Vieles deutet darauf hin, dass Petrissa Solja am Wochenende wieder im Dress des TSV Langstadt zu sehen sein wird (Bild: Dr. Stephan Roscher).
Fünfmal Bundesliga am Wochenende

Duell der Giganten in Kolbermoor

Dr. Stephan Roscher 22.02.2019

Ganz allmählich biegt die Punktrunde in der 1. Bundesliga Damen auf die Zielgerade ein. Nach dem vollen Programm am kommenden Wochenende, an dem alle acht Erstligisten im Einsatz sein werden, haben die meisten Klubs zwölf von 14 Partien absolviert. Die Richtung ist in vielen Fällen dann klar erkennbar. Gut möglich, dass dann auch die sechs Play-off-Teilnehmer definitiv feststehen. Zum absoluten Topspiel kommt es in Kolbermoor, wo Spitzenreiter Berlin seine Aufwartung macht. Beide wollen nicht bloß in die Play-offs, für die sie längst qualifiziert sind, sondern direkt ins Halbfinale. Und das wird speziell für den Meister und Pokalsieger nicht einfach. eastside strebt zudem die Revanche für das Cup-Finale an.

 

Samstag, 15.00 Uhr: TSV Langstadt – TV Busenbach

Beide Teams sind gleich zweimal am Wochenende im Einsatz. Mit einem Sieg hätte der Aufsteiger in seinem ersten Jahr Bundesliga den Play-off-Einzug auch rechnerisch unter Dach und Fach gebracht. Sehr wahrscheinlich ist dieser aber auch dann, wenn es gegen die erst drei Punkte auf ihrem Konto verbuchenden Badenerinnen daneben gehen sollte. Doch Langstadt will nichts anbrennen lassen und kündigt an, in starker Aufstellung aufzulaufen.

Manfred Kämmerer deutet an, dass man in starker Besetzung auflaufen wird. „Die Aufstellung beim TSV wird wieder kurzfristig entschieden“, so der Sportliche Leiter. „Fest steht jedoch, dass wir gegenüber dem Kolbermoor-Spiel eine wesentlich veränderte Mannschaft ins Rennen schicken werden.“ Das Hinspiel in Waldbronn gewannen die Hessinnen mit Petrissa Solja aber ohne Cheng Hsien-Tzu mit 6:3. „Für Busenbach ist dieses Spiel die letzte Möglichkeit, vielleicht nochmal in den Kampf um die Play-Offs einzugreifen“, sagt Coach Thomas Hauke. “Wir rechnen daher mit hoch motivierten Gästen.“

Nicht allzu optimistisch klingt dagegen Jessica Göbel: „Wie auch am Sonntag in Bad Driburg sind wir Außenseiter. Wenn Langstadt komplett spielt, wovon wir ausgehen, wird es schwer werden, etwas Zählbares zu holen. Das vordere Paarkreuz mit Peti und der Chinesin sind uns da meilenweit überlegen und auch unten muss man die Partien erstmal für sich entscheiden.“

 

Sonntag, 10.30 Uhr: SV Böblingen – TSV Langstadt

Seit 22 Monaten hat die Sportvereinigung Böblingen kein Bundesligaspiel mehr gewonnen. Dabei war man oft nicht gerade vom Glück begünstigt, wie zuletzt auch beim 4:6 gegen Kolbermoor, wo man zumindest das Remis auf dem Schläger hatte. Man hofft darauf, dass in einer der drei ausstehenden Partien – Langstadt und Busenbach zu Hause, Bingen auswärts – der Knoten platzt. Dann hätte man die Saison doch noch zu einem halbwegs versöhnlichen Abschluss gebracht.

Dass die SVB eigentlich alles andere als eine schwache Mannschaft ist, die sich zudem vor heimischer Kulisse immer besonders reinhängt, weiß man natürlich auch in Langstadt. Gegen die Württembergerinnen gewann man zum Runden-Auftakt mit 6:3 und hatte Solja, die um ein Haar Gotsch geschlagen hätte, sowie Cheng an Bord. Dennoch war es ein enges Spiel, das auch 5:5 hätte ausgehen können.

