Anne Bundesmann durfte sich in Böblingen über ihren ersten Einzelsieg in der 1. Bundesliga Damen freuen (Bild: Dr. Stephan Roscher).
SV Böblingen – TSV Langstadt 4:6

Knapper Sieg für Langstadt in Böblingen, Solja schlägt Gotsch

Dr. Stephan Roscher 24.02.2019

Die Hoffnungen des Tabellenschlusslichts SV Böblingen, gegen Aufsteiger TSV Langstadt den ersten Bundesliga-Sieg seit 22 Monaten zu erzielen, haben sich nicht erfüllt. Auch wenn die Südhessinnen im Vergleich zum 6:1-Erfolg über Busenbach am Vortag im hinteren Paarkreuz mit veränderter, auf dem Papier etwas schwächerer Aufstellung antraten, konnten die Gastgeberinnen ihre Chancen nicht nutzen.

So punkteten hinten sowohl Alena Lemmer als auch Anne Bundesmann gegen Julia Kaim, zogen aber gegen die immer stärker werdende Theresa Kraft den Kürzeren, während sich das Gästeteam vorne ein 3:1 freuen durfte. Petrissa Solja besiegte Rosalia Stähr und Qianhong Gotsch, Cheng Hsien-Tzu bezwang Stähr. In den Doppeln hatte man sich „schwesterlich“ 1:1 getrennt, Solja/Cheng und Gotsch/Stähr verbuchten jeweils 3:0-Siege.

Es war eine packende Partie, in der sich beide Teams auf Augenhöhe begegneten. Der Sieg der Europe-TOP 16-Gewinnerin Petrissa Solja, die ihren Vertrag in Langstadt verlängert hat, über Qianhong „Hongi“ Gotsch brachte die Wende zugunsten des TSV. In der Vorrunde hatte Böblingens 50-jährige Defensiv-Ikone in einem wahren Krimi noch knapp die Oberhand behalten. Diesmal zeigte die Weltranglisten-26. den längeren Atem. Mit 2:1 Sätzen führte Gotsch (11:13, 13:11, 11:8), die zudem im vierten Durchgang mit 8:6 in Front lag, doch „Peti“ behielt die Nerven und gab bis zum 11:8 keinen Punkt mehr ab. Die nachfolgenden beiden Sätze gewann die Pfälzerin mit 11:8 und 11:7. Erneut ein tolles Match Abwehr vs. Angriff, das keinen Zuschauer unberührt ließ. Der Sportliche Leiter des TSV, Manfred Kämmerer, ging sogar noch weiter: „Das war ein absolutes Weltklassespiel!“ „Ich bin sehr, sehr glücklich, sie endlich mal gepackt zu haben, nachdem es in der Vorrunde schon so eng war“, so die Siegerin, die tatsächlich trotz diverser Versuche noch nie zuvor gegen die Böblinger Defensiv-Königin gewonnen hatte.

Soljas Einzelbilanz mit nunmehr 16:2 kann sich wirklich sehen lassen, Gotsch ist inzwischen bei 20:3 angekommen. Kolbermoors Kristin Lang (16:3) mischt in der Bundesliga-Bestenliste auch noch ganz vorne mit. Diese drei Spielerinnen überzeugen bisher restlos in der stärksten Liga Europas. Zu nennen ist in diesem Zusammenhang sicher auch noch Nina Mittelham, die in ihrer ersten Berliner Saison 15:2 steht, wobei sie auch einige der Matches hinten bestritten hat.

Erfreulich aus Gäste-Sicht war, dass Anne Bundesmann, die etatmäßig vorne im Drittliga-Team aufschlägt, jedoch zum erweiterten Kader der „Ersten“ zählt, der erste Sieg im Oberhaus gelang. Im Einzel wohlgemerkt, im Doppel war sie bereits einmal siegreich vom Tisch gegangen - übrigens zum Saisonauftakt gegen Böblingen. Beim Stand von 5:4 duellierte sich Bundesmann im abschließenden Match mit Julia Kaim, die ihren Farben das Remis retten wollte. Die ersten beiden Sätze (12:10, 10:12) waren an Spannung nicht zu übertreffen. Der dritte Durchgang ging klar an Bundesmann, doch Kaim bäumte sich auf und egalisierte. Im Entscheidungssatz zog die rotblonde Langstädterin jedoch von Anfang an weg und führte schnell mit 8:1 – am Ende wurde ein 11:5 daraus und auch Anne Bundesmann durfte endlich jubeln. Der Gewinnerin fiel ein Stein beziehungsweise ein ganzes Gebirge vom Herzen: „Ich bin überglücklich, dass ich heute mein erstes Spiel in der Bundesliga gewinnen konnte. Und dass es auch noch der Mannschaft zum Sieg verholfen hat, macht es umso schöner.“

"Wir haben nicht schlecht gekämpft. Dreimal ging es in den fünften Satz, dreimal haben wir allerdings verloren. Für Julia ist es zur Zeit schwierig, ihr Studium mit dem Training zu verbinden. Theresa war phänomenal gegen Alena Lemmer, das war megagut", so SVB-Coach Andrzej Kaim.

Durch die beiden Erfolge schob sich Langstadt mit nun 13:11 Punkten auf den fünften Tabellenplatz vor. Manfred Kämmerer brachte die Ereignisse vom Samstag und Sonntag auf einen einfachen und prägnanten Nenner: „Ein überragendes Wochenende!“

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