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Giorgia Piccolin will mit Bingen das Wunder von Schwabhausen schaffen (Bild: Dr. Stephan Roscher).
Spannender Kampf um sechsten Play-off-Platz

Letzte Entscheidungen: Vier Partien zum Abschluss der Punktrunde

Dr. Stephan Roscher 26.03.2021

Schwabhausen. Am Wochenende fallen die letzten Entscheidungen in der 1. Bundesliga Damen, jedoch lediglich in der regulären Punktrunde, der dann die Play-offs der besten Sechs folgen, die untereinander den Deutschen Meister ermitteln. Eigentlich geht es nur noch um Platzierungen ab Rang drei, denn mit dem ttc berlin eastside und dem SV DJK Kolbermoor stehen die beiden Teams fest, die die Runde auf den Plätzen eins und zwei beenden werden und damit direkt für die Halbfinals qualifiziert sind. Dennoch könnte es nochmals heiß hergehen. Unten fällt noch eine wichtige Entscheidung, nämlich wer als Sechster der Runde gerade noch so die Play-offs erreicht.  

Da der ESV Weil, dem das Schicksal, als einziger von sieben Klubs unter die Tischkante zu fallen, auch noch hätte blühen können, kampflos zwei Punkte aus Berlin erhält – der Hauptstadtklub sagte das Spiel wegen der Corona-Situation ab und eine Nachverlegung ist nicht mehr möglich –, sind nur noch Bingen und Böblingen im Fernduell involviert. Böblingen besitzt die besseren Karten, hat einen Punkt mehr auf dem Konto und zwei Spiele auszutragen, Bingen hat nur noch die Partie in Schwabhausen, muss diese gewinnen und auf zwei Niederlagen der Schwäbinnen hoffen. Bei zwei deutlichen Niederlagen der SVB könnte Bingen aber auch ein Remis reichen. Das Team aus Rheinhessen ist jedenfalls wild entschlossen, die Chance zu nutzen und alles dafür aus eigener Kraft mögliche zu tun. Interessant wird ferner das Rennen um Platz drei zwischen dem TSV Langstadt und dem TSV Schwabhausen, die beide zweimal an die Tische gehen und aktuell punktgleich sind. 

Ausfallen muss eine weitere Partie, ursprünglich hätte sechsmal gespielt werden sollen. Die SV Böblingen wird nicht zum für Freitagabend angesetzten Match in Berlin anreisen und folglich eine kampflose 0:8-Niederlage hinnehmen. Trainer Volker Ziegler erklärt die Gründe: „Es ist für uns zeitlich und reisetechnisch nicht möglich, am Freitagabend in Berlin anzutreten und am Samstag um 14 Uhr sowie am Sonntag um 10.30 Uhr schon wieder in Böblingen. Das ist sehr bedauerlich, doch Sicherheit und Gesundheit der Spielerinnen haben Vorrang.“ Eine erneute Verlegung des Spiels ist ausgeschlossen, weil die reguläre Saison bis Sonntag abgeschlossen sein muss und in der Folgewoche bereits die Play-offs beginnen.  

Samstag, 14.00 Uhr: SV Böblingen – TSV Schwabhausen 

Am Samstag gilt es für die SVB. Etwas Zählbares muss gegen den Tabellenvierten her, sonst könnte es am Sonntag ein „Herzschlagfinale“ um Platz sechs geben mit großem Druck im Heimspiel gegen Langstadt und dem ständigen Schielen auf das Bingener Spiel in Schwabhausen – eigentlich eine sehr, sehr spannende Konstellation. Ganz logisch, keiner will Siebter werden und als einziger die Play-offs versäumen.   

Wenn Schwabhausen mit Sabine Winter als Nummer eins anreist, die mit einer 12:0-Ausbeute die Topspielerin dieser Bundesliga-Saison ist, und dahinter drei aus dem extrem ausgeglichenen Quartett Mateja Jeger, Mercedes Nagyvaradi, Alina Nikitchanka, Orsolya Feher auflaufen, ist das Gästeteam in der Favoritenrolle. Die Mannschaft will im Fernduell mit Langstadt die Runde als Dritter abschließen und wird folglich keine Geschenke verteilen, da sie dazu vermutlich zwei Siege benötigen wird, vielleicht sogar deutliche Siege. 

