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Erster Spitzenreiter der jungen Saison: TTG Bingen/Münster-Sarmsheim, v.l. Giorgia Piccolin, Anastasia Bondareva, Karolina Mynarova, Archana Girish Kamath, Katerina Tomanovska (Bild: Verein).

Kolbermoor, berlin eastside und Bingen mit Auftaktsiegen

Dr. Stephan Roscher 05.09.2021

Kolbermoor. Zum Saisonstart in der 1. Bundesliga Damen waren sechs der acht Teams im Einsatz. Nicht alle konnten in stärkster Besetzung antreten. Der SV DJK Kolbermoor besiegte die SV Böblingen mit 6:3. Noch knapper, mit 6:4, setzte sich Titelverteidiger ttc berlin eastside gegen den TSV Schwabhausen durch. Eine enge Partie hatte man dagegen beim Duell des Aufsteigers TTC 1946 Weinheim mit der TTG Bingen/Münster-Sarmsheim erwartet. Daraus wurde nichts, eine TTG in Galaform gewann in dieser Höhe unerwartet mit 6:1.

SV DJK Kolbermoor – SV Böblingen 6:3

Der Vizemeister, ohne Matilda Ekholm und Yuan Wan angetreten, hatte gegen die gut motivierte Truppe aus Baden-Württemberg durchaus zu kämpfen, konnte sich aber doch durchsetzen.

Ein Aktivposten der Oberbayerinnen war die eingesprungene Krisztina Toth. Die 47-jährige frühere Weltklassespielerin ist längst in den Trainerbereich gewechselt und steht nur noch gelegentlich selbst als Spielerin in der Box, so als Spielertrainerin der 2. SV DJK-Mannschaft in der 2. Liga. Die Linkshänderin mit dem exorbitanten Ballgefühl gab gegen Alexandra Kaufmann und überraschend auch gegen Mitsuki Yoshida keinen Satz ab. Ebenfalls in sehr guter Verfassung präsentierte sich Spitzenspielerin Kristin Lang. Zunächst konnte sie sich in fünf Sätzen gegen die 15-jährige Annett Kaufmann für die Viertelfinal-Niederlage bei den Deutschen Meisterschaften in Bremen acht Tage zuvor revanchieren, später gewann sie auch das mit Spannung erwartete Duell gegen Defensiv-Ass Qianhong Gotsch mit 3:1 (11:8, 6:11, 19:17, 11:7). Das war allerdings keine Sensation, da ihr Gotschs Spiel gut liegt und sie schon öfters gegen Böblingens Defensiv-Ikone gewonnen hat.

Eine 2:0-Führung hatte der Gastgeber durch starke Doppel vorgelegt: Svetlana Ganina/Krisztina Toth besiegten Mitsuki Yoshida/Alexandra Kaufmann mit 3:0, Kristin Lang/Laura Tiefenbrunner ihre Gegnerinnen Qianhong Gotsch/Annett Kaufmann mit 3:2. Für die Gäste aus dem „Ländle“ waren „Hongi“ Gotsch mit ihrem 570. Bundesligasieg im Einzel (3:1 gegen Svetlana Ganina), Annett Kaufmann (3:0 gegen Ganina) sowie Mitsuki Yoshida (3:1 gegen Laura Tiefenbrunner) erfolgreich. Die Fans erlebten ein gutes und phasenweise durchaus spannendes Spiel von fast drei Stunden Dauer.

„Kristin hat sich gegen eine erneut stark aufspielende Annett Kaufmann für die Niederlage bei der DM letzte Woche revanchieren können und auch mit dem Sieg im zweiten Spiel gegen Hongi einen großen Anteil am Sieg“, sagte Kolbermoors Vorstandsmitglied Florian Wiesener. „Von großer Bedeutung war der Start mit den beiden gewonnenen Doppeln. Das hat Rückenwind für die weiteren Spiele gegeben. Krisztina Toth ist kurzfristig für Yuan eingesprungen und hat zwei super Einzel und ein starkes Doppel mit Svetlana gespielt. Bei Yuan wollten wir kein Risiko bezüglich ihrer Verletzung eingehen.“ 

