Die Ägypterin Dina Meshref wird am Samstag für den TSV Langstadt erstmals in der Bundesliga aufschlagen (Bild: Dr. Stephan Roscher).
Vier Partien am Wochenende

Die Liga nimmt Fahrt auf

Dr. Stephan Roscher 26.09.2019

Die 1. Bundesliga Damen nimmt allmählich Fahrt auf. Nachdem bisher hauptsächlich die Topklubs im Einsatz waren und überwiegend klare Siege gegen „Underdogs“ einfuhren, steigen nun auch Teams aus dem vermuteten „Mittelbau“ ein wie Bad Driburg und Langstadt, die am Samstag aufeinandertreffen. Der TuS muss tags darauf auch in Bingen ran. Am Sonntag steigt ferner die Partie zwischen Anröchte und Busenbach, die beide das Saisonziel Klassenerhalt ausgegeben haben. Böblingen ist stärker besetzt als in der Vorsaison, dürfte es jedoch in Kolbermoor schwer haben.

Samstag, 15 Uhr: TSV Langstadt – TuS Bad Driburg

Die beiden Play-off-Halbfinalisten der Vorsaison werden in der neuen Spielzeit allgemein zu den Anwärtern auf Platz drei gezählt. Eine interessante Partie, die einen ersten Fingerzeig geben dürfte, wer von beiden stark genug ist, den beiden „Übermannschaften“ aus Berlin und Kolbermoor als Verfolger im Nacken zu sitzen.

Bei der 14 Tage zuvor ausgetragenen Pokalqualifikation konnten Solja und Kolleginnen mit 3:1 gewinnen und sich damit für das Final Four qualifizieren. „Das Spiel hat aber relativ wenig Aussagekraft, denn Bad Driburg war ohne Britt Eerland und Nadine Bollmeier angetreten“, warnt TSV-Coach Thomas Hauke vor übertriebener Euphorie. „Wir wollen gut in die Saison starten und mit unserem Publikum im Rücken etwas Zählbares holen“ so der Sportliche Leiter Manfred Kämmerer.

Dabei dürfen sich die Fans auf das Heimdebüt des Neuzugangs aus Ägypten, Dina Meshref, freuen. Da Meshref spielt, bedeutet das zwangsläufig, dass die Taiwanerin Cheng Hsien-Tzu nicht dabei ist. Eine interessante Spielerin ist die 25-jährige Linkshänderin Meshref, in der Weltrangliste aktuell auf Platz 42 geführt, auf jeden Fall, schon aufgrund ihres bedingungslosen Offensivspiels – Vorhand wie Rückhand. Zur weiteren Aufstellung verrät Manfred Kämmerer: „Wir haben zum Glück einen großen Kader und alle Spielerinnen stehen zur Verfügung. Wir können daher mit der stärksten Aufstellung antreten.“ Das bedeutet also, dass Solja und Meshref vorne aufschlagen werden. Und für die Positionen drei und vier stehen Spielerinnen wie Monika Pietkiewicz, Alena Lemmer oder Janina Kämmerer zur Auswahl.

Mit Britt Eerland, Sarah de Nutte, Nadine Bollmeier sowie dem 16-jährigen deutschen Toptalent Sophia Klee und der neu dazu gestoßenen, 18-jährigen Yuki Tsutsui ist aber auch Bad Driburg gut aufgestellt.

„Nun geht die neue Saison endlich auch für uns los. Wir freuen uns sehr darauf und auf viele schöne und interessante Spiele“, so TuS-Manager Franz-Josef Lingens. „Spannung ist auch angesagt um Platz 1/2 und bei wohl zwei Absteigern um die Plätze 3 bis 9. Bei uns geht es gleich zu Beginn mit einem tollen Koppelwochende auswärts los. Beide Spiele sehe ich als 50:50 an. Alles ist möglich.“

Es könnte spannend werden in Langstadt. Ähnlich wie in der letzten Saison, als man sich – nach einer 4:6-Vorrunden-Niederlage des TSV in Bad Driburg – beim Rückspiel in Südhessen die Punkte teilte.

