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Mixed-Trainingsgruppe: Duda (hinten), Franziska, Solja (Foto: Probst)
Interview: "Die anderen werden sich auch nicht über Deutschland als Gegner freuen. Deshalb gehen wir mit viel Selbstvertrauen rein"

Das Franziska-Rezept: Schwere Lose, gute Spiele

SH 22.07.2021

Tokio. Für Nachrichtenhungrige ist dieses Von-Runde-zu-Runde-Denken eher langweilig, für die Spielerinnen und Spieler aber die einzig richtige Einstellung, den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun zu wollen. Und so macht sich auch Patrick Franziska zwei Tage vor dem Beginn der Tischtenniswettbewerbe bei den Olympischen Spielen in Rio vor allem Gedanken über die Gegner Jorge Campos/Daniela Fonseca (Mixed) und Portugal (Mannschaft). Am Freitag werden er und Mixed-Partnerin Peti Solja den Ablauf für den Samstag schon einmal üben.

Bis dahin sollte sich Team Deutschland gut eingelebt haben. Und das, was einige beim Einzug ins Dorf noch überwältigt hat, ist nach einigen Tagen zur Normalität geworden. "Es ist hier so groß, dass man es am Anfang kaum realisieren kann", sagt der WM-Dritte im Mixed von 2019, Franziska, im Interview. "In Corona-Zeiten habe ich so viele Leute auf einem Fleck schon lange nicht mehr gesehen. Das hat mich schon beeindruckt."

Die Losfee hat es insgesamt ja nicht so gut mit den Deutschen gemeint. Was ist dein Kommentar zum Mannschaftstableau?
Patrick Franziska:
In der Mannschaft gäbe es bestimmt leichtere Auslosungen. Wir haben so ziemlich die schwerste bekommen. Wir hatten schon öfter nicht die besten Auslosungen und haben dann trotzdem gut gespielt. Die anderen werden sich auch nicht über Deutschland als Gegner freuen. Deshalb gehen wir mit viel Selbstvertrauen rein und gucken erst mal auf Portugal.

Was wisst ihr über eure ersten Gegner im Mixed, Jorge Campos und Daniela Fonseca? Und wie könnte es danach weitergehen?
Franziska:
Die Kubaner in der ersten Runde haben wir uns gestern auf YouTube angeguckt. Sie sind nicht umsonst hier bei Olympia. Da müssen wir auf jeden Fall sofort hellwach sein. Falls wir gewinnen sollten, treffen wir wohl auf die Japaner Jun Mizutani/Mima Ito: Sie sind hier extra motiviert und spielen ein Weltklasse-Mixed. Aber ich halte nicht so viel davon, schon weiter zu gucken als die erste Runde, deshalb konzentrieren wir uns erst einmal ganz auf das erste Spiel.

Wie bereitet ihr euch auf das Spiel vor?
Franziska:
Wir haben hier täglich Mixed trainiert und noch ein paar Laufwege abgesprochen. Benne Duda hat für uns gut geblockt und uns ein paar Bälle so hin gespielt, dass wir sie alle einschweißen konnten. Wir haben viel miteinander gesprochen und werden auch morgen wieder zusammen trainieren.

Ihr seid die ersten Deutschen, die ins Turnier einsteigen. Wie wird euer Ablauf am Samstag sein?
Franziska:
Der Ablauf am Samstag wird so ähnlich sein wie der am Freitag. Morgen haben wir auch um 9 Uhr morgens die Trainingshalle. Wir haben gehört, dass man beim Turnier nur 45 Minuten vor dem Spiel trainieren darf. Deshalb müssen wir uns abgespeckt einspielen. Das ist okay für Peti und mich und das können wir morgen schon mal proben.

Zum Drumherum bei den Sommerspielen: Was beeindruckt dich bisher am meisten in Tokio?
Franziska:
Es ist ähnlich wie in Rio: Diese Menschenmengen im Dorf und beim Essen. Es ist hier so groß, dass man es am Anfang kaum realisieren kann. In Corona-Zeiten habe ich so viele Leute auf einem Fleck schon lange nicht mehr gesehen. Das hat mich schon beeindruckt.

Ihr habt noch nicht einmal einen Fernseher im Apartment. Wie verbringst du die viele freie Zeit?
Franziska:
Wir haben eine gute Stimmung im Zimmer. Wir trinken viel Kaffee, hören viel Musik und spielen Karten, „Benne“ und ich. Und sonst sitzen wir viel beim Essen und quatschen da ein bisschen.

Das deutsche Aufgebot bei den Tischtenniswettbewerbe in Tokio

Herren-Team: Dimitrij Ovtcharov (Fakel Gazprom Orenburg, Russland), Timo Boll (Borussia Düsseldorf), Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken TT), Ergänzungsspieler: Benedikt Duda (TTC Schwalbe Bergneustadt)
Damen-Team: Petrissa Solja (TSV Langstadt), Han Ying (KTS Enea Siarka Tarnobrzeg, Polen), Shan Xiaona (ttc berlin eastside), Ergänzungsspielerin: Nina Mittelham (ttc berlin eastside)
Herren-Einzel: Dimitrij Ovtcharov, Timo Boll
Damen-Einzel: Petrissa Solja, Han Ying
Gemischtes Doppel: Patrick Franziska/Petrissa Solja
Teilmannschaftsleiter: Richard Prause (Sportdirektor)
Trainer-Team: Jörg Roßkopf (Bundestrainer Herren), Jie Schöpp (Bundestrainerin Damen), Lars Hielscher (Assistenztrainer)
Physiotherapeut: Peter Heckert (OSP Hessen)
Arzt: Dr. Antonius Kass (Düsseldorf)
Schiedsrichterin: Anja Gersdorf (Düsseldorf)
Öffentlichkeitsarbeit: Benedikt Probst (Frankfurt/Main)

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