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Da war nichts zu machen: Ying Han mit DTTB-Teamarzt Dr. Thomas Garn (Foto: MS)
Winter, Shan und Mittelham spielen am Abend um die Medaillen | Deutsches Duell Duda gegen Qiu

Topgesetzte Han muss verletzt aufgeben, zweite Runde nach Maß für DTTB-Herren

SH 19.08.2022

München. Schock bei Deutschlands Damen: Zu Beginn des Achtelfinalvergleichs der Nationalteamkolleginnen Ying Han und Sabine Winter bei den European Championships in München musste die bei der EM topgesetzte Han aufgeben. „Ying hat sich beim Einspielen in der Trainingshalle eine muskuläre Verletzung am Rücken im Bereich der Lendenwirbelsäule zugezogen, die wir dann behandelt haben. Danach hat sie es probiert“, erklärte Deutschlands Mannschaftsarzt, der Düsseldorf Orthopäde Dr. Thomas Garn: „Sie hat aber gemerkt, dass es nicht funktioniert, und dann abgebrochen. Alles weitere werden wir erst im MRT sehen.“

Sabine Winter war voller Mitgefühl für Deutschlands Nummer eins. "Es tut mir unheimlich leid für Ying, die hier sicherlich auch ein Wörtchen um Gold hätte mitreden können", sagte Winter. "Das Spiel heute wäre ein 50-50-Spiel geworden, schön auch für die Zuschauer. Ich wäre lieber in einem Viertelfinale, in dem ich etwas dafür getan habe als so.“ Die Lokalmatadorin und Botschafterin der Multi-Europameisterschaften trifft im Spiel um ihre erste EM-Medaille im Einzel um 18.20 Uhr auf die Italienerin Giorgia Piccolin. Nach Niederlagen im Mixed und im Doppel in der Rudi-Sedlmayer-Halle, fiebert sie nun dem letzten großen Ziel bei ihrer Heim-EM entgegen. "Es ist jetzt mein drittes Viertelfinale nacheinander bei dieser EM. Die letzten beiden habe ich verloren. Es wäre phantastisch, wenn ich mir hier in München vor heimischer Kulisse den Traum von meiner Einzelmedaille erfüllen könnte.“

Auch Nina Mittelham und Xiaona Shan ist der Sprung in die Runde der besten Acht bei der Heim-EM gelungen. Mittelham bekommt es dort mit der frischgebackenen Mixed-Europameisterin Jianan Yuan aus Frankreich zu tun. Shan fordert die portugiesische Linkshänderin Jieni Shao, EM-Finalistin mit der Mannschaft 2019, heraus.

Alle fünf deutschen Herren im Achtelfinale

Bei den Herren hatte der siebte Turniertag für Deutschland nach Maß begonnen. Alle fünf Männer des Bundestrainer-Teams um Jörg Roßkopf sind ins Achtelfinale eingezogen. In der bereits am Nachmittag ausgetragenen Runde der besten Acht kommt es zum deutschen Duell zwischen den Doppelpartnern und Freunden Dang Qiu und Benedikt Duda.

Zuvor hatte nach seinem wackeligen Erstrundenauftritt vor allem Timo Boll im Fokus der Fans in der gut gefüllten Rudi-Sedlmayer-Halle gestanden. Auch zu Beginn der Partie gegen Tschechiens Spitzenspieler Lubomir Jancarik war der Rekord-Europameister zunächst vor allem mit den leichten Fehlern unzufrieden, die er in großer Zahl produzierte. Nachdem er einen ständigen Rückstand von zwei bis drei Punkten ausgleichen sowie zwei Satzbälle des langjährigen TTBL-Spielers beim Stand von 9:10 und 10:11 abwehren konnte, lief es nach Maß für Deutschlands 41-jähriges Sportphänomen. „Gefühlt gehe ich in jede Partie hinein und habe Angst und Bange, dass es wieder extrem schwierig wird“, so Boll vor allem mit Blick auf sein knappes 4:3 in Runde eins gegen den Polen Samuel Kulczycki und seinen kleinen Fehlstart gegen Jancarik. „Da freut es mich natürlich, wenn es gerade zum Ende hin relativ smooth und entspannt geht.“

Timo Bolls Radar funktioniert wieder

Timo Boll spielte die Bälle ab Satz zwei mit wachsender Präzision und Sicherheit, stand fast immer richtig, wenn Jancarik einen Angriff startete und schaltete mit rotationsreichen Topspins auch die brandgefährliche Rückhand des zweifachen Olympia-Teilnehmers aus Tschechien aus, der sich im Vorjahr bei der Einzel-EM in Warschau im Viertelfinale mit Dimitrij Ovtcharov eine Sieben-Satz-Schlacht geliefert hatte.