Doch die Böblingerinnen gehen nicht ohne Hoffnung ins Match. Annett Kaufmann und Mitsuki Yoshida zeigten zuletzt gegen Weil eine vorzügliche Leistung im Spitzenpaarkreuz. Rosalia Behringer scheint nach ihrer Babypause auf einem guten Weg zu alter Stärke zu sein und Alexandra Kaufmann war gegen Weils Vivien Scholz nicht allzu weit vom ersten Saisonsieg entfernt. 

„Wir freuen uns auf ein schönes Wochenende“, sagt TSV-Trainer Alexander Yahmed. „Die Spiele gegen Böblingen waren immer schön und spannend und damit rechnen wir auch diesmal.“  

Wie immer in dieser Saison im Profisport sind in der Kleinsporthalle im Paladion aufgrund der Corona-Verordnung keine Zuschauer zugelassen. Die SVB organisiert aber einen Livestream, der auf ihrer Homepage und ihrer Instagram-Seite zu sehen ist. 

Samstag, 14.00 Uhr: ESV Weil – TSV Langstadt 

Für den TSV Langstadt, momentan Tabellendritter und mit 10:10 Punkten gleichauf mit dem TSV Schwabhausen, geht es nach mäßigen 1:7 Punkten aus der Rückrunde um Platz drei und darum, sich möglichst mit zwei Auswärtssiegen psychologischen Rückenwind für die Play-offs verschaffen. Zünglein an der Waage, was den sechsten Play-off-Platz betrifft, muss man in Weil nicht mehr spielen, da der Gegner aus dem Schneider ist, dies könnte aber tags darauf in Böblingen der Fall sein.  

Selbst wenn beide Spiele gewonnen werden sollten, bleibt man nicht zwingend Dritter, da das Spielverhältnis der Südhessinnen (Langstadt +2, Schwabhausen -2) nicht so überragend ist, dass man nicht noch auf den Rivalen schielen müsste, der am Samstag in Böblingen und am Sonntag gegen Schlusslicht Bingen antritt. Es gilt also für die Langstädter Damen, möglichst klare Siege in Süd/Südwest einzutüten.  

„Die Langstädter sind ja eigentlich haushoher Favorit. Doch nach ihrer unerwarteten Niederlage gegen Bingen letzte Woche könnte es vielleicht auch bei unserem Spiel spannend werden“, hofft Doris Spiess. „Bereits im Hinspiel vergaben wir mehrere Chancen, uns gegen den Favoriten einen Punkt zu sichern. Damals verlor Polina Trifonova nur ganz knapp im Entscheidungssatz gegen Petrissa Solja und Izabela Lupulesku vergab ihre Siegchance nach 2:0-Führung gegen Franzi Schreiner. Wie sich bereits in der gesamten Saison zeigte: es ist alles möglich.“ Die Abteilungschefin des ESV fügt hinzu: „Wir können nach der Spielabsage von Berlin locker ins Spiel gehen, wir haben nichts mehr zu verlieren. Trotzdem wollen wir uns natürlich mit einer ansprechenden Leistung zeigen. Auf der einen Seite freuen wir uns natürlich über die unerwarteten Punkte, auf der anderen Seite ist es trotzdem ärgerlich, denn wir hätten sehr gerne auch gegen Berlin gespielt.“ 

Nach der durchwachsenen Vorstellung in Bingen (3:5) – lediglich Tanja Krämer wusste zu überzeugen – wollen die Langstädterinnen nun ein Zeichen setzen. Ausschlaggebend für die Niederlage war natürlich auch, dass das Comeback von Petrissa Solja nach ihrer Rückenverletzung mit zwei Niederlagen nicht erfolgreich verlief. Die Weltranglisten-19. soll nun als Leitfigur vorangehen und ihre Mitspielerinnen, die natürlich alle selbst gut spielen können, ein Stück weit mitzuziehen, wie das in den letzten beiden Jahren fast immer der Fall war. „Wir sind durch die Niederlage in Bingen selbstverschuldet in diese Situation gekommen“, so der Sportliche Leiter Manfred Kämmerer. „Jetzt wird sich zeigen, wie die Mannschaft mit diesem Druck umgehen kann.“  

Sonntag, 10.30 Uhr: SV Böblingen – TSV Langstadt 

Zweite Chance für die SV Böblingen, die Punktrunde zu einem guten Abschluss zu bringen. Ohne Qianhong Gotsch, die wegen Corona derzeit keine Spiele bestreiten möchte, wird das nicht einfach, auch wenn die Langstädterinnen zuletzt keineswegs überzeugten.  

