Das Meisterteam: TuS Uentrop (Foto: Verein/Atelier für Fotografie Golz).

Die Abstiegsfrage bleibt spannend bis zuletzt

Dr. Stephan Roscher 15.04.2016

Nach einer grandiosen Saison steht der TuS Uentrop – letzte Saison noch in Abstiegsnöten – mit 26:2 Punkten auf der Top-Position und kann diese nicht mehr einbüßen. Zwar könnte Anröchte bei einem Sieg gegen Kleve und zwei Niederlagen der TuS – in Saarbrücken und zu Hause gegen Offenburg – noch nach Punkten gleichziehen, doch in der Spieldifferenz ist der Spitzenreiter nicht mehr einzuholen. Den Schritt in die 1. Liga will man noch nicht wagen, der müsse – so die Vereinsführung – besser vorbereitet werden. In der kommenden Saison möchte man das Projekt Oberhaus indes gezielt in Angriff nehmen. Das bestens harmonierende, noch ungeschlagene Uentroper Quintett, angeführt von einer seit Monaten in Topform agierenden Alexandra Scheld (Einzel-Bilanz: 21:7) will auch in den letzten beiden Saisonspielen nichts anbrennen lassen und mit weiteren vier Zählern den Nimbus des unbesiegten Ligabesten untermauern.

Das unterstreicht auch Uentrops Erfolgs-Coach Alex Daun und warnt zugleich: „Beide Spiele werden kein Selbstläufer sein. Da müssen wir schon richtig was bringen, um erfolgreich zu sein.” Nach getaner Arbeit dürfen sich Daun und seine Spielerinnen am Sonntag bei der Meisterschafts-Fete amüsieren, die man sich redlich verdient hat.

Der TTK Anröchte wird mit seiner routinierten Truppe als Vizemeister ins Ziel einlaufen – derzeit weist man 24:6 Zähler auf. Am 4. April unterlag man Uentrop in einem prickelnden Spitzenspiel vor guter Kulisse etwas unglücklich mit 4:6 – damit waren die Meisterschaftsträume ausgeträumt. Nun will man eine gute Saison angemessen beenden und am Sonntag zum Abschluss den Tabellenneunten Kleve besiegen. 

Die junge Mannschaft des MTV Tostedt (19:9 Punkte) hat sich weiter stabilisiert und beendet die Saison auf einem vorzüglichen dritten Platz – der Vorsprung auf den Tabellenvierten Offenburg beträgt gegenwärtig nicht weniger als sechs Zähler. In der Rückrunde (7:5) lief es allerdings nicht mehr ganz so rund wie in der grandiosen Hinserie. Nun soll sich noch der abschließende Trip in den Süden rentieren. Aus den Gastspielen am Samstag in Offenburg und am Sonntag in Weil möchte man Zählbares mit in den „hohen Norden“ nehmen.

Natürlich setzen auch die Damen der DJK Offenburg mit Talent Luisa Säger auf der Spitzenposition – momentan auf Rang vier mit 13:15 Punkten notiert – auf einen guten Saisonabschluss. Das könnte noch eher am Samstag gegen Tostedt realisierbar sein, während tags darauf bei Champion Uentrop kaum etwas drin sein dürfte.

Auf der sicheren Seite steht auch Aufsteiger ESV Weil mit der starken Spitzenspielerin Ievgeniia Vasylieva und Talent Lilli Eise. Man belegt vor den letzten beiden Saisonspielen Rang fünf (12:16) und könnte sich sogar noch um eine Position verbessern. Dazu müsste man aber in Langstadt, das jeden Punkt braucht und mit Herzblut dagegenhalten wird, sowie tags darauf gegen Tostedt bestehen.

Der Tabellensechste TSV Schwarzenbek (11:21) ist ebenfalls aus dem Schneider, da Kleve maximal noch auf zehn Punkte kommen kann. Das Team um Spitzenspielerin Polina Trifonova hat die Runde bereits komplett abgeschlossen. Die Schleswig-Holsteinerinnen, die mit mehr als 200 Fans pro Spiel die mit Abstand beste Zuschauerresonanz der Liga haben, könnten noch einen Platz abrutschen, wenn Saarbrücken oder Langstadt zum Schluss nochmals den Turbo einschalten und punkten, was sie schon im eigenen Interesse versuchen müssen.

Ab dem Tabellensiebten ATSV Saarbrücken (9:19 Punkte) wird die Lage brenzlig. Die Saarländerinnen könnten sowohl von Langstadt als auch von Kleve nach hinten durchgereicht werden, allerdings nur, wenn Umemura und Co. in Anröchte erfolgreich agieren, was beileibe kein leichtes Unterfangen ist. Der ATSV, der mit Theresa Adams (16:6) über eine erfolgreiche Nummer vier sowie mit Fajmut/Gonderinger (10:2) über ein Top-Doppel verfügt, hat ein diffiziles Abschluss-Wochenende vor der Brust. Zunächst gilt es, gegen Spitzenreiter Uentrop nicht allzu schlecht auszusehen. Und dann reist man zu einer Art Abstiegs-Endspiel ins südhessische Langstadt, wo es für beide ums sportliche Überleben geht.