Sönke Geil haderte mit der Doppel-Auslosung: „Wir hatten Pech mit den Doppeln. Wenn die andersherum stehen, ist ein 1:1 drin“. Der SVB-Coach kommentierte auch das ewig junge Top-Duell Kristin Lang gegen Qianhong Gotsch mit dem vorentscheidenden dritten Satz, der mit 19:17 an Lang ging: „Hongi kam selten in den Angriff, Kristin gab ihr kaum Gelegenheit dazu. Hongi und wir sind aber überrascht, wie weit sie nach der langen Pause schon ist. Noch ein, zwei Wettkämpfe und sie wird noch besser.“ Lob erhielt auch das „Nesthäkchen“: „Annett spielt sehr stabil am Spitzenpaarkreuz. Gegen eine Kristin Lang kann man halt nicht jedes Mal gewinnen.“ Das Fazit von Pressewart Manfred Schneider: „Wenn es nicht gerade gegen Kolbermoor oder Berlin geht, wird die SV Böblingen in der 1. Liga durchaus konkurrenzfähig sein.“ 

ttc berlin eastside – TSV Schwabhausen 6:4

Der Triple-Sieger musste Topspielerin Shan Xiaona ersetzen. Auch die an Position 2 gemeldete Ning Jing stand nicht zu Verfügung. Zudem trat Schwabhausen mit breiter Brust auf, schließlich hatte man nichts zu verlieren und wusste noch vom Remis zum Auftakt der Vorsaison her, wie man das Hauptstadtteam in Bedrängnis bringen kann. Und es entwickelte sich tatsächlich ein Tischtenniskrimi von drei Stunden und 50 Minuten mit dem besseren Ende für den amtierenden Champion.

Auf die Deutsche Meisterin im Damen-Einzel, Nina Mittelham, war Verlass. Die 24-Jährige hatte aber zu kämpfen, bis ihre 3:2-Erfolge über Mateja Jeger und Sabine Winter unter Dach und Fach waren. Britt Eerland steuerte den wichtigen Punkt gegen Mateja Jeger bei (3:1) und hinten hielten sowohl Jessica Göbel als auch die gut aufgelegte Kathrin Mühlbach die weißrussische Abwehrspielerin Alina Nikitchanka in Schach. Göbel siegte in fünf Sätzen, Mühlbach, die auch ihr Doppel an der Seite von Eerland (3:2 gegen Jeger/Nagyvaradi) gewonnen hatte, benötigte nur deren vier.

Für den stark aufspielenden Gast aus Oberbayern waren Sabine Winter (3:0 gegen Britt Eerland), Mercedesz Nagyvaradi gleich zweimal (3:0 gegen Kathrin Mühlbach, 3:1 gegen Jessica Göbel) sowie das Doppel Sabine Winter/Orsolya Feher (3:0 gegen Nina Mittelham/Jessica Göbel) erfolgreich. 22:19 Sätze und 388:373 Bälle zugunsten Schwabhausens dokumentieren, wie eng es zuging.

eastside-Manager Andreas Hain war keineswegs unzufrieden mit seinem Team, auch wenn manches noch nicht allzu meisterlich wirkte. Schließlich beinhaltete die Aufstellung schon ein gewisses Risiko, bei unglücklichem Verlauf einen oder vielleicht sogar zwei Zähler einzubüßen. „Wir haben ein knappes Spiel erwartet und das war es auch. Unser Plus war, dass wir mit Nina Mittelham die beste Spielerin und mit Kathrin Mühlbach, die schon im Doppel gut gespielt hat, die nervenstärkste Spielerin in unseren Reihen hatten. Wie Kathrin gegen Nikitchanka gespielt hat, war schon bemerkenswert. Im ersten Satz beim 18:16 hat sie sechs Satzbälle abgewehrt und im vierten hat sie aus einem 5:10 ein 12:10 gemacht.“

Sehr knapp beim Deutschen Meister verloren, dennoch sah TSV-Trainer Alexander Yahmed nicht nur viel Licht, sondern auch noch etwas Schatten bei seiner Mannschaft: „Am Anfang fand ich, dass wir sogar besser waren, wir haben es aber aufgrund des gutem Kampfs der Berlinerinnen nicht geschafft, einen Vorsprung herauszuspielen. Generell bin ich zufrieden mit meinem Team, aber wir haben noch einiges gefunden, was wir verbessern können. In der Woche wird daran gearbeitet.“ 

„Gegen den Triplesieger zu verlieren, ist immer möglich“, so TSV-Abteilungsleiter Helmut Pfeil. „Aber wenn man den Spielverlauf betrachtet, dann waren wir anfangs immer einen kleinen Schritt voraus. Mindestens ein Unentschieden schien erreichbar zu sein. Doch Berlin kämpfte sich ins Spiel zurück. Der Berliner Sieg ist nicht unverdient, aber ein Unentschieden wäre durchaus auch gerecht gewesen.“ Pfeil betont: „Für die nächsten Spiele wissen wir nun, an welchen Stellschrauben wir noch drehen müssen. Trotz der Niederlage machte unser Team Lust auf mehr und deshalb freue ich mich sehr auf das nächste Spiel.“

