Cedric Meissner (links) und Simon Söderlund freuen sich mit dem 1. FSV Mainz 05 über Platz zwei (Foto: Oppenheimer)
2. Herren-Bundesliga: Hinrunde verspricht viel Spannung für die zweite Saisonhälfte / TV Leiselheim noch ohne Sieg

Fünfkampf um den Meistertitel

Marco Steinbrenner 25.12.2019

Frankfurt am Main. Selten war die 2. Herren-Bundesliga so spannend und ausgeglichen besetzt wie in der Saison 2019/20. Gleich fünf Mannschaften dürfen sich noch berechtigte Hoffnungen auf einen der beiden Aufstiegsplätze machen. Im Kampf um den Klassenerhalt hat der Neuling TV Leiselheim aktuell die schlechtesten Karten. Die übrigen vier Teams werden den zweiten Absteiger untereinander ausspielen.

TTC OE Bad Homburg und 1. FSV Mainz 05 trennt nur das Spielverhältnis

Platz zwei bis vier hatte der TTC OE Bad Homburg als Saisonziel ausgegeben. Bislang herausgesprungen ist aufgrund des besseren Spielverhältnisses im Vergleich zum 1. FSV Mainz 05 der inoffizielle Herbstmeistertitel. „Das ist unsere bislang beste Platzierung in der 2. Bundesliga. Damit sind wir natürlich sehr zufrieden“, verrät der sportliche Leiter Sven Rehde. Aufgrund der Verletzungen von Nils Hohmeier und Dominik Scheja sowie der Abstellung Harmeet Desais bezeichnet Rehde es als „eine Überraschung, dass wir Rang eins belegen“. Natürlich heißt nun das Ziel für die noch verbleibenden neun Begegnungen, den Platz an der Sonne erfolgreich zu verteidigen. „Aufgrund der Ausfälle musste die Mannschaft immer wieder umgestellt werden. Wir haben als Team funktioniert.“ Einen enormen Leistungssprung habe Lev Katsman vollzogen. Der Russe überzeugte im oberen und unteren Paarkreuz mit jeweils einer 6:1-Bilanz.

„Mit einer neu formierten Mannschaft auf dem zweiten Platz zu landen, ist wirklich herausragend“, freut sich Tomasz Kasica. Als besonderes Highlight der Hinrunde bezeichnet der Teammanager des 1. FSV Mainz 05 den 6:4-Auswärtssieg gegen den TTC OE Bad Homburg. „Damit hatte im Vorfeld niemand gerechnet.“ Die aktuelle Tabellenposition bewertet Kasica nicht über und bezeichnet sie vielmehr als eine „Momentaufnahme. Wir sind unserem Saisonziel Klassenerhalt deutlich näher gekommen. Allerdings ist die Liga sehr eng und jedes Spiel wird in der Rückrunde ein Kampf werden.“ Simon Berglund habe die Rolle als Führungsspieler „sehr gut angenommen“ und mit einer 10:8-Bilanz bestätigt. Ebenfalls zu überzeugen wusste Maciej Kubik, der an Position auf neun Siege sowie vier Niederlagen zurückblickt. Der Pole sei „für sein Alter bereits sehr weit und bewies häufig brutale Nervenstärke“.

Nur einem Zähler hinter dem Führungsduo aus Bad Homburg und Mainz folgt ein Trio mit jeweils 12:6 Punkten. Den dritten Tabellenplatz nimmt zur Saison-Halbzeit der TV 1879 Hilpoltstein ein. Das Team aus Bayern ging ohne personelle Veränderungen in die Spielzeit und wurde deshalb von einigen Experten als Abstiegskandidat genannt. „Jetzt sind wir nur knapp hinter dem Herbstmeister zu finden“, merkt Manager Bernd Beringer an. „Uns hat das nicht ganz so überrascht. Wir wissen, dass in der Mannschaft unheimlich viel Potential steckt.“ Deutlich sichtbar wurde dies, als in den letzten beiden Saisonspielen Francisco Sanchi nicht zur Verfügung stand und die Aufsteiger TV Leiselheim und 1. FC Köln trotzdem souverän mit 6:1 besiegt wurden. Nach den beiden Auswärtsniederlagen zu Beginn gegen Passau und Bad Homburg wurde keine Begegnung mehr verloren. „Zwölf Punkte sind phänomenal. Alle Spieler haben sich nach einem kleinen Fehlstart zu Beginn der Saison deutlich verbessert.“ Als „größte Überraschung der Liga“ bezeichnet Bernd Beringer Francisco Sanchi, der nur zwei seiner zehn Einzel verlor. Der junge Argentinier habe sich vom hoffnungsvollen Regionalliga-Akteur zum besten Spieler im hinteren Paarkreuz „mutiert“. Spitzenspieler David Reitspiels kommt nach seiner Schulterverletzung immer besser in Schwung und Alexander Flemming erlebe, so sein Manager, „durch die tollen erfolge im Clickball aktuell seinen zweiten Frühling“. Auch Dennis Dickhardt, der Pilot kann aus beruflichen Gründen nicht immer regelmäßig trainieren, habe nicht enttäuscht. Gleich zum Start in die Rückrunde möchte das TV-Team den Heimvorteil nutzen und nicht nochmals gegen die Mannschaften aus Passau sowie Bad Homburg verlieren.

