Bingens Spitzenspielerin Chantal Mantz bot gegen Anröchte ihre beste bisherige Saisonleistung und besiegte Aimei Wang und Shi Qi (Bild: Dr. Stephan Roscher).
Langstadt und Anröchte verkaufen sich teuer

Berlin und Bingen gewinnen und eilen der Liga voraus

Dr. Stephan Roscher 03.12.2018

In der Bundesliga-Saison 2018/19 gibt es keine Langweiler. Auch die beiden Sonntagspartien in der stärksten Liga Europas boten Spannung und spielerische Klasse. Am Ende setzten sich zwar die Favoriten durch – eastside behauptete sich in Langstadt, Bingen/Münster-Sarmsheim besiegte Anröchte –, jedoch mussten sie alles geben, um die vermeintlichen Underdogs auf Distanz zu halten. Der Hauptstadtklub führt die Tabelle mit 10:2 Punkten an, gefolgt von Bingen (9:3).

 

TSV Langstadt – ttc berlin eastside 3:6

Der Aufsteiger musste zwar am Ende den verdienten Sieg des hohen Favoriten anerkennen, hatte den Ligaprimus zuvor jedoch 160 Minuten geärgert. Langstadt bot, obwohl seine beiden Spitzenkräfte Petrissa Solja und Cheng Hsien-Tzu fehlten, eine tolle Leistung und wuchs phasenweise über sich hinaus. Exakt das Team hatte man gegen die erfolgreichste Vereinsmannschaft der letzten Jahre aufgeboten, das 2017/18 den Aufstieg von der 2. in die 1. Liga geschafft hatte – und es konnte bis zum 3:3 richtig gut mithalten.

240 Fans in der Eckehard-Colmar-Halle erlebten, wie das Heimteam sogar einige Matches gewann, die man eigentlich gar nicht gewinnen kann. Dass Monika Pietkiewicz und Janina Kämmerer ihr aus Zweitligazeiten bestens eingespieltes Doppel gegen Mühlbach/Chitale siegreich gestalteten, war noch keine Sensation. Doch dass beim Stand von 1:2 Pietkiewicz die Weltranglisten-26. Matilda Ekholm im Duell der Linkshänderinnen in die Schranken weisen würde, ist ein Ereignis aus der Kategorie „Fast unmöglich“. Eigentlich war es schon sensationell, dass es die 35-jährige Polin, Trainerin beim Hessischen Tischtennis-Verband, gegen die zu den besten Spielerinnen Europas zählende Schwedin überhaupt in den Entscheidungssatz schaffte. Doch dass sie im fünften Durchgang einem 6:8-Rückstand in eine 9:8-Führung ummünzte und schließlich mit 11:9 gewann, war schon ein mittleres Tischtennis-Wunder.

Im ersten Durchgang hinten musste Anne Bundesmann zwar dem 15-jährigen indischen Toptalent Diya Chitale, letzte Saison noch in Langstadt unter Vertrag und danach von Berlin an die Spree geholt, in fünf Durchgängen den Vortritt lassen, doch auch Janina Kämmerer wollte noch Geschichte schreiben. Die 20-Jährige, seit Wochen in Topform, fertigte überraschend die bis dahin ungeschlagene Kathrin Mühlbach mit 11:6, 11:6 und 11:7 ab.

Danach hatte der TSV sein Pulver verschossen. Alena Lemmer (gegen Matilda Ekholm), Monika Pietkiewicz (gegen Nina Mittelham) und Anne Bundesmann (gegen Kathrin Mühlbach) mussten Drei-Satz-Niederlagen gegen die im zweiten Durchgang zwingender und fokussierter auftretenden Hauptstädterinnen quittieren. eastside konnte sich somit über den vierten Saisonsieg in Deutschlands Topliga und die Festigung der Tabellenführung freuen.

„Wir haben gut gespielt, hervorragend gekämpft und waren locker genug, Berlin in der einen oder anderen Situation richtig in Bedrängnis zu bringen. Den Spielerinnen hat es riesig Spaß gemacht“, freute sich Team-Manager Manfred Kämmerer. „Anne Bundesmann hatte gegen Diya Chitale im zweiten Satz mit 9:5 geführt und noch mit 9:11 verloren. Hätte sie den Satz gewonnen, hätte sie vermutlich auch das Match nach Hause gebracht. Dann hätten wir 4:2 geführt. Vielleicht wären die Berlinerinnen dann noch etwas nervöser geworden.“

„Mit Ausnahme von Nina Mittelham haben wir heute keine gute Leistung geboten“, so eastside-Manager Andreas Hain. „Was aber letztlich zählt, sind die beiden Punkte. Wir wollen uns oben so schnell wie möglich absetzen und sind auf einem guten Weg, auch wenn Bingen zurzeit stark spielt und Anschluss hält. Wenn wir nächsten Sonntag noch Kolbermoor schlagen, sind wir absolut im Plan.“

 

TTG Bingen/Münster-Sarmsheim – TTK Anröchte 6:4

Circa 130 Fans erlebten ein spannendes Duell zweier hochmotivierter Mannschaften, das sich über weite Strecken auf Augenhöhe abspielte.