Der TSV Langstadt (Foto: Verein) könnte eine bärenstarke Rückrunde mit dem Klassenerhalt krönen.

Der TSV Langstadt ist die Mannschaft der Rückrunde. Wir behandeln diesen Klub etwas ausführlicher, weil es einfach eine tolle Tischtennis-Story ist, die uns lehrt, auch in scheinbar aussichtsloser Situation nie die Flinte ins Korn zu werfen. Der Aufsteiger aus Hessen schien zunächst mit seiner Mischung aus Jung und Alt – den beiden HTTV-Talenten Janina Kämmerer und Anne Bundesmann stehen die Routiniers Sonja Busemann und Cornelia Neumann-Reckziegel zur Seite – das Opferlamm der Liga zu sein. Nach der Vorrunde hatte man mit 0:16 Zählern, scheinbar ohne jede Aussicht auf Besserung, die rote Laterne inne, der Abstand zu den Nichtabstiegsrängen betrug fünf Punkte, alle Spielerinnen wiesen hoch negative Bilanzen auf. Es schien eigentlich nur darum zu gehen, die Runde anständig zu beenden und vielleicht doch noch gegen irgendeinen Kontrahenten einen oder gar zwei Ehrenpunkte zu ergattern. Auch der Mannschaftsführer und Sportliche Leiter Manfred Kämmerer sprach nach der ersten Halbserie nicht mehr vom Klassenerhalt: „Den erwartet schweren Verlauf nahm die Vorrunde für den TSV Langstadt. Dennoch sind wir weiterhin optimistisch, dass wir den einen oder anderen Punkt holen werden. Besonders die Heimspiele sind beim TSV Langstadt immer ein Event, was sich mit einem hohen Zuschauerschnitt auch belegen lässt.“

Doch schon mit der ersten Rückrundenpartie in Tostedt kam der Turnaround – aber richtig heftig. Mit einem Mal war die Truppe in der Liga angekommen und alle Scheu vor großen Namen war abgelegt. In der Rückrundentabelle ist der TSV mit 8:4 Zählern als drittbeste Mannschaft des Unterhauses notiert. Sensationell! 

Man besiegte Kleve, Offenburg und Schwarzenbek und teilte sich die Punkte mit Tostedt und Anröchte. Lediglich bei Ligaprimus Uentrop musste man eine Niederlage quittieren. Nach der atemberaubenden Aufholjagd könnten die Langstädterinnen nun die Saison „vergolden“, indem sie den so lange völlig unrealistisch erscheinenden Klassenerhalt an diesem Wochenende in trockene Tücher packen. Ein Selbstläufer wird es indes nicht, denn auf einmal hat man etwas zu verlieren und ist als Tabellenachter nicht mehr das von manchen bemitleidete Schlusslicht, sondern wird von den Konkurrenten als gefährlicher Rivale wahrgenommen und entsprechend mit Haken und Ösen attackiert.

Am Samstag empfängt man Weil, das in der Langstädter Rückrundenform in Reichweite sein dürfte, und tags darauf steigt das „Abstiegsfinale“ in heimischer Halle gegen Saarbrücken, das vermutlich nichts für schwache Nerven sein wird. Möglicherweise reicht ein einziger Punkt aus den beiden Partien, um den rettenden achten Platz ins Ziel zu bringen. Um ganz sicherzugehen, sollten es aber deren drei sein. Man muss kein Prophet sein um davon auszugehen, dass der Zuschauerschnitt des TSV – mit bisher 111 pro Partie der zweitbeste der Liga hinter „Krösus“ Schwarzenbek – an diesem Wochenende nochmals ansteigen wird.

Auch mit der TTVg WRW Kleve wollen wir uns etwas ausführlicher befassen, weil hier ein Traditionsverein mit einem großen, wohlklingenden Namen die Liga verlassen wird, die Frage ist nur, ob rückzugsbedingt oder als sportlicher Absteiger. Vor der letzten Partie in Anröchte stehen Aya Umemura und ihre Mitstreiterinnen mit 8:22 Punkten auf dem neunten und letzten Platz, also dem einzigen Abstiegsrang. Nach einer schwachen Rückrunde mit 1:13 Zählern, darunter allerdings auch reihenweise knappe Niederlagen, ist man um vier Plätze abgerutscht. Wenn man am Sonntag in Anröchte nicht noch etwas Zählbares verbucht, wird man vermutlich ganz hinten bleiben, es sei denn, Langstadt würde seine beiden Partien verlieren.