TTC 1946 Weinheim – TTG Bingen/Münster-Sarmsheim 1:6

Erster Tabellenführer in der taufrischen Saison ist weder Berlin noch Kolbermoor, sondern, ziemlich überraschend, das Team aus Bingen. Die Rheinhessen spielten bei Aufsteiger Weinheim wie aus einem Guss, so als wollte man die mit reichlich Pech „vergeigte“ letzte Saison in nur einer Partie vergessen machen. Nun konnte man ein stabiles Quartett ins Rennen schicken – und das war glänzend aufgelegt und strotzte vor Spielfreude.

Für Weinheim, das ohne Sophia Klee spielte, gilt dagegen, dass aller Anfang schwer ist und das Team noch nicht annähernd sein Potenzial ausschöpfen konnte, wozu sicher auch eine gewisse Nervosität beitrug. Dass man sich vor den recht vielen erwartungsvollen Fans eine ganz andere Bundesligapremiere gewünscht hatte, liegt auf der Hand.

Doch Bingen marschierte von Anfang in hohem Tempo und lag nach den Doppeln mit 2:0 in Front. Archana Girish Kamath gewann gemeinsam mit Karolina Mynarova gegen Caroline Kumahara/Daria Trigolos mit 3:0, während das Duo Giorgia Piccolin/Anastasia Bondareva gegen Luisa Säger/Jennis Wolf fünf Durchgänge zum Sieg benötigte. Beide Teams waren übrigens zu fünft angetreten. Die TTG legte nach: Die aus Berlin verpflichtete Inderin Archana Girish Kamath gewann den Krimi gegen die Brasilianerin Caroline Kumahara mit 13:11 im fünften Satz.

Hoffnung kam beim TTC auf, als Daria Trigolos gegen Giorgia Piccolin, ebenfalls in fünf Durchgängen, auf 1:3 verkürzte. Doch die Gäste blieben hoch konzentriert am Drücker und hatten auch das nötige Quäntchen Glück, wenn es eng wurde. So schlug die aus Kolbermoor gekommene Anastasia Bondareva die Belgierin Lisa Lung mit 3:2, während am Nebentisch die tschechische Linkshänderin Katerina Tomanovska gegen Luisa Säger, die durchaus nicht chancenlos war, keinen Satz einbüßte und auf 5:1 erhöhte. Pechvogel des Spiels war sicher Caroline Kumahara, die auch gegen die kampfstarke Giorgia Piccolin hauchdünn verlor (11:7, 11:7, 8:11, 10:12, 12:14).

Die Messe war gelesen, die Rheinhessinnen durften jubeln – und das absolut verdient. In Weinheim braucht man die Köpfe nicht hängen zu lassen, man wurde unter Wert geschlagen und die Saison ist noch lang. Vom Potenzial her ist wesentlich mehr möglich, als man heute zeigen konnte.

Weinheims Vorsitzender Christian Säger gestand ein: „Im ersten Moment war es sehr enttäuschend. Aber jetzt mit Abstand können und müssen wir damit leben. Wir schauen nach vorne und bleiben positiv.“ Lob gab es für den Gegner: „Bingen hat super gespielt und alle knappen Spiele gewonnen. Darunter eine 7:0-Führung im fünften Satz von Caroline Kumahara gegen Archana, am Ende stand es 11:13.“ Der Zuspruch war gut: „knapp 160 Zuschauer bei 30 Grad Hallentemperatur“, so Säger.  

Frank Liesenfeld bewertete die Partie realistisch: „Das Ergebnis fällt sicherlich zu hoch aus, das Match war sehr eng und hart umkämpft. Vier der fünf Fünf-Satz-Spiele gingen an uns, zwei in der Verlängerung. Dennoch waren die Siege zu Recht an uns gegangen, zum Teil nach hohen Satz- und Punktrückständen.“ Bingens Teamcoach freute sich besonders über den tollen Einstand der beiden jungen Neuzuänge – die routinierte Mie Skov war ja nicht dabei – Archana Girish Kamath und Anastasia Bondareva, 21 und 19 Jahre alt. „Nach nur einem Training zusammen am Samstag zeigte das Team viel Mut und Spielfreude und einen großartigen Zusammenhalt“, so Liesenfeld. „Weinheim wird aber dennoch eine große Bereicherung für die Liga sein, davon bin ich fest überzeugt.“

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