Im Hinspiel gab es eine glatte 1:7-Niederlage bei den Südhessinnen, die allerdings in Topbesetzung spielten, während bei Böblingen nicht nur Gotsch, sondern auch Beringer fehlte. Für den Ehrenpunkt hatte damals Mitsuki Yoshida gegen Dina Meshref gesorgt. Überhaupt spielt die Japanerin eine gute Saison, zeigte sich gerade in den letzten Wochen in starker Form und ist neben der 14-jährigen Annett Kaufmann, die auch im oberen Paarkreuz ohne Akklimatisierungsprobleme Fuß gefasst hat, eine der Böblinger Hoffnungsträgerinnen für das Wochenende der Entscheidung.  

„Man merkt jetzt, dass die Anspannung steigt und die Play-offs näher kommen“, sagt Langstadts Coach Thomas Hauke. „Die Eindrücke aus dem Spiel gegen Bingen waren wichtig für den Trainingsprozess in dieser Woche. Jetzt gilt es, von Tag zu Tag bei kleineren Details voran zu kommen. Der Fokus liegt auf uns selber, auf unserer Qualität, nicht auf dem Gegner.“ 

Zur Aufstellung macht der Verein wie immer im Vorfeld keine konkreten Angaben, es ist jedoch äußerst wahrscheinlich, dass Petrissa Solja, Tanja Krämer und Franziska Schreiner spielen werden. Sollte die Äypterin Dina Meshref nicht zur Verfügung stehen, wovon auszugehen ist, könnte Janina Kämmerer aus dem „B-Team“ zum Einsatz kommen.  

Auch dieses Spiel wird im Livestream über die SVB-Homepage und Instagram zu sehen sein.  

Sonntag, 14.00 Uhr: TSV Schwabhausen – TTG Bingen/Münster-Sarmsheim 

Das Schwabhausener Fernduell mit den Langstädterinnen findet am Sonntag seine Fortsetzung, wobei man zum Spielbeginn bereits wissen dürfte, wie man spielen muss, da ja die Partie Böblingen vs. Langstadt bereits dreieinhalb Stunden früher anfängt.  

TSV-Trainer Alexander Yahmed sagt vor der Begegnung: „Bingen ist die einzige Mannschaft, gegen die wir diese Saison noch nicht gepunktet haben und das wollen wir ändern.“ Das Hinspiel im Januar in der Sporthalle am Binger Mäuseturm hatte nämlich die TTG dank einer starken Mannschaftsleistung mit 5:3 gewonnen.  

Diesmal ist die Sachlage eindeutig: Das Team aus Bingen, eigentlich der Pechvogel der Saison, weil die halbe Mannschaft wegen der Corona-Vorschriften nicht spielen konnte, hat sich mit dem Sieg gegen Langstadt zurückgemeldet und sich eine letzte Chance auf ein Happyend erspielt – und die will man nutzen. Dazu muss in Schwabhausen gewonnen werden. Eventuell könnte auch ein Remis weiterhelfen, aber nur, wenn Böblingen zwei ganz deutliche Niederlagen einstecken muss. Im Augenblick liegt die SVB 8 Spiele besser als Bingen. Doch so rechnet man bei den Rheinhessen nicht, reist nur mit einem Ziel nach Oberbayern und will die beiden Punkte. „Wir erwarten ein spannendes Spiel auf Augenhöhe und unsere Mannschaft wird alles versuchen, die letzte Chance zu nutzen und die Teilnahme an der Play-off-Runde doch noch zu erreichen“, lässt TTG-Vorsitzender Joachim Lautebach keinen Zweifel aufkommen. 

Das wäre natürlich gar nicht nach dem Geschmack des Gastgebers. Schwabhausens Abteilungsleiter Helmut Pfeil, der mit „einem heißen Wochenende“ rechnet, merkt an: „Platz 3 scheint schwer zu werden, denn dazu müssten wir im Spielverhältnis fünf Spiele besser spielen als Langstadt. Wir wollen den 4. Platz halten. Dazu sind aber in beiden Spielen konzentrierte und gute Leistungen nötig. Und man darf nicht vergessen, dass bei den engen Tabellenverhältnissen für uns auch der 6. Platz noch möglich wäre.“ Pfeil fasst zusammen: „Die Devise lautet also: Nicht nach oben schielen, sondern mit starken Auftritten in den beiden Spielen erst mal den Platz sichern. Und da habe ich vollstes Vertrauen in unser Team, dass wir das schaffen werden.“

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