Patrick Franziska (Foto: ITTF)
Patrick Franziska unterliegt Wong Chun Ting 1:4, Han Ying verpasst gegen Wang Manyu Satzgewinn

T2: Endstation Viertelfinale für Franziska und Han

20.07.2019

Johor. Das mit 500.000 Dollar dotierte T2-Diamond-Projekt in Malaysia ist für Deutschlands Asse beendet. Patrick Franziska unterlag im Viertelfinale dem Hongkong-Chinesen Wong Chun Ting, Defensivkünstlerin Han Ying musste die Überlegenheit der topgesetzten Weltranglistenfünften Wang Manyu anerkennen. Um den Titel kämpfen in Johor nun lediglich noch Asiaten.

Fairer Sportsmann Franziska: "Wong war heute der Bessere"

Im Duell der Weltranglisten-Nachbarn unterlag die Nummer 17 dem eine Position hinter ihm notierten Asiaten mit 9:11, 10:11, 11:10, 2:10 und 3:5. Franziska knüpfte im dritten Duell mit dem Hongkong-Chinesen nicht ganz an die bärenstarken Leistungen der vergangenen zwei Wochen an: "Heute habe ich mich schon einen Tick müder gefühlt als gestern und vor einer Woche in Australien, habe mich auch nicht ganz so gut bewegt. Der zweite Satz war natürlich vorentscheidend, als ich eine 9:3- und 10:6-Führung vergeben habe. Ich denke, bei 1:1 hätte das Spiel durchaus auch eine andere Richtung nehmen können." Franziska ließ nach dem Match aber keinen Zweifel daran, wer an diesem Tag der Bessere war: "Wong war heute sehr gut. Er ist ohnehin unangenehm für mich und hat mich heute sehr gut angespielt, viel über die Mitte und die weite Vorhand. Insgesamt hat er verdient gewonnen, und das akzeptiere ich auch." Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf sah da ähnlich: "Ich habe bis zum Ende geglaubt, dass Franz im Fast-Five-Modus das Match vielleicht noch drehen kann. Aber Wong spielt ein schwieriges System für Franz, und der zweite Satz war heute die Vorentscheidung."

Im letzten Durchgang, der im nach 24 Spielminuten einsetzenden Fast-Five-Modus ausgetragen wurde und bei dem der fünfte Punktgewinn bereits zum Satzgewinn gereicht hätte, sicherte sich der Saarbrücker nicht nur mit seiner sportlichen Leistung, sondern auch mit einer bemerkenswerten Fair-Play-Geste den Beifall des Publikums. Bei einem der bestdotierten Turniere der Welt wies Franziska die Unparteiischen bei einer 2:1-Führung ohne Zögern darauf hin, dass sein Aufschlag nach Verlassen des Schlägers regelwidrig sein Gesicht touchierte, bevor er auf der Hälfte des Gegners landete - 2:2-Ausgleich statt möglicher 3:1-Führung. Für den bescheidenen Odenwälder kein große Sache: "Mir ist der Ball irgendwie leicht ans Gesicht gesprungen und hat dann geflattert. Das ist doch selbstverständlich, das man das dann auch sagt." 

Meilenstein in der Karriere Franziskas

Die Ozeanien-Asien-Reise des EM-Dritten, die nun in Malaysia endete, ist aber auch ohne den heutigen Sieg ein Meilenstein in der Karriere des 27-Jährigen. Die Art und Weise, wie Franziska gestern dem Weltranglistensechsten Liang Jingkun sein Spiel aufzwang, wie er vor einer Woche in Australien den vormaligen Dauer-Weltranglistenersten Fan Zhendong besiegte und dessen Nachfolger Xu Xin im Halbfinale samt Matchball an den Rand der Niederlage drängte, macht den Modell-Athleten neben den beiden ehemaligen Weltranglistenersten Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov zum dritten deutschen Gefährder der chinesischen Superstars.

Franziska, der zudem in Australien den WM-Zweiten Mattias Falck (Schweden) bezwungen hatte, zieht eine positive Bilanz: "Ich nehme ganz viel Selbstvertrauen mit in die olympische Saison. Es ist ein gutes Gefühl nun zu wissen, dass ich auch die besten Chinesen schlagen kann." Heute Abend fliegt Franziska zurück nach Deutschland und von dort in den Sommerurlaub in die Heimat seiner Lebensgefährtin Frida, der Schwester des schwedischen Nationalspielers Kristian Karlsson. Nochmals Franziska: "Jetzt werde ich mich zwei Wochen erholen, aber sicherlich auch mal ein Läufchen zwischendurch machen. So ganz die Beine hochlegen, das kann ich irgendwie doch nicht."

Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf wird's freuen. Der Hesse trifft Sonntag aus Malaysia in der Heimat ein und erwartet am Montag in Düsseldorf schon den ersten Teil seiner Nationalspieler zum Sommer-Lehrgang im Deutschen Tischtennis-Zentrum (DTTZ) . Roßkopf: "In den nächsten drei Wochen haben wir praktisch durchgehend Vorbereitungs-Lehrgänge, jeweils in unterschiedlichen Besetzungen. Wir stehen vor einer langen olympischen Saison."


Han Ying unterliegt der Nummer fünf der Welt

Nach einer herausragenden Leistung am Vortag gegen die Weltranglistenachte Cheng I-Ching (Taiwan) endete die T2-Diamond-Reise für die Wahl-Düsseldorferin Han Ying im Viertelfinale. Gegen die nahezu fehlerlos aufspielende Chinesin Wang Manyu, die Nummer fünf des ITTF-Rankings, fand die Silbermedaillengewinnerin der European Games beim 7:11, 6:11, 6:11 und 10:11 kein probates Rezept, um den Rhythmus der ungemein schnell auf den Punkt drängenden Asiatin zu unterbrechen. Erst im vierten Durchgang wurden die Ballwechsel teilweise länger, und nach einer Abwehr eines Matchballes erarbeitete sich Han Ying nach einem brillanten Konter die Chance, mit einem Vorhandschuss auf 1:3 zu verkürzen und den Fast5-Modus zu erreichen. Der Ball flog jedoch um Zentimeter über den Tisch hinaus. Nach dem Match sagte die 36-Jährige, die sich nun auf eine gemeinsame Woche Urlaub mit ihrer Tochter Leonie freut: "Ich bin ich mit meiner Leistung zufrieden. Das ist einfach eine ganz andere Qualität, die man so im Training gar nicht erlebt. Deshalb muss man  im Match mehr riskieren und probieren, um nach seiner Chance zu suchen. T2 war ein gutes Turnier für mich." Das sah auch Jörg Roßkopf so, der Han Ying in Johor betreute: "Ying, die sich heute gegen eine überragende Chinesin gut verkaufte, hat ein starkes Turnier gespielt. Der Sieg gestern über die Cheng war zudem sehr wertvoll. Ying nimmt wichtiges Selbstvertrauen mit in die olympische Saison."

Japanerin Kato bezwingt Weltranglistenerste Chen Meng

In Malaysia geht es heute noch mit zweiten Teil der Viertelfinalbegnungen weiter. Im Herren-Halbfinale am Sonntag trifft Wong Chung Ting entweder Weltmeister Ma Long oder Taiwans Jungstar Lin Yun-Ju gegenüber, das andere Vorschlussrundenspiel bestreiten Xu Xin und der Gewinner des chinesischen Duells zwischen Fan Zhendong und Lin Gaoyuan.

Bei den Damen steht Wang Manyu im Halbfinale entweder Ex-Weltmeisterin Ding oder der Singapur-Chinesin Feng Tianwei gegenüber. Für eine Riesenüberraschung hatte heute im ersten Damen-Viertelfinale die letzte im Turnier verbliebene Japanerin Miyu Kato gesorgt, die in sechs Sätzen die Titelhoffnungen der Weltranglistenersten Chen Meng beendete. Kato trifft im Kampf um den Einzug in das Endspiel am Sonntag ebenfalls auf eine Chinesin, entweder Sun Yingsha oder Zhu Yuling.

 

T2 Diamond: Turnier mit modifizierten Regeln

2017 ohne Einbindung in die ITTF-Veranstaltungsserien und mit eigenem Regelwerk ins Leben gerufen, betten sich im Jahr 2019 drei T2 Diamond-Turniere als Einzel-Events mit jeweils 16 Teilnehmer/innen in den Turnierkalender des Weltverbands ein. Ausgeschüttet werden in Johor, Malaysia (18. bis 21. Juli), in Haikou, China (26. bis 29. September) und beim finalen T2-Event in Singapur (21. bis 24. November) Preisgelder in Höhe von insgesamt 1,5 Millionen US-Dollar. Ausgetragen werden die Turniere direkt ab der ersten Runde, dem Achtelfinale, im K.-o.-System.

T2 ist wie bei der Premiere 2017 auch diesmal wieder anders, angefangen bei der Präsentation. Schauplatz für die hierzulande nur im  zu verfolgenden Begegnungen ist die T2 Cavern, die T2-Höhle, bei der die Zuschauer in den Pinewood Studio von Johor Bahru einer runden Arena ähnlich um den Spieltisch drapiert sind.

T2 Diamond ist zudem auch 2019 ein Spielplatz für neue Ideen, die Tischtennis medientauglicher machen sollen. Dazu gehören auch modifizierte Regeln.

