Bingens Nummer zwei Chantal Mantz verlor zwar wie erwartet gegen Qianhong Gotsch, war jedoch gegen Theresa Kraft sowie im Doppel erfolgreich (Bild: Dr. Stephan Roscher).
Siege auch für Bingen und Anröchte

Kolbermoor gewinnt Krimi in Bad Driburg

Dr. Stephan Roscher 18.03.2019

Nach dem 6:4-Sieg des SV DJK Kolbermoor im Vier-Stunden-Thriller in Bad Driburg besitzt der Titelverteidiger die besten Chancen auf Platz zwei in der Endabrechnung, muss jedoch sein Heimspiel gegen Anröchte am kommenden Sonntag gewinnen, um den direkten Einzug ins Halbfinale tatsächlich unter Dach und Fach zu bringen. Auf den Plätzen zwei bis vier finden wir nun ein punktgleiches Trio (alle 17:9), das Kolbermoor aufgrund des besten Spielverhältnisses anführt. Dahinter folgen Bad Driburg und Bingen/Münster-Sarmsheim, das die SV Böblingen mit 6:3 besiegte. Ferner gewann der TTK Anröchte gegen den TSV Langstadt in einer spannenden Partie mit 6:4.

 

TuS Bad Driburg – SV DJK Kolbermoor 4:6

Die Krönung eines äußerst erfolgreichen Wochenendes für den amtierenden Meister und Pokalsieger, dessen Touren nach Baden und NRW sich wirklich rentiert haben. Was jedoch am Samstag gegen Busenbach noch mit spielerischer Leichtigkeit glückte, erwies sich tags darauf als sehr viel komplizierter, da die Bad Driburgerinnen sehr stark spielten und bis zum letzten Ball realistische Chancen auf einen Punktgewinn besaßen. Es war ein echtes Topspiel, das beide Mannschaften den 160 Fans – eigentlich hätte diese feurige, mitreißende Partie viel mehr Besucher verdient gehabt – fast vier Stunden lang boten. Ein Tischtennis-Thriller, der nichts für schwache Nerven war, mit Happyend für die Truppe aus Oberbayern, die zur nächsten Saison ihr Gesicht auf mehreren Positionen verändern wird.

Die sich wieder in Topform präsentierende Kristin Lang (3:0 gegen Sarah de Nutte, 3:1 gegen Britt Eerland), Svetlana Ganina (3:0 gegen Sophia Klee) sowie am Ende Katharina Michajlova (3:2 gegen Klee) punkteten für Kolbermoor, das auch in den Doppeln überzeugend auftrat. Ganina/Michajlova besiegten Bollmeier/Klee (3:2) und Lang/Winter Eerland/de Nutte (3:1). Auf Seiten des TuS überragte Nadine Bollmeier mit 3:1-Siegen über Katharina Michajlova und Svetlana Ganina. Britt Eerland und Sarah de Nutte punkteten zudem jeweils in fünf Sätzen gegen Sabine Winter.

Trotz der knappen und sicher auch etwas unglücklichen Niederlage fiel das Urteil des TuS-Managers Franz-Josef Lingens äußerst positiv aus. „Ein ganz tolles Spiel von beiden Seiten mit extrem vielen unglaublichen Ballwechseln“, schwärmte Lingens – und das vollkommen zu Recht. „Die Doppelauslosung war nicht gut für uns. Trotzdem waren wir in beiden Doppeln "dran". Danach hatten unsere Gäste Oberwasser und hätten beinahe 6:2 gewonnen.“ Lingens lässt die Dramaturgie des Spiels weiter Revue passieren: „Aber Sarah de Nutte schaffte den Sieg gegen Sabine Winter in einem tollen Spiel und Nadine Bollmeier biss sich gegen Swetlana Ganina durch. Dann waren wir dem 5:5 ganz nah, als Sophia Klee mit 2:1 und dann 8:3 und 10:7 gegen Michajlova führte.“ Sein Fazit: „Schade, aber es sollte nicht sein. Eine Werbung für unseren Sport. Ein Sonderlob an alle für diese fantastischen Spiele bei einer überragenden Kristin Lang.“

Auch Michael Fuchs, Trainer des Siegers, stand noch zwei Stunden später ganz unter dem Eindruck jener 230 Minuten. „Ein unglaubliches Spiel, knapper hätte es nicht sein können“, so Fuchs. „Nach einem optimalen Start in den Doppeln lief es bis zum 5:2 super für uns. Dann konnten wir  den Sack leider nicht direkt zu machen.“ Der Schlussakkord war mehr als aufwühlend: „Das Spiel zwischen Sophia und Katharina war dann definitiv nichts für schwache Nerven und letztendlich nach großem Rückstand und drei abgewehrten Matchbällen mit dem glücklicheren Ende für uns. Besonderen Respekt an Katharina für diese Nervenstärke!“ Das Ziel, als Tabellenzweiter direkt ins Halbfinale einzuziehen, ist zum Greifen nah: „Jetzt heißt es am kommenden Wochenende noch Anröchte zu besiegen und dann haben wir unser Ziel mit der direkten Halbfinalqualifikation doch noch geschafft.“

 

TTG Bingen/Münster-Sarmsheim – SV Böblingen 6:3

Die TTG wahrte gegen Schlusslicht SV Böblingen die theoretische Chance auf den zweiten Platz. Doch dazu müsste Kolbermoor am kommenden Sonntag gegen Anröchte patzen – wenig wahrscheinlich. Was man eigentlich im Auge hat, ist Rang drei in der Abschlusstabelle und um diesen gibt es ein echtes Finale, da Bingen in einer Woche Bad Driburg empfängt. Gewinnt man, ist man Dritter, bei einem Sieg oder Remis hat dagegen der TuS Platz drei gebucht.