„Böblingen hatte bislang extremes Verletzungspech in dieser Saison. Sollten alle Spielerinnen fit sein, wird auch das ein ganz schweres Spiel für uns“, ist Manfred Kämmerer überzeugt. Böblingen hofft auf etwas Zählbares: „Qianhong Gotsch gewann klar gegen Cheng und ganz knapp gegen Solja. Theresa Kraft steuerte auch einen Zähler bei“, lässt Pressewart Manfred Schneider das Hinspiel Revue passieren, der auch darauf hinweist, dass sich ein Kamerateam des Hessischen Rundfunks angekündigt hat. „Auf die Punkte dieser beiden ist die SVB auch diesmal angewiesen. Vielleicht gelingt dann auch noch ein Erfolg in den Doppeln wie zuletzt durch Kraft/Kaim beim knappen 4:6 gegen Kolbermoor.“

 

Sonntag, 14.00 Uhr: SV DJK Kolbermoor – ttc berlin eastside

Es ist das Schlagerspiel der 1. Bundesliga Damen. Spitzenreiter eastside möchte gegen den Meister und Pokalsieger Revanche nehmen für die Niederlage im Cup-Finale und in Oberbayern so souverän auftreten wie beim glatten 6:1 im Hinspiel, bei dem ganze drei Sätze an Kolbermoor gingen. Es ist halt schon ein gigantischer Unterschied, ob der Titelverteidiger mit oder ohne Liu Jia aufschlägt. Am Sonntag wird die Österreicherin vermutlich nicht dabei sein.

Gewinnen Shan und Kolleginnen, ist die direkte Qualifikation für die Play-off-Halbfinals unter Dach und Fach gebracht. Mehr noch: Der Spitzenplatz zum Abschluss der Punktrunde ist dann sicher – und genau den streben die Hauptstädterinnen auch an. Winter und Co. wollen sich diesmal natürlich nicht abschießen lassen wie in Berlin und vor eigenem Publikum gut dagegenhalten.

Im Fernduell um Platz zwei mit Bad Driburg sieht man aber auch im Fall einer Niederlage noch Chancen. „Aktuell sind wir verlustpunktgleich mit Bad Driburg und spielen ja noch gegen sie, weshalb ein Sieg gegen Berlin kein Muss ist, um trotzdem den zweiten Platz erreichen zu können“, verdeutlicht Kolbermoors Trainer Michael Fuchs. „Deshalb gehen wir locker in das Spiel, welches natürlich kein leichtes Spiel wird. Ich denke, dass Berlin in guter Aufstellung nach Kolbermoor reisen wird und das Bundesliga-Spielsystem kommt den Berlinern auch besser entgegen als das Pokal-System. Trotzdem wissen wir, dass wir sie dieses Jahr schon geschlagen haben und sie nicht unangreifbar sind.“

Keine Kompromisse, so lautet die Devise von eastside-Manager Andreas Hain: „Wir fahren nach Kolbermoor, um den ersten Tabellenplatz endgültig zu sichern. Das bedeutet, wir wollen selbstverständlich auch in Kolbermoor an unsere guten Leistungen der letzten Spiele anknüpfen und einen klaren Sieg holen. Dementsprechend werden wir auch mir einer starken Mannschaft antreten.“

 

Sonntag, 14.00 Uhr: TuS Bad Driburg – TV Busenbach

Die Position der Ostwestfälinnen im Kampf um den zweiten Tabellenplatz, den zwar auch Bingen noch erreichen könnte, der aber in erster Linie noch von Meister Kolbermoor angepeilt wird, ist nicht ungünstig aber auch nicht komfortabel. Sollte Berlin das Topspiel in Bayern gewinnen und der TuS gegen den Tabellenvorletzten beide Punkte einfahren, würde man bei 17:7 Punkten stehen, Kolbermoor dagegen bei 13:9 und müsste das erst einmal wettmachen. Durch wäre Bad Driburg dennoch nicht, zumal man noch gegen den Hauptrivalen, am 17. März vor heimischer Kulisse, an die Tische muss.