TTC Fortuna Passau und Borussia Dortmund in Lauerstellung

Als Tabellenvierter erreichte der TTC Fortuna Passau das Saisonziel „gesicherter Mittelfeldplatz“ frühzeitig. Pressesprecher Manfred Hirschenauer ist von Neuzugang Maksim Grebnev begeistert. Der Russe sei mit seinen 17 Jahren und zwölf Siegen in 18 Partien als Spitzenkraft der „überragende Akteur“ gewesen. Aber auch die 8:8-Bilanz von Tomislav Kolarek an Position zwei sei „sehr stark“. Die Fortunen traten in allen neun Begegnungen mit der identischen Aufstellung an. Als „ärgerlich“ bezeichnet Hirschenauer, dass in Mainz eine zwischenzeitliche 4:1-Führung noch aus der Hand gegeben und die Begegnung mit 4:6 verloren wurde. Es war eine von lediglich zwei Niederlagen. „Sonst wären wir jetzt wohl Herbstmeister.“ Außerdem gab es vor heimischem Publikum ein 1:6 gegen Bad Homburg. Kleinere Schwächen beobachtete der Pressesprecher in den Doppeln. Von Maksim Grebnev/Tomislav Kolarek (4:5) habe der Verein „etwas mehr erwartet. Maksim ist immerhin amtierender Vize-Weltmeister im Jungen-Doppel.“

Bei Borussia Dortmund auf Position fünf endet die Spitzengruppe. Auch die Schwarz-Gelben haben nur einen Zähler weniger auf dem Konto als der Halbzeitmeister Bad Homburg. „Wir feiern ein besinnliches Weihnachtsfest und schauen voller Freude auf die Hinrunde“, berichtet Abteilungsleiter Bernd Möllmann. Wie der 1. FSV Mainz 05 verlor der BVB ebenfalls nur eine Partie – 1:6 in Passau. Dass es nicht zu einer noch besseren Platzierung in der Tabelle reichte, liegt an vier Unentschieden. „Die Mannschaft hat sich unser Saisonziel, einen gesicherten Mittelfeldplatz zu belegen, nahezu perfekt erkämpft“, freut sich Möllmann und bezeichnet die Erfolge im Derby gegen den TTC GW Bad Hamm und Spitzenreiter TTC OE Bad Homburg (beide 6:4) als „herausragend“. Erik Bottroff spiele an Position zwei mit einer 12:5-Bilanz „stark“ und Kirill Fadeev habe aufgrund seiner fünf Erfolge an Position vier „den Sprung in die 2. Bundesliga geschafft“.

TTC GW Bad Hamm als Tabellensechster zwischen Gut und Böse

Mit jeweils vier Punkten Rückstand zur Liga-Spitze und vier Zählern Vorsprung zum zweiten Abstiegsplatz ist der TTC GW Bad Hamm auf Rang sechs zu finden. In Reihen der Grün-Weißen schlägt mit Pavel Platanov (15:3-Bilanz an der Spitzenposition) der beste Zweitliga-Spieler auf. „Vor diesem Hintergrund wurden mit einem ausgeglichenen Punktekonto ein paar Zähler zu wenig eingefahren“, stellt Vereinsboss Martin Vatheuer klar. „Wir haben ein kleines Polster auf die Abstiegsränge und sind deshalb im Soll. Unser Ziel ist der Klassenerhalt.“ Die Marschroute für die Rückrunde ist klar. Vatheuer fordert aus den Partien gegen Mainz, Hilpoltstein und Passau Siege. Diese Duell endeten in der ersten Serie unentschieden.

Zwei Punkte aus den ersten fünf Spielen sorgten lange Zeit dafür, dass der 1. FC Köln ganz unten in der Tabelle angesiedelt war. „Mit der bitteren 4:6-Niederlage zum Saisonstart in Mainz begann unser langer Negativlauf“, erinnert sich Spieler Gianluca Walther. Am siebten Spieltag gelang mit dem 6:1 beim Mitaufsteiger TV Leiselheim der erste Saisonsieg. Nur 15 Tage später wurde der 1. FC Saarbrücken-TT II mit dem identischen Ergebnis vor heimischem Publikum besiegt. Den Erfolg gegen die TTBL-Reserve, angetreten mit Cristian Pletea und Tomas Polansky, bezeichnet Walther als „Sensation“. Aktuell befinden sich die Geißböcke „voll auf Kurs Klassenerhalt. Trotzdem sind wir mit bisher zwei Siegen sowie drei Unentschieden unter unseren Möglichkeiten geblieben.“ Während Damien Eloi und Robin Malessa mit Verletzungen zu kämpfen hatten, überzeugte Gianluca Walther, unter anderem auch mit dem 3:2-Erfolg gegen Pletea, bei seiner Premieren-Saison im oberen Paarkreuz. Spielertrainer Lennart Wehking wusste mit neun Siegen und nur drei Niederlagen an Position drei zu gefallen.