Man verfügt über zwei richtig gute Spielerinnen, eine davon als Ligabeste überragend. Die Rede ist natürlich von der ungeschlagenen Aya Umemura (22:0). Aber die 39-Jährige hat eine spielstarke Mitstreiterin, nämlich die gut halb so alte Yuko Imamura, die oben immerhin 23:6 steht. Es ist schon kurios: das Tabellenschlusslicht verfügt über die beiden stärksten Spielerinnen und somit über das mit Abstand beste vordere Paarkreuz der gesamten Liga!

Das Problem ist einfach die große sportliche Lücke die hinter den beiden klafft – alle anderen Spielerinnen stehen hoch negativ und auch in den Doppeln reißt man so gut wie nichts. Es fing schon kurz vor Rundenbeginn mit einer Hiobsbotschaft an. Dazu die damalige Vorsitzende Sabine Bötcher: „Leider spielen wir ja ohne unsere Nummer 3 Jelena Muetstege, die sich aus für uns unerklärlichen Gründen nicht aus dem Sommerurlaub in Belgrad zurück gemeldet hat. Ich bin darüber sehr enttäuscht, das Verhalten von Jelena ist unentschuldbar.“ Nun, Muetstege wurde in Kleve nicht mehr gesehen und das Pech zog sich wie ein roter Faden bei den Weiß-Rot-Weißen durch die Saison.

Nächste Saison nicht mehr im Bundesliga-Tischtennis vertreten: TTVg WRW Kleve (Foto: Verein). Kurios: mit Aya Umemura (ganz links) und Yuko Imamura (2. von rechts) stellt das Tabellenschlusslicht die beiden stärksten Spielerinnen der Liga.

Der Ex-Erstligist wird kommende Saison auf jeden Fall kleinere Brötchen backen und mit der 1. Damenmannschaft in der Regionalliga aufschlagen. Dazu der neue Vorsitzende Peter Hendricks: „Wir haben immer auf Spieler aus der Umgebung und vor allem auf Eigengewächse gesetzt und wollen das auch weiterhin tun. Dabei müssen wir anerkennen, dass wir einfach nicht die Manpower und das Geld haben, um mit den Damen in der 2. Bundesliga und mit den Herren in der NRW-Liga zu starten und gleichzeitig in die Jugendarbeit zu investieren, die nun einmal auch viel Geld kostet.“

Es bleibt unten also ein offenes Rennen bis einschließlich Sonntag. Vermutlich nicht vor 17 Uhr werden die Beteiligten aufatmen können oder gegebenenfalls Trauer tragen müssen. Wir sind gespannt!

Nachfolgend noch einige Sätze zur Liga-Zusammensetzung in der Saison 2016/17, die eng verknüpft ist mit der noch ungeklärten Abstiegsfrage. Sechs aktuelle Zweitligisten – Uentrop, Anröchte, Tostedt, Offenburg, Schwarzenbek und Weil – bleiben dem Unterhaus in jedem Fall erhalten. Hinzu gesellen sich der TSV Schwabhausen, der aus der 1. Bundesliga zurückzieht, sowie als Aufsteiger die beiden Meister der 3. Ligen, nämlich der Kieler TTK Grün-Weiß (Nord) und der TTC Langweid (Süd). Somit stehen neun Mannschaften fest.

Der Ausgang des Abstiegskampfs entscheidet an diesem Wochenende, ob die Liga kommende Saison mit zehn oder elf Teams spielt. Die TTVg WRW Kleve hat bekanntlich keine Teilnahme- und Verpflichtungserklärung für die 2. und 3. Bundesliga abgegeben und wird nicht mehr im „Konzert der Großen“ vertreten sein. Landet Kleve auf Platz neun, steigt keine Mannschaft aus der 2. Liga ab und die gefährdeten Klubs ATSV Saarbrücken und TSV Langstadt bleiben drin. Somit ergäbe sich eine Elfer-Liga. Verbessert sich Kleve jedoch im Zielfinish auf Platz 7 oder 8, was noch im Bereich des Möglichen liegt, steigt der Tabellenneunte ab, also entweder Langstadt oder Saarbrücken. In diesem Fall würde in der kommenden Saison mit zehn Klubs gespielt.

2. Bundesliga Damen, 15./16. Spieltag

TSV Langstadt – ESV Weil (Samstag, 15 Uhr)

DJK Offenburg – MTV Tostedt

ATSV Saarbrücken – TuS Uentrop (beide Samstag, 16 Uhr)

TuS Uentrop – DJK Offenburg

TSV Langstadt – ATSV Saarbrücken

ESV Weil – MTV Tostedt

TTK Anröchte – TTVg WRW Kleve (alle Sonntag, 14 Uhr)

 

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