Kann die Finger nicht vom Schläger lassen: Fanbo Meng beim Sitz-Tischtennis. Und im Kraftraum (Fotos: Sonja Scholten)
Nachwuchsass außer Gefecht, aber optimistisch: Zweite Hüftoperation steht bevor

Daumen drücken für Fanbo Meng!

Fanbo Meng 18.02.2019

Düsseldorf. Es ist ruhig geworden um Fanbo Meng. Dabei ist das Jahr 2018 für den 18-jährigen Bewohner des Deutschen Tischtennis-Internats in Düsseldorf eigentlich ganz erfolgreich verlaufen: mit dem Titelgewinn beim DTTB Top 12 der Jugend ohne Niederlage, Platz zwei bei den Deutschen Jugend-Meisterschaften im Einzel und Gold im Doppel sowie einem dritten Platz bei den Swedish Open. Bei den Jugend-Euros in Cluj-Napoca überraschte Meng mit einem Sieg über den an Position drei gesetzten rumänischen Lokalmatador Cristian Pletea im Einzel-Wettbewerb, stand noch am Jahresende im Aufgebot für die Jugend-WM.

Doch zu diesem Zeitpunkt war schon klar, dass die Nummer eins des Zweitliga-Teams des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell bald an beiden Hüften operiert werden müsste. Diagnose: eine Fehlstellung der Hüften, die er seit seiner Geburt hat, und eine Verengung des Hüftgelenkspalts.

OP Nummer eins in München inkl. ambulanter Reha in Düsseldorf hat Fanbo Meng inzwischen überstanden. Am Dienstag steht die zweite Operation an. Wie der Gymnasiast damit umgeht, wie sehr er seinen Sport vermisst und wie er die lange Zeit bis zum ersten Tischtennistraining verbringt, davon erzählt er seinem Tagebuch-Eintrag für tischtennis.de. 

Am Ende kein schmerzfreies Training mehr

„Seit knapp anderthalb Jahren war mir bekannt, dass ich eine Dysplasie an beiden Hüften habe. Das ist eine Fehlstellung der Hüften, die ich seit der Geburt mit mir herumtrage und die durch Zufall von unserem Sportorthopäden und DTTB-Mannschaftsarzt Dr. Antonius Kass entdeckt wurde. Zuerst war nie so richtig die Rede davon, dass ich operiert werden muss. Aber mit der Zeit habe ich immer größere Schmerzen bekommen, allerdings nie so stark, dass ich jede Einheit abbrechen musste. Dennoch habe ich vermehrt Schmerztabletten nehmen müssen, damit ich das Training schmerzfrei durchhalten konnte. 

Auch unsere Physiotherapeuten im Deutschen Tischtennis-Zentrum haben mich verstärkt behandelt und sehr gut unterstützt, wofür ich mich an dieser Stelle gerne bedanken möchte. Irgendwann empfahl mir Dr. Kass, mich einmal von seinem Kollegen Prof. Michael Dienst in München untersuchen zu lassen, der Spezialist für den Hüftbereich ist. Nachdem der mich untersucht hatte, wurde mir mitgeteilt, dass Operationen unumgänglich seien. Es wurde an beiden Seiten zusätzlich ein Impingement diagnostiziert, eine schmerzhafte Verengung des Hüftgelenkspalts.

Zwei Operationen: „Ich war geschockt“ 

Am Anfang war mir die Tragweite noch nicht bewusst, weil ich immer noch trainieren und an Wettkämpfen teilnehmen konnte. Dass eine Operation bevorstand, habe ich lange nicht realisieren. Mein Umfeld und ich waren insgesamt ziemlich überrascht und geschockt von der Situation. Zwei Operationen binnen kurzer Zeit sind in meinem Alter ja ziemlich ungewöhnlich.

Inzwischen habe ich die erste Operation hinter mir. Sie ist sehr gut verlaufen, und der Heilungsprozess läuft auch nach Plan. Auch die Wunden verheilen sehr gut. Die zweite OP ist für den 19. Februar in München angesetzt. 

Von Nach-OP-Frust zur besten Entscheidung

Ich fühle mich sehr gut und bin fest der Meinung, dass es die richtige Entscheidung war, die Operation durchführen zu lassen. Anfangs war ich noch skeptisch und habe mir viele Gedanken darüber gemacht, was passiert, falls die OP nicht gut verläuft und ich nicht wieder zurück zu alter Form finde. Obwohl die ersten Tage nach der OP sehr frustrierend waren und ich mich hilflos gefühlt habe und mich kaum bewegen konnte, weiß ich mittlerweile, dass es die beste Entscheidung war, die ich in dieser Situation treffen konnte. 

Schon jetzt merke ich starke Verbesserungen an meiner Hüfte, obwohl noch nicht alles verheilt ist. Ich arbeite neben meiner Reha momentan viel an meinem Oberkörper. Es fühlt sich zur Abwechslung auch gut an, nicht immer an Tischtennis denken zu müssen. Ich habe viel Zeit zum Nachdenken und für andere Beschäftigungen, denen ich vorher aus Zeitgründen nie nachgehen konnte.

Ich finde, dass eine Operation bzw. eine lange Pause vom Sport Menschen verändert, insbesondere die eigene Sichtweise. Man schätzt es noch mehr, ein Leistungssportler zu sein. Auch charakterlich brachte mich die OP weiter voran. Ich habe gelernt, wie ich mit Rückschlägen umgehe und diese verarbeite. Und ich schätze es mehr, gesund und fit zu sein.

„Kann es kaum erwarten, wieder an den Tisch zu gehen“

Natürlich vermisse ich Tischtennis sehr. Ich kann es kaum erwarten, wieder an den Tisch zu gehen und einfach nur zu spielen. Dennoch ist es ein langer Weg, und ich bin gezwungen geduldig zu bleiben. Aber es ist sehr schön zu sehen, dass Verbesserungen deutlich zu erkennen sind und die Muskeln wieder regenerieren. Nun hoffe ich auf eine zweite erfolgreiche Operation. Ich bin zuversichtlich, da der Chirurg einer der Besten auf seinem Gebiet ist und ich vollstes Vertrauen in ihn habe. 

Nichtsdestotrotz habe ich die Phase nach der OP nur dank der Unterstützung meiner Eltern, Verwandten, Trainer, Pädagogen und Freunde durchgestanden. Ich will mich gerne bei allen bedanken, die mir den Weg erleichtert und mich unterstützt haben.“

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