Die erste Gesundheitssportgruppe ttc berlin eastside mit Übungsleiter Jürgen Schäffner (ganz links), (Foto: Bernd Guder)
Erfahrungsbericht von Jürgen Schäffner, der mit über 60 Spaß am Trainer-Sein gefunden hat

Mein Weg zum Übungsleiter „Gesundheitssport Tischtennis“

Jürgen Schäffner / SH 16.07.2018

Berlin. Tischtennis-Einsteiger im reifen Alter haben es schwer, im gängigen Spielbetrieb in den Vereinen Fuß zu fassen. Anfängertraining für Kinder, okay, aber Anfängertraining für Erwachsene ist nicht so verbreitet. Oft haben die Neulinge auch etwas andere Ansprüche an ihre Sportart: So soll sie nicht nur einfach Spaß machen, sondern zum Beispiel auch den ganzen Körper gleichmäßig trainieren, stetig die Ausdauer steigern, dabei die Herzfrequenz durchgehend auf dem richtigen Niveau halten, und ja, ein bisschen Entspannung zum Abschluss wäre auch ganz nett für den sanften Ausklang.

Klingt nicht nach unserem Sport? Tut es doch! Beim Kursprogramm „Gesundheitssport Tischtennis“. Wer das in den Vereinen leisten soll? Menschen wie Jürgen Schäffner zum Beispiel. Der Berliner hat gerade seine Trainer-Lizenz „DOSB-Übungsleiter B Sport in der Prävention“ erworben. Beim ttc berlin eastside baut der 64-Jährige gerade seine erste Trainingsgruppe im Gesundheitssport auf. Seine Motivation und seinen Weg dorthin beschreibt er in einem Erfahrungsbericht.

Wie alles begann: Große Verantwortung

Als frischer Inhaber einer Trainer C-Lizenz vertraute mir mein Verein, der ttc berlin eastside, 2015 meine erste Tischtennis-Gruppe mit ca. 30 Mitgliedern im Kinder-Freizeitsport an. Das war eine große Herausforderung für mich.

Die größte Hürde zu Beginn war, dass ich das Training allein zu leiten hatte. Doch ich hatte Glück: Für die Gewinnung von Assistenztrainern waren die Eltern meiner jungen Spielerinnen und Spieler eine große Hilfe. Schließlich meldeten sich vier Interessenten, die in Folge eine Qualifizierung in Angriff nahmen und fortan das Gruppentraining unterstützten. So konnten wir vor allem viel mehr Einzeltraining anbieten, was gerade für Einsteiger besonders wichtig ist. Wir hatten Erfolg. Bis Herbst 2017 hatten wir die erste Jungen-Mannschaft aus der Gruppe für den Wettkampf fit gemacht.

Wie soll es weitergehen: Von der C-Lizenz zur Prävention

In der Saison 2016/17 machte ich mir Gedanken darüber, was für meine eigene Entwicklung als Trainer im Tischtennissport sinnvoll sein könnte. Der Berliner Verband bietet über seinen Referenten für Lehrwesen, Sebastian Bosse, eine Vielzahl von Fortbildungen an. Regelmäßig nahm ich daran teil, konnte meine didaktischen Fähigkeiten zum Trainieren für Jugendlichen und Kindern ab acht Jahren weiter entwickeln und diese an meine Assistenztrainer Hans, Jan, Andreas und Bernd weitergeben. Bei den Fortbildungen bekommt man viele kleine und große Tipps, die einem die Arbeit mit der jüngeren Altersklasse enorm erleichtern. Für mich hat sich die Teilnahme immer gelohnt.

Mich interessierte aber auch die Perspektive, weitere Trainerlizenzen zu erwerben, die der DTTB bzw. der Berliner Tisch-Tennis Verband anbieten. In einem Alter von 60+ kam für mich eine B-Lizenz im Leistungssport nicht mehr in Frage. Auch fehlten mir hier die Vorerfahrungen als Tischtennisspieler in der Regional- bzw. Verbandsliga.

Da bot sich eine andere, eine sehr interessante Option an, nämlich Trainer im Gesundheitssport zu werden. Der nächste Meilenstein aus meiner Sicht. Parallel zu dieser Überlegung schaute ich mich bei einigen Berliner Tischtennisvereinen um. Etwas ernüchtert stellte ich fest, dass nur eine geringe Zahl von ihnen Kurse im „Gesundheitssport Tischtennis“ anbietet. Sebastian Bosse empfahl mir, mit Margrit Howald vom Steglitzer Tischtennis Klub Berlin Kontakt aufzunehmen. Margrit gab mir viele gute Hinweise und empfahl mir wärmstens die Kursleiterin für Gesundheitssport Tischtennis, Doris Simon, vom DTTB.