Gegen ersatzgeschwächte Böblingerinnen – Rosalia Stähr hatte abgesagt, weil sie dringend ihre Bachelor-Arbeit fertigstellen musste – hatte der letztjährige Vizemeister vielleicht nicht gerade leichtes Spiel, allzu schwierig war es jedoch auch nicht. Vor 134 Fans punkteten Lily Zhang und Chantal Mantz (jeweils 3:0 gegen Theresa Kraft) sowie zweimal Yuan Wan (3:0 gegen Julia Kaim und Ersatzfrau Sarah Wagner) für die TTG, bei der überdies Mantz/Wan ihr Doppel gegen Kaim/Wagner klar gewannen.

Die SV Böblingen war wieder einmal eine SV Gotsch, was nicht abwertend in Bezug auf ihre Mitspielerinnen gemeint ist. Doch die 50-jährige Defensivkönnerin – Ligabilanz nun 22:3 – war einmal mehr die überragende Spielerin der Württembergerinnen. Ihre Gegnerinnen gaben zwar alles und spielten phasenweise ordentlich mit, standen letztlich aber auf verlorenem Posten, wobei Lily Zhang immerhin ein Satzgewinn gelang. Von einem Sieg blieb sie, ebenso wie Chantal Mantz, jedoch ein gutes Stück entfernt. Gotsch brachte auch ihr Doppel an der Seite von Theresa Kraft siegreich ins Ziel (3:0 gegen Zhang/Migot). Mehr war nicht drin für das Gästeteam.

"Wir können mit dem heutigen Spiel und den beiden Punkten sehr zufrieden sein, die Mannschaft hat gut gespielt und den Fans schönes Tischtennis geboten“, so ein zufriedener TTG-Vorsitzender Joachim Lautebach nach der kurzweiligen Partie. „Gegen Gotsch ist es halt immer sehr schwer aber Lily und Chantal haben sich gut geschlagen. Jetzt freuen wir uns auf das Heimspiel gegen Bad Driburg und wollen die Chance beim Schopf packen, noch Dritter zu werden.“ Böblingens Coach Andrzej Kaim räumte ein: „Hongi hat super gespielt, aber Bingen war die bessere Mannschaft. Mehr war für uns heute nicht drin.“ 

 

TTK Anröchte – TSV Langstadt 6:4

Es war ein gebrauchter Tag für Cheng Hsien-Tzu, die ansonsten zuverlässig Punkte liefert und noch nie zuvor beide Einzel in einem Punktspiel verloren hatte – doch irgendwann ist immer das erste Mal. Der Taiwan-Chinesin gelang so gut wie nichts, und das Doppel an der Seite von Monika Pietkiewicz ging auch daneben. Mit Petrissa Solja wären die Erfolgschancen der Hessinnen sicher größer gewesen, doch die Langstädter Personalplanung sah anders aus.

Anfänglich roch es vor 130 Zuschauern sogar nach einer heftigen Abfuhr für die Gäste. Nach einem 1:1 aus den Doppeln verlor man die ersten drei Einzel und lag schnell mit 1:4 hinten. Zwar gewann Alena Lemmer anschließend gegen Marta Golota, doch TTK-Spitzenspielerin Shi Qi sorgte gegen Cheng postwendend für das 5:2. Doch der TSV steckte nicht auf und kämpfte sich heran. Monika Pietkiewicz ließ Defensivspielerin Aimei Wang keine Chance und die gut aufgelegte Lemmer gönnte Yang Henrich nicht einen Satzgewinn. Anne Bundesmann hätte noch für ein Remis sorgen können, unterlag jedoch Golota mit 1:3.

„Chang stand heute ziemlich neben sich, es gelang ihr sehr wenig, doch Alena hat sehr gut gespielt und hatte ihre beiden Gegnerinnen gut im Griff“, so die Spielanalyse des Langstädter Sportlichen Leiters Manfred Kämmerer. „Auch Monika hat gegen Wang ein super Spiel gemacht und gezeigt, wie man gegen Abwehr spielen muss.“

Langstadt bleibt aufgrund des besseren Spielverhältnisses punktgleich mit Anröchte auf dem fünften Platz und wird diesen vermutlich auch ins Ziel bringen – beide Mannschaften stehen am letzten Spieltag gegen die beiden Topteams vermutlich auf verlorenem Posten. Langstadt spielt in Berlin, Anröchte in Kolbermoor.

TTK-Vorsitzender Manfred Vogel zeigte sich recht zufrieden, konnte er auch sein, denn sein Team hatte wirklich gut gespielt. „Wir freuen uns über diesen Sieg, auch wenn er im Prinzip keine Auswirkungen auf die Tabelle hat“, so Vogel. „Erwähnenswert sind sicherlich die Siege von Qi Shi und Aimei Wang gegen Hsien-Tzu Cheng. Das letzte Einzel war für die Zuschauer aber auch für die Spielerinnen sehr stressig. Es freut mich sehr, das Marta gewonnen hat und hoffe, es wird bei ihr für mehr Selbstvertrauen sorgen.“

„Insgesamt ist es zwar schade, denn wir waren nahe dran an einem Punktgewinn, aber allzu bedeutsam war die heutige Niederlage nicht“, bilanzierte Manfred Kämmerer. „Wir werden wahrscheinlich als Fünfter die Runde beenden und im Play-off-Viertelfinale gegen den Vierten, vermutlich Bingen oder Bad Driburg, werden die Karten ohnehin neu gemischt.“

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