete nach dem Ende seiner aktiven Karriere als Betreuer und Trainer hauptsächlich im Jugendbereich. Von 1971 bis 1987 war er Verbandstrainer im Westdeutschen Tischtennis-Verband und coachte unter anderem Lieck und Christian Süß.

Der permanente Kontakt mit jungen Menschen hielt auch Berni Vossebein jung. Kein Wunder, dass er an guten Tagen nicht nur zurück, sondern auch nach vorne blickt. Die 100 Jahre sind ein Fernziel, der Besuch des nächsten Champion-League-Spiels von Borussia Düsseldorf ein Wunsch, der in Erfüllung gehen sollte. Der Deutsche Tischtennis-Bund und alle Fans gratulieren dem Jubilar und wünschen ihm viel Glück und jede Menge Gesundheit – noch viele Jahre.

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