Video: Einblick in die Kursstunden Jürgen Schäffners beim ttc berlin eastside

 

Zehn Teilnehmer, fünf Tage: Die Ausbildung

Nachdem mein erster Wunschkurs im Jahr 2016 leider nicht zustande kam, klappte es endlich im November 2017. Mit hohen Erwartungen startete ich die Reise von Berlin nach Frankfurt am Main, im Gepäck die Rückendeckung meines Vereinspräsidenten beim ttc berlin eastside, Alexander Teichmann, und – mindestens ebenso wichtig – von meiner Ehefrau, die viel Verständnis für meine Tischtennis-Aktivitäten aufbringt.

Zehn Teilnehmer, fünf Tage Ausbildung, ein sehr anspruchsvolles Kursprogramm, täglich von acht bis 21 Uhr. Die umfangreichen Aufgaben in Sporttheorie und -praxis, der stete Wechsel zwischen intensiver Wissensaufnahme im Seminarraum und praktischer, exakter Umsetzung in der Sporthalle forderte mich bis zur Leistungsgrenze.

Direkt am Anfang wurde uns vor Augen geführt, wie sich die Teilnehmer an unseren Einheiten später fühlen werden: Gleich am ersten Tag absolvierten wir eine 90-minütige Modellstunde im „Gesundheitssport Tischtennis“, angeleitet von Doris Simon, die uns Schritt für Schritt durch die einzelnen Phasen führte, vom Aufwärmen zu Beginn bis zur Entspannung am Schluss. Diese Beispielstunde empfand ich abwechslungsreich, technik- und wissensorientiert, mit vielen koordinativen Elementen bestückt und muskelkräftigend zugleich. Mehr als sonst nahm ich meinen eigenen Körper wahr, und am Ende der Stunde belohnte eine aktive Entspannungsübung den körperlichen und geistigen Einsatz.

Diese Modellstunde möchte ich auch als eine Art „Geburtsstunde“ für alle jene zu erwerbenden Fähigkeiten bezeichnen, die ich später als Übungsleiter Sport in der Prävention immer wieder neu erarbeiten muss. Beate, eine Teilnehmerin des Lehrgangs, sprach sicherlich für alle, als sie sagte, dass sie diesen Kurs als persönliche Bereicherung empfand, sowohl in sportlicher als auch zwischenmenschlicher Hinsicht.

Hausaufgabe in Berlin: Anerkennungsstunden

Nach erfolgreichem Abschluss des Lehrgangs beim DTTB ging es zurück zum ttc. Für die endgültige Anerkennung als „Übungsleiter Sport in der Prävention“ hatte ich noch zwei Zusatzaufgaben bis Ende Februar dieses Jahres zu leisten. Es galt, das erworbene Wissen in die Praxis umzusetzen und dies mittels Planung, Durchführung und Auswertung (Dokumentation, Reflexion) von zwei Kursstunden (je 90 bis 120 Minuten Dauer) unter Beweis zu stellen.

Neben den eigenen Anstrengungen, die beiden Konzepte und Anschauungsmaterialien für die Kursstunden „Gesundheitssport Tischtennis“ zu entwickeln, konnte ich auf die tolle Unterstützung meines Vereins zurückgreifen. Zum einem klappte es mit der Buchung fester Sporthallentermine über unsere Sportmanagerin und Bundesliga-Trainerin Irina Palina. Zum anderen wurde zusätzliches Geld für die Beschaffung von didaktischen Mitteln bewilligt, und schließlich erklärten sich über zwölf Eltern meiner Kinder-Freitzeitgruppe bereit, an meinen ersten beiden Kursstunden aktiv mitzuwirken. Ebenfalls konnte ich mit Bernd Guder einen Video-Coach gewinnen, der Fotos und Video-Sequenzen produzierte und zu einem Trailer zusammenfügte.

In dieser Zeit stand mir meine ehemalige Kursleiterin, Doris Simon, für Detailfragen zu beiden Kursstunden zur Verfügung und gab mir wertvolle Impulse. An dieser Stelle, herzlichen Dank für alles, Doris!

Meine erste Gesundheitssport-Gruppe: Es läuft

Mein erstes Kursprogramm mit zwölf Einheiten ist inzwischen erfolgreich gelaufen. Meine Startergruppe war mit anhaltendem Interesse dabei und organisiert sich inzwischen im Freizeitsport. Darüber freue ich mich sehr.

Mein Ziel ist, zukünftig ein- bis zweimal pro Woche (oder mehr) Kursstunden im Gesundheitssport beim ttc berlin eastside anbieten. Es macht mir großen Spaß. Und zum Glück den Teilnehmerinnen und Teilnehmer ebenfalls.

Interesse geweckt?

Der DTTB bietet von Freitag, 23. November bis Dienstag, 27. November 2018 die nächste Ausbildung zum Übungsleiter B „Sport in der Prävention“ in Frankfurt am Main an. Die Anmeldung erfolgt direkt über click-TT.

Bei weiteren Fragen zur Ausbildung steht Ihnen Daniel Ringleb, Referent für Bildung und Forschung, E-Mail: ringleb.dttb@tischtennis.de, 069-695019-35 zur Verfügung.

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