1. FC Saarbrücken-TT II überraschend nur auf dem vorletzten Rang

Zwei Siege, zwei Unentschieden und fünf Niederlagen: Der TuS 92 Celle belegt zwar den rettenden achten Platz, doch der Vorsprung zu einem Abstiegsrang beträgt lediglich einen Punkt. „ Die Mannschaft liegt im Soll“, betont Manager Dieter Lorenz und bezeichnet dennoch die bisherigen sechs Zähler als „eindeutig zu wenig. Wir hatten gute Chancen, zwei bis drei Punkte mehr zu holen. Da wir ähnlich gut wie in der Vorsaison abschneiden wollten, wurde unsere Zielsetzung eindeutig verfehlt.“ Um nicht in die 3. Bundesliga absteigen zu müssen, werden nach einer Hochrechnung von Lorenz „noch zehn weitere Punkte in der Rückrunde erforderlich sein“. Nach seinen überragenden Leistungen im DTTB-Pokal blieb Spitzenspieler Tobias Hippler nach Ansicht seines Managers mit Ausnahme der Partie beim TV 1879 Hilpoltstein „deutlich unter seinen Möglichkeiten. Er verlor die letzten acht Spiele und davon die Hälfte knapp in fünf Sätzen.“ Andrei Putuntica wird die neue Nummer 1. Der Neuzugang gewann nur zwei seiner ersten zehn Einzel und musste sich zunächst an das Zweitliga-Niveau gewöhnen. „Anschließend steigerte er sich und erreichte gegen die Spitzenmannschaften eine sehr gute Bilanz.“ Als „positive Überraschung“ bezeichnet Dieter Lorenz die 4:4-Bilanz von Arne Hölter. „Er trug maßgeblich dazu bei, dass wir noch auf keinem Abstiegsplatz zu finden sind.“ Der ehemalige Jugend-Nationalspieler musste drei Niederlagen in der Verlängerung des fünften Satzes einstecken.

Völlig überraschend auf einem Abstiegsplatz ist zur Saison-Halbzeit der 1. FC Saarbrücken-TT II zu finden. Pressesprecher Nicolas Barrois bezeichnet das bisherige Abschneiden als „sehr enttäuschend“. Doch die Gründe, warum es bislang nur zu den Erfolgen gegen Bad Hamm und Leiselheim (jeweils 6:3) sowie zum Unentschieden im letzten Hinrundenspiel gegen Mainz reichte, liegen für Barrois auf der Hand. „Durch die Verletzungen von Patryk Zatowka und die fehlende Freigabe durch den japanischen Verband für Kakeru Sone konnten wir uns leider keinen Vorsprung auf die Abstiegsplätze erspielen.“ Sone kam lediglich gegen den Tabellenzweiten aus Mainz zum Einsatz und gewann direkt beide Partien. „Unser Saisonziel bleibt der Klassenerhalt. Leider haben wir gegen Celle und Köln Punkte liegen gelassen. Das wollen wir in der Rückrunde ändern.“ Mit Zatowka und Sone sollen in der zweiten Hälfte noch „zwei, drei Mannschaften hinter uns gelassen werden“.

Ein 5:5-Unentschieden gegen Borussia Dortmund und acht Niederlagen: Der TV Leiselheim besitzt abgeschlagen als Tabellenletzter die rote Laterne. „Die Vorrunde verlief für uns sehr unglücklich“, sagt Trainer Christian Kaufhold. „In den ersten Spielen haben wir eigentlich gut gespielt, aber nicht gepunktet. Teilweise wurden deutliche Führungen aus der Hand gegeben.“ Die beiden Auswärtspartien gegen Celle und Mainz gingen jeweils mit 4:6 verloren. „Außerdem hatten wir noch mit Verletzungspech und Krankheiten zu kämpfen.“ Der noch sieglose Aufsteiger befindet sich „natürlich nicht im Soll. Es wird sehr schwer, das Ziel Klassenerhalt noch zu erreichen. Dafür war die Hinrunde einfach zu schwach.“ Im Training sollen sich die Spieler das alte Selbstvertrauen wieder zurückholen. „Dann bin ich mir sicher, dass wir eine gute Rückserie spielen können. Allerdings müssen sich alle steigern.“

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