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Melanie Timke: "Mir machte es von Anfang an Spaß."

Melanie Timke und Nicole Venus: Zwei Frauen in einer Männerwelt

DTTB 11.03.2015

Chemnitz/Neu-Isenburg. Es läuft das Viertelfinale im Herren-Doppel, Ruwen Filus (Fulda) ist sauer. Er kritisiert die Aufschläge von Gegner Erik Schreyer (Mühlhausen) und verlangt nach dem Oberschiedsrichter. Die beiden Tisch-Schiedsrichterinnen Nicole Venus und Melanie Timke bleiben locker: „Das war einer der kniffligsten Momente seit ich Schiedsrichterin bin“, so Venus. „Meine Devise: Kurz durchatmen und ruhig bleiben, an solchen Situationen wächst man.“

Venus und Timke waren während der Deutschen Meisterschaften in Chemnitz die einzigen Frauen an den Zählgeräten. Frauen sind bei den Schiedsrichtern immer noch stark unterrepräsentiert. Dabei spricht vieles dafür, sich als Frau in diesem Job zu engagieren.


Am Ende waren die 83. Deutschen Meisterschaften in Chemnitz auch für die beiden Schiedsrichterinnen ein ganz besonderes Turnier. Sie durften ihr erstes großes Finale betreuen, das Damen Einzel-Endspiel zwischen Petrissa Solja und Sabine Winter. „Das war schon aufregend“, erzählt Venus (Radeburg), die bei den German Open 2013 Berlin bereits bei einem großen Turnier eingesetzt wurde. Ihr erstes Endspiel leiteten sie am Ende souverän. Ein einzigartiges Erlebnis für die jungen Damen, die vom Hallensprecher vor Finalbeginn einzeln vorgestellt und von 3.000 Zuschauern mit großem Applaus begrüßt wurden. Für Melanie Timke (Filderstadt) war es die erste Meisterschaft auf nationaler Ebene. Vor dem Finale sei sie angespannt bis in die Haarspitzen gewesen. „Es ehrt mich, dass ich das Finale mit leiten durfte“, erzählt sie stolz.


Zu wenige Schiedsrichter im Verein

Die Schiedsrichter sind ein Zum Schiedsen sind beide eher zufällig gekommen. In Timkes Mannschaft waren immer wieder Regelfragen aufgetaucht: „Irgendwann drückte man mir einen Flyer in die Hand.“ 2011 bestand sie dann ihre Verbandsschiedsrichterprüfung im Tischtennis-Verband Württemberg-Hohenzollern (TTVWH). An ihr erstes Turnier kann sie sich noch erinnern. Es war ein Verbandsranglistenturnier. „Mir machte es von Anfang an Spaß, ich wollte einfach weitermachen.“ Gesagt, getan: 2014 absolvierte sie schließlich die dreitägige Ausbildung zum nationalen Schiedsrichter. Venus ist schon etwas länger dabei: „Wir hatten damals zu wenig Schiedsrichter im Verein“, erinnert sich die Landesligaspielerin. 2005 wurde sie dann Verbandsschiedsrichterin im sächsischen Tischtennis-Verband (STTV), 2010 bestand sie die nationale Ausbildung.


Schiedsrichter ein "eingeschworener Haufen"

Nur rund 15 Prozent aller Referees sind weiblich. Dabei fallen den beiden einige Gründe ein, warum es sich lohnt, diesem Ehrenamt nachzugehen. Sie seien ganz nah am Geschehen und den Spitzensportlern dran, außerdem wären die Schiedsrichter ein „eingeschworener Haufen“. Es ginge stets gesellig zu und „ständig lernt man neue Leute aus ganz Deutschland oder dem Ausland kennen“, sagt Timke. Mit dem Beruf können beide ihre Tätigkeit problemlos vereinbaren. Die Einsätze werden ausgeschrieben, es gibt keinen Zwang als Schiedsrichter an Wettbewerben teilzunehmen. Die zweifache Mutter Timke kommt auf ein halbes Dutzend Einsätze pro Saison, Venus nimmt sich immer ein bis drei Tage Urlaub.


"Einfach mal auf sich zukommen lassen"

Eine kleine Portion Mut gehört allerdings auch dazu. Nämlich dann, wenn man den Spitzensportlern mal Contra geben muss: „Klar haben wir Respekt vor den Spielern. Ein stückweit müssen wir das aber ausblenden. Wir sind die Schiedsrichter, wir müssen entscheiden - oft natürlich auch zum Unmut der Spieler“, sagt die Filderstädterin selbstbewusst. Oberschiedsrichter Michael Zwipp hält große Stücke auf das Duo: „Sie haben den Mut, sich auch gegen Profis durchzusetzen und stehen ihre „Mann“ in einer von Männern dominierten Szene." In der Männerwelt kommen Venus und TImke gut zurecht: "Wir werden hier absolut ernst genommen", unterstreicht Venus. Beide wünschen sich dennoch mehr Frauen unter ihren Kollegen: "Eine noch größere

DurBei den NDM in Chemnitz leiteten sie zum ersten Mal ein Finale. (Foto: Schillings)chmischung von Frauen und Männer wäre wirklich super", sagt die Sächsin. 

Auf ihre eigenen Laufbahnen als Schiedsrichterinnen schauen Venus und Timke hingegen gelassen. Die Lust, international zu arbeiten sei da, sind sich beide einig, aber sie würden das einfach mal auf sich zukommen lassen.

 

 

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