Der TVB ist für die TuS-Asse allerdings kein leichter Gegner. Im Hinspiel erkämpften sich die Badenerinnen vor 400 Fans in Sinzheim immerhin ein Remis. Jessica Göbel rechnet sich für ihr Team auch diesmal wieder etwas aus, zumindest sieht sie eine Außenseiterchance. „Gegen Driburg sehe ich mehr Chancen als gegen Langstadt“, so die Busenbacher Mannschaftsführerin. „Wir haben Driburg schon desöfteren das Leben schwer gemacht und uns mit dem ein oder anderen Pünktchen belohnt. Hier werden die Doppel richtungsweisend sein. Wenn wir es schaffen, das Spiel am Anfang offen zu halten, ist auch ein Punkt drin.“

Dagegen hätte der TuS natürlich etwas einzuwenden. „Wir gehen in das Spiel, um nach einiger Zeit mal wieder gegen Busenbach zu gewinnen und unsere gute Ausgangslage für einen Spitzenplatz zu verteidigen. Aber wir sind uns bewusst, wie unangenehm immer Busenbach für uns ist“, sagt Manager Franz-Josef Lingens. Der verstorbene Teambetreuer soll am Sonntag auch vor eigenem Publikum gewürdigt werden: „Wir werden, wie schon in Anröchte, nochmals im Trauerflor wegen des Todes unseres Freundes Siggi Rüster spielen“, so Lingens.

 

Sonntag, 14.30 Uhr: TTK Anröchte – TTG Bingen/Münster-Sarmsheim

Eine interessante Partie steht in Anröchte bevor. Im Hinspiel setzten sich die Rheinhessinnen nach hartem Kampf mit 6:4 durch. In eigener Halle will der TTK dagegen mindestens einen Punkt einfahren, der im Übrigen die definitive Play-off-Teilnahme bedeuten würde.

Nach zwei Partien ohne beide Defensiv-Asse steht Anröchte am Sonntag zumindest Aimei Wang wieder zu Verfügung. Bingen setzt dagegen auf einen Auswärtssieg und wird mit der spielstarken US-Amerikanerin Lily Zhang anreisen. Gegen die Nummer 86 der Februar-Weltrangliste vorne zu punkten, dürfte kein leichtes Unterfangen aus Anröchter Sicht werden.

„Ich denke wir haben durchaus Chancen zumindest auf ein Unentschieden“, so TTK-Chef Manfred Vogel. „Wir haben uns für die Play-offs qualifiziert. An den theoretisch noch fehlenden Punkt denken wir nicht. Unser Saisonziel ist jetzt der vierte Tabellenplatz.“ Dennoch treiben Vogel auch Sorgen um: „Wir haben ein anderes großes Problem. Wir sind damit beschäftigt, eine Halle für die Play-off Spiele zu finden. Die Sporthalle in Anröchte wird wegen Renovierungsarbeiten vom 18. März bis 5. Mai geschlossen. Und im ländlichen Raum ist es sehr schwierig, Ersatz zu finden.“

Bingen möchte am Sonntag beide Zähler aus Ostwestfalen entführen. „Anröchte ist ein wichtiges und richtungsweisendes Spiel für uns“, ist Vereinsvorsitzender Joachim Lautebach überzeugt. „Bei einem Sieg könnten wir den vierten Tabellenplatz für die Play-offs festigen.“ Lautebach zur Personalsituation: „Giorgia Piccolin ist noch verletzt und kann nicht spielen, dafür kommt Lily Zhang zum Einsatz.“

 

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Vorbericht auf der offiziellen Webseite der 1. Bundesliga Damen mit weiteren Fotos

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