„Im ersten Spiel hatte ich überhaupt keinen Radar gehabt, hatte gar nicht antizipieren können, wo der Gegner hinzieht. Heute war ich zumindest ab dem zweiten Satz immer da“, kommentierte der Düsseldorfer. „Es fühlt sich gut an, wenn man in den Gegner reinschauen kann und beim Spekulieren viele Treffer hat. Ich habe mit Selbstvertrauen und variabler gespielt und ein paar Ideen gehabt. Es war nicht nur Krampf und Kampf, die Bälle einfach irgendwie auf den Tisch zu bringen, sondern ging mit Spielfreude.“ Bolls Achtelfinalgegner ist das slowakische Abwehrass Wang Yang. Den letzten Vergleich in der Runde der besten Acht beim diesjährigen Europe Top 16 in Montreux hatte Boll zwar mit 4:1 für sich entschieden, das Ergebnis wirkt aber klarer als der Matchverlauf. „Es war für mich ein schweres Spiel, obwohl ich ganz gut gegen Abwehr bin“, erinnerte sich der neunfache WM-Medaillengewinner. „Wang ist gut geworden, und wenn er heiß ist, ist er zurzeit einer der besten Abwehrspieler.“

Dimitrij Ovtcharov trifft nach seinem 4:0 gegen den 20-jährigen Ungarn Csaba András, der in München unter anderem mit einem Erstrunden-Sieg über den Einzel-Europameister von 2016, Emmanuel Lebesson aus Frankreich, hatte aufhorchen lassen, auf den portugiesischen zweifachen Europameister (Doppel und Mannschaft) und Halbfinalisten des Vorjahres, Marcos Freitas. Über die Neuauflage des EM-Endspiels von 2015 sagt Ovtcharov: „Er ist ein starker Gegner, gegen den ich meine beste Leistung zeigen muss, wenn ich weiterkommen will.“

Deutsches Duell der ehemaligen WG-Partner

Der junge Vater Patrick Franziska konnte zwar nach einem schnellen 0:6 den Verlust des ersten Durchgangs gegen Polens Topmann Jakub Dyjas nicht verhindern, ging danach aber mit 3:1 in Satzführung, bevor er sich in Durchgang fünf einem 3:7-Rückstand gegenübersah. „Es geht hier nur über den Kampf, und ich bin ein Kämpfer“, sagte der Bezwinger des chinesischen Weltmeisters Ma Long beim WTT Champions in Budapest im Juli. „Im letzten Satz bei 3:7 musste ich mich selbst pushen. Ich hatte mich geärgert, es war warm in der Halle - da habe ich die Unterstützung des Publikums gut mitgenommen und definitiv bei 9:9 zwei gute Entscheidungen getroffen und dann noch mit 11:9 gewonnen.“ Für den amtierenden Team-Europameister geht es am Nachmittag gegen Freitas' Nationalteamkollegen Tiago Apolonia.

Am meisten zu kämpfen aus dem DTTB-Quintett hatte Benedikt Duda beim 4:3 gegen den österreichischen Doppel-Finalisten Daniel Habesohn. Dang Qiu zeigte gegen den Griechen Ioannis Sgouropoulos eine durchgehend konzentrierte Leistung und verlor keinen Satz. Qiu und Duda sehen die Siegchancen in ihrem Achtelfinal-Duell jeweils bei 50-50. Die Auslosung nehmen die Freunde und ehemaligen WG-Partner in Düsseldorf, wo sie gemeinsam am Deutschen Tischtennis-Zentrum trainieren, wie sie ist. „Wenn man länger bei einem Turnier spielt, stehen einem am Ende sowieso nur noch die Deutschen gegenüber", analysierte Dang Qiu mit einem Augenzwinkern. "Zumindest noch ist es hier ja zum Glück so.“

Die Spiele der Deutschen am Freitag

Herren-Einzel, 2. Runde (32)
Dang Qiu - Ioannis Sgouropoulos GRE 4:0 (8,9,4,5)
Benedikt Duda - Daniel Habesohn AUT 4:3 (4,-11,8,9,-9,-6,7)
Patrick Franziska - Jakub Dyjas POL 4:1 (-6,7,8,9,9)
Dimitrij Ovtcharov - Csaba András HUN 4:0 (5,7,8,8)
Timo Boll - Lubomir Jancarik CZE 4:0 (11,3,1,2)

Achtelfinale
15.55 Uhr: Dang Qiu gegen Benedikt Duda
15.55 Uhr: Patrick Franziska - Tiago Apolonia POR
16.45 Uhr: Timo Boll - Wang Yang SVK
16.45 Uhr: Dimitrij Ovtcharov - Marcos Freitas POR

Damen-Einzel, Achtelfinale
Ying Han - Sabine Winter 0:4 (0,0,0,0) verletzungsbedingte Aufgabe Han
Xiaona Shan - Elizabeta Samara ROU 4:0 (7,5,9,9)
Nina Mittelham - Andreea Dragoman ROU 4:2 (7,-5,7,10,-2,7)

Viertelfinale
18.20 Uhr: Sabine Winter - Giorgia Piccolin ITA, Tisch 1
18.20 Uhr: Bernadette Szocs ROU - Sofia Polcanova AUT, Tisch 2
19.10 Uhr: Xiaona Shan - Jieni Shao POR, Tisch 2
19.10 Uhr: Nina Mittelham - Jianan Yuan FRA, Tisch 1

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