Es schien, als würde der Gast aus Ostwestfalen den besseren Start erwischen. Die Doppel Shi Qi/Yang Henrich und Aimei Wang/Marta Golota legten los wie die Feuerwehr und schienen bei 2:0-Satzführungen bereits auf die Zielgerade einzubiegen. Doch beide Matches kippten noch – am Ende durften Chantal Mantz/Yuan Wan und Marie Migot/Giorgia Piccolin knappe Siege bejubeln. Mit dem 2:0 – aus Sicht der Gäste unnötig, wie deren Vorsitzender Manfred Vogel später meinte – hatten sich die Rheinhessinnen eine günstige Ausgangsposition geschaffen. Und sie legten nach. Die diesmal absolut überzeugende Chantal Mantz nutzte ihre Chancen in einem weiteren engen Match gegen Defensivkünstlerin Aimei Wang konsequent und siegte in fünf Durchgängen zum 3:0-Zwischenstand.

Zwar konnten Shi Qi (3:0 gegen Yuan Wan) und Marta Golota (3:1 gegen Marie Migot) verkürzen, doch stellten Giorgia Piccolin (3:1 gegen Yang Henrich) und Mantz, die ohne Satzverlust Shi Qi besiegte, den Drei-Punkte-Abstand wieder her. Nach einem Match mit lauter engen Sätzen musste die diesmal glücklose Yuan Wan ihrer Kontrahentin Aimei Wang gratulieren. Dies bedeutete nicht nur den Anschluss zum 3:5, sondern gleich auch noch das 4:5, da Marie Migot verletzungsbedingt nicht zu ihrem zweiten Einzel gegen Yang Henrich antreten konnte.

Folglich kam es zum finalen Showdown zwischen der italienischen Meisterin Giorgia Piccolin und der Polin Marta Golota. Die überaus fokussierte Italienerin setzte sich mit 11:8, 11:7 und 14:12 durch und ließ ihr Team nach einer Gesamtspielzeit von drei Stunden und 20 Minuten den vierten Saisonsieg bejubeln.

“Heute waren Chantal Mantz und Giorgia Piccolin unsere beiden Besten“, so Bingens Vorsitzender Joachim Lautebach. „Dennoch hat die ganze Mannschaft ein großes Lob verdient. Es macht Spaß zuzusehen, wie die jungen Spielerinnen top motiviert an die Tische gehen und alles geben.“ Generell ist Lautebach äußerst zufrieden mit den Leistungen seines jungen Teams. „Ich hätte vor der Saison nicht geglaubt, dass es auf Anhieb so gut laufen würde“, sagt Lautebach. „Zwar kann noch eine Menge passieren, aber 9:3 Punkte sind schon mal ein gutes Polster mit Blick auf die Qualifikation für die Play-offs. Ich denke, es sieht recht gut aus, zumal wir mit Lily Zhang ja noch eine fünfte starke Spielerin in der Hinterhand haben.“

„Wir haben heute unsere Chancen nicht genutzt, und wenn du sie nicht nutzt, dann stehst du am Ende eben mit leeren Händen da“, so TTK-Chef Manfred Vogel. „Eigentlich durften wir heute hier nicht verlieren.“ Vogel fügte hinzu: „Die beiden Doppel haben uns letztlich das Genick gebrochen. Wir haben in beiden 2:0 geführt und sie dann noch hergegeben. Auch das erste Einzel von Aimei Wang ging so knapp verloren. Wir sind diesem Rückstand dann bis zum Schluss nachgelaufen.“ Der Anröchter Vorsitzende zeigte sich zwar vom Ergebnis enttäuscht, wollte seinen Spielerinnen aber keinen Vorwurf machen: „Sie haben alles versucht und gut gekämpft und bei Marta Golota war eine Aufwärtstendenz zu erkennen.“

 

Die Ergebnisse und Begegnungen im Detail finden Sie hier.

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