1 - Gespielt wird auf vier Gewinnsätze bei einer festgelegten Spieldauer von 24 Minuten.
2 - Jeder Satz endet mit dem Erreichen des elften Punkts. Beim Stand von 10:10 entscheidet unmittelbar der nächste Punkt.
3 - Ist das Match nach 24 Minuten noch nicht beendet, wird der Zählmodus auf die Methode "Fast 5" (Schnelle 5) ab dem nachfolgenden Satz bis zum Spielende verkürzt. Bei "Fast 5" enden alle Sätze jeweils mit dem Erreichen des fünften Punkts. Beim Stand von 4:4 entscheidet auch hier der nächste Punkt. Im Modus "Fast 5" wechselt der Aufschlag nach jedem Punkt.
Enden die 24 Minuten innerhalb eines laufenden Satzes, so wird dieser bis elf zu Ende gespielt.

Links


Die Auslosung und Ansetzungen in der Übersicht


HERREN

Finale (Sonntag)
15.15 Uhr

Spiel um Platz 3 (Sonntag)
13.45 Uhr

Halbfinale (Sonntag)
Xu Xin CHN - Fan Zhendong CHN oder Lin Gaoyuan CHN 8.15 Uhr
Wong Chun Ting HKG - Ma Long CHN oder Lin Yun-Ju TPE 6.45 Uhr

Viertelfinale (Samstag)
Ma Long CHN - Lin Yun-Ju TPE 12.45 Uhr
Patrick Franziska GER - Wong Chun Ting HKG 1:4 (-9,-10,10,-2; F5: -3)
Xu Xin CHN - Mattias Falck SWE 4:1 (6,6,-10,3; F5: 1)
Fan Zhendong CHN - Lin Gaoyuan CHN 13.30 Uhr

Achtelfinale
Ma Long CHN - Simon Gauzy FRA 4:1 (7,9,4,-6; F5: 0)
Lin Yun-Ju TPE - Jun Mizutani JPN 4:0 (9,10,7,8)
Patrick Franziska GER - Liang Jingkun CHN 4:2 (10,-4,8,-7; F5: 1,3)
Wong Chun Ting HKG - Tomokazu Harimoto JPN 4:2 (9,-6,10,5; F5: -2,3) 
Dimitrij Ovtcharov GER - Xu Xin CHN 0:4 (-5,-8,-7,-9) 
Mattias Falck SWE - Koki Niwa JPN 4:2 (8,8,10,-10; F5: -2,3)
Fan Zhendong CHN - Hugo Calderano BRA 4:0 (8,10,6; F5: 2)
Lin Gaoyuan CHN - Wang Chuqin CHN 4:1 (-7,7,5,7: F5: 4)



DAMEN

Finale (Sonntag)
14.30 Uhr

Spiel um Platz 3 (Sonntag)
13 Uhr

Halbfinale (Sonntag)
Wang Manyu CHN - Ding Ning CHN oder Feng Tianwei SIN 7.30 Uhr
Sun Yingsha CHN oder Zhu Yuling CHN - Miyu Kato JPN 6 Uhr

Viertelfinale (Samstag)
Han Ying GER - Wang Manyu CHN 0:4 (-7,-6,-6,-10)
Ding Ning CHN - Feng Tianwei SIN 14.15 Uhr
Sun Yingsha CHN - Zhu Yuling CHN 12 Uhr
Miyu Kato JPN - Chen Meng CHN 4:2 (4,9,-4; F5: 6,-2,4)

Achtelfinale
Wang Manyu CHN - Sofia Polcanova AUT 4:0 (10,7,3,5)
Han Ying GER - Cheng I-Ching TPE 4:1 (8,9,-9; F5: 2,2)
Feng Tianwei SIN - Miu Hirano JPN 4:2 (-8,-9,10; F5: 4,3,4)
Ding Ning CHN - Bernadette Szocs ROU 4:1 (-5,4,7,2; F5: 2)
Zhu Yuling CHN - Kasumi Ishikawa JPN 4:1 (6,7,0,-7,8)
Sun Yingsha CHN - Chen Szu-Yu TPE 4:0 (6,8,3,5)
Miyu Kato JPN - Mima Ito JPN 4:3 (-4,4,10,-4; F5: -1,-1,4) 
Chen Meng CHN - Doo Hoi Kem HKG 4:2 (5,10,-7,2; F5: -1,3) 


Das deutsche Aufgebot in Johor (Malaysia)

Herren-Einzel: Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken TT), Dimitrij Ovtcharov (Fakel Gazprom Orenburg, Russland)
Damen-Einzel: Han Ying (KTS Tarnobrzeg, Polen)
Trainer: Jörg Roßkopf (Herren-Bundestrainer)

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