Sonntag, 14 Uhr: TTG Bingen/Münster-Sarmsheim – TuS Bad Driburg

Die TTG hat personell ein wenig abgespeckt. Mit Marie Migot, die der französische Verband mit Blick auf die Olympischen Spiele wieder unter seinen Fittichen haben wollte, und Lily Zhang, die es nach Kolbermoor gezogen hat, sind zwei sehr starke Spielerinnen nicht mehr dabei. Dagegen muss man erst einmal sehen, wie das 16-jährige US-Toptalent Amy Wang, Nummer eins der U18-Weltrangliste, in der Bundesliga zurechtkommt. Gleiches gilt für die 24-jährige Tschechin Katerina Tomanovska.

Das 0:6 bei Titelverteidiger eastside hatte wenig Aussagekraft. Nach der Partie gegen den TuS wird man ein ganzes Stück klüger sein, wie stark die aktuelle TTG tatsächlich einzuschätzen ist.

Von Amy Wangs Künsten werden sich die Fans am Sonntag live überzeugen können. „Gespannt sein, darf man auf Amy und ihren ersten Einsatz in der Liga“ sagt Bingens Vorsitzender Joachim Lautebach. „Wir hoffen auf entsprechenden Zuschauerzuspruch. Gerade auch wegen ihr sollte der ein oder andere mehr kommen.“ Personell kann die TTG aus dem Vollen schöpfen: „Unsere Mannschaft wird mit allen Spielerinnen am Sonntag vertreten sein.“

Das Saisonziel ist für Lautebach eindeutig: „Während Berlin, Kolbermoor, Langstadt und Bad Driburg die oberen Plätze in der Tabelle ausspielen werden, geht es für die restlichen fünf Mannschaften gegen den Abstieg. Ziel dieser Mannschaften wird es deshalb sein, den siebten Tabellenplatz zu erreichen. Dies gilt auch für unser neuformiertes Team.“

Die Mannschaft aus Bad Driburg, die personell so gut dasteht wie letzte Saison, als man die Punktrunde als Dritter abschloss und bis ins Halbfinale vorstieß, und noch die talentierte Yuki Tsutsui dazu bekommen hat, reist auf jeden Fall leicht favorisiert an.

Die Mannschaft aus Bad Driburg, die personell so gut dasteht wie letzte Saison, als man die Punktrunde als Dritter abschloss und bis ins Halbfinale vorstieß, und noch die talentierte Yuki Tsutsui dazu bekommen hat, reist auf jeden Fall leicht favorisiert an. „Ein guter Start wäre schon wichtig und wir wollen schon etwas punktemäßig mit nach Hause nehmen“, sagt Franz-Josef Lingens und meint dabei beide Partien des Wochenendes, also auch das Spiel in Bingen.

Chantal Mantz und Kolleginnen wollen jedoch mit dem Fans im Rücken und viel Herzblut dagegenhalten und ebenso etwas Zählbares erringen. Man darf gespannt sein. 

Sonntag, 14 Uhr:  SV DJK Kolbermoor  – SV Böblingen

Mit 4:0 Punkten und 12:3 Spielen liegt der Meisterschaftsmitfavorit aus Oberbayern voll im Soll, während der Gast aus Böblingen seine erste Bundesligapartie bestreitet. Der Vizemeister musste den Abgang von Sabine Winter nach Schwabhausen verkraften. Neu hinzu kamen dafür Lily Zhang aus Bingen, Ding Yaping aus Metz und Anastasia Bondareva aus Busenbach. Und dann gibt es ja immer noch Liu Jia als Nummer eins für besondere Spiele. Kolbermoor dürfte also stärker sein als je zuvor.

Dessen Trainer Michael Fuchs zeigt dennoch Respekt vor den Württembergerinnen. „Wenn etwas nicht einfach ist, dann das Spiel gegen Böblingen. Es war die letzten Spiele immer außerordentlich knapp und zusätzlich mit Mitsuki Yoshida wird das ein ganz, ganz schweres Spiel“, so Fuchs. „Eine Qianhong Gotsch ist immer gut für zwei, wenn nicht sogar drei Punkte. Um gegen Böblingen zu gewinnen, muss man im unteren Paarkreuz die Punkte holen und da kommt es dann darauf an, wie Böblingen antritt. Ich erwarte ein ganz knappes Spiel mit mehreren spektakulären Partien. Am Ende könnten die Doppel den entsprechenden Vorteil für die eine oder andere Mannschaft bringen.“

SVB-Pressewart Manfred Schneider schreibt in seinem Vorbericht: „Ein überaus harter Brocken. Letzte Saison hielt sich die SV Böblingen gegen Kolbermoor allerdings achtbar. Zweimal gab es mit 4:6 die knappste aller Niederlagen.“ Schneider fährt fort: „Die SV Böblingen will am Sonntag Qianhong Gotsch, Mitsuki Yoshida, Rosalia Stähr, Annett und Alexandra Kaufmann entgegensetzen. Annett Kaufmann holte zuletzt Team-Bronze bei den Schülerinnen bei den Croatia Open in Varazdin. Die SVB betreuen werden Evelyn Simon und Volker Ziegler, der als Bundestrainer letzte Woche große Erfolge bei der Para-EM in Helsingborg feierte.“

 

Sonntag, 14.30 Uhr: TTK Anröchte – TV Busenbach

Wenn es nicht für beide erst die zweite Bundesligapartie in der noch jungen Saison wäre – beide hatten zum Auftakt jeweils bei einem Topfavoriten nichts zu bestellen, Anröchte verlor in Berlin, Busenbach in Kolbermoor mit 0:6 – könnte man fast von einem „Endspiel“ im Kampf um den Klassenerhalt sprechen.

Beide wollen natürlich irgendwie die Liga halten und werden alles dafür geben. Sollte es tatsächlich diese Saison zwei Vereine erwischen, einer muss auf jeden Fall in den sauren Apfel beißen, wird es schwer für beide. Der TTK-Kader ist schwangerschaftsbedingt dezimiert und der TVB muss das Malheur mit Franziska Schreiner wegstecken, was bedeutet, dass die vier verbliebenen Spielerinnen – Jessica Göbel, Tanja Krämer, Lisa Lung und Lea Grohmann – durchspielen und verletzungsfrei bleiben müssen, zumal man keine zweite Mannschaft „hintendran“ hat.

Durch die starke Leistung bei der Pokal-Qualifikation in Berlin, verbunden mit dem Sieg in der Bundesligagruppe mit Bingen und eben Anröchte, hatte Busenbach eine positive Einstimmung auf die schwierige Saison. Doch das zählt alles wenig, denn am Sonntag in Anröchte gilt es – und das Team, das gewinnt, hat sich vielleicht für Wochen oder sogar Monate eine ziemlich gute Ausgangsposition im Kampf um den Ligaverbleib gesichert.

Der TTG-Vorsitzende Manfred Vogel äußert sich zurückhaltend, wohl wissend, dass seinem Team eine Herkulesaufgabe bevorsteht und alles passen muss, um das Klassenziel zu erreichen. „Die Saison wird für uns mehr als schwierig“, so Vogel. „Unsere Mannschaft stellt sich im Prinzip von selbst auf. Ich verfüge lediglich über vier Spielerinnen. Unsere angedachte Nummer eins Qi Shi ist schwanger und wird uns in dieser Saison nicht zur Verfügung stehen.“ Der Ausfall von Shi hat eine weitere Konsequenz: „Schwer wird es sicherlich auch für unseren Neuzugang Ting Yang, die ja im unteren Paarkreuz spielen sollte und jetzt auf der Position zwei spielen muss.“ Doch da muss man nun halt durch: „Wir werden kämpfen und letztendlich sehen, wie dieses Spiel und die Saison denn so läuft.“

Jessica Göbel will mit ihrem Team am Sonntag etwas reißen. „Wir wollen natürlich in Anröchte punkten, sind uns aber auch durchaus bewusst, dass das kein Selbstläufer wird“, so Göbel. „Die Doppel werden schon eine Vorentscheidung bringen, wer weiß, vielleicht gibt es schon da eine Überraschung.“ Der Ablauf im Vorfeld kommt fast schon einem Ritual gleich: „Das Team wird sich wie immer am Samstag bei mir zu Hause in Freudenberg einfinden. Nach einem Teamabend und gemeinsamen Frühstück werden wir dann die kurze Anfahrt (ca. 140 Kilometer) nutzen, um den Schlachtplan zu entwickeln. Wir freuen uns auf das